archive-de.com » DE » V » VERLAGSGRUPPE-OETINGER.DE

Total: 317

Choose link from "Titles, links and description words view":

Or switch to "Titles and links view".
  • Der Märchenertrailer
    wann steht davon der Sinus und der Cosinus genommen und durch die Schuhgröße der Regieassistentin geteilt Weiter nach hinten ruft Harald dem Hauptdarsteller zu Noch weiter haaalt Zu spät Paul ist mit einem Fuß in die Hohlkehle eingebrochen Na nehmen wir bis zur Reparatur erstmal das Blut auf Das soll auf einen Badezimmerfußboden tropfen und dann weggewischt werden was ich mir ganz einfach vorstellte Ist es aber nicht Es dürfen keine Füße Arme Nasen und Schatten auf dem Bild sein der Kameramann lehnt sich an die Tür steckt den linken Arm unter dem rechten Bein durch und filmt während der Tropfen Wegwischer auf dem rechten Daumen balanciert die Füße in der Luft und mit der linken Hand wischt Die Kamera wiegt 45 Kilo Ruhig halten ruft Harald ganz entspannt und jetzt den Schwenk zum Fenster Der Kameramann macht einen Knoten in seinen Hals und bedient die Knöpfe mit dem linken Ohr Blut gibt es ein Hustensaftfläschchen voll Ich sehe zu wie die Tropfen fallen Sie haben ungefähr einen Millimeterdurchmesser Harald sage ich Wir brauchen MEHR BLUT Kurzzeitig erwägen wir ein Bein des Kameramannes zu amputieren das sowieso die ganze Zeit im Weg ist einigen uns dann aber auf beeindruckende zwei Millimeter Tropfendruchmesser Und schließlich kommen wir zu der Szene mit unserem Schiff Das Schiff ist ein Modell in Pudelgröße doch etwas klein für ein sechsjähriges Kind Wir waschen die kleine Nelly heiß nein Das Schiff wird später reingeschnitten Nelly steigt auf einen mit grünem Tuch bedeckten Tisch und klettert über eine Latte die später die Reling sein wird um dann aufs Eis hinunterzuspringen Dazu muss sie eine sehr hässliche rosa Daunenjacke mit Pelzkragen tragen Mütze Handschuhe einen Königsumhang und eine Krone Die Scheinwerfer verbreiten gemütliche Wärme Nelly klettert zur Probe klettert noch einmal wird ausgemessen klettert wieder die Schweißperlen stehen ihr auf der Stirn Dann fällt ihnen ein dass sie vergessen haben die Latte grün anzustreichen die darf man ja später nicht sehen Also wird sie mit schnelltrocknender Farbe bemalt und geföhnt und dann klettert Nelly wieder mit Mütze in der Daunenjacke Ganz entspannt ruft Harald Und jetzt losrennen Paul und Laura die Hauptdarsteller warten Stund um Stund bis sie endlich an der Reihe sind Und nun wird es interessant denn Paul muss Nelly im Kreis schleudern Und nochmal rum Und in die andere Richtung Haaalt so sitzt der Schal falsch Nach ungefähr fünfzig Mal herumschleudern werden alle Abstände Nasen und Knöpfe neu ausgemessen und das ganze geht von vorne los Während der Pausen darf nichts ausgezogen werden kein Ärmel darf verrutschen und nochmal aufeinander zu rennen Und drehen Schneller Lächeln Ist euch etwa schwindelig fragt Harald erstaunt Schließlich setzt Nelly sich auf den Boden und streikt Die letzte Szene folgt in der Laura beschriebene Blätter in den Wind werfen soll Welchen Wind Na wir nehmen einen Ventilator doch die Blätter kleben stur in Lauras Hand und wollen sich nicht lösen Harald rückt den Ventilator näher Aber den darf man ja nicht sehen und die Hand die ihn hält auch

    Original URL path: http://blog.verlagsgruppe-oetinger.de/index.php?id=367&no_cache=1&tx_ttnews[tt_news]=520&tx_ttnews[year]=2010&tx_ttnews[month]=12&tx_ttnews[day]=13&cHash=1d73a46a30 (2016-04-25)
    Open archived version from archive


