archive-de.com » DE » W » WOLFGANGMETZGER.DE

Total: 13

Choose link from "Titles, links and description words view":

Or switch to "Titles and links view".
  • Zu Ottheinrich und der Palatina im 16
    Figuren haben rein dekorativen Charakter und lassen sich nicht näher bestimmen Dia links Heidelberg Universitätsbibliothek Cod Pal germ 96 Vorderdeckel Ausschnitt unten links rechts bleibt Auf dem vorderen Deckel sieht man hier wiederum Pärchen und Salvatorrolle sowie als äußeren Rahmen eine Rolle mit König David abermals dem auferstehenden Christus und dem Apostel Paulus stellvertretend für Psalmen Evangelium und Episteln Dia rechts Detail Paulus Neben dem Apostel Paulus mit Schwert und Buch leicht unscharf sieht man hier eine der kritischen Stellen des ganzen an Ecken und besonders an Stellen wo Rollen schräg aufeinander treffen sind Überschneidungen nicht zu vermeiden Dia rechts Detail auferstehender Christus Das Motiv ist bei diesen Stempelabdrücken nicht immer so deutlich zu sehen Zum einen fallen nicht alle Prägungen so kräftig aus zum anderen sind sie häufig durch den Gebrauch abgetragen Dia rechts Detail König David Hier noch einmal König David mit Krone und Harfe Dia links bleibt rechts Heidelberg Universitätsbibliothek Cod Pal germ 96 vorn Portraitplatte Hier noch einmal die Portraitplatte auf dem Vorderdeckel mit der Jahreszahl 1558 Die Übernahme der Regierung in Heidelberg und damit der Kurfürstenwürde 1556 bedingte auch eine neue Platte mit entsprechender Unterschrift II Zu Ottheinrich von der Pfalz 1502 1559 Dias Medaille Ottheinrich 1522 Heidelberg Ottheinrichbau Ottheinrich von der Pfalz wurde am 10 April 1502 in Amberg in der Oberpfalz geboren regierender Kurfürst war zu dieser Zeit sein Großvater Philipp der Aufrichtige Als Sohn des nachgeborenen Pfalzgrafen Ruprecht und seiner Frau Elisabeth von Bayern Landshut war er der Neffe der beiden vor ihm die Kurpfalz regierenden Kurfürsten Die Ehe seiner Eltern eng miteinander verwandt im übrigen lieferte die Grundlage zum verheerenden Landshuter Erbfolgekrieg Die Bildung des Herzogtums Neuburg der Neuen Pfalz im Jahre 1505 war ein Kompromiß um die Auseinandersetzung zu beenden Dieses relativ kleine Herzogtum Pfalz Neuburg sollte Ottheinrich zunächst zusammen mit seinem Bruder Philipp regieren nachdem beide 1522 für volljährig erklärt worden waren Dias bleiben Sie sehen hier auf der linken Seite den zwanzigjährigen Ottheinrich in einer Medaille aus dem Jahr seines Regierungsantritts Rechts die Fassade des Ottheinrichsbaus begonnen 1556 das am meisten mit seinem Namen verbundene Werk In jungen Jahren scheint sich Ottheinrich noch nicht überdurchschnittlich für Bücher interessiert zu haben Seine Bauten und ihre Ausstattung waren wichtiger Aufwendige Feste Turniere mit kostspieligen Pferden und Harnischen sowie die Einrichtung etwa des Neuburger Schlosses oder des Jagdschlosses Grünau mit Möbeln Tapisserien und Gemälden beschäftigten ihn vor allem Auch einen Lustgarten und eine Menagerie mit exotischen Tieren unterhielt er in Neuburg Dazu kamen Reisen und die Teilnahme an Kriegszügen etwa im Bauernkrieg von 1525 Lediglich der Erwerb der Ottheinrichsbibel deutet frühzeitig auf ein besonderes bibliophiles Interesse Die frühen 40er Jahre brachten dann Umwälzungen 1541 überließ Philipp Landesteil und Schulden seinem Bruder 1542 beginnt Ottheinrichs klare Hinwendung zur Reformation die damit auch auf wittelsbachischem Territorium Fuß faßte 1543 dann starb Ottheinrichs Frau Susanna die ihrerseits am alten Glauben festgehalten hatte Damit entfiel die persönliche Rücksichtnahme die ihn bisher zurückgehalten hatte Ottheinrich führte in seinem Land offiziell die Reformation ein Bald jedoch verschärfte sich seine finanzielle Lage bedrohlich er sah sich erst zur Verpfändung von Landesteilen und schließlich zur Übergabe der Regierung an die Landstände gezwungen Die bescheidenen Einnahmen die Kosten des vergangenen Krieges und auch die hohen Ausgaben der beiden Brüder Ottheinrich und Philipp führten zum Fiasko Die beträchtlichen Zinsen der Zeit taten ein Übriges Die Schulden waren in die schwindelerregende Höhe von über einer Million Gulden gestiegen Die regulären Einkünften reichten nicht der Ausbau der Residenz und die Kriegsschulden waren vor allem aus neuen Steuern und Großkrediten finanziert worden Ottheinrich mußte sich verpflichten sein Land Pfalz Neuburg zu verlassen Man stand ihm nur relativ bescheidene Mittel für seinen Lebensunterhalt zu So richtete er sich 1544 in Heidelberg ein in der Stadt unterhalb des Schlosses Zeitweise residierte er auch in Weinheim an der Bergstraße Dia links Bartel Beham Portrait Ottheinrichs von 1535 Bayerische Staatsgemäldesammlung Bild siehe oben Das Sammeln von Büchern Münzen und Medaillen wurde in dieser Zeit des Exils und der erzwungenen Muße offenbar zu seiner Leidenschaft Schwerpunkt waren die aktuelle Literatur zu den Wissenschaften und zur reformierten Theologie zum anderen aber alte wie er zu sagen pflegte antiquitetische Bücher Hier kamen ihm die Zeitumstände zur Hilfe denn durch den Niedergang der Klöster wurden erhebliche Schätze an kostbaren Handschriften sozusagen freigesetzt Jahre vor der allgemeinen Klosteraufhebung in der reformierten Pfalz wurden Konvente aufgehoben die nicht mehr lebensfähig waren Andere konnten sich dem entschlossenen Zugriff eines fürstlichen Büchersammlers wohl nicht entziehen wollten es vielleicht gar nicht mehr So das berühmte karolingische Kloster Lorsch Bekannt ist hier die immer wieder gern zitierte Stelle der Zimmerschen Chronik nachdem Ottheinrich tanquam alter Nebukadnezar wie ein zweiter Nebukadnezar in Lorsch eingefallen sei und die wertvolle Bibliothek sampt Butzen und Stil hinweggeführt habe Ob dies tatsächlich so überfallartig vor sich ging und wann genau es geschah ist bis heute unklar der Chronist jedenfalls stand dem Pfälzer schon aus konfessionellen Gründen feindlich gegenüber Mit Sicherheit war es aber vor Ottheinrichs Kurfürstenzeit denn der am frühesten in seinem Besitz nachweisbare Band Lorscher Provenienz trägt einen 1548 datierten Ottheinricheinband Er befindet sich heute übrigens in Budapest Weitere später abgelöste Ottheinricheinbände für Lorscher Handschriften finden sich im Fondo ligature der Vatikanischen Bibliothek auch sie tragen das Datum 1548 In dieser Zeit sammelte Ottheinrich auch gezielt Zeugnisse älterer Liturgie im weitesten Sinne um sozusagen im historischen