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  • E
    für betriebliche Vermögen erhöht und die Existenzgründung durch angemessene Regelungen erleichtert werden Trotz des finanziellen Engpasses verspricht Scharpings Regierungserklärung angesichts des horrenden Unterrichtsausfalls die unverzügliche Einstellung von 800 neuen Lehrern Das brisante Thema Gesamtschule wird so formuliert Wir werden integrierte Gesamtschulen dort einrichten wo die Eltern dies wollen und wo das gegliederte Schulsystem in zumutbarer Entfernung erhalten bleibt Die rheinland pfälzischen Bürger freunden sich schnell mit dem politischen Wechsel an Scharping verbessert sich in der regelmäßigen Infas Umfrage der Rheinpfalz in der Sympathieskala von minus 5 bis plus 5 von 1 auf 1 6 Punkte und Juniorpartner Brüderle kann ebenfalls zufrieden sein 0 8 Prozent Soviel hatte er nie zu gemeisamen Regierungszeiten mit der CDU Die CDU Größen stürzen in Minusbereiche ab Die Stimmung schlägt auf die Bundespolitik durch 54 Prozent der Rheinland Pfälzer halten ihren Landsmann Helmut Kohl nicht mehr für einen guten Bundeskanzler Nach zwei Jahren im Juni 1993 sieht das demoskopische Ergebnis übrigens noch bedeutend besser aus 2 8 Sympathiepunkte für Scharping 1 0 für Brüderle Und wenn am nächsten Sonntag Landtagswahl wäre so Infas käme die SPD auf 48 Prozent die CDU nur noch auf 32 Prozent die FDP auf 6 und die Grünen auf 7 Prozent Während die Umfrage erstellt wurde war Scharping bereits als möglicher SPD Vorsitzender und Kanzlerkandiat im Gespräch Der Alltag Bereits nach 94 Tagen legt Scharping die Bilanz seiner ersten hundert Tage vor Demnach hat seine Regierung zwei Versprechen erfüllen können 800 Lehrer werden zusätzlich eingestellt um den Unterrichtsausfall zu mindern und die staatliche Mitfinanzierung der Kindergärten ist angelaufen mit der das noch von der alten CDU geführten Regierung gesetzte Ziel angesteuert werden soll ein garantierter Kindergartenplatz für jedes Kind von drei Jahren an Verbesserungen im Polizeibereich kommen hinzu erste Schritte zur Verwirklichung der Lehrmittelfreiheit und die Winzer werden von allzu bürokratischen Vorschriften bei der Mengenregulierung wieder befreit Natürlich gibt es auch Pannen in der Startphase Frauenministerin Rott kommt ins Gerede weil sie die Formulierung Vater Mutter unser gebraucht was den Bischöfen gar nicht gefällt und die FDP für kontraproduktiv hält Der Konfliktstoff zwischen den Koalitionspartnern aber hält sich in Grenzen Die FDP schreit Koalitionsbruch als Umweltministerin Martini Tempo 120 auf Autobahnen fordert Und SPD Bundesratsminister Gerster weist seinen FDP Staatssekretär Rumpf ohnedies eine der umstrittensten Personalien der Regierung zurecht der offen über eine Länder Neugliederung nachdenkt Die Finanzlage des Landes die Scharping von seinem CDU Vorgänger Wagner geerbt hat ist alles andere als rosig Die Ausgaben waren überproportional gestiegen 1989 um fünf Prozent 1990 um sieben Prozent mit einer Neuverschuldung von 1 4 Milliarden Mark gegenüber 534 Millionen im Jahr davor und in den ersten vier Monaten 1991 also bis zum Wahltag um 9 2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum Sofort nach ihrer Vereidigung muß die neue Regierung die Notbremse ziehen Mit einer Sperre von zehn Prozent für alle Ausgaben die nicht rechtlich oder faktisch fest gebunden waren Der neue Regierungschef erbt eine Verwaltung die seit mehr als vier Jahrzehnten von der Herrschaft einer Partei geprägt war der CDU Doch schon sehr bald er fest daß der Wechsel offenbar wie eine Befreiung auf die meisten Mitarbeiter gewirkt habe Die Motivation eines großen Teils der Beamtenschaft ist sehr gut stellt er fest Sehr schnell habe er zu unterscheiden gelernt wer wegen seiner fachlichen Qualifikation oder wegen seines Parteibuches an seinem Platz sei Letzeren muß man hie und da das Arbeiten beibringen und notfalls Konsequenzen ziehen Auch die unkonventionelle Art mit der Scharping seinen Amtspflichten nachgeht kommt an Wenn er sich zum Beispiel vom Empfang einer großen Autofirma in ihrem Kaiserslauterer Zweigwerk in die Werkshalle davonstiehlt um mit den Arbeitern am Band ein Schwätzchen zu halten spricht sich das im Lande rum Als er das erste Mal als neuer oberster Dienstherr die rheinland pfälzische Landesvertretung in Bonn besucht begrüßt er zuallererst das Küchenpersonal Die Vorgänger Regierung hatte die neue Landesvertretung an der Heussallee wenige Schritte vom Bundeshaus mit einem Riesenaufwand errichten lassen weit überdimensioniert für ein kleines Bundesland Scharping verbindet mit dem Gebäudekomplex persönliche Erinnerungen In dem Altbau an der Ecke Heussallee Winston Churchill Straße der in den Neubau integriert wurde hatte einst ein Zahnarzt seine Praxis Als Scharping damals Assistent des Abgeordneten Sperling Zahnschmerzen plagten suchte er den Zahndoktor auf Der ließ ihm die Wahl zwischen künstlichem Gebiß oder Wurzelbehandlung Er entschied sich für die letztere und so ist sein Lächeln auf späteren Wahlplakaten original geblieben Nicht alle in der Society an Rhein Mosel und Nahe sind einverstanden damit daß Scharping das Defilieren abschafft Die Honoratioren des Landes waren gewohnt daß alljährlich zum Neujahrsempfang in der Staatskanzlei ein Defilee über die Prunktreppe stattfand Jeder durfte ja mußte dem Landesherrn die Hand geben ehe ihm Einlaß gewährt wurde Als Oppositionsführer hat Scharping dieses Ereignis gerne geschwänzt und von seinem politischen Ziehvater Wilhelm Dröscher weiß er zu erzählen daß der sich einmal durch eine Nebentür hineingemogelt habe worauf im Wachbuch amtlich vermerkt wurde Der Oppositionsführer verschaffte sich mit Gewalt Zutritt zur Staatskanzlei Scharping kaum als Ministerpräsident im Amt ordnet an Es soll zu keinem Defilieren kommen Dies wird auch den Gästen mitgeteilt die wie üblich zum Neujahrsempfang eingeladen werden Doch die halten sich nicht daran die Schlange vom Rheinufer herauf ist länger als je zuvor Scharping sinnt auf Abhilfe Seit der Jahreswende 1992 93 findet der Neujahrsempfang abwechselnd in verschiedenen Städten des Landes statt zuerst in Ludwigshafen dann in Trier Kaiserslautern und Koblenz Auch das gemeine Volk ist geladen So hat es sich ausdefiliert Politik kann auf Selbstbeweihräucherung verzichten Mit dieser Begründung stellt die neue Landesregierung 1991 sofort den Rheinland Pfalz Report Scharping eine Regierungspostille ein Von dem eingesparten Geld mehrere hunderttausend Mark werden Kinder aus Tschernobyl und Bitterfeld zur Erholung nach Rheinland Pfalz eingeladen Schwerpunkt Wirtschaft Schwerpunkt ist für Scharping von Anfang an die Wirtschaftspolitik Rheinland Pfalz ist nicht mehr das Land der Reben und der Rüben sagt er Es ist ein Land in dem sich zunehmend hochqualifizierte Arbeit spezialisierte Arbeitnehmer neue technologische Entwicklungen verbinden mit den Herausforderungen der Zukunft In einer Zukunftsinitiative Rheinland Pfalz bringen Scharping und sein FDP Vize Brüderle Vertreter von Wirtschaft Politik Wissenschaft und Verwaltung an einen Tisch Es wird ein eingetragener Verein daraus mit dem BASF Vorstandsvorsitzenden an der Spitze und Scharping als seinem Stellvertreter Auf seinen Kreisbereisungen sucht Scharping vor allem Kontakt zur heimischen Wirtschaft Er hört zu und kehrt auch eigene wirtschaftliche Kompetenz hervor zum Beispiel bei einer Kreisbereisung in Trier Der Ministerpräsident besucht die Firma Laeis Bucher ein Traditionsunternehmen das fast ein Welt Monopol für Maschinen zur Keramik Herstellung hat Es ist mittlerweile in Schweizer Besitz Der Chef Hans Hauser selber ein Schweizer stimmt das übliche Klagelied an Die Konkurrenz in Italien mit den geringeren Lohnnebenkosten und wenn die Dritte Welt erst auf den Markt kommt Per Bildwerfer werden Schreckensbilanzen an die Wand projiziert Scharping sieht sich das alles gelassen an stellt dann nur eine knappe Frage Und wie hoch sind die Lohn Stückkosten Hauser stottert Die haben wir leider nicht präsent Da meldet sich der Betriebsratsvorsitzende mutig geworden aus dem Hintergrund und sagt Das ist genau der Punkt Unsere Produktivität ist besonders hoch Und als der Chef noch berichtet daß man jetzt ein neues größeres und schöneres Werk im Trierer Hafengebiet baut ist die Sache klar Natürlich ist der Standort attraktiv nicht zuletzt wegen der spezialisierten und motivierten Mitarbeiter Man denkt im Traum nicht daran die Produktion in ein Billiglohnland zu verlegen Bei der anschließenden Betriebsbesichtigung legt Scharping Wert darauf daß auch der Betriebsratsvorsitzende an seiner Seite ist Dem Chef aus der Schweiz gibt er am Ende noch den Rat Machen Sie doch bei unserer Zukunftsinitiative mit Kaiser Wilhelm Brot und Spiele Eine Erbschaft der alten Landesregierung kann einem Sozialdemokraten eigentlich überhaupt nicht schmecken das Kaiser Wilhelm Denkmal Ein Koblenzer Verleger hatte auf eigene Kosten das Reiterstandbild Kaiser Wilhelms I das am Ende des Zweiten Weltkriegs von amerikanischen Granaten zerstört worden war neu gießen lassen Es sollte wieder auf seinen Podest am Zusammenfluß von Mosel und Rhein wo seit den Zeiten des liberalen Bundespräsidenten Theodor Heuss schlicht die deutsche Fahne flatterte Die Regierung Vogel wollte das Geschenk nicht die Stadt Koblenz war gespaltener Meinung Da entschied CDU Ministerpräsident Wagner zugunsten des Denkmals eine historische Provokation jedenfalls aus der Sicht der SPD Wilhelm I der die bürgerliche Revolution von 