  • Lese-Eise
    mir gesagt ich sollte ein Taxi zum Hotel nehmen das ein Dorf weiter liegt Ich komme in Dunkelheit und strömendem Regen an Am Bahnhof gibt es keine Taxis Glücklicher Weise nimmt eine nette Dame mich mit und setzt mich in einer ebenfalls dunklen Vorortstraße ab Vor einer geschlossenen Kneipe Da hinten ist ein Licht sagt sie zuversichtlich Ich klettere durch feuchte Büsche und Blumenbeete und stehe vor einer Terrassentür Dahinter sieht eine ältere Dame fern Offenbar bin ich hier falsch aber nein die ältere Dame reißt plötzlich die Tür auf und sagt Ich hole schnell den Hotelschlüssel mache die Tür aber solange wieder zu Um diese Jahreszeit kommen sonst sofort die Mücken ins Haus Das Hotel befindet sich in einer Art Garage nebenan Leider haben in meinem Zimmer die letzte Woche über zwei Kettenraucher gewohnt die ältere Dame hat den ganzen Tag gelüftet Nun ist es kalt und verräuchert Ich wage nicht die Dusche auszuprobieren Die Wände sind kahl der Boden gefliest ich fühle mich ein wenig an ein gewisses Pilgerhotel in Indien erinnert Zu essen gibt es in diesem Ort abends auch nichts mehr erklärt mir die ältere Dame aber sie bringt mir Tee und Lebkuchen Dankbar sitze ich in zwei Decken gewickelt und trinke den Tee Auf der Straße gehen zwei junge Mädchen mit Regenmänteln bis kurz über den Po und dünnen Strumpfhosen vorbei In Frankfurt wo ich danach hinfahre schlägt das Wetter um Es regnet jetzt von Westen statt von Osten Der Hauptbahnhof ist voller Frauen in kurzen Kleidern und dünnen Strumpfhosen Manche scheinen auch nur Strumpfhosen anzuhaben Wichtig ist offenbar dass man sie in die Stiefel stecken kann welche aus labbrigem Stoff mit Plastiksohle bestehen in die der Regen sofort eindringt Eine moderne Variante von Fakirtum Im Starbucks läuft tatsächlich die Heizung Aber die Türen stehen offen Ich niese bestelle einen Kaffee niese hole den Kaffee eine Minute zu spät ab und werde von einer kleinen wehrhaften Asiatin angeschrien erst auf vietnamesisch dann auf deutsch weil sie jemand anderem meinen Kaffee gegeben hat Verschüchtert ziehe ich mich in eine sichere aber kühle Ecke zurück und niese weiter Als ich am nächsten Tag wiederkomme in der Hoffnung jetzt vielleicht doch einen Kaffee zu bekommen sagt der Mann hinter dem Tresen Geht es Ihnen heute besser Gestern waren Sie so komisch Übrigens ist mein Hotel in einem Frankfurter Vorort auch sehr schön Es liegt an der Ausfallstraße gleich hinter der Tankstelle man braucht von der U Bahnhaltestelle nur ein knappes Stündchen durch den Regen zu laufen Es gäbe auch einen Bus aber der Busfahrer hält an einer anderen Stelle des Busbahnhofs als der ausgezeichneten und fährt dann fröhlich winkend an den Wartenden vorbei Im Hotel muss man bar vorauszahlen und wird sehr misstrauisch betrachtet Gibt es ein Telefon auf dem Zimmer fragte ich denn ich würde gern mal zu Hause anrufen Ja sagte die Rezeptionistin Aber damit können sie nicht raustelefonieren Und haben Sie Internet Ja sagt sie aber das funktioniert nur wenn man es vorher anruft Langsam

    Original URL path: http://blog.verlagsgruppe-oetinger.de/index.php?id=367&no_cache=1&tx_ttnews[tt_news]=515&tx_ttnews[year]=2010&tx_ttnews[month]=11&tx_ttnews[day]=22&cHash=e3c1c02007 (2016-04-25)
    Open archived version from archive