Krebsgang zurück zu gelangen zu den Bräuchen der Kirchenväter Ein bezeichnendes Beispiel ist dieser Bucheintrag von der Hand seines Sekretärs in einem ererbten Stundenbuch des 14 Jahrhunderts Dias Beham bleibt Rom Bibliotheca Apostolica Vaticana Cod Pal lat 537 Vorrede Ich kürze und modernisiere etwas Dieweil unsere Voreltern von den Geistlichen unterwisen worden sind mit den Sieben Gebetszeiten welche die Kirchenväter zu Lehre und Unterweisung aufgesetzt haben und aber die reine Lehre mit der Zeit verloschen ist so daß man angefangen hat das Stundengebet zur Verzeihung der Sünden und zur Erlangung des Ewigen Lebens zu begehen wie in diesem Gebetbuch zu sehen So ist es dennoch als Zeugnis des ersten rechten und nachmals verkehrten und unrechten Brauchs aufzuheben und einzubinden bedacht worden Der Grund ist daß die Sieben Gebetszeiten von den Kirchenvätern nicht zur Rechtfertigung sondern ausschließlich zur Lehre verordnet wurden Der Schreiber argumentiert klar im Sinne Luthers der es kategorisch verneinte daß man durch Frömmigkeitsübungen also Werkegerechtigkeit die Vergebung der Sünden und das Ewige Leben erlangen könne Sie könnten lediglich im Rahmen der christlichen Lehre nützlich sein Das betreffende Buch soll man jedoch als Zeugnis also als Quelle oder Belegstück für die frühen unverdorbenen Bräuche der Kirche und ihre spätere Verderbnis erhalten bleiben Dia Beham bleibt Heidelberger Schloß in Vogelschau Erst 1552 durfte Ottheinrich in sein Fürstentum Neuburg zurückkehren Vier Jahre später 1556 übernahm er die Herrschaft in Heidelberg als Kurfürst In dieser Zeit kamen die bedeutenden Bestände der Heidelberger Schloßbibliothek und der Bibliothek im Heiliggeiststift der Bibliotheca Palatina unter seine Verfügung So entstanden in der Heidelberger Kurfürstenzeit weit mehr Ottheinricheinbände als in den Jahren zuvor Wohlgemerkt Ottheinrich ließ nicht nur die von ihm erworbenen Bücher einbinden sondern in großem Umfang auch solche die er in der Heidelberger Schloßbibliothek vorfand Dias links Schroh Büste Paris Louvre rechts bleibt Schon am 12 Februar 1559 jedoch starb Ottheinrich der seit langem nicht mehr gesund war in Heidelberg und wurde in der Heiliggeistkirche beigesetzt Dias links Büste bleibt rechts Bibliotheksempore In der selben Heiliggeistkirche übrigens in der auch seine Bücherschätze lagen die dort eigentlich nur auf die Neugestaltung der Schloßbibliothek warteten Sie sehen hier die Bibliotheksempore wo seine Bibliothek bedingt durch sein vorzeitiges Ableben mit der Landbibliothek der Palatina vereint blieb Doch die Palatina sollte auch noch nach seinem Tod von Ottheinrichs Fürsorge und seinen persönlichen Kontakten profitieren Denn zum ersten hatte er soweit ich sehe als erster überhaupt in seinem Testament einen laufenden Ankaufsetat für die Bibliothek vorgesehen Zum anderen hatte er geradezu freundschaftliche Kontakte mit Ulrich Fugger unterhalten einem weiteren bedeutenden Büchersammler der Zeit Als dieser Jahre später Augsburg verlassen mußte lag Heidelberg als Zufluchtsort nahe So kamen auch seine Bücherschätze auf die Emporen der Heiliggeistkirche die nunmehr eine der wichtigsten Bibliotheken im deutschen Kulturraum barg Über deren Schicksal möchte ich mich hier allerdings nicht weiter verbreitern III Die Entwicklung des Ottheinricheinbandes Dias Feldbuch der Wundartznei Heidelberg Universitätsbibliothek P 7585 Fol Res Einband von 1540 Wie aber fand nun Ottheinrich zu seiner ganz persönlichen Einbandgestaltung Die typischen Ottheinricheinbände wie ich sie Ihnen bereits anhand einiger Beispiele vorgestellt habe entstanden vor allem in dem knappen Jahrzehnt von 1550 bis zum Tod Ottheinrichs im Jahr 1559 Selbstverständlich ließ der 1502 geborene Ottheinrich auch schon vorher Bücher für sich einbinden griff jedoch zunächst und naheliegenderweise auf die den beauftragten Buchbindern vertrauten Gestaltungsweisen zurück Einer der frühesten Bände der mit Monogramm Wappen und abgekürzter Devise auf den Fürsten zugeschnitten wurde findet sich an diesem Straßburger Druck des Feldbuches der Wundarznei von 1540 heute in der Universitätsbibliothek Heidelberg Das Einbanddatum auf dem Vorderdeckel stimmt mit dem Erscheinungsjahr überein das Buch wurde neu erworben und wohl gleich für den Pfalzgrafen gebunden Der braune Lederband ist durchgehend mit blind gedruckten Rollenstempeln verziert und zeigt prinzipiell eine Durchformung wie sie sowohl im südwestdeutschen Bereich als auch beispielsweise in Augsburg üblich war Die Gestaltung der hinteren Einbanddecke mit Umrahmung Aufteilung in zwei Felder und sich diagonal kreuzenden Streicheisenlinien ist typisch für Augsburger Einbände seit dem ausgehenden 15 Jahrhundert Die Gestaltung ist durchaus zeittypisch jedoch keineswegs besonders progressiv Dias Heidelberg Universitätsbibliothek P 7585 Fol Res bleibt dazu Detail OHP Betrachtet man die Vorderseite etwas genauer so fällt ein eher ungewöhnliches Detail ins Auge das goldene Monogramm OHP für Otto Heinrich Pfalzgraf wurde mitten auf einen Rollstempelabdruck gesetzt Das Relief der Schmuckleiste bot offensichtlich keinen guten Untergrund für das Golddekor das daher an dieser Stelle auch nicht so gut erhalten ist Nun ist es zwar normal daß Goldauflagen erst nach den blind gedruckten Elementen aufgebracht werden allerdings würde man dafür entsprechend Platz freilassen Im Gegensatz dazu ist hier festzustellen daß die verschiedenen Elemente der Einbandgestaltung nicht in einem Arbeitsgang angebracht wurden Der vollständig dekorierte Lederband wurde offensichtlich erst nachträglich für den Besitzer individualisiert Während man alle Goldstempel Buchstaben Ziffern und Wappenstempel auch auf den späteren Ottheinricheinbänden wiederfindet treten die Rollenstempel dort nirgens mehr auf Die Stempel die hier zur individuellen Kennzeichnung dienten befanden sich 1550 aber nachweislich im Besitz des Fürsten nicht eines bestimmten Buchbinders Ihre Verwendung läßt somit keine unmittelbaren Rückschlüsse auf einen bestimmten Meister und seine Werkstatt zu Was sich jedoch bei der Untersuchung der frühen Einbände für Ottheinrich deutlich abzeichnet ist daß sie in der Regel Augsburger Einbänden der 40er Jahre nahe stehen auch Nürnberg als wahrscheinlicher Bindeort kommt vor Dia links bleibt rechts Rom Bibliotheca Apostolica Vaticana Stamp Pal V 932 Einband des Neuburger Meisters 1544 Der sogenannte Neuburger Meister Ottheinrichs hatte seine Wurzeln