1848 niederkartätschen ließ ist kein Sinnbild für die deutsche Einheit auf der Grundlage des Grundgesetzes und der darin verbrieften Menschenrechte Scharping schreibt im Sozialdemokratischen Pressedienst Der Weg zur staatlichen Einheit der Deutschen ist ein europäischer kein nationaler allein Es ist absurd unsere Einheit nach den großen Brüchen und Verwüstungen mit der Rekonstruktion eines großdeutschen Symbols zu belasten Doch er sieht sehr bald ein daß es wenig Sinn macht daraus einen Kulturkampf zu machen von den juristischen Problemen ganz zu schweigen Er schenkt das Deutsche Eck einfach der Stadt Koblenz gibt noch Geld für die Sanierung des Sockels dazu und nun mögen die Koblenzer mit ihrem Monstrum zufrieden sein oder sich mit ihm blamieren je nach Geschmack Scharping hat eine eigene Idee dem Volk panem et circenses zu bieten Tal total 1992 läßt er zum ersten Mal an einem Sonntag das gesamte Rheintal zwischen Koblenz und Bingen für den Autoverkehr sperren Hunderttausende nutzen den Tag um zu wandern oder zu radeln wie er selbst Der Erfolg macht andere neidisch und an der Deutschen Weinstraße und im Moseltal wird das Experiment nachgeahmt Tal total ist schon nach dem zweiten Mal eine feste Institution die noch ausgebaut werden kann Scharping verspricht sich neuen Aufschwung für das romantische Rheintal dessen Attraktivität für den Fremdenverkehr mit der Zeit nachgelassen hatte Zwischenbilanz Ein halbes Jahr nach dem Machtwechsel in Mainz steht Scharping in der eigenen Partei erneut auf dem Prüfstand Auf einem Landesparteitag in Speyer wird er mit 213 von 230 Stimmen als Landesvorsitzender wiedergewählt Kritiker wagen sich kaum noch hervor obwohl statt des üblichen Rituals mit dem Rechenschaftsbericht diesmal eine Fragestunde angesagt und allen SPD Kabinettsmitgliedern Präsenzpflicht verordnet worden ist Lediglich der Juso Landesvorsitzende Jörg Kukies spricht von der Gefahr daß die Landespartei zum Anhängsel der Regierung werde Kritik ist nicht gefragt Jubelrufe wie Rudolf das hast du gut gemacht sind zu hören Der zeigt bundespolitisches Profil Kohl ist für ihn der Schuldenkanzler und Theo Waigel die Bundeskasse anzuvertrauen sei so als mache man Dracula zum Chef der Blutbank Kritik übt er aber auch an der Bundes SPD Sie müsse ihr soziales Profil schärfen ihre wirtschaftliche und umweltpolitische Kompetenz ausbauen Der Kanzlerkandidat Engholm sei der Richtige jetzt fehle es noch am guten Team Kein Wunder daß sich die Delegierten bange fragen welche bundespolitischen Ambitionen ihr Vormann habe Sie könnten unbesorgt sein beruhigt Scharping Genossen am Rande des Parteitags Er sei und bleibe Ministerpräsident in Rheinland Pfalz auch über 1996 hinaus Erstmals wird auf dem Speyerer Parteitag ein Landesschatzmeister gewählt Es ist Kurt Beck der Fraktionsvorsitzende ein Signal wie wichtig er in der Personalplanung Scharpings ist Den ersten Jahrestag seines Sieges feiert Scharping mit Freunden und Mitarbeitern mit Künstlern und Wahlhelfern im Mainzer Bachhof Aus Düsseldorf ist Johannes Rau hinzugekommen Für ihn sei Scharping so sagt er immer der Enkel gewesen der sich sein eigenes Land erarbeitet und die richtige Mischung aus Bodenhaftung und Perspektive hat Auch der DGB ist zufrieden Das Urteil fällt überwiegend positiv aus erklärt der Landesbezirksvorsitzende Dieter Kretschmer in der ersten Jahresbilanz Die Landesregierung setze in der Wirtschaftspolitik das richtige Signal um Willen zum Aufbruch zu vermitteln Gelobt werden der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs die Planungen für ein Weiterbildungsfreistellungsgesetz die Erweiterung der Technologieberatung und die Demokratisierung der Schule Nicht genügend stark macht sich indes die Regierung Scharping nach DGB Meinung für die integrierte Gesamtschule und den Ausbau der Gewerbeaufsicht Als Belastung betrachtet der DGB die Absicht die Zuständigkeit für die Arbeitsgerichtsbarkeit vom Arbeits auf das Justizministerium zu übertragen Das Wohlwollen der Gewerkschaften erleidet einen Knacks als die Landesregierung einem großen Teil der Lehrerschaft eine zusätzliche Unterrichtsstunde verordnet Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft steht Kopf verteilt an ihre Klientel 20 000 rote Karten die als Zeichen des Protestes an die Staatskanzlei geschickt werden sollen Doch nur ein paar hundert werden dort gesichtet Evelyn Roll schildert in der Süddeutschen Zeitung eine Szene in der Scharping einem alten Freund der selbst Lehrer ist in der Koblenzer Szene Kneipe Mephisto die Sache erklärt Meine Güte dann mußt du halt mal 25 oder 40 Minuten mehr unterrichten na und Der Weg von der Erkenntnis zum Handeln führt über eine hohe Hürde die heißt Gewohnheit Für die Lehrerverbände ist diese Hürde offenkundig zu hoch Auch wenn er vor allem in seinem ersten Wahlkampf das Auftreten der Amerikaner in Rheinland Pfalz immer wieder kritisiert hatte bemüht sich Scharping als Ministerpräsident ein gutes Verhältnis zu den USA aufzubauen Er besucht mehrfach amerikanische Garnisonen und reist Ende Oktober 1991 in die USA nun zum ersten Mal als Regierungschef Ein sicheres Militärsystem in Europa funktioniert besser wenn die USA beteiligt sind sagt er vor der Washingtoner Militärakademie Aber eine bessere Informationspolitik über den geplanten Abzug von US Truppen aus seinem Bundesland und mehr noch eine Mitwirkung an den Standortentscheidungen erwarte er denn doch Im Mai 1992 wird Scharping Ehren Vorstandsmitglied des Deutsch Amerikanischen Clubs Rheinland Pfalz mit seiner über 300jährigen Geschichte der Auswanderung nach Nordamerika sei besonders prädestiniert einen Beitrag für die deutsch amerikanische Kooperation einzubringen erklärt er Spannungen über den Rhein Aus seinem Amtszimmer blickt der rheinland pfälzische Ministerpräsident direkt auf die Rheinbrücke die Mainz mit den rechtsrheinischen zu Hessen gehörenden Stadtteilen verbindet Der Weg nach Wiesbaden ist kurz Doch Scharpings Verhältnis zu seinem SPD Kollegen jenseits des Rheins zu Hessens Ministerpräsident Hans Eichel ist trotz gelegentlicher gemeinsamer Kabinettssitzungen die pflegt man auch mit dem Saarland und Luxemburg nicht gerade frei von Spannungen Zwar ist Erich Stather in Oppositionszeiten Scharpings enger Vertrauter als Persönlicher Referent bei Eichel Regierungssprecher Doch kaum haben sich die beiden Ministerpräsidenten freundschaftlichen Umgang und enge Zusammenarbeit versprochen knirscht es schon Die Mainzer Landesregierung beklagt sich über unerlaubten Mülltourismus aus Hessen Trotz aller Hinweise habe das Wiesbadener Umweltministerium nicht auf die Tatsache reagiert daß Sondermüll von Frankfurter Firmen in einer ehemaligen Lavagrube in der Eifel verscharrt wurde Auch mit der Verkehrswegeplanung liegen die beiden Landesregierungen quer Rheinland Pfalz stimmt im Bundesrat für das Verkehrswegebeschleunigungsgesetz von Bundesverkehrsminister Günther Krause CDU Scharping spricht sich sogar dafür aus es nicht nur für die ehemalige DDR und Randgebiete anzuwenden sondern für ganz Deutschland Dies wiederum ist nicht im Interesse von Hessen durch das ein wesentlicher Teil des West Ost Verkehrs geht Ein weiterer Knackpunkt heißt Wolfgang Kiehne Der war einst Geschäftsführer der SPD Landtagsfraktion in Wiesbaden wurde dann mit drei Vierteln seines Gehalts in den Einstweiligen Ruhestand versetzt Scharping heuert Kiehne als ehrenamtlichen SPD Landesgeschäftsführer an Er führt also die Geschäfte der rheinland pfälzischen SPD auf Kosten der hessischen SPD Fraktionskasse Scharping selber gibt in einer Pressekonferenz stolz diese kostengünstige Personalentscheidung bekannt In Wiesbaden sind die Genossen höchst verärgert Politik der ruhigen Hand Auch wenn Rudolf Scharping von Hause aus kein Verwaltungsjurist ist legt er Wert auf eine korrekte Amtsführung mit Einhaltung der Dienstwege Da wird nicht einfach locker nach politischem Gusto verordnet sondern alles hat seine preußische Ordnung Was das bedeuten kann mußte die eigene Ehefrau erleben Jutta Scharping ist stellvertretende Elternpflegschafts Vorsitzende am Lahnsteiner Gymnasium Eltern und Schüler setzen sich dafür ein daß eine Aushilfs Lehrerin die besonders beliebt ist und befähigt erscheint fest eingestelltwird Die First Lady des Landes schreibt einen Brief ans Kultusministerium Staatssekretär Hofmann Göttig ein Freund der Familie klärt sie darüber auf daß auch in diesem Fall streng nach den Einstellungsvorschriften verfahren werden müsse Auch der Hinweis daß der Vorsitzende der Elternpflegschaft dahinter stehe und ein CDU Mann sei kann daran nichts ändern Von vornherein legt Scharping Wert auf ein starkes Amtschef System Das heißt daß die Umsetzung der politischen Vorgaben den Staatssekretären und vornean dem Chef der Staatskanzlei obliegt Scharping hat jedenfalls in den SPD Ressorts alle Staatssekretäre selber ausgesucht Er verordnet zwar nichts an den Ministern vorbei doch er hält sie politisch an der kurzen Leine Von ihm kommen die entscheidenden politischen Vorgaben ob es um den Verkauf von Teilen der Landesbank oder die BASF Sondermüllverbrennung geht Ihm kommt zugute daß niemand im Kabinett das Land so gut kennt wie er selbst Scharping sieht seine Amtsführung gerne als Politik der ruhigen Hand beschrieben Geräuschlosigkeit ist sein Prinzip erst miteinander reden dann Beschlüsse fassen und sie gemeinsam durchsetzen Zuhören können auch das ist sein Geheimnis Seine Leute sagen Wenn zehn Leute mit zehn verschiedenen Meinungen mit ihm