  • Manche mögen´s heiß
    alles krumm und schief keine Wand gerade Wie soll man denn da gerade Heizungsrohre verlegen Verlegen Sie sie doch schief sage ich Schief Das ist gegen unsere Berufsehre schreit der Chef Wir müssen jetzt per Hand Stufen in die Rohre biegen und Locken hineindrehen damit sie streckenweise gerade sind Deshalb dauert alles viel länger Gehen Sie doch trotzdem nach Hause sage ich Es ist schon nach sieben Nein brüllt er Man hat ja wohl auch noch so was wie eine Arbeitsethik Wir KÖNNEN jetzt noch nicht aufhören Kommen sie später wieder Ich schiebe den Murmelwagen durch den peitschenden Regen hinaus in die Dunkelheit Als mein Mann viel später aus der Klinik nach Hause kommt ist er begeistert von den Locken und Stufen in den Rohren Hattet ihr einen erholsamen Tag fragt er Schließlich verlassen wir die Handwerker und fahren zu einem Geburtstagsbesuch in die Eifel Eine Woche später fahren wir zurück die Heizung ist fertig halleluja Die Handwerker haben die Hintertür benützt und den Schlüssel beim Nachbarn gelassen Wir haben den ganzen Tag im Auto verbracht und freuen uns abends auf ein warmes Haus Es ist auch warm Leider ist es nicht betretbar Die Handwerker haben die Vordertür ordentlich von innen verriegelt Der Nachbar mit dem Hintertürschlüssel ist nicht da Fluchend bauen wir ein kleines Zelt auf der nassen Wiese auf Durch die Fenster sehen wir wie sich drinnen unsere Spinnen und Küchenschaben in der neuen Wärme räkeln Der Schlüsselnachbar ist samt Schlüssel im Urlaub Seitdem leben wir in einem ungeheizten Zelt auf der Wiese Nein das ist gelogen der Nachbar ist zurückgekommen wir sind wieder einzogen Nur müssen wir jetzt unser Leben nach dem Willen der zentralen Heizschaltung einrichten Wenn wir den Kamin anmachen stellt die Heizung sich ab Und zwar in allen Räumen nicht nur in der Küche

    Original URL path: http://blog.verlagsgruppe-oetinger.de/index.php?id=367&no_cache=1&tx_ttnews[tt_news]=510&tx_ttnews[year]=2010&tx_ttnews[month]=10&tx_ttnews[day]=25&cHash=09facebc48 (2016-04-25)
    Open archived version from archive

  • Reetdächer sind schön
    mich der Chef indigniert Ein weiterer Lastwagen übefährt die Rubinie und parkt auf den Sonnenblumen Ach wie schön rufe ich Das neue Str ilf Was haben sie heute eigentlich gemacht fragt mein Mann abends Das Gerüst aufgebaut sage ich Und Kaffee getrunken Der nächste Tag ist ein Feiertag Und heute fragt mein Mann am übernächsten Tag Ich glaube heute haben sie das Gerüst umgebaut antworte ich vage Außerdem haben sie Kaffee getrunken Danach kommen wieder zwei Feiertage Und danach bauen sie das Gerüst ab und auf der anderen Seite vom Haus wieder auf weil die Aussicht da besser ist Meine Aussicht ist auch sehr interessant Egal aus welchem Fenster ich gucke ich sehe immer einen schwarzbehosten Zimmermann auf einem Gerüst stehen und zwar das Stück Zimmermann von den Knien aufwärts bis zur Brust Der Chef trägt eine kuchentellergroße goldene Gürtelschnalle einer seiner Leute zieht eine rosa Badeshorts vor Offenbar reißen sie das Dach EIN statt es AUSZUBAUEN So hört es sich jedenfalls an Direkt vor meinem Arbeitszimmer steht kein Handwerker Dort parkt ein weiterer Lastwagen auf der Heckenrosenhecke und verdröhnt Radiomusik Irgendwann steht Goldschnalle vor der Tür Die Sicherung muss rausgeflogen sein meint er Jetzt ist der Strom weg Der Schilfm verbessere ich und koche mehr Kaffee Mit dem Kaffeesatz klebe ich den Sicherungshebel fest der dauernd kippt Inzwischen haben wir zwei Gauben und ein halb gedecktes Dach Es sind auch erst sechs Wochen vergangen Sechs sehr regnerische Wochen Die Abdeckfolie ist leider undicht der Wohnzimmeteppich saugt sich mit durchgetropfter Nässe voll wie ein Schwamm Also stellen wir Tropfenfänger auf den Dachboden Nudeltöpfe Pfannen Whiskeygläser Fingerhüte Als es nach mehreren Feiertagen wieder trocken ist ergießt sich plötzlich ein Schwall Wasser durch die Schlafzimmerdecke Die Handwerker haben den regenwassergefüllten Nudeltopf umgestoßen Kein Problem knurre ich Gießen Sie ihren Kaffee einfach hinterher