offenbar ebenfalls in Augsburg woher einige seiner Rollen stammten Auch hier ist das Grunddekor ausschließlich blind gedruckt und aus Rollstempeln und Streicheisenlinien aufgebaut Dazu kommen abermals das Monogramm die Jahreszahl hier 1544 und die beiden Wappenstempel mit Wittelsbacher Rauten und Pfälzer Löwe die sich auch auf dem Heidelberger Band von 1540 finden Schließlich finden sich die Buchstaben der abgekürzten Devise Ottheinrichs MDZ für das Motto Mit der Zeit die hier allerdings nur noch schwach sichtbar sind Auch für dieses Element hatte der ursprüngliche Entwurf keinen Platz geboten so daß man die Lettern in den oberen Rollwerkrahmen setzen mußte Bei genauer Betrachtung kann man auch erkennen daß der freigebliebene Raum für die Namens Initialen und die Jahreszahl sehr knapp bemessen ist sie wirken merkwürdig eingeklemmt Da es ein Leichtes gewesen wäre die Streicheisenumrahmung im Bereich der betreffenden Felder schmaler zu wählen erscheint auch hier eine nachträgliche Anbringung der Goldstempel als sehr wahrscheinlich Im Umfeld der Augsburger Bucheinbände der Zeit jedenfalls würden beide Bücher auch ohne die goldenen Zutaten als vollständige und durchaus ansprechende Beispiele durchgehen Aufteilung in rechteckige Felder z T mit kleinen Freiflächen Einige der grundsätzlichen Entscheidungen darüber welches Erscheinungsbild er seinen Büchern geben wollte hatte Ottheinrich aber offenbar schon getroffen Er bevorzugt schon das feinere Kalbsleder in dunklen Tönen und wählt den traditionellen Holzdeckeleinband mit Metallschließen nicht den moderneren und leichteren Einband mit Deckelpappen Allerdings finden wir hier noch keine Bildnis und Wappenplatten Eckbeschläge hat nur der frühere Band Lediglich der in Deutschland erst langsam auf dem Vormarsch befindliche Golddruck zeigt einen fernen Anklang an den sogenannten welschen Stil also an italienische und französische Einbände die vor allem ornamentalen Golddruck auf feinem Leder zeigen Dia links Bologneser Einband von 1543 für Nikolaus von Ebeleben Cicero Rhetorica rechts Detailansicht Heidelberg Universitätsbibliothek Cod Pal germ 60 Ich zeige hier einen Bologneser Einband von 1543 für einen deutschen Studenten übrigens für einen Cicero Druck aus der Presse von Aldus Manutius in Venedig Dort sind allerdings Holzdeckel und Metallbeschläge längst nicht mehr üblich Sie gehören zusammen mit dem figürlichen Dekor der Rollen und Plattenstempel zum deutschen Stil Dia links Einband von 1548 mit Wappenplatte Rom Bibliotheca Apostolica Vaticana Stamp Pal VI 53 Lutherbibel Dia rechts Wittenberger Einband von Joachim Link 1536 für Joachim von Anhalt In den deutschen Ländern hatte sich neben den reinen Rollstempelbänden noch weitere Formen der Einbandgestaltung herausgebildet Die in diesen Jahren einflußreichste hatte Ursprung und Zentrum in Wittenberg die Reformation verbreitete ihre Erzeugnisse in weitem Umkreis Zu den ornamentalen Stempeln traten hier vor allem figürliches Dekor mit spezifisch reformatorischen Motiven Dazu gehörten Plattenstempel mit Bildnissen Luthers Melanchthons und weiterer Reformatoren und Rollen mit Bildfolgen wie beispielweise Sündenfall Kreuzigung Auferstehung verstanden als Hinweis auf Luthers Rechtfertigungslehre Auch Paulus tritt nun stark in den Vordergrund entsprechend seiner Bedeutung für die evangelische Theologie Rollstempel wie der bereits gezeigte mit Darstellungen König Davids des auferstehenden Christus und Paulus sind ebenfalls typisch und weisen auf die wichtigsten Teile der Bibel hin Psalmen Evangelium und Paulusbriefe Allerdings finden sich bei Einbänden für Fürsten auch häufig Tugenden verstanden als Herrschertugenden wie hier etwa in einem Beispiel von Joachim Link von 1536 Die vergoldete Bildnisplatte mit dem Portrait Luthers muß man sich leuchtender vorstellen das Rauschelgold ist heute etwas geschwärzt Auch die Einzelstempel um den zentralen Bereich waren vergoldet der Feingehalt ist hier jedoch niedriger und das Metall heute völlig geschwärzt In den späteren 40er Jahren also bildete Ottheinrich das Grundmuster für seine persönlichen Einbände heraus Das hervorstechendste Merkmal ist die Kombination der goldenen Mittelplatte mit einem Rahmen aus blindgeprägten Rollstempeln und je nach Platz Jahreszahl Monogramm und Devise Dia links Rom Bibliotheca Apostolica Vaticana Stamp Pal VI 53 1548 Wappen vorn Auf diesem kleinen Band reichte der Raum nur für die Platte eine schmale Rolle und das Jahr 1548 Allerdings wurde trotzdem darauf geachtet daß für die Jahreszahl genug Platz blieb sie sitzt nicht so beengt wie etwa auf dem Band von 1544 Hier waren genau diese Ziffern von vorn herein eingeplant Auf den späteren Bänden findet sich dann vorne die Bildnisplatte die Wappenplatte wanderte auf den Hinterdeckel Hinweisen möchte ich bei diesem Band der Vatikanischen Bibliothek auch auf den original erhaltenen Rücken Eingebunden wurde hier übrigens ein Band von Luthers Bibelübersetzung Es zeigt sich daß Ottheinrich just in den Jahren in denen er sich der Reformation zuwandte auch charakteristische Merkmale der Wittenberger Einbandgestaltung für sich übernahm Dias links Joachim Linck 1530 für Johann von Sachsen rechts derselbe Einband 1543 für Georg von Anhalt Ich zeige hier zwei weitere Beispiele für Wittenberger Einbände ein Band von 1530 für Johann von Sachsen mit Portraitplatte des Fürsten und ein Einband von 1543 für Georg von Anhalt mit Rollen und Plattenstempel die Wappenplatte findet sich auf dem Hinterdeckel Die Rollenstempel konnten auch mit schwarzer Farbe aufgedruckt werden so wie hier rechts Das Motiv hebt sich so besser vom Leder ab Platten Schrift und Einzelstempel weisen auch hier Rauschelgold auf das heute schwarz erscheint Der linke Einband ebenfalls vom Wittenberger Buchbinder Joachim Link zeigt als Supralibros das Bild Kurfürst Johanns des Beständigen von Sachsen für den er angefertigt wurde Dias zwei Bände von 1550 Rom Bibliotheca Apostolica Vaticana Stamp Barb FF VI 50 und Stamp Pal I 54 Wie bereits erwähnt verließ Ottheinrich 1544 seine Residenz Neuburg und zog nach Heidelberg Entsprechend änderte sich das lokale Angebot an Buchbindern Heidelberg konnte hier in der ersten Hälfte des 16 Jahrhunderts nur einen bescheidenen Standard liefern Diese Einbände konnten den Ansprüchen Ottheinrichs kaum genügen Die Verpflichtung eines eigenen Buchbinders der ausschließlich nach den Vorstellungen des Fürsten arbeitete war daher die