zusammenkommen dann gehen sie mit einer Meinung wieder heraus Mit Scharpings Meinung in der Regel Ob das was in Rheinland Pfalz funktioniert auch für Bonn taugt das ist allerdings die große Frage Davon ausgehend daß ein Beamter eo ipso loyal ist hat Scharping in der Staatskanzlei die Mitarbeiter seines CDU Vorgängers Wagner übernommen Einige haben von sich aus um andere Verwendung gebeten doch zwei Abteilungsleiter sind auf ihren Posten geblieben darunter der Leiter der Abteilung 1 die für Grundsatzfragen und Personalangelegenheiten zuständig ist er führt sogar Protokoll während der Kabinettssitzungen Beamte sind weder Weichensteller noch Dienstboten der Politik lautet Scharpings Meinung Es bleibt ein zentraler Anspruch daß der Beamte vorrangig dem ganzen Staat und der ganz Bevölkerung dient loyal und dem Gesetz verpflichtet Der Beamte hat dieses dienstliche Engagement unter jeder Regierung zu zeigen gleich welcher parteipolitischen Struktur sie ist Die Beamten haben derlei Signale aufmerksam wahrgenommen Es gab nach der Mainzer Wende so gut wie keine Durchstechereien an die CDU wie man sie zum Beispiel in Bonn nach dem Wechsel 1969 und dann wieder nach der Wende 1982 erleben konnte Lediglich im Büro des Regierungssprechers soll es so wird erzählt anfangs jemanden gegeben haben der sich als Horchposten der Union verstand Daß Scharping die Staatssekretäre der CDU und auch die Regierungspräsidenten in Pension schickt ist selbstverständlich Auf weniger Verständnis in der Öffentlichkeit stößt dann allerdings eine Entscheidung für die sich Scharping fast anderthalb Jahre Zeit gelassen hat die Entlassung der vier Polizeipräsidenten Alfred Weber Trier Helmut Wintrich Koblenz Rolf Rainer Nebe Mainz und Werner Ochs Kaiserslautern Rücksichtsloses Vorgehen gegenüber verdienten Beamten wettert Oppositionschef Hans Otto Wilhelm Die Amtsinhaber hätten sich hervorragend bewährt Scharping verweist darauf daß die bevorstehende Neuorganisation der Polizei eine große

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  • F
    Meinungsumfrage zu Meinungsumfrage weiter absackt und die Partei mit nach unten zieht Am Sonntag dem 2 Mai 1993 sitzt Engholm daheim in Lübeck und schreibt an seiner Rücktrittserklärung Am Abend zuvor war er noch nach Hamburg Langenhorn gefahren hatte sich Rat von Ex Bundeskanzler Helmut Schmidt geholt Politischen Freunden hatte er schon am 29 April mitgeteilt daß sein Entschluß feststehe Die SPD Führungsspitze ist also nicht überrascht Einige versuchen ihn noch umzustimmen Es drehen viele dran aber es hat keinen Sinn mehr ist der letzte Satz den er mir am Sonntagvormittag am Telefon sagt Eine Stunde später hat die Post seine Telefonnummer geändert niemand erreicht ihn mehr Parteivorsitzende r gesucht Gerhard Schröder läßt an jenem Sonntag an dem Engholms Verzicht auf Parteivorsitz und Kanzlerkandidatur noch gar nicht offiziell ist durch einen Sprecher mitteilen er sei bereit beide Ämter zu übernehmen Am nächsten Tag entschuldigt er sich vor dem Parteipräsidium damit da sei wohl jemand besoffen gewesen In Rudolf Scharping reift an jenem Wochenende der Entschluß für den Parteivorsitz zu kandidieren Doch er äußert sich nicht öffentlich Am nächsten Tag als sich das ganze Augenmerk der Medien auf die SPD Präsidiumssitzung richtet in der Engholms Rücktrittserklärung erwartet wird diskutiert er mit Schülern in Remagen An jenem Montag und auch noch in den beiden Wochen danach sind eine Reihe von Kandidaten für die Engholm Nachfolge im Gespräch Sogar eine Kanzlerkandidatur von Ex Kanzler Schmidt wird diskutiert Doch der 74jährige läßt parallel zu Engholms Rücktritts Pressekonferenz am Nachmittag erklären daß er aus Altersgründen nicht zur Verfügung stehe Auch Scharping legt sich zunächst öffentlich nicht fest Sie dürfen ganz sicher sein Ich sage es zunächst da wo es hingehört Wir haben uns darauf verständigt daß alle Beteiligten erst mit Johannes Rau reden und daß die Dinge dann in den Gremien der Partei erörtert werden sagt er der Süddeutschen Zeitung 6 Mai auf die Frage ob er denn schon seine Bewerbung für den Parteivorsitz abgegeben habe Er werde noch ein paar Gespräche führen und meine Schlüsse daraus ziehen Aber welche Eigenschaften der neue Parteichef mitbringen müsse das weiß er schon ganz genau Den Willen zur Verantwortung die Fähigkeit im Team zu führen die Partei zusammenzuhalten ihr Glaubwürdigkeit Vertrauen und eine möglichst große Zahl von Partnern zu verschaffen Die Herausforderung besteht darin immer wieder mit ähnlichen Worten präzisiert er in den nächsten Tagen sein Credo die SPD wieder stärker zu der breiten reformerischen Bewegung zu machen die ihre Kontakte zu Kirchen Gewerkschaften Universitäten und anderen Gruppen nicht nur beschränkt auf die Führungsebenen Geschlossenheit finden im Werben um Vertrauen einer Mehrheit der Gesellschaft das ist das Ziel Focus 20 93 Auf die Spiegel Frage was denn sein Erkennungszeichen sei antwortet er Vertrauen schaffen und Mehrheiten für sozialdemokratische Politik Der bloße Wille zur Macht ist hohl Wohin das führt zeigt Dr Kohl In jenen Tagen gibt es besonders zwischen Rau Scharping und Lafontaine viele Gespräche über das weitere Procedere Nach außen entsteht zeitweise der Eindruck als wolle der amtierende Parteichef Rau den erklärten Kandidaten Schröder blockieren und erreichen daß es zu einem Zweigespann Scharping Lafontaine kommt Lafontaine erweist sich von Anfang an als der alte Zauderer In der Frage des Parteivorsitzes hält er sich bedeckt läßt sich statt dessen von seinem saarländischen Fraktionschef Reinhard Klimmt und dem Vize Vorsitzenden der Saar SPD Ottmar Schreiner empfehlen Mitarbeiter in Bonn und Saarbrücken streuen seinen Führungsanspruch Das Echo in Partei und Öffentlichkeit ist dünn Auch Johannes Rau der als Engholms dienstältester Stellvertreter kommissarisch die Führung der Partei übernommen hat gilt zunächst noch als möglicher Kandidat für den Parteivorsitz Heidemarie Wieczorek Zeul erklärt von vornherein daß sie nur den Parteivorsitz nicht aber die Kanzlerkandidatur anstrebe weil sie grundsätzlich für eine Trennung dieser Ämter sei Schröder ist ebenso grundsätzlich der gegenteiligen Ansicht während sich Scharping von Anfang an nicht festlegt Die Basis hat das Wort Schon in der Präsidiumssitzung vom 3 Mai wird die Forderung nach einer Beteiligung der Parteibasis an den bevorstehenden Personalentscheidungen laut Herta Däubler Gmelin spricht als erste davon Johannes Rau ist zögerlich Eine Urwahl oder zumindest Befragung der Mitglieder entspräche dem Diskussionsstand in der Kommission SPD 2000 zur Parteireform Hatte nicht die israelische Schwesterpartei ihren letzten Wahlerfolg auch der Tatsache zu verdanken daß der Ministerpräsidenten Kandidat von den Mitgliedern in Urwahl bestimmt wurde ein Vorgang an dem die gesamte Nation lebhaften Anteil nahm Es gibt erklärte Gegner einer Basisentscheidung Am lautstärksten äußert sich der nordrhein westfälische SPD Fraktionschef Friedhelm Farthmann Eine echte Urwahl aller Mitglieder ist schnell vom Tisch denn die geben Parteiengesetz und Parteistatut nicht her Eine Briefwahl aller Mitglieder findet dann im Parteivorstand ebenfalls keine Mehrheit weil man einen anonymen Entscheidungsprozeß befürchtet der mehr durch die Medien als durch innerparteiliche Meinungsbildung beeinflußt würde Und so ganz nebenbei weist Schatzmeisterin Inge Wettig Danielmeier auch darauf hin daß dies bei fast 900 000 Mitgliedern ein teurer Spaß würde rund zwei Millionen Mark inklusive Freiumschlag Man findet schließlich einen Kompromiß unter dem Schlagwort Tag des Ortsvereins Die Mitglieder werden eingeladen an einem bestimmten Tag man verständigt sich angesichts des bundesdeutschen Ferienkalenders auf Sonntag den 13 Juni zwischen 10 und 18 zur Stimmabgabe in das Versammlungslokal ihres Ortsvereins zu kommen Wer verhindert ist darf Briefwahl Unterlagen anfordern Der Nebeneffekt Die Kosten werden auf die unteren Parteigliederungen verlagert die in der Regel vollere Kassen haben als die Zentrale in Bonn Scharping ist von Anfang an für eine breite Beteiligung der Mitglieder aber aus dem Streit über das Wann und Wie hält er sich heraus Zur Präsidiumssitzung am 10 Mai erscheint er später weil er es vorzieht bei einer Betriebsversammlung in Neuwied zu reden und anschließend die Beschäftigten an ihren Arbeitsplätzen aufzusuchen weil es nicht darum geht die Mehrheit in der Partei sondern in der Gesellschaft zu gewinnen Schnell sind auch die Meinungsforscher zur Stelle Ihr Handicap Da die Parteizentrale den Datenschutz ernst nimmt ist eine repräsentative Befragung der Mitglieder nicht möglich Also versucht man sich mit Umfragen unter den SPD Anhängern dem Stimmungsbild in der Partei zu nähern Am 16 Mai veröffentlicht die Bild am Sonntag eine derartige Umfrage auf der Basis von 1005 Interviews durchgeführt vom Dortmunder Forsa Institut das im demoskopischen Umgang mit der SPD als besonders erfahren gilt Vorab wird festgestellt 71 Prozent wollen eine Ämtertrennung mit der Konsequenz Scharping Parteichef Schröder Kanzlerkandidat Im einzelnen liegt bei der Kanzlerkandidatur Schröder mit 30 Prozent vor Scharping 27 Prozent und Lafontaine 23 Prozent relativ knappe Abstände also Dagegen wird die Frage nach dem Wunsch Parteivorsitzenden bereits vier Wochen vor der Mitgliederbefragung eindeutig beantwortet obwohl in der Forsa Umfrage noch fünf Kandidaten im Rennen sind Scharping 30 Prozent Rau 19 Prozent Schröder 17 Prozent Wieczorek Zeul 