    Original URL path: http://blog.verlagsgruppe-oetinger.de/index.php?id=367&no_cache=1&tx_ttnews[tt_news]=427&tx_ttnews[year]=2009&tx_ttnews[month]=06&tx_ttnews[day]=18&cHash=394c9079cb (2016-04-25)
    Open archived version from archive

  • Darf’s ein Tässchen Altöl sein?
    darauf aber das führte nur zu einer Invasion von hungrigen Ameisen und schwarzen Riesenkäfern die den Weg in unsere Küche fanden und seither dort wohnen Wir haben dann ein Schild an die Straße gestellt Brennnesseln zum Selbstpflücken Dieses Frühjahr stößt mein Mann beim Umgraben auf Knochen Bestimmt nur von Küchenabfällen sage ich und denke an Hühnerbeine Er hält einen dicken Oberarmknochen hoch In diesem Fall war unser Vorgänger bekennender Kannibale Vielleicht gab es auch in einem der Weltkriege eine unbekannte Schlacht in unserem Garten Ich stelle mir vor wie sich die Russen und die Deutschen um die Plastiktüten Ader streiten Oder es sind Dinosaurierknochen sage ich Das meint mein Mann würde erklären warum das Gemüsebeet so zertrampelt ist Er rupft ein Stück Maschendrahtzaun aus der Erde und beginnt ihn einzurollen Es sind viele viele Meter Maschendrahtzaun daraus hätte man nicht nur ein Lied sondern eine komplette Oper machen können Der Zaun liegt unter der obersten Erdschicht und ist über die Jahre eingewachsen Mit ihm reißen die alte Brennnesseln die neu gepflanzten Blumen und das frisch gesäte Gras heraus und so wickelt mein Mann den Garten Meter für Meter ordentlich auf Bei den Obstbäumen hat er etwas Schwierigkeiten doch am Ende

    Original URL path: http://blog.verlagsgruppe-oetinger.de/index.php?id=367&no_cache=1&tx_ttnews[tt_news]=202&tx_ttnews[year]=2008&tx_ttnews[month]=04&tx_ttnews[day]=25&cHash=7aa6685703 (2016-04-25)
    Open archived version from archive

  • Alles ausgebügelt?!
    ich Bügeleisen Wellness Spray kaufen Ich räume die Basestation und das Bügeleisen in den Schrank aber mein Mann sagt dort bekämen sie nicht genug frische Luft Ich räume sie hinter die Kommode aber mein Mann sagt dort könnten sie sich nicht bewegen Wir können nicht mal mehr Leute einladen denn im Gästezimmer wohnt ja das Dampfbügeleisen Es braucht seine Privatsphäre Dafür bügelt mein Mann nun auch das Klopapier und das Besteck Als er gerade seine Frühstücks Cornflakes bügelt bemerke ich dunkle Flecken in der Wand Salpeter sagt mein Mann Das kommt von der Feuchtigkeit Gleichzeitig klopft unser Bekannter H ans Fenster Gras gesät und geeggt hab ich jetzt allein sagt er Leider habe ich die Kletterrose am Haus dabei umgefahren Jetzt muss man nur noch walzen Kennt ihr wen der eine Walze hat Wir könnten das Nudelholz nehmen sage ich Es regnet durchs Dach niemand hat eine Walze die Rose ist tot der Salpeter kriecht durch die Wände und was haben wir Ein Dampfbügeleisen Schrei doch nicht so flüstert mein Mann Du erschreckst es Es hat ein zartes Gemüt Jetzt reicht es schreie ich Du verwöhnst dieses Bügeleisen Und ich rupfe es von der Basestation und bügle damit den Hof

    Original URL path: http://blog.verlagsgruppe-oetinger.de/index.php?id=367&no_cache=1&tx_ttnews[tt_news]=201&tx_ttnews[year]=2008&tx_ttnews[month]=04&tx_ttnews[day]=15&cHash=6f8e30b507 (2016-04-25)
    Open archived version from archive