einzige Möglichkeit vor Ort die gewünschte Qualität zu erhalten Glücklicherweise haben sich zwei Schriftstücke aus dem Jahr 1550 erhalten die uns hierzu eine ganze Reihe von Informationen aus erster Hand liefern die Abschrift der Bestallungsurkunde Ottheinrichs für den Buchbinder Jörg Bernhard und das von diesem quittierte Inventar an Buchbinderwerkzeugen das er zur Anfertigung der Einbände für den Fürsten leihweise ausgehändigt bekommen hatte Heidelberg Universitätsbibliothek Cod Pal germ 839 f 292r 297v und f 287r 289r Bernhard sollte demnach ausschließlich für Ottheinrich arbeiten lediglich mit dessen ausdrücklicher Erlaubnis konnte er andere Aufträge annehmen Da er nicht nur als Buchbinder sondern bei Bedarf auch als Kellermeister fungieren mußte sollte er gegebenenfalls einen oder mehrere Buchbindergesellen anstellen dürfen Auch diese führten ausschließlich Ottheinrichs Aufträge aus Das Grundgehalt betrug 26 Gulden im Jahr zwei Hofkleider das Brennholz und zudem vier Gulden für Licht d h Kerzen Darüber hinaus werden die gelieferten Einbände bezahlt der Betrag richtet sich dabei nach Format und Aufwand Außerdem bekam der Buchbinder Wohnung und Werkstatt sowie einige Werkzeuge gestellt Etwa ain Goldtroll mit Weibes Angesichtern Die Bestallung legte auch die Grundsätze der Einbandgestaltung fest der bibliophile Fürst wollte einen soliden Holzdeckeleinband mit durchgehender Kalbslederdecke Das war für hochwertige Einbände zwar noch üblich jedoch eher konservativ denn die leichteren Buchdeckel aus Pappe waren bereits dabei sich durchzusetzen Auf Pappe jedoch ließen sich die Metallbeschläge nicht richtig verankern Gerade diese Ausstattung jedoch bevorzugte Ottheinrich Ob es vor allem aus Gründen des persönlichen Geschmacks geschah daß die Wahl auf Holz mit erhaben gearbeiteten Messingbuckeln fiel wissen wir nicht Sicher ist jedoch daß bei der damals üblichen Aufbewahrung und Benutzung der Bände die gewählte Form einen sehr guten und dauerhaften Schutz gewährt Wie im Mittelalter war es auch im Deutschland der Renaissance nicht üblich Bücher stehend aufzubewahren Der Band lag flach auf dem Pult oder Regalbrett

    Original URL path: http://www.wolfgangmetzger.de/Ottheinricheinband.htm (2016-02-15)
    Open archived version from archive


  • Wolfgang Metzger: Ottheinrich und die Bibliotheca Palatina
    her deutlich bescheidener als die schließlich durch Ottheinrich zusammengeführten Bibliotheken 38 Die Wittenberger Schloß und Universitätsbibliothek bildete übrigens wenig später den Grundstock für die Bibliothek der neu gegründeten Universität in Jena wo sie bis heute verblieb 39 Daß Ottheinrichs berühmte Bucheinbände wesentliche Impulse von der charakteristischen Wittenberger Einbandgestaltung dieser Jahre bekommen haben sei an dieser Stelle nur am Rande vermerkt 40 Blicken wir nun zurück nach Heidelberg so wird aus einer sonderbaren Notlösung die durch den plötzlichen Tod Ottheinrichs unversehens Dauer gewonnen habe die bewußte und wohlüberlegte Begründung einer bedeutenden Bibliothek die in unmittelbarem Zusammenhang mit der Universitätsreform und natürlich der Reformation in der Kurpfalz gesehen werden muß Vor allem die Universitätsreform ist hier zu beachten denn sie hatte ganz konkrete Auswirkungen auf Ottheinrichs Bibliothekspläne 41 Die Universität wurde aus ihrer kirchlichen Verankerung gelöst und als Landesuniversität unmittelbar in die Obhut des Kurfürsten gegeben Auch das reformierte Heiliggeiststift befand sich nun ganz in dessen Hand Die auf den Kirchenemporen zunächst nur räumlich vereinigten Bibliotheken wurden somit zur großen kurfürstlichen und somit gleichsam zur Landesbibliothek 42 Auch an dieser Stelle wird deutlich wie eng und wohlüberlegt hier verschiedene Maßnahmen Ottheinrichs als Heidelberger Kurfürst miteinander verzahnt waren Es spricht somit alles dafür daß die Unterbringung seiner Bücher im Heiliggeiststift von 1553 wie auch die wohl 1556 erfolgte Verlagerung eines ganz erheblichen Teiles der Älteren Schloßbibliothek dorthin Teil einer langfristigen Planung waren und keinesfalls nur kurzfristige Provisorien Ob Ottheinrich längerfristig auch an einen autonomen Bibliotheksbau dachte ist nicht von vorn herein auszuschließen Allerdings wäre zu fragen wo dieser dann innerhalb der Stadtmauer hätte stehen sollen Eine weitere These favorisiert Hubach im Rahmen seiner Forschungen zu den Kunstsammlungen und Bauten der Pfälzer Fürsten der Plan einer erneuten Unterbringung der Büchersammlung im Heidelberger Schloß in Anlehnung an die Augusteische Bibliothek auf dem römischen Palatin 43 In Anbetracht der Tatsache daß es keinerlei konkrete Hinweise für solche Pläne gibt und sich eine vergleichbare Lösung die Universitätsbibliothek im Schloß s o in Wittenberg keineswegs besonders bewährt hatte würde ich ein solches Projekt für weniger wahrscheinlich halten Die panegyrischen Vergleiche von Ottheinrich mit antiken Herrschern hinsichtlich der Förderung von Schrifttum und Bibliotheken s u rekurrieren jedenfalls gerade nicht auf Augustus Motive Die Beweggründe für den planmäßigen Aufbau einer Bibliothek liegen auf der Hand Schon die zeitliche Koinzidenz der Hinwendung zur Reformation mit dem Beginn der Bucherwerbungen und der Anfertigung der frühesten persönlichen Einbände in den frühen 40er Jahren weist auf einen unmittelbaren Zusammenhang hin 44 Explizit geht die bereits angeführte Vorrede Caspar Hedios von 1546 darauf ein Die persönlichen Interessen Ottheinrichs prägten ebenfalls seine Bücherkäufe Schließlich spielte auch der Gedanke an die Verbindung mit einer künftigen reformierten Landesuniversität mit Sicherheit bald eine wichtige Rolle Parallel dazu lieferten vielzitierte historische Vorbilder Handlungsmodelle und Deutungsmuster für das Selbstverständnis Ottheinrichs und seiner Zeitgenossen Liest man etwa die schon von Schottenloher herangezogenen Widmungsvorreden der Zeit und vor allem natürlich die an Ottheinrich so wird man immer wieder auf dieses prägende Vorbild antiker Herrscher verwiesen Der schon genannte Hedio führt hierbei Alexander den Großen ins Feld Andreas Schöner lobte daß Ottheinrich dem Beispiel des Ptolemaeus folge und keinen Aufwand scheue die wahre Religion und die edlen Studien zu erhalten und zu pflegen 45 Der kurfürstliche Leibarzt Johann Lange der Ottheinrich seit dessen Jugend kannte hebt ebenfalls in einer Widmung die Bedeutung der antiken und modernen Bibliotheken hervor und