12 Prozent und Lafontaine 9 Prozent Nicht uninteressant die Aufschlüsselung der Resultate Die BamS faßt unter der Schlagzeile Frauen für Schröder Beamte für Scharping zusammen 31 Prozent der weiblichen SPD Anhänger stimmten für Schröder Scharping ist das Schlußlicht in der weiblichen Gunst Er bekam nur 24 Prozent noch ein Prozent weniger als Lafontaine Die Beamten allerdings schätzen Scharping 51 Prozent gaben dem studierten Politologen aus Lahnstein ihre Stimme dem Rechtsanwalt aus Hannover nur 21 Prozent Schlecht schneidet Scharping übrigens auch bei den unter 30jährigen ab Nur 18 Prozent wollen ihn als Kanzlerkandidat je 24 Prozent votieren für Schröder und Lafontaine Business as usual Von dem Tag an da er den Hut für die Engholm Nachfolge in den Ring geworfen hat ist Scharping nicht mehr nur bei der rheinland pfälzischen Presse ein gefragter Mann Seine Kreisbereisungen seine Aufritte in der eigenen Provinz werden auf einmal überregionale Medienereignisse Zum Beispiel sein Besuch der Stadt Trier Protokoll und Presseamt der Stadt sind vom überregionalen Interesse überrascht Der Trierische Volksfreund wird am nächsten Tag stolz vermerken daß sogar das ZDF und die Bild Zeitung dabei waren Scharping tut so als fechte ihn das alles nicht an Business as usual Aber natürlich inszeniert er seine Auftritte auch So manches Bierchen habe ich hier schon getrunken sagt er laut und zeigt auf eine Kneipe am Viehmarktplatz Der CDU Oberbürgermeister Helmut Schröer an seiner Seite ist überrascht Doch wer Scharping kennt ist es nicht Trier gehört zum riesigen Parteibezirk Rheinland Hessen Nassau in dem er seine Karriere aufbaute Da muß er jeden Winkel kennen Zum Beispiel auch das Jugendzentrum oder das Berufsschulzentrum Schnell findet den Kontakt zu den Jugendlichen geht in die Klassen und fragt wem hier gerade was beigebracht wird Die jungen Zahnarzt Helferinnen blicken neugierig zu dem 1 89 Meter Mann empor der Lehrer gibt sich locker Hier geht es gerade um Sexualkunde Welchen Eindruck macht die Politik derzeit auf euch fragt er in einen anderen Klassenraum hinein Na ja man muß halt warten antwortet ein Schüler Nein nicht abwarten mitmachen sollt ihr entgegnet Scharping Aber auch so etwas gehört zu einer Kreisbereisung Besuch der Sortieranlage für den Grünen Punkt Müll im Trierer Hafen Ausländer am Fließband Ein Fotograf verleitet ihn mit anzupacken Er tut s in seinem dunklen Zweireiher bereut es aber im gleichen Augenblick Gestellte Szenen sind nicht seine Sache Als er wieder in seine Dienstlimousine steigt kommt über die Südwestfunk Nachrichten die Meldung daß seine Umweltministerin Klaudia Martini in Mainz auf die wachsenden Müllhalden des Dualen Systems hingewiesen hat Hat man ihm nicht gerade erzählt daß alles seine Ordnung habe Oder seine Bereisung des Rhein Hunsrück Kreises Der Terminplan an jenem 2 Juni knapp zwei Wochen vor der SPD Mitgliederbefragung ist so richtig zum Vorzeigen Besuch bei der Bremsenfabrik Teves in Rheinböllen 900 Beschäftigte darunter viele Türkinnen und Türken Die Morde von Solingen liegen gerade ein paar Tage zurück Er macht ihnen Mut Oder Gespräch mit Winzern in Oberwesel am Rhein Die Weinbauern jammern über den Preisverfall Scharping fragt nach dem Steillagen Zuschuß ermuntert die Anwesenden Erzeugergemeinschaften zu bilden Man kann ihm nichts vormachen beim Wein schon gar nicht Und als die Winzer den Wunsch äußern doch wenigstens einmal im Jahr wieder mit Herbiziden das Unkraut abätzen zu dürfen bekommen sie eine deutliche Abfuhr Ökologisch anbauen und Herbizide spritzen das paßt wohl nicht zusammen Sie schlucken es Abends dann im Tivoli von Kastellaun der Bürgerempfang mit dem jede Kreisbereisung abgeschlossen wird Rund vierhundert Bürger sind in den Versammlungssaal des HunsrückStädtchens gekommen Auch was er hier sagt ist nicht bequem Wir dürfen nicht länger nur an den eigenen Beritt denken Wir sind keine westdeutsche Verteilungsgesellschaft mehr sondern eine gesamtdeutsche Aufbaugesellschaft Wir brauchen keine dritte Stufe für unsere Kläranlagen solange in Dresden und Leipzig Kläranlagen fehlen Die Journalisten von Ost Blättern schreiben eifrig mit die Botschaft kommt am richtigen Ort an selbst wenn sie hier oben auf den kargen Hunsrückhöhen wo man auch nicht gerade im Wohlstand lebt nicht gerne gehört wird Als sich die Vertreter der Bürgerinitiative gegen den Weiterbetrieb der nahegelegenen US Militärbasis Hahn als Zivilflughafen zu Wort melden wird Scharping ungehalten Ein bißchen provinziell oder 800 Arbeitsplätze und 250 Millionen Mark an jährlicher Kaufkraft gingen der Region durch den Abzug der Amerikaner verloren da müsse man realistische Alternativen suchen Während des innerparteilichen Wahlkampfs geht Scharping ohne Abstriche seinen Pflichten als Ministerpräsident nach Gleichwohl findet er Zeit für eine Reihe von Partei Auftritten Die erste richtige Probe wird der Auftritt vor 250 mittelrheinischen Ortsvereins Vorsitzenden im Kölner Kolpinghaus Es geht ihm nicht um große Programme sondern um den Zustand der SPD Manche in der Partei glauben man gewinne Profil indem man den anderen in die Pfanne haut Und Wir haben manche Frage zu lange vor uns hergeschoben Er plädiert für mehr Offenheit und zitiert Ferdinand Lassalle Jede politische Aktion beginnt damit daß man sagt was ist Beeindruckt schreibt Ulrich Deupmann in der Süddeutschen Zeitung Der rheinland pfälzische Ministerpräsident redet 50 Minuten lang über das gegenwärtige politische Durcheinander und die nur schemenhaft sich abzeichnende Zukunft Deutschlands und zieht die Zuhörer derart in den Bann daß niemand den Blick vom Rednerpult weg richtet oder auch nur mit dem Papier auf dem Tisch raschelt Scharping kommt mit seinen stillen Tönen gut an auch wenn Gerhard Schröder bei seinen Auftritten mehr Beifall bekommt Er setzt eben mehr auf die lauten Töne In Hintergrundgesprächen sieht er sich schon als Sieger witzelt über Scharping als dem Förster vom Westerwald Doch Schröder macht in diesen Tagen entscheidende Fehler Einer ist immer wieder genannt worden daß er schon am Tag vor dem Rücktritt Engholms dessen Nachfolge anmeldete und sich damit selbst den Stempel illoyal aufdrückte Ein weiterer Fehler Schröders seine Festlegung auf ein rot grünes Bündnis Ein anderer Vorgang aber spielt wenn auch kaum öffentlich diskutiert an der traditionell auf Arbeitnehmerinteressen ausgerichteten SPD Basis eine noch stärkere Rolle Schröders uneingeschränktes Eintreten für den knallharten VW Manager Lopez Ein Sozialdemokrat der einen Mann unterstützt der zum Frühkapitalismus zurückwill Wenn Schröder in jenen Tagen einmal in eine Versammlung wie den Unterbezirksparteitag Dortmund hineingelauscht hätte wäre ihm klargeworden was er in der SPD mit seiner Funktion als VW Aufsichtsratsvorsitzender angerichtet hat Sympathiewerbung in Ostdeutschland Auch im Osten hat Schröder größere Probleme weil er mehrfach die Meinung vertreten hatte hatte daß die Leistungen für die deutsche Einheit da ihre Grenzen haben müßten wo die eigenen Kindergärten nicht mehr finanziert werden können Von Scharping hatte man jenseits der Elbe derlei Töne nicht vernommen Was er von den Ansichten seines Rivalen Schröder hält sagt Scharping dem Nachrichtenmagazin Focus Daß Gerhard Schröder zunächst die Interessen seines Bundeslandes vertritt ist ja wohl normal Die Frage ist allerdings wie ich mit den Anliegen der Menschen im Osten umgehe Wir müssen endlich erkennen daß wir im Westen auf Dauer nicht sicher leben können wenn im Osten die Verhältnisse tanzen Das sind Äußerungen die von der SPD Basis im Osten aufmerksam registriert werden Trotzdem wird auch Scharping bei seinen Auftritten in Schwerin oder Ludwigsfelde reserviert aufgenommen Die junge Partei im Osten die noch Schwierigkeiten hat mit dem sozialdemokratischen Genossen Du versteht Scharpings sensible Töne nicht immer hält es eher mit dem Holzschnittartigen in der Politik Da werden klare Worte über die Gegner im innerparteilichen Wahlkampf erwartet Scharping läßt sich nicht provozieren Ich werde einen Deubel tun etwas über Heidi Wieczorek und Gerhard Schröder zu sagen Ich kandidiere nicht gegen jemanden sondern für ein Amt Lebendiger geht es in Dresden zu wo sich dreihundert SPD Mitglieder im Blockhaus eingefunden haben Ihn bedrücke sagt Scharping daß die SPD als gestaltende Kraft zu schwach sei Gerade deshalb müsse mit persönlicher Profilierung Schluß sein Bis über Mitternacht geht es zur Sache Paragraph 218 Auch mit einer SPD geführten Bundesregierung ist dieses Urteil ob es uns nun gefällt oder nicht zu akzeptieren Widerspruch aus dem Publikum man müsse eben die Verfassung ändern Scharping Bei allem Optimismus glauben Sie denn wirklich an eine Zweidrittelmehrheit der SPD im neuen Bundestag Was ihm denn die Farbe Rot bedeute will einer wissen Die Farbe der Liebe aber bunte Wiesen sind mir lieber Aber doch nicht zu bunt Als einer über einen Machtwechsel in Sachsen gemeinsam mit dem Bündnis 90 redet bekommt er eine Abfuhr Koalitionsaussagen vor der Wahl sind Kindertheater Dennoch Auch in Sachsen sei die SPD das nächste Mal dran trotz Biedenkopf der einzige ernstzunehmende Politiker Und dann als er die Ungläubigkeit spürt Nur die die glauben daß es nicht geht werden es auch nicht erreichen Gute und schlechte Noten Im Ruhrgebiet kommt Scharping offenbar weniger gut an Steif und langweilig sei er meinen die Berichterstatter Einige Tage später treffen wir uns irgendwo im letzten Winkel des Westerwald Kreises Altenkirchen