  • Wir schieben
    hinunter zur Wiese wo mein Mann ein Feuer angezündet hat Vorsicht rufe ich Nicht so nah ans Feuer mit dem Bagger H sammelt nun kleineren Müll Diesmal fährt er noch dichter ans Feuer um alles über den Flammen auszuleeren Und wenn der Bagger Feuer fängt rufe ich Jetzt verteilt H die Erde um Es beginnt zu regnen und der gelbe Bagger wühlt sich mit den Rädern tiefer und tiefer ins Erdereich Beim Zurücksetzen fällt H unseren Nussbaum Ich glaube er sieht ein bisschen schlecht meint mein Mann Ich sage nichts Ich gehe lieber drinnen aufräumen Hausfräulich lege ich eine neue weiße Decke auf den Tisch und schrubbe den Boden da klirrt es über mir Gerade kommt die Baggerschaufel durchs Küchenfenster Du weißt ja sagt mein Man von draußen H sieht ein bisschen schlecht Ich sage nichts H hat den Garten jetzt ganz zerfahren Aber dafür ist er glatt Findet mein Mann Naja Das Regenwasser sammelt sich in den metertiefen Spurrillen zu Teichen Den Zaun hat H auch mitgenommen und wo ist eigentlich der Schuppen Ach H sieht eben ein bisschen schlecht sagt mein Mann bis zu den Knien im Schlamm stehend Ich sage nichts Ich sehe zu wie unser Kater bis zum Bauch im Schlamm versinkt Dann springt er mit einem Satz durchs Fenster und landet auf der weißen Tischdecke Haalt schreie ich und versuche ihn einzufangen um seine Pfoten zu säubern Der Kater flieht in unser Bett doch ehe ich ihn einhole erbebt das Haus Der Geschirrschrank kippt um Zwei weitere Fensterscheiben brechen klirrend heraus H sieht eben etwas schlecht erklärt mein Mann Er hat das Haus ein Stück verschoben Es steht jetzt auf der Straße Aber jetzt macht er erst mal eine Raucherpause Ich sage nichts Ich gehe hinaus klettere in den gelben Bagger und lenke ihn an

    Original URL path: http://blog.verlagsgruppe-oetinger.de/index.php?id=367&no_cache=1&tx_ttnews[tt_news]=200&tx_ttnews[year]=2008&tx_ttnews[month]=04&tx_ttnews[day]=09&cHash=86a2dd4188 (2016-04-25)
    Open archived version from archive

  • Alle Jahre wieder
    war begann der Advent stets mit dem Mandeln Pulen Dazu weicht man die Mandeln ein drückt auf ein Ende und lässt den Kern aus der Haut flutschen Mit etwas Übung kann man Flutschweiten von bis zu vier Metern erzielen und wir fanden die Mandeln oft noch Jahre später unter den Schränken Zum Trocknen werden die Mandeln auf Handtücher gelegt welche man gleichmäßig im ganzen Haus auf dem Fußboden verteilt und zwar möglichst dort wo des Öfteren Leute durchgehen Zur Abwechslung flutschen dann die Leute zum Beispiel die Treppe hinunter Die vier Meter werden hier bisweilen übertroffen Man könnte die Mandeln auch ohne Haut kaufen aber das ist zu einfach Schließlich mahlt man sie in einer laut röhrenden Küchenmaschine und verknetet sie mit Puderzucker was so klebt dass man die Masse nicht wieder von den Fingern bekommt und diese notfalls mitbacken muss Die Tradition der Marzipanherstellung stammt aus Königsberg meine Familie floh damals von dort angeblich vor den Russen mir drängt sich jedoch der Verdacht auf dass sie vor dem Marzipan geflohen ist erfolglos wie sich zeigt Zu Studentenzeiten mahlte ich die Mandeln mit einem Fleischwolf den ich aus unerfindlichen Gründen in meiner veganen WG gefunden hatte Das dauert pro Mandel 17 Minuten Ich erinnere mich auch wie meine Freundin und ich beim ersten Keksebacken ohne Eltern feststellten dass man Zucker und Eier hätte schaumig rühren müssen Wir hatten den Zucker aber schon mit dem Mehl verrührt und verbrachten die nächsten Stunden damit beides wieder zu trennen Am leckersten waren die Kekse meiner Großmutter Oder sie wären es gewesen wenn man sie hätte essen können Leider war das auf Grund ihrer sehr standhaften Konsistenz unmöglich Wir beschäftigten uns an den Weihnachtsabenden immer damit auf steinharten Bärentatzen herumzulutschen Nach dem Tod meiner Großmutter buk meine Mutter ganz normale weiche Bärentatzen aber keiner

    Original URL path: http://blog.verlagsgruppe-oetinger.de/index.php?id=367&no_cache=1&tx_ttnews[tt_news]=571&tx_ttnews[year]=2011&tx_ttnews[month]=12&tx_ttnews[day]=09&cHash=24118ae2b6 (2016-04-25)
    Open archived version from archive



  •