würdigt Ottheinrich ausdrücklich 46 Die Vorrede zur Epitome der Bibliotheca universalis Conrad Gesners von Josias Simmler aus dem Jahr 1555 verweist ebenfalls ausführlich auf die antiken Herrscher als Förderer und Gründer von Bibliotheken 47 Über Karl den Großen und dessen Hofbibliothek kommt Simmler zu Ottheinrich und seiner bibliotheca pulcherrima hebräischer griechischer und lateinischer Werke die er ausdrücklich in diese Tradition stellt 48 Selbst die Vorrede des Druckers zu einer Sammlung alchemischer Schriften von 1550 hebt zunächst mit dem Rekurs auf die antiken Herrscher an die die Wissenschaft nicht aus eitlem Gewinnstreben gefördert hätten sondern zum Nutzen der Menschen Ottheinrich wird dort jedoch nicht nur als Förderer und Bibliotheksgründer gelobt sondern auch selbst als geschickter Forscher Gerade die Tatsache daß hier ein immer wieder bemühter Topos vorliegt zeigt wie nahe den Zeitgenossen der Gedanke lag sich hinsichtlich fürstlicher Büchersammlungen und der Förderung des Schrifttums auf das Vorbild der großen Herrschergestalten der Antike zu berufen Die Aussicht auf den langfristigen Ruhm des Bibliotheksgründers in dieser Tradition dürfte auch Ottheinrichs Motivation gestärkt haben Ausdrücklich spricht dies 1552 der in seinen Diensten stehende Sekretär und Kalligraph Heinrich Rüdinger an 49 Nachdem auch er betont daß Ottheinrich mit sondern vleiß und uncosten am planvollen Aufbau einer Bibliothek arbeite und er dies als besondere Aufgabe eines Fürsten herausstreicht geht er auch auf die hieran geknüpfte Zukunftsperspektive ein Es sei wichtig daß der Fürst auch den nachkommenden ainen schatz von allerlay kunsten vorbehalte dardurch er von inen nach vilen jaren in loblicher gedechtnus erhalten und fur solches werck gepreiset werde 50 Die Gestaltung gerade auch der Bibliotheksbände mit Monogramm Devise und Bildnis Ottheinrichs stellte sicher daß der Glanz dieses Nachruhms auch auf den richtigen fiel Daß Ottheinrich sich in vielerlei Hinsicht am Vorbild römischer Kaiser und schließlich an der Vorstellung eines kommenden Friedenskaisers orientierte hat die neuere Forschung nachdrücklich unterstrichen 51 Ottheinrichs Bücher Nachdem nun von Ottheinrichs Sammeltätigkeit und ihren Beweggründen die Rede war bleibt noch die Frage nach den Büchern selbst Was waren das für Bände die der Fürst in den 40er und 50er Jahren zusammengetragen hatte Welche Inhalte lassen sich fassen und was geschah mit diesen Büchern a Kammerbibliothek Durch das erhaltene Inventar der sogenannten Kammerbibliothek der beim Regierungsantritt in der Kurpfalz von Neuburg nach Heidelberg überführten persönlichen Büchersammlung Ottheinrichs sind wir über einen Teil seines Buchbesitzes bis 1556 recht detailliert unterrichtet 52 Allerdings umfaßt dieses Verzeichnis der buecher so in meins gnedigsten Herrn stuben vund camer vnd von Neuburg kommen seind keineswegs alle Bücher in seinem Besitz wie bereits ausgeführt wurde Mit 390 Einzelpositionen weist das Inventar der Kammerbibliothek einen für die Zeit ansehnlichen aber keineswegs außerordentlichen Bestand aus Dabei ist zu bedenken daß die einzelnen Einträge sich auf sehr unterschiedliche Stücke beziehen von der schmalen Broschüre bis zum mehrbändigen Werk Sehr aufschlußreich für die ganz persönlichen Sammelschwerpunkte Ottheinrichs ist die Verteilung der Schriften auf die einzelnen Sachgebiete Eine rundum ausgewogene alle Wissensgebiete gleichmäßig abdeckende Handbibliothek sucht man hier vergeblich Der gesamte Bereich der Religion etwa nimmt mit über 150 Titeln den mit Abstand breitesten Raum ein rund 39 Die Reformationsschriften wiederum stehen dabei an erster Stelle mit rund 90 Titeln darunter viele Streitschriften zu den aktuellen theologischen Diskussionen Verhältnismäßig gering ist der Anteil biblischer Texte und der Kirchenväter mit nur 12 Bänden Auch die späteren Erwerbungen zumeist in der Bibliotheca Palatina in Rom und Heidelberg erhalten und in deren historischen Katalogen dokumentiert zeigen einen Schwerpunkt auf der Literatur zu den theologischen und religionspolitischen Kontroversen der Zeit 53 Die weiteren auffälligen Schwerpunkte liegen auf Schriften zu Astrologie Astronomie Geomantie und Verwandtem mit über 60 Titeln 16 und auf Werken zur Geschichte von denen ich 57 Titel ausmachen konnte etwa 15 darunter sehr gut vertreten sind Werke des bayerischen Historiographen Aventin Unter die genannten drei Themenschwerpunkte Religion Astrologie Historiographie fallen etwa 70 der aufgelisteten Titel Ins Auge fallen auch die immerhin 12 Werke zur Architektur an erster Stelle Vitruv in lateinischer und italienischer Sprache und Sebastiano Serlio als wichtiger Autor der italienischen Renaissance In den genannten Bereichen von der Reformation bis zur Baukunst kann man die persönlichen Interessen Ottheinrichs vermuten Dies zeigt auch die ihm 1554 gewidmete handschriftliche Übersetzung der Margarita Philosophorum von Jonas Freudenberg heute als zweiter Teil des Cod Pal germ 801 in der Heidelberger Universitätsbibliothek Im weiteren Sinne Literarisches zumeist auf Deutsch nimmt ebenfalls einen nicht zu vernachlässigenden Platz ein oft handelt es sich jedoch um schmale Werke Auffällig ist der insgesamt sehr geringe Anteil an klassisch lateinischer Literatur und Arbeiten zur Antike Das Werk des Vitruv zur Architektur wurde bereits angesprochen dazu kommen zwei zeitgenössische Schriften zur Münzkunde darunter ein Druck des Enea Vico von 1553 Eine griechische Ptolemäus Handschrift gehört in den Zusammenhang der astronomischen Interessen Zwei Pergamenthandschriften mit Werken von Vergil und Horaz waren ihres Alters wegen von ganz besonderem Interesse Das ausführlichere Verzeichnis der nach Ottheinrichs Tod nach Neuburg an Herzog Wolfgang verbrachten Kammerbibliothek verzeichnet sie entsprechend Virgilius Lateinisch uf Pergament geschriben in bretter gebunden unnd weissem leder uberzogen sehr allt 54 sowie Opera Horatii gar allt uf Pergament geschriben 55 Hinter dem ersten Eintrag verbirgt sich nichts geringeres als der Vergilius Palatinus eine spätantike Handschrift entstanden in der Zeit um 500 die als bester Textzeuge für Bucolica Georgica und Aeneis gilt Cod Pal lat 1631 Sie gelangte aus Lorsch in Ottheinrichs Besitz Die von diesem hart gerügte Bemerkung Sebastian Münsters in seiner Cosmographie daß er im Kloster Lorsch eine Handschrift gesehen habe die Vergil eigenhändig geschrieben haben soll