Was er von derlei Kommentaren hält Die Herren Journalisten haben sich nicht die Zeit genommen bis zum Schluß zu bleiben Dann wären sie zu einer ganz anderen Beurteilung gekommen Aber vielleicht hatten sie ja auch schon Redaktionsschluß Und dem Spiegel sagt er Ich habe mich nicht als Showmaster sondern als SPD Vorsitzender beworben Zehn Tage vor dem Tag des Ortsvereins ist sich Scharping ganz sicher daß er das Rennen machen wird Am Ende des Schaulaufens vor der Basis treten Scharping Schröder und Wieczorek Zeul gemeinsam vor 3 000 Berliner SPD Mitgliedern im Internationalen Congress Centrum auf Hier bestätigt sich für den Beobachter der Eindruck der sich in den Tagen zuvor bereits bei den Einzelauftritten der Kandidaten herausgebildet hat Schröder bekommt den meisten Beifall Wieczorek Zeul findet mehr Echo als am Anfang der Kampagne erwartet wurde und Scharping erzeugt am meisten Nachdenklichkeit schafft am meisten Vertrauen Am 12 Juni scheint Norbert Seitz in der tageszeitung die sonst auf Schröder Kurs ist das Ergebnis vorauszuahnen Wer Rudolf Scharping auf dem Sonderparteitag im November letzten Jahres an der Seite der Brandt Witwe die Bonner Beethovenhalle durchschreiten sah der konnte schon ahnen daß hier einer seine Stunde für gekommen hielt Keinen Millimeter wich er während des Brandt Memorials von ihrer Seite was eigentlich Engholms Amt gewesen wäre Hier fühlte sich einer legitimiert an Brandts Ende Willys Liebling gewesen zu sein so daß es aus seiner Sicht eines weiteren Diadochenkampfes gar nicht mehr bedarf Noch einmal stehen die drei Kandidaten am 13 Juni dem Tag des Ortsvereins gemeinsam auf dem Prüfstand bei einer Veranstaltung des Unterbezirks Düsseldorf die von RTL und einigen dritten Fernsehprogrammen live übertragen wird Ich hab gedacht das packt er nicht Der Schröder wirkte irgendwie dynamischer gesteht Jutta Scharping am Abend als alles gelaufen war und fügt hinzu Todtraurig wäre ich nicht gewesen wenn es der Rudolf nicht geschafft hätte In vielen Ortsvereins Wahllokalen sind an diesem Sonntagvormittag Fernsehgeräte aufgestellt doch zu diesem Zeitpunkt wissen die meisten Mitglieder längst wen sie wählen wollen Die eigentliche Überraschung zeichnet sich bereits am späten Nachmittag ab eine hohe Wahlbeteiligung Damit bestätigt sich die Einschätzung Scharpings der Prognosen von 15 Prozent wie sie sicher nicht ohne taktischen Hintersinn von Bundesgeschäftsführer Karlheinz Blessing verbreitet wurden mehrfach widersprach Ich rechne mit einer höheren Beteiligung als manche vermuten also mit deutlich mehr als 15 Prozent Am Ende der Auszählung werden es dann 56 6 Prozent sein 489 006 der 868 989 Mitglieder haben ihre Stimme abgegeben Ein spannender Wahlabend Um 18 Uhr beginnt in den rund zehntausend Ortsvereinen die Auszählung In der Bonner Parteizentrale wo sich hunderte von Journalisten eingefunden haben laufen die Ergebnisse der Bezirke ein Intern steht schon bald nach 20 Uhr fest daß Scharping gesiegt hat Der amtierende Parteivorsitzende Johannes Rau jedoch läßt die Bekanntgabe der Zahlen verzögern Er war von Anfang an dagegen die innerparteiliche Abstimmung zu einem Medienspektakel wie bei einer allgemeinen Wahl zu machen Wäre es nach ihm gegangen hätte man das Ergebnis am Tag darauf in einer Pressekonferenz mitgeteilt So dauert es am Sonntagabend bis halb zehn ehe Blessing verkünden kann wie das Rennen ausgegangen ist Mittlerweile hat Heidemarie Wieczorek Zeul längst das Handtuch geworfen nachdem Scharping sie sogar im eigenen Bezirk Hessen Süd wenn auch knapp geschlagen hatte Und auch Schröder gesteht seine Niederlage ein Scharping hat sich am Wahlabend in sein Büro in der Staatskanzlei zurückgezogen während Presse und Anhänger in den Fraktionsräumen warten und sich am kargen Fleischwurst und Frikadellen Buffet bei Flaschenbier laben Niemand hatte daran gedacht Sekt kaltzustellen Erst um halb neun läßt er sich blicken lobt die hohe Wahlbeteiligung und stellt nüchtern fest Wer als erster durchs Ziel geht hat gewonnen Ein kanzlerreifer Satz kommentiert die taz später ironisch Der Autor hat nicht begriffen daß was oberflächlich als Platitüde erscheinen mag die klare Ankündigung enthält Ich werde Parteichef auch wenn das Ergebnis knapp ausfällt die hohe Wahlbeteiligung gibt mir die Legitimation Scharping scheint zu ahnen welche Diskussion am Tage danach von links von den Jusos und dem Frankfurter Kreis zu erwarten sein würde Man zähle die Stimmen der beiden Unterlegenen zusammen und schon ist der vermeintliche Sieger der Verlierer eine Stichwahl müsse deshalb her Nicht mit Scharping Aber auch Schröder und Wieczorek Zeul haben vorher gesagt Wer die relative Mehrheit erringt hat gewonnen und ist berechtigt sich auf dem Sonderparteitag für das Amt des Parteivorsitzenden zu bewerben Erst gegen zehn läßt sich Scharping dann von den Seinen endgültig als Sieger feiern und sich die Schweißtropfen von der Stirn wischend vor einem Foto mit einem überlebensgroßen nachdenklichen Willy Brandt fotografieren Er spricht von einem sensationell großen Erfolg womit er in seiner typischen Bescheidenheit die Wahlbeteiligung meint Wir sind eine absolut gesunde Partei fügt er hinzu und attestiert sich am Ende einen guten Vertrauensbeweis quer durch die Republik In die Fernsehkameras sagt er Das Ergebnis überrascht mich nicht Ich habe mit diesem Erfolg gerechnet Aber dann kann er sich doch nicht den kleinen Seitenhieb auf den Verlierer verkneifen Gerhard Schröder hat heute morgen von einem Führungsdefizit gesprochen und davon daß es heute abend beseitigt sei Er hatte recht 40 3 Prozent haben für Scharping gestimmt Ein deutlicher Vorsprung gegenüber Schröder mit 33 2 Prozent Immerhin hat es die lange Zeit als Außenseiterin gehandelte Heidemarie Wieczorek Zeul auf 26 5 Prozent gebracht Auch in den allermeisten Bezirken liegt Scharping vorn Ausnahme mit Schröder Mehrheit Berlin die vier niedersächsischen Parteibezirke und Ostwestfalen Lippe In Schleswig Holstein hat Heidemarie Wieczorek Zeul überraschend das Rennen gemacht Frauen Power Keiner der drei Kandidaten hat im eigenen Stammland so gut abgeschnitten wie Scharping in Rheinland Pfalz In den drei Parteibezirken erhält er 78 6 Porzent der Stimmen Den bundesweiten Stimmenvorsprung von rund 35 000 verdankt er rechnerisch zu je rund einem Drittel Nordrhein Westfalen und dem Saarland Johannes Rau erklärt am Abend der Mitgliederbefragung vor der Presse Vielleicht haben Sie mitbekommen daß es noch in den letzten Tagen Gespräche darüber gab wie verbindlich denn wann welches Ergebnis ist Wir alle waren uns über die satzungsmäßige Situation klar Den Vorschlag hat der Parteivorstand zu machen an den Parteitag und ich habe immer gesagt je größer die Mitwirkung der Partei ist desto besser und desto deutlicher ist diese Grundlage Der Kampf geht weiter Kanzlerkandidatur Der Tag danach Sitzung des SPD Präsidiums Routine Die unmittelbar sich anschließende Vorstandssitzung mit der formellen Nominierung des Kandidaten für das Amt des Parteivorsitzenden wird vorbereitet Die zahllosen Kameras richten sich erst einmal auf den Verlierer Gerhard Schröder Ich werde Rudolf Scharping sagen daß die Kontrahenten von gestern die zuverlässigeren Partner für morgen sind als die vermeintlichen Freunde sagt er in irgendein Mikrofon Ein Seitenhieb auf Lafontaine Schröder der für sich selbst beide Ämter wollte bleibt konsequent Jetzt müsse Scharping auch die Kanzlerkandidatur beanspruchen Wenn es zu einer Kampfabstimmung Scharping Lafontaine kommen würde samt einer echten Urwahl der diesmal kein Parteiengesetz und kein Parteistatut im Wege stünden Schröder könnte seine 110 000 Niedersachsen für den Rheinland Pfälzer mobilisieren Scharping hatte am Morgen im Südwestfunk wieder einmal sybillinische Antworten auf die Frage der Fragen gegeben Will er auch die Kanzlerkandidatur Das zu entscheiden sei das gute Recht des Parteivorsitzenden und das laß ich mir auch nicht nehmen Er werde sich dieser Aufgabe nicht verweigern sagt er aber der Partei wolle er nicht vorgreifen Er greift aber dennoch vor als er sagt bis zum Spätherbst 1994 wolle er in Mainz bleiben nach der Bundestagswahl aber gehöre der Kanzlerkandidat nach Bonn Und ein weiteres Mal der stereotype Hinweis daß er noch nie Tandem gefahren sei Ein sichtlich verstimmter Lafontaine auf diese Äußerungen angesprochen Es wird Zeit mal wieder über Politik zu reden Man werde in den nächsten Tagen ein paar Gespräche führen Erst reden wir über die Sache erst dann über Personen verkündet auch Scharping Er spricht vom September verweist im übrigen auf den ordentlichen Parteitag im November Bald wird er allerdings einsehen daß es besser ist vor der Sommerpause alles unter Dach und Fach zu bringen Schon einen Tag nach der Mitgliederbefragung mußte eigentlich klar sein daß Scharping alles wollte auch wenn er es nicht expressis verbis sagte Man mußte nur seine Äußerungen eines Tages wie Mosaiksteine zusammensetzen Selbst der parteieigene Pressedienst wagte die Schlußfolgerung Scharping gibt Bereitschaft zur Kanzlerkandidatur zu erkennen Lafontaine hält sich gleichwohl weiterhin für den geeigneten Kanzlerkandidaten Er läßt diesen Anspruch durch seinen Saarbrücker Fraktionschef Reinhard Klimmt verkünden Scharping muß sich im klaren darüber sein daß dieses gute Ergebnis zu dem die Saarländer nicht wenig beigetragen haben unterschiedliche Motive hat Etwa ein Drittel des Stimmenvorsprungs gegenüber Schröder verdanke Scharping dem Saar Votum Er hätte ohne die Oskar Stimmen nicht gewonnen Die Saar Genossen seien mit großer Mehrheit 62 8 Prozent für Scharping gewesen weil sie davon ausgegangen seien daß er Lafontaine die Kanzlerkandidatur überlasse Klimmt Denn hier bei uns und auch in anderen Landesverbänden haben sicher viele für Scharping als Parteivorsitzenden gestimmt aber damit nicht über die Kanzlerkandidatur entschieden Legenden versteckte Drohungen am Tag nach dem Sieg Aber gab es denn überhaupt Gründe anzunehmen daß Scharping Lafontaine das Feld für die Schlacht gegen Kohl überlassen wolle Rückblende Am 17 Mai hatte der Parteivorstand in der Bonner Baracke stundenlang über das Wahlverfahren beraten aber es waren auch schon Personal Konstellationen angesprochen worden Scharping wurde aufgefordert nur für den Parteivorsitz zu kandidieren auf die Kanzlerkandidatur aber ausdrücklich zu verzichten Seine Antwort fiel deutlich aus Ich lasse mich doch nicht enteiern Anschließend kam es in der Bonner Saarland Vertretung zu einer trauten Runde die NRW Umweltminister Matthiesen Mitglied des Parteivorstandes arrangiert hatte Neben Lafontaine und Scharping dabei Heidemarie Wieczorek Zeul Parteivize Wolfgang Thierse der baden württembergische SPD Chef Ulrich Maurer und Bayerns Vize Vorsitzender Peter Glotz Scharping ein paar Tage später über das Gespräch Eine merkwürdige Veranstaltung in die ich mich da habe locken lassen Da wollten mich doch einige tatsächlich über den Tisch ziehen Mehrere Teilnehmer meinten ein Parteichef Scharping sei okay der solle für die Erneuerung stehen Aber der Kanzlerkandidat das müsse jemand sein der schon durch alle Stahlgewitter gegangen sei So wie Lafontaine also Vor allem Matthiesen versuchte immer wieder Scharping auf eine Tandem Lösung festzunageln Der wollte in der Runde nicht ausschließen daß es am Ende dazu komme Aber vor der Mitgliederbefragung so seine Klarstellung werde er sich darauf öffentlich nicht festlegen denn das würde sein Image schwächen Obwohl Scharping ausdrücklich gesagt hatte jeder sei für seine Schlußfolgerungen selber verantwortlich glauben Lafontaines Anhänger immer noch Nach gewonnener Schlacht wird s der Rudolf zusammen mit dem Oskar machen So gaben sie s auch per Mundpropaganda an die Basis und an Pressevertreter weiter Hatte nicht im Parteirat sogar Scharpings Stellvertreter als Landesvorsitzender der Pfälzer Bezirkschef Manfred Reimann eindringlich plädiert Parteivorsitz und basta Die Mehrheit in Rheinland Pfalz sei in Gefahr wenn Scharping auch das Kanzleramt anstrebe und ohne Rückfahrkarte nach Bonn ginge Doch wer Ohren hatte zu hören mußte zu einem anderen Schluß kommen Denn fortan ließ Scharping bei keiner Rede bei keiner Pressekonferenz und bei keinem Interview selbst wenn er gar nicht danach gefragt wurde den Satz aus Ich bin immer gerne Rennrad in der Gruppe gefahren aber noch nie auf dem Tandem Einer aus der Runde vom 17 Mai hatte die Botschaft sofort begriffen und kommentierte bitter Der Rudolf ist größenwahnsinnig Ist er das wirklich Der 45jährige mit seiner gradlinigen Karriere ist nach dem Ende der Ära Engholm die von Anfang an nur ein halber Generationswechsel gewesen war innerlich überzeugt Die Erneuerung kann nicht mit denen gelingen die schon einmal verloren haben zum Beispiel Lafontaine als Kanzlerkandidat 1990 Und gab es da nicht eine mißlungene Lafontaine Pressekonferenz zum Solidarpakt Hatte nicht Scharping selber den schlimmen Eindruck die SPD habe dafür kein Finanzkonzept durch ein Presse Hintergrundgespräch diskret ausbügeln müssen das ihm ein verzweifelter Bundesgeschäftsführer Blessing vorgeschlagen hatte Hatte sich das Spiel nicht wiederholt als man mit der Regierung zur Sache kam und Scharping es war der Finanzminister Theo Waigel bei seinen Zahlenmanipulationen auf die Schliche kam Scharping hält sich alles in allem für besser als Lafontaine Was zählt da die 20jährige ungebrochene Freundschaft mit dem Saarländer die er wieder und wieder beschwört Und überhaupt Soll er sich erst mit großem Aufwand zum Parteichef wählen lassen um dann angesichts des anlaufenden Wahlkampfes in den Schatten eines Kanzlerkandidaten zu treten Als er am Nachmittag des 14 Juni erneut gefragt wird ob er sich der Kanzlerkandidatur verweigere sagt er Nein das wird ja aus allem deutlich sichtbar was ich bisher sagte Und Ich hoffe daß es nur zu einer Kandidatur kommt Ja wessen Kandidatur denn wohl wenn man alles vorher Gesagte zusammenfaßt Der designierte Parteichef weiß Eine erneute Mitgliederbefragung für die schon so hochmögende Bezirksfürsten wie der Westfalens Franz Müntefering Pläne schmieden könnte nur ein Schuß in den Ofen werden Die Wahlbeteiligung vom Tag des Ortsvereins würde wohl kaum ein weiteres Mal erreicht der Mobilisierungseffekt des 13 Juni wäre verpufft Scharpings Bonner Pressekonferenz am 14 Juni wird so sehr von der Frage der Kanzlerkandidatur beherrscht daß die Journalistin Evi Keil eine Frage an ihn mit den Worten beginnt Herr Lafontaine Gelächter Die Zähmung des Oskar Lafontaine Für Lafontaine ist die Lage ernst An dieser Wegmarkierung entscheidet sich seine weitere bundespolitische Karriere Scharping führt noch am gleichen Nachmittag ein Vier Augen Gespräch mit ihm Ohne Ergebnis Erneut beraten die beiden am 17 Juni in Berlin am Rande der Gedenkfeiern zum 40 Jahrestag des Arbeiter Aufstands in der DDR miteinander Scharping bietet dem Saarländer eine herausgehobene Position in seinem Team an Von einem Superminister für Wirtschaft und Finanzen im Schattenkabinett ist die Rede Doch Lafontaine gibt seinen Anspruch noch nicht auf In einem Interview mit der ZEIT bekräftigt er er sei bereit die Aufgabe des Kanzlerkandidaten zu übernehmen wenn wir uns auf Programm und Personen verständigen Als ihm vorgehalten wird er habe sich für eine Trennung von Parteivorsitz und Kanzlerkandidatur ausgesprochen weil die Probleme so groß seien daß sie einen einzelnen überforderten antwortet er knapp Das ist richtig Scharping will die Entscheidung rechtzeitig zum Sonderparteitag am 25 Juni in Essen Am folgenden Sonntagabend 20 Juni fährt er kurzentschlossen nach Saarbrücken Im Haus Am Hügel 26 das er schon so manches Mal aufgesucht hat wird noch einmal miteinander gerungen Lafontaine gibt jetzt nach Er weiß daß eine Gegenkandidatur zu einem Showdown führen würde eine erneute Mitgliederbefragung wäre unvermeidlich bei dem er nur verlieren könnte Meinungsumfragen signalisieren inzwischen Die Bundesbürger würden einen Kanzler Scharping dem derzeitigen Amtsinhaber Kohl vorziehen Bei Lafontaine wäre es umgekehrt Am Nachmittag des 21 Juni kann Scharping dann der Presse verkünden Es gibt nur einen Kanzlerkandidaten Lafontaine bleibe für Wirtschaft und Finanzen zuständig Wie bisher fügt Scharping hinzu auf daß ja niemand die Rolle des Saarländers überbewerten möge Denn auch die Wirtschaftskommission deren Leitung noch Engholm seinem Vize Lafontaine übertragen und die dieser demonstrativ bis zum 12 Juni hatte weitertagen lassen werde aufgelöst verkündet der designierte Parteichef An deren Stelle trete eine neue Kommission unter seiner eigenen Leitung die ein Regierungsprogramm erarbeiten solle Ist es schwer gewesen Lafontaine zum Verzicht zu überreden fragt ihn der NDR O Ton Scharping Nein Es ist auch kein Verzicht sondern es ist die gemeinsame Erkenntnis daß wir jetzt Kräfte bündeln müssen und daß wir eng zusammenarbeiten Lafontaine und er das sei eine starke Achse in der SPD Er fügt gleich relativierend hinzu Und weitere werden hinzukommen Ob er die Themenbereiche Wirtschafts und Finanzpolitik an Lafontaine abtreten wolle wird Scharping gefragt Antwort Nein das wäre ja ganz und gar ungut wenn ein Parteivorsitzender und Kanzlerkandidat darauf verzichten würde Die Zähmung des widerspenstigen Saarländers hat sich als Scharpings Meisterstück erwiesen Das Modell Scharpontaine das einige voreilig aus der Taufe gehoben hatten findet nicht statt Über die Frage der Kanzlerkandidatur jedenfalls wird er auf dem bevorstehenden Sonderparteitag kein Wort mehr verlieren müssen Und von einer erneuten Mitgliederbefragung ist keine Rede mehr Wenn er Ja sagt dann ist er s stellt Ex Parteichef Hans Jochen Vogel kategorisch fest Vogels Wort von der Kleiderordnung mag er zwar nicht aber Scharping hält dennoch viel von Umgangsformen Auch nach seiner Wahl durch die Parteibasis und seiner Nominierung durch den Parteivorstand will er solange er nicht ordnungsgemäß gewählt ist Johannes Rau nicht ins Handwerk des kommissarischen Vorsitzenden pfuschen Aber wo er in den folgenden Tagen auftritt werden seine Worte als die des künftigen SPD Vorsitzenden gewichtet Ob es nun bei der Eröffnung des Lenkgetriebewerkes von Opel in Kaiserslautern beim Kamingespräch der Ministerpräsidenten beim Tag der deutschen Bauindustrie oder bei den Absolventen der Fachhochschule der Deutschen Bundesbank ist Auch die Funktionäre der Partei erhalten über den Informationsdienst intern schon erste Orientierungen vom künftigen Parteichef Jetzt geht es darum Sachfragen in den Vordergrund der Auseinandersetzung mit der Regierung Kohl zu stellen die wirtschaftliche Bekämpfung der Arbeitslosigkeit die soziale Gerechtigkeit der Schutz der Umwelt und die Bewahrung des friedlichen Zusammenlebens nach innen und außen Zwei Tage vor dem Parteitag spricht Scharping auf einer Parteiveranstaltung im Mainzer Vorort Hechtsheim ein bißchen Generalprobe für die Parteitagsrede In Hintergrundgesprächen mit Journalisten dämpft er von vornherein Erwartungen auf ein Spitzenergebnis auf