bezieht sich wohl auf diesen Codex Auch die Kostbarkeit dieses einzigartigen Besitzes kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen daß die klassische Literatur in Ottheinrichs Bücherschätzen nur am Rande vorkommt Es scheinen eher die Übersetzungen ins Deutsche gewesen zu sein denen sein persönliches Interesse galt So findet sich eine zeitgenössische Übertragung der Terenzkomödie Andria 56 Cicero der wohl wichtigste römische Autor ist mit ganzen zwei Werken in deutscher Sprache vertreten beides Handschriften die Tusculanen und de senectute So verbreitete Werke wie de officiis oder den Laelius de amicitia findet man nicht Ganz offenbar bestand bei Ottheinrich kein persönliches Interesse an antiker Literatur als solcher 57 Dieser Befund gewinnt noch beträchtlich an Schärfe vergleicht man etwa das Bücherlegat Friedrichs des Siegreichen an seinen natürlichen Sohn Ludwig von 1476 unter dessen 118 Einzelpositionen sich gut 30 lateinische Klassikertexte finden 58 Die Welle des Pfälzer Frühhumanismus war längst verebbt und hatte Ottheinrich offenbar nicht mehr erreicht Sein Interesse an der Astronomie mag den griechischen Ptolemäus in seinen Besitz gebracht haben Münzen und Medaillen waren ein Sammelgebiet dem auch Ottheinrich anhing Wenn er also Werke zur Numismatik besaß spricht auch dies nicht für ein primär humanistisches Interesse an der Antike Die Suche nach besonders alten Handschriften hängt zum einen mit der Hoffnung zusammen darin den alten guten noch unverderbten Gebräuchen der Kirche auf die Spur zu kommen zum anderen ist es schlicht die Freude am Seltenen und Kostbaren die ihn antrieb Auch das Bewußtsein daß es notwendig sei die alten Zeugnisse zu erhalten und in einer Bibliothek nutzbar zu machen mag man voraussetzen können Ein ganz besonderer Teilbestand der Büchersammlung des Herzogs findet sich wenigstens in Spuren in dieser Kammerbibliothek drei hebräische und eine syrische Handschrift Die 1555 von dem französischen Gelehrten Guillaume Postel an Ottheinrich verpfändeten und nicht wieder ausgelösten Handschriften waren jedoch weit zahlreicher Das alt wolgeschriben hebraysch buch jlluminiert kann nicht dazu gehört haben denn es ist so der Eintrag von Rom kommen 59 Der Liber sancti evangelii de Jesu Christo Syriaca lingua jedoch könnte aus dem Besitz Postels kommen dessen Sprachstudien vor allem einer Christianisierung des Orients hatten dienen sollen 60 Schon um der Idealvorstellung einer Bibliothek der drei Sprachen der antiken und christlichen Überlieferung Hebräisch Griechisch und Latein genügen zu können war der Besitz solcher Werke besonders erstrebenswert b Bibliotheksgründung Die von Ottheinrich gesammelten und nicht der Kammerbibliothek einverleibten Bücher aus der Zeit seines kurpfälzischen Exils sind für uns größtenteils nur schwer faßbar Wir dürfen sie in den Bänden sehen die 1553 in die Heiliggeistkirche gebracht wurden Leider kennen wir bisher kein Inventar dieses Bestandes Gegenüber den 1505 dort nachgewiesenen 238 Bänden der Universität waren sie sicher bei weitem in der Überzahl Daß für die neu dort aufzustellenden Bücher die alten Pulte geräumt und die Bände der Universität in neuen von Ottheinrich zu finanzierenden Behältnissen aufbewahrt werden sollten spricht ebenso für die Vorherrschaft der Neuzugänge wie die Anfertigung solider Schlösser für den Zugang zur Bibliotheksempore und die Vereinbarungen über die Schlüsselgewalt 61 Zum Inventar der Schloßbibliothek von 1556 62 angelegt also wohl unmittelbar nach Ottheinrichs Regierungsantritt in Heidelberg ist anzumerken daß es soweit ich das übersehe nur sehr wenige Bücher aus seinem persönlichen Besitz umfaßt so etwa die ererbte Armenbibel Cod Pal germ 148 63 Dafür finden sich hier etliche der deutschen Palatinahandschriften also Werke die man eher nicht in einer primär universitären Bibliothek suchen würde Die besonderen Kostbarkeiten der Heidelberger Codices Palatini germanici aber sind nicht verzeichnet man kann sie jedoch zu einem späteren Zeitpunkt im Schloß nachweisen Dies spricht dafür daß es sich beim Inventar von 1556 lediglich um ein Verzeichnis derjenigen Bände handelt die unter Ottheinrich vom Schloß auf die Bibliotheksemporen der Hl Geistkirche gebracht wurden Die Zimelien blieben wohl weiterhin im Schloß denn sie erscheinen in dem Inventar das 1610 nach dem Tod Friedrichs IV angelegt wurde und sich heute als Cod Pal germ 809 in der Universitätsbibliothek Heidelberg befindet 64 Ein weiterer Teilbestand über den man gerne Genaueres wüßte sind natürlich auch die geheimen Bücher in der großen eichenen Truhe Aus dem Testament Ottheinrichs erfährt man jedoch lediglich daß die Bände ebenfalls unveräußerlich sein sollten 65 Vermutlich deckte sich deren Inhalt zumindest teilweise mit der schwarzen Kiste darinnen allerhandt beschriebene und getruckte büecher zur alchemisterei die das Schloßinventar von 1584 unter der leider recht kryptischen Ortsbezeichnung Uf dem newen brewlen aufführt 66 Eine zuverlässige Erfassung der aus Ottheinrichs persönlichem Besitz in die Palatina eingegangenen Bände wäre nur über eine umfassende Aufarbeitung aller vorhandenen Quellen und durch ein Ausschlußverfahren zu erreichen Die Grundlage hierzu böte neben einer zuverlässigen Erfassung aller Ottheinricheinbände 67 vor allem das leider ziemlich chaotische Inventar der Palatina von 1581 sowie die weiteren Zeugnisse zu Ottheinrichs Buchbesitz Umfangreiche Vorarbeiten hierfür liegen vor Fazit Die Zusammenführung der angeführten drei Bücherbestände der universitären Stiftsbibliothek der kostbaren Sammlung Ottheinrichs und der gewachsenen Älteren Schloßbibliothek auf der Bibliotheksempore der Heidelberger Heiliggeistkirche war der eigentliche Gründungsakt jener großen Bibliotheca Palatina des 16 und beginnenden 17 Jahrhunderts Durch die nunmehr ganz beträchtliche Basis durch seinen Ruhm als Büchersammler durch die konfessionelle Weichenstellung und schließlich durch seine persönlichen Kontakte hat Ottheinrich zudem den Boden bereitet für die spätere Zuwanderung der Bibliothek Ulrich Fuggers Die dabei zusammengeführten Bestände bildeten somit gleichsam als Kristallisationskern Anlaß und Voraussetzung für das weitere Wachsen der Bibliothek Die einheitliche Kennzeichnung der Bände dieser Bibliotheksgründung durch den Ottheinricheinband einer durchaus persönlichen Schöpfung des Fürsten war geeignet die Bestandteile der Sammlungen auf unübersehbare Weise zusammenzubinden Zudem und auch dieser Aspekt verdient unsere Aufmerksamkeit bedeutete die Anbringung des eigenen Supralibros mit Porträt Wappen und Jahreszahl in diesem Kontext eine ebenso explizite Denkmalsetzung wie der Bau des aufwendigen Grabmals am selben Ort der Heidelberger Heiliggeistkirche 68 Der Versuch zu gewährleisten daß auch nach seinem Ableben die von ihm zusammengebrachten Bände weiterhin mit seinen Einbänden versehen würden 69 spricht eine deutliche Sprache Das Zustandekommen dieses sehr soliden Grundstocks war alles andere als Zufall Nicht nur Ottheinrichs Beitrag im engeren Sinne also die 1553 eingebrachte Sammlung der Exilzeit war mit einem klaren Ziel vor Augen zusammengetragen worden auch die Zusammenführung mit den von seinen Vorfahren gestifteten Büchern von Heiliggeist und mit der Schloßbibliothek erfolgte als logischer und lange im Voraus bedachter Schritt der Gründung eines geistigen Hortes der evangelischen Gelehrsamkeit zur Festigung und Ausbreitung des neuen Bekenntnisses im Verbund mit der reformierten nunmehr kurfürstlichen Universität Der Ausbau der Residenz als intellektuelles wie religiöses Zentrum unter dem leuchtenden Zentralgestirn des Herrschers korrespondiert dabei mit dem neuen und ebenso neuartigen wie ehrgeizigen Palastbau Ottheinrichs Quellen Die beigefügten Übersetzungen sollen lediglich die Lektüre der lateinischen Textstellen erleichtern Stilistische Härten im Deutschen wurden daher in Kauf genommen im Interesse einer möglichst sinngemäßen und leicht nachvollziehbaren Übertragung I Heidelberg Universitätsarchiv UA I 3 Nr 7 Acta universitatis 1549 1560 70 f 136v 1553 Rektor Johannes Wagemann 15 Aprilis congregata universitate per iuramentum proposui Illustrem Principem Ottonem Henricum gratiose petere ut sibi usus biblio thecae apud Sanctum Spiritum ab universitate concederetur tantum ad tempus ut incomparabilem librorum thesaurum quem maximis laboribus et sumptibus conquisivisset in eum locum reponeret velle ipsius celsitudinem suis expensis cistam fieri curare in quam universitas libros suos in pulpitis repositos interea temporis reponeret Qua petitione ipsius Principis audita varia in deliberationem venerunt tandem vero visum est aliquot pulpita eius bibliothecae Principis usui esse conce denda in quae suos libros reponeret ad tempus nostros vero libros ab illis pulpitis esse removendos et in cistam reponen dos petiit insuper ipsius celsitudo ut sibi liceret ianua bib liothecae seris ita munire nequis alius pretaer se et suos ad eam rem deputatos dictam bibliothecam ingredi posset tantisper dum ipsius libri in eo loco positis essent cui petitioni uni versitas ex causis acquievit Als die Universität am 15 April durch iuramentum versammelt war habe ich Rektor Wagemann vorgetragen daß der erlauchte Fürst Ottheinrich gnädig bitte daß ihm die Benutzung der Bibliothek beim Hl Geist durch die Universität eingeräumt werde nur soviel zunächst daß er den unvergleichlichen Schatz an Büchern den er durch größte Anstrengungen und Kosten zusammengebracht habe dort aufbewahren möge Jener Erlauchte wolle auf seine Kosten einen Kasten 71 machen lassen in dem die Universität unterdessen ihre Bücher die auf Pulten liegen aufbewahrt Nachdem diese Bitte des Fürsten angehört worden war kamen verschiedene Dinge zur Erörterung schließlich aber wurde als richtig angesehen daß einige Pulte jener Bibliothek der Benutzung durch den Fürsten eingeräumt werden sollen in die er zunächst seine Bücher legen möge Unsere Bücher aber sind von diesen Pulten zu entfernen und in den Kasten zu legen Zudem hat jene Hoheit darum gebeten daß ihm erlaubt werde den Eingang der Bibliothek so mit Schlössern zu sichern daß niemand anderes als er und diejenigen die er damit beauftragt die besagte Bibliothek betreten können so lange wie seine Bücher an jenem Ort untergebracht seien 72 welche Bitte die Universität aus Gründen gewährt hat II Hubert Thomas Leodius Annalium de Vita et Rebus Gestis Frankfurt 1624 S 293 295 De Aedificiis Friderici S 294 Antequam factus esset Elector Princeps Fridericus detestabatur magnificentiam et sumptus quos frater Ludovicus in reparatione arcis Heidelbergensis faciebat et se in alios potiores usus eos sumptus mutaturum pollicebatur cum mortuo fratre et ad electionem admissus mox maiores inchoavit et inprimis vetustatem aedificii ubi fuerat Ihettae fanum sumptum maximo reparare instituit Et in Bibliothecae usum elegantem et maximam cameram aedificare fecit summitatem vicinae turris à fratre dudum constructum demoliri fecit Quod aedificium

    Original URL path: http://www.wolfgangmetzger.de/Ottheinrich-Bibliothek.html (2016-02-15)
    Open archived version from archive

  • Laufen
    irgendwelchen Übeln zu entkommen Nicht wirklich Manche laufen um abzunehmen oder um futtern zu können und sich trotzdem die schlanke Linie zu erhalten Aber würde man das über Jahre und Jahrzehnte durchhalten wenn es lediglich anstrengend wäre Wohl eher nicht Einige wenige vielleicht Passionierte Läufer werden unruhig ja richtiggehend grantig wenn sie über längere Zeit nicht Laufen können Entzugserscheinungen eines Süchtigen Triebstau eines Masochisten Ob man es nun als Bewegungsmuffel glaubt oder nicht Laufen macht Freude und man fühlt sich wohl dabei und das auch noch Stunden später Das gilt nun auch für Schwimmen und z B Radfahren manche behaupten sogar das rackern an Kraftmaschienen in der Muckibude würde ihnen Spaß machen Warum also durch die Gegend rennen womöglich bei Regen Da ist zum einen natürlich ein ganz praktischer Grund man braucht sehr wenig im Grunde nichts Das würden engagierte Sportartikelverkäufer zwar vehement bestreiten es bleibt dennoch wahr Wer es puristisch mag kann seine Füße an Barfußlaufen gewöhnen und ein ganz normales T Shirt und leichte Hosen reichen völlig aus Für Nicht Puristen tun s ein Paar bequeme leichte Schuhe mit möglichst flachen Absätzen und es kann losgehen Sicher das lässt sich optimieren dennoch gehört Laufen zu den anspruchslosesten Sportarten

    Original URL path: http://www.wolfgangmetzger.de/Laufen/Warum.html (2016-02-15)
    Open archived version from archive

  • Laufgeschichte-1