dem Parteitag Seine Vorgänger Vogel und Engholm waren mit 98 8 bzw 97 4 Prozent gewählt worden Ihn Scharping haben zwar 40 Prozent der SPD Genossen gewählt 60 Prozent aber eben nicht Und die Linke hat seinen Sieg als Niederlage klassifiziert Eine Dreiviertelmehrheit wäre da schon ein achtbares Ergebnis Wahlkonvent in Essen Der Essener Sonderparteitag am 25 Juni der eigentlich nicht mehr zu tun hat als das Ergebnis der Mitgliederbefragung als formellen statutengemäßen Wahlvorgang umzusetzen wird noch einmal zu einem Medienereignis Schon am Vortag bei den Sitzungen der Spitzengremien steht Scharping im Scheinwerferlicht wo immer er auftaucht Am Abend läßt er sich zunächst auf dem Presseempfang und anschließend beim Parteiabend in einer alten Brauerei sehen verschwindet dann aber bald in seine Suite im Sheraton Hotel Mit seinen engsten Mitarbeitern feilt er bis über Mitternacht an seiner Rede Morgens geht er noch einmal mit dem Filzstift dran Ein Manuskript wird an die Journalisten verteilt Doch die müssen sehr bald feststellen daß er weitgehend vom Manuskript abweicht Mancher wird an die Zeiten von Helmut Schmidt erinnert bei dem man stets mitstenografieren mußte wenn man sich an die Regel halten wollte Es gilt das gesprochene Wort Herta Däubler Gmelin und Johannes Rau sprechen zuerst Rau der Interimsvorsitzende seit dem Rücktritt von Engholm mahnt an daß die SPD Schutzmacht der kleinen Leute bleiben müsse Wir tun sagt er unsere Arbeit nicht um unserer Programme willen und auch nicht um unserer Karrieren willen sondern wir tun sie weil wir den Alltag der Menschen zum Besseren verändern wollen Und er zitiert Hannah Arendt Politik ist angewandte Liebe zur Welt Sicher eine Idealvorstellung das Sonntagsbild von einem Politiker aber auch bewußt als Meßlatte für den künftigen Parteichef gesetzt Scharping sitzt auf dem Podium an seinem Platz in der zweiten Reihe hört zu arbeitet aber immer wieder an seinem Redemanuskript Engholm den er beschworen hat trotz aller Schmach nach Essen zu kommen sitzt in der Reihe der Ehrengäste Er macht einen aufgeräumten Eindruck kneift vor keinem Mikrofon das ihm hingehalten wird Die ursprüngliche Tagesordnung sah vor daß der neugewählte Parteivorsitzende seine große Rede nach seiner Wahl halten sollte Doch Scharping besteht darauf nach guter Parteitradition vor dem Wahlgang reden zu dürfen Jeder soll wissen was er denkt was er will Niemand soll die Katze im Sack kaufen Er leitet seine mehr als einstündige Rede mit einem Dank an Björn Engholm ein Du hast schwere Zeiten hinter dir Das gebietet mehr als politisches Verständnis nämlich menschliches Mitgefühl Du bist von deinen politischen Ämtern zurückgetreten um Schaden von der Partei abzuwenden in der viele mit Dir weitergekämpft hätten Deine politische Reaktion ist auch eine Demonstration für das Recht des Politikers auf Privatheit Es gibt obwohl auch schon Herta Däubler Gmelin bei der Eröffnung des Parteitages den zurückgetretenen Parteichef gewürdigt hatte langen Beifall Anschließend dankt Scharping Johannes Rau dem Interimsvorsitzenden Du hast in einer schwierigen Zeit unsere Partei auch emotional zusammengehalten als wir vom Schock des Rücktritts unseres Parteivorsitzenden getroffen waren Das hat uns gutgetan Auch Hans Jochen Vogel und seine Tugenden vergißt er nicht zu erwähnen Er sei zu einer Vaterfigur geworden ein gelegentlich strenger Vater Aber der große Respekt den Dir die Partei entgegenbringt beweist daß Pflichterfüllung und Selbstdisziplin die Du Dir auferlegt hast Maßstäbe setzen An die Adresse der Delegierten sagt er Ihr vertretet hier fast 900 000 Menschen Sie stehen im Alltag gerade für unsere politischen Ziele Das ist nicht immer leicht und gerade in den letzten Wochen war es teilweise schwierig Aber wir sind eine Mitgliederpartei und wir werden eine Mitgliederpartei bleiben Das heißt aber auch Wir müssen unsere Ziele und unsere Grundwerte im Alltag erfahrbar und glaubwürdig machen Die große Beteiligung an der Mitgliederbefragung vom 13 Juni wird uns und andere verändern schon deshalb weil wir genauer beobachten und beachten werden was unsere Mitglieder denken und was sie bewegt fügt er hinzu In der Partei sei die Bereitschaft zum Engagement viel größer als wir alle es vermutet haben Im November auf dem ordentlichen Parteitag werde man diese direkte Teilhabe fest verankern Sie sei klug eingesetzt verbindlich befolgt ein vorzügliches Mittel

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  • G
    selbstkritisch Rechenschaft ab Wir mußten die völlig zerstörte Motivation der Partei wieder aufbauen Ehrlicherweise muß man feststellen daß die CDU auch verloren hat weil die konfessionellen Bindungen sich allmählich auflösen In der SPD Mitgliedschaft gibt es eine tiefe Verunsicherung in Fragen die über die Tagesaktualität hinausgehen Das Gerede über Bündnisfragen hat zur Folge daß Jugendliche in der SPD eine opportunistische Partei sehen Wir haben in Rheinland Pfalz das Gefühl eines Grippekranken der das erste Mal kein Fieber mehr hat erleichtert aber noch nicht gesund Peter von Oertzen der linke Partei Vordenker vom Steinhuder Meer sieht die Kräfteverhältnisse ganz nüchtern Es hat nie eine Mehrheit für den demokratischen Sozialismus gegeben selbst bei der Willy Wahl 1972 nicht Die Aufsplitterung zwischen Rot und Grün hat sich seit zehn Jahren entwickelt und ist nicht so einfach rückgängig zu machen Der Frankfurter Kreis verliert mit der Zeit an Bedeutung Scharping gehört bald nicht mehr zu den ständigen Teilnehmern 1989 beteiligt er sich an einem Sammelband unter dem programmatischen Titel Die linke Mitte heute der von Florian Gerster und Dietrich Stobbe herausgegeben wird zwei Exponenten des Seeheimer Kreises dem Gegenstück zum linken Frankfurter Kreis Scharpings Aufsatz hat den Titel Öffnung für eine neue Generation Wertewandel und politisches Engagement und enthält einige sehr grundsätzliche Aussagen die den Standort des Autors kennzeichnen Als Partei wollen wir Freiheit Gerechtigkeit und Solidarität den Schutz der Lebensgrundlagen und die Sicherung des Friedens Wir selbst sind verpflichtet den Sinn unseres politischen Handelns als reformerische verändernde Kraft und den inneren Zusammenhang unserer Politik zu vermitteln Konservative Politik bewahrt Strukturen Ihr genügt das schlichte weiter so Jeder kann aber heute erkennen daß es so nicht weitergeht wenn die Gesellschaft nicht sozial und kulturell zerfasern ökologische Katastrophen und die Unfähigkeit der Politik zur Gestaltung das Ergebnis sein soll Gerade die SPD mit ihren Grundforderungen und Grundwerten für ein menschliches und friedliches Zusammenleben muß Informationen zusammenfassen und bündeln einzelne Mosaiksteine zu einem überschaubaren Ganzen zusammenfügen an Werten orientieren und zugleich Interessen organisieren Rückblickend auf die Streitfragen der siebziger und frühen achtziger Jahre wie Umweltschutz Atomkraft und Nachrüstung schreibt er weiter Unsere Diskussion war notwendig aber sie erschien vielen als innerparteiliches Gerangel auch bestimmt von sachfremden Bedürfnissen nach Macht und Mehrheit Das hat das Aufkommen der Grünen begünstigt Ähnliche Wirkungen hatte die Debatte über die Nachrüstung Jeder konnte spüren daß die Sozialdemokratie Loyalität zur Erhaltung von Regierungsverantwortung eine Zeitlang höherstellte als innere Überzeugung Da ist es kein Wunder wenn die 1983 gezogenen Schlußfolgerungen vielen Jüngeren wie ein opportunistischer Schwenk erschienen Diese Wahrnehmung unserer eigenen politischen Diskussion haben wir selbst begünstigt Denn bisher ist unserer Partei nicht gelungen was wir für die Zukunft leisten müssen nämlich Die offene Vermittlung von unterschiedlichen politischen Auffassungen auf der Grundlage offen erarbeiteter Informationen und vor dem Hintergrund der die Sozialdemokratie verbindenden politischen Ziele Politische Glaubwürdigkeit ist neben klaren politischen Zielen der zentrale Wert mit dem neue Hoffnungen auf die Sozialdemokratie verbunden werden Glaubwürdigkeit erfordert Übereinstimmung von Denken Reden und Handeln Sie entsteht nicht aus der Abgeschlossenheit scheinbarer Patentrezepte die wir gut verpackt und als geschlossenes Paket werbend vermitteln Seine Utopie formuliert er so Wer Aufklärung und Sinnlichkeit Rationalität und Spaß an praktischer Gestaltung Ideale für die Zukunft mit alltäglicher Arbeit verbindet global denkt und lokal handelt der kann aus dem individuellen Anspruch an das eigene Leben auch die Phantasie den Mut und die Tatkraft für eine neu begründete solidarische Gesellschaft entwickeln Das ist eine konkrete Hoffnung Aus dem Mut zum Träumen erwächst die Kraft zum Kämpfen Sie macht aus Utopien von heute die Realitäten von morgen Sie kann darauf verzichten über Vereinzelung fehlende Erfahrung von sozialer Bindung und mangelndes historisches Wissen die ideologischen Gewölbe von vorgestern zu errichten Im November 1992 taucht Scharping auf der Jahrestagung des Seeheimer Kreises auf Thema der Veranstaltung Regierungsfähigkeit Er beklagt die unzureichende wirtschaftliche Kompetenz der Partei ohne sie könne man keine Wahlen gewinnen Günter Bannas schreibt in der Frankfurter Allgemeinen über Scharpings Seeheim Auftritt Diese pragmatischen gewerkschaftsnahen vor allem aber regierungswilligen Sozialdemokraten betrachten den früheren Linken längst als einen der Ihren und als Hoffnungsträger der SPD Im Vorfeld des Wiesbadener Parteitages wirbt Scharping mittlerweile Parteichef zunächst bei der Gruppe