    einer ganzen Reihe von einschlägigen körperlichen Eigenschaften gesegnet hat Bramble Lieberman 2004 Die Arme von Homo erectus waren kürzer und seine Beine länger als die seiner Vorgänger er war größer 170 180 und die Hirnschale war etwas geräumiger Schließlich musste er nicht mehr auf Plattfüßen durch die Savanne schleichen denn er hatte schon ein Fußgewölbe mitbekommen Letzteres sorgt für ein wenig Federung und Dämpfung beim Gehen und Laufen auf festem Untergrund Auch verfügte er über eine kräftige Achillessehne und entsprechende Wadenmuskeln für den Vortrieb beim Laufen Um die Belastung der Gelenke beim Rennen aufzufangen haben schon die frühen Menschen im Beinbereich recht breite Gelenke mit großen Gelenkflächen so dass sich die Last besser verteilen kann und die Lagerflächen nicht beschädigt Es gibt noch mehr Hinweise darauf dass der frühe Mensch ein Langstreckenläufer war und durch genau diese Eigenschaft wesentliche Vorteile für seine weitere Verbreitung und Entwicklung bekam Bramble Lieberman 2004 Gut erhaltene Fußspuren in einem heute versteinerten ursprünglich weichen Sediment in Ileret Kenya zeigen sogar unsere Vorfahren in Bewegung Ihre grossen Zehen waren eng angelegt nicht mehr abgespreizt wie zum Greifen und ihre Füße hatten ein ausgeprägtes Längsgewölbe Sie gingen indem sie über Ferse und Ballen abrollten und sich durch einen kräftigen Abdruck über Vorfuß und Grosszehen vorwärts bewegten Sie liefen offenbar vor 1 5 Milionen Jahren im wesentlichen schon genauso wie wir wenn wir barfuß am Strand unterwegs sind Doch das aufgerichtete Gehen auf zwei Beinen war nicht nur praktisch weil es die Hände für anderes frei ließ und den Augen einen besseren Überblick verschaffte es ermöglichte es auch gehend und laufend erstmals weite Strecken über Land zurückzulegen Der Mensch wurde so zur einzigen Art in seiner ganzen affenartigen Verwandtschaft der laufend recht schnell weite Entfernungen bewältigen kann Allerdings waren noch andere Eigenschaften notwendig um aus einem Baumbewohner einen Langstreckenläufer zu machen Die wichtigste vielleicht ist die Fähigkeit kräftig zu schwitzen Da der neue Rennaffe zudem sein Fell abgelegt hatte und sich nun ungehindert den Fahrtwind über die verschwitzte Haut streichen ließ war auch das leidige Überhitzungsproblem beim langen Rennen in den Griff zu bekommen Allerdings wird so für die Rennerei eine ganze Menge Trinkwasser benötigt Zudem ging man lange Zeit davon aus dass sich der Mensch in einer recht trockenen und überwiegend baumlosen Savanne entwickelt hat Die Laufstrecke wäre also wegen Wassermangel auf relativ bescheidene 20 30 Kilometer beschränkt gewesen d h unsere Vorläufer hätten sich kaum mehr als 10 15 Km von der Wasserstelle entfernen können Nicht viel wenn man Jagdbeute hetzen will Bis jetzt gibt es keine Hinweise darauf dass die frühen Menschen dazu in der Lage gewesen wären Wasser mit sich zu nehmen etwa in Kalebassen Flaschenartige Behälter aus Kürbisschalen Allerdings war die Umwelt der frühen Läufer wohl gar nicht so trocken wie zunächst angenommen Neuere Forschungen zur Klimageschichte zeigen dass die frühen Menschen in einer offenen aber durchaus mit Bäumen bestandenen Landschaft wohnten in der es gar nicht so wenig Wasser gab Auch dürfen wir nicht von den heute dem joggenden Fußvolk beigebogenen Maßstäbe

    Original URL path: http://www.wolfgangmetzger.de/Laufen/Laufgeschichte-1.html (2016-02-15)
    Open archived version from archive

  • Laufen
    rein und wollen nicht reden Auch Kopfhörer und Mp3 Plärrer sind im Einsatz wenngleich zumeist nicht regelkonform Viele kennen sich zumal wenn die Strecken richtig lang und fordernd werden Aber man lernt nicht nur die anderen kennen sondern auch sich selbst Ganz neue Eigenschaften kommen zu Tage Auch hier ist eine gewisse Gelassenheit von Nutzen Du fühlst dich schon ziemlich strapaziert obwohl du erst 20 von 80 oder 100 Km gelaufen bist Keine Panik das gibt sich wieder Bei Km 60 fängt ein Muskel an zu schmerzen Nur nicht gleich verzagen locker weiterlaufen auch das geht vorbei Trotz ausreichendem Training ist plötzlich die Luft raus und du fängst an müde zu schlurfen Dann gibt es zwei Möglichkeiten eine Gehpause einlegen und sich erholen oder das Tempo anziehen und wieder in einen besseren Laufstil und Rhytmus kommen Auch wenn es merkwürdig klingt manchmal ist die zweite Variante die erholsamere Man lernt den eigenen Körper kennen und weiß wie er normalerweise reagiert und doch gibt es immer wieder Überraschungen Natürlich nimmt man auf langen Strecken nicht nur Wasser zu sich Auch das ist ein besonderes und vielfältiges Thema Der eine nimmt nur das Gel von XY der andere steht auf Schmalzbrot Cola und Hefezopf sieht man öfter an Verpflegungsstellen Aber auch Babynahrung und Flüssiges aus dem Krankenhausbedarf Sondennahrung sind im Einsatz Geschmäcker und Bedürfnisse ändern sich oft radikal im Laufe vieler Kilometer Ich trinke gern Malzbier sobald erst einmal 50 60 Km gelaufen sind im Sitzen rühre ich das klebrige Zeug nicht an igitt Es gibt Läufer die trinken gerne richtiges Bier auf der Strecke andere eher Kaffee Da werden isotonische Getränke aus Pulvern angerührt und Proteine mit Kolenhydraten kombiniert Nach 12 15 oder 20 Stunden kann man den süßen Kram nicht mehr sehen und giert nach Salzigem Pasta mit Soße gefällig am besten schlabberig gekocht nicht al dente Kartoffelbrei geht mit Soße Hafergrütze ist gut wenn nicht allzu pampig Aber warum nicht Käsebrot oder Pizza Man hat schon manches gesehen Aber Vorsicht vom Inhalt eines Gel Beutels wird man kurzfristig schneller sofern echter Bedarf vorhanden war das gilt von einem großen Teller Pasta sicher nicht Laufen und Verdauen verträgt sich nur mit niedrigem Tempo sonst fährt der Zug schnell rückwärts und manchmal auch die Pasta Was wann unter welchen äußeren Bedingungen reingeht und drinbleibt und wie schnell man damit laufen kann ist höchst individuell und muß ausgetestet werden Was den einen rettet wirft den anderen aus dem Rennen Ganz lange Strecken brauchen nicht nur stabile Beine sondern auch robuste Mägen Wer gar nichts reinkriegt bleibt auf die kürzeren Strecken beschränkt sorry Die ganz langen Strecken sind eher mit einer Reise zu vergleichen als mit einem Rennen Man plant schon lange voraus trifft Vorbereitungen informiert sich über die Strecke stellt sich ein auf die zu erwartenden Bedingungen Vorfreude und Nervosität vor dem Aufbruch habe ich an alles gedacht was mache ich wenn Manchmal sind besondere Läufe auch mit Reisen verbunden Wo bekomme ich jetzt auf die Schnelle einen passenden Adapter her um

    Original URL path: http://www.wolfgangmetzger.de/Laufen/ganzlang.html (2016-02-15)
    Open archived version from archive



  •