der linken Bundestagsabgeordneten um Zustimmung für seine Positionen Am 16 Oktober 1993 sind es dann aber wiederum die Seeheimer die Scharping in Tutzing besucht wo sie sich auf den Parteitag vorbereiten Sprecher der Seeheimer ist mittlerweile der Hannoveraner Abgeordnete und IG Chemie Funktionär Gerd Andres Er stammt wie Scharping aus dem Westerwald aus Wirges vierzehn Kilometer von Scharpings Geburtsort Niederelbert entfernt und er war nach ihm stellvertretender Bundesvorsitzender der Jusos Regieren macht konservativ hat Christoph Grimm nach zwei Jahren Regierung Scharping bilanziert und die diskussionslose Geschlossenheit der rheinland pfälzischen SPD beklagt Alte sozialdemokratische Ideen so der Scharping Nachfolger im Vorsitz des SPD Bezirks Rheinland Hessen Nassau scheiterten an Schranken die andere aufgestellt haben Und es könne eben nur das ausgegeben werden was die Gesellschaft erarbeitet hat Womit Grimm einen der Parameter Scharpingscher Politik Vorstellung trifft Das hat er von Wilhelm Dröscher gelernt sagt sein langjähriger Wegbegleiter Herbert Bermeitinger daß man erst fragen muß wo das Geld herkommt ehe man es ausgibt Nicht ganz zu Unrecht hat man der Sozialdemokratie vorgeworfen gerade darauf keine Rücksicht zu nehmen solange die Kassen noch gefüllt waren Scharping fordert denn auch Schluß mit der traditionellen sozialdemokratischen Verhaltensweise verteilen verteilen verteilen Der Enkel Willy Brandts Rudolf Scharping so wird nicht zu unrecht vermutet sei am Ende Willy Brandts Lieblings Enkel gewesen Vergeßt mir den Mainzer nicht hat der einmal gesagt Scharping war einer der letzten Besucher am Krankenlager des SPD Ehrenvorsitzenden Über seinen Besuch in Unkel an einem heißen Augusttag des Jahres 1992 notiert er in einem Nachruf der im November 1992 im Vorwärts erscheint Willy aufmerksam für die politischen und gelassen in persönlichen Dingen über ein Schlußwort nachdenkend und doch im gefurchten Gesicht das wir kennen gelegentlich ein leises ja heiteres Lächeln Als der unheilbar an Darmkrebs erkrankte 78jährige am späten Nachmittag des 8 Oktober stirbt erfährt Scharping als erster von seinem Tod respektiert aber den Wunsch der Witwe die Nachricht

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  • H
    trauten Harmonie trügen nicht Einer der so mit seinen Kindern umgeht dürfte eigentlich nicht Ministerpräsident sein hat seine Kultusministerin Rose Götte einmal gesagt Damit trifft sie den wunden Punkt Der politische Terminkalender hat für Rudolf Scharping immer Vorrang gehabt Freunde der Familie wissen daß Ehefrau Jutta so manches Mal verzweifelt gefragt hat ob er denn nun jeder Einladung irgendeines kleinen Ortsvereins folgen müsse um dann irgendwann weit nach Mitternacht nach Hause zu kommen und morgens um acht wieder am Schreibtisch zu sitzen Als er 1985 Landes und Fraktionschef und 1991 Ministerpräsident wird hat Scharping noch weniger Zeit für seine Kinder Und in den Wochen als es um den SPD Vorsitz geht wird der Hilfefruf von Tochter Julia von einer Fernsehkamera eingefangen Vati wann hast Du mal wieder Zeit Immer seltener kommt er während der Woche nach Lahnstein immer häufiger nächtigt er im Mainzer Regierungs Gästehaus 1991 nach seiner Wahl zum Ministerpräsidenten beantwortet Scharping die Frage von Bild am Sonntag ob ihn sein Amt verändert habe so Ich habe weniger Zeit auch für die Familie Das ist das Schlimmste Ich beobachte daß man von ganz normalem Tun von mir Notiz nimmt Wenn ich in einer Kneipe in Koblenz flippern gehe steht es am nächsten Tag in der Zeitung Wenn ich zum Betzenberg gehe wie alle Jahre vorher wird das per Stadionlautsprecher verkündet Und Jutta muß immer wieder sagen Ich bin keine Landesmutter ich bin Frau Scharping Das alles sagt eine Menge über das Verhältnis der Deutschen zum Staat aus Um ein Konzert des Saxophonisten Charlie Mariano in der Koblenzer Christuskirche zu hören so erzählt er habe er die Eintrittskarte einem jungen Mann auf der Straße abgekauft sonst lassen die an der Kasse den Ministerpräsidenten wieder umsonst rein Die beiden älteren Töchter gehen gerne mit ihrem Vater aus aber sie legen Wert darauf selbständige Individuen und nicht Scharpings Töchter zu sein Zum letzten Mal haben sie sich im Landtagswahlkampf 1991 im Familienkreis fotografieren lassen Sie waren auch noch dabei als ihr Vater im Landtag zum Ministerpräsidenten gewählt wurde Wenn die Familie sagt das interessiert mich da möchte ich gerne dabei sein dann finde ich das in Ordnung ist Scharpings Einstellung Mittlerweile verweigern sich die Töchter der Neugier fotografierender und schreibender Journalisten Beide jobben nach der Schule sie besuchen dasselbe Gymnasium wie einst ihr Vater in der Koblenzer Brasserie als Kellnerinnen Scharping ist dort selbst gerne Gast nimmt schon mal Besucher mit Wer war das eigentlich letztes Mal fragt Susanne ihren Vater nach so einem Abend Ein Journalist antwortet er Sie Wenn Du mir das vorher gesagt hättest hätte ich den nicht bedient Selbst Nesthäkchen Julia ist das Scheinwerferlicht leid Unverschämtheit da hat mich doch gerade einfach einer fotografiert beschwert sie sich am Abend des 13 Juni als sie in Mainz den Sieg ihres Vaters bei der Mitgliederbefragung miterlebt Scharping Wenn sie auf dem Schulhof gefragt wird ob sie s denn wirklich sei und sagt Nein ich heiße Müller signalisiert das auch etwas Ich kann sehr gut verstehen daß Kinder ihr eigenes Leben leben und nicht durch den Vater definiert werden wollen Daß ich hingehe und sage Liebe Tochter geh doch mal auf einen Fototermin diesen Fehler habe ich früher gemacht und den werde ich nicht mehr machen So gibt es denn seit 1993 nur Home Stories mit Ehefrau Jutta solo Ihr macht es nichts aus mit Journalisten zu reden Niemand soll das Gefühl bekommen es gebe etwas von dem zu verheimlichen was in den vier Wänden der Scharpings geschieht Das Haus ein Jugendstilbau an der Wilhelmstraße im Ortsteil Niederlahnstein haben die Scharpings Ende 1980 für 450 000 Mark gekauft auch ein Signal für Bodenständigkeit bei allem Karrierestreben Ich erinnere mich an den ersten Besuch Mitte 1985 Die Untermieter im Obergeschoß aus deren Mieteinnnahmen die Familie des Landtagsabgeordneten die Diäten waren noch bescheiden zunächst das Glück vom eigenen Heim mitfinanzieren mußte sind gerade ausgezogen Die Scharpings machen sich selbst an die Arbeit das Haus zu renovieren Juttas Vater der Winzer hilft mit Er streicht die angegraute Fassade weiß zimmert das Ehebett Möbel vom Sperrmüll sind erster Notbehelf einige wie der große Tisch an dem sich Familie und Freunde versammeln gehören noch heute zum Inventar Es ist noch gar nicht lange her daß die Tür aus dem Schloß sprang wenn einmal ein Laster durch die sonst ruhige Wilhemstraße donnerte Daß dies heute nicht mehr passiert dafür haben die Sicherheitsexperten gesorgt Zum Grundstück gehört ein kleiner romantischer Garten in dem jeden Jahr an einem Augustsamstag ausgiebig gefeiert wird Geladen sind jene Freunde und Weggefährten die Scharping schon begleitet haben als er noch nicht im Rampenlicht der Bundespolitik stand Zwei Katzen gehören zum Haushalt Jutta Scharping holte sie aus dem Tierheim Sie hat sich längst damit abgefunden mit einem Mann verheiratet zu sein der nicht pünktlich jeden Abend um fünf nach Hause kommt Ich organisiere mir mein eigenes Leben selbst sagt sie Sie zieht die Lederjacke über fährt mit ihren beiden älteren Töchtern nach Köln in ein Rockkonzert der Gruppe U 2 oder nach Koblenz ins Rock Café Hahn Sie ist keine Landesmutter im herkömmlichen Sinn sondern sucht sich die Aufgaben selbst die sie erfüllen möchte Ich entscheide selbst zu welchen Terminen ich meinen Mann begleite oder wo ich ihn vertrete Dazu brauche ich keinen Fahrer ich setze mich selber ans Steuer unseres Passat Kombi Etwa wenn sie in Linz am Rhein zu mitternächtlicher Stunde den Kleinkunstpreis an den Bonner Kabarettisten Konrad Beikircher überreicht Mit Künstlern geht Jutta Scharping gerne um In der Heimat Veranstaltungsserie die ihr Mann 1986 ins Leben rief hat sie persönliche Erfahrungen Freundschaften und Interessen gefunden und fortentwickelt Sie ist Vize Vorsitzende einer Aktionsgruppe rheinland pfälzischer Künstler in Koblenz Sie hat in Lahnstein eine Wohngruppe für HIV Infizierte mitgegründet Ich packe dort selbst an denn ich will Vorurteile gegen AIDS Kranke abbauen helfen sagt sie Schirmherrin für irgendeine gute Sache das wäre ihr zuwenig Und wenn dann noch Zeit bleibt liest sie oder joggt über die nahen Taunushöhen Dreißig Kilometer pro Woche habe ich mir fest vorgenommen Für Politik interessiert sie sich sehr aber sie hat sich entschieden nicht aktiv einzusteigen Ich werde meinem Rudolf doch keine Konkurrenz machen First Lady in Bonn Ich finde Hillary Clinton gut Es ist toll wie sie das macht Aber ich kann nicht so sein wie sie Ich habe einen ganz anderen beruflichen Hintergrund Auf jeden Fall bliebe Lahnstein ihr Lebensmittelpunkt und nicht der Kanzler Bungalow Wenn von Ehekrisen bisher nichts zu hören war dann wohl auch deshalb weil die beiden sich in ihren Interessen sehr ähnlich sind Sport Musik Kleinkunst Und in ihren politischen Grundüberzeugungen Über Politik können sie nächtelang miteinander reden Aber wie ist ein Mensch der als Politiker recht autoritär auftreten kann als Familienvater im Viermädelhaus Seine Frau Entscheiden ja das kann er Aber er läßt sich auch überzeugen Gelegentlich überstimmen wir ihn auch schon mal Der Bart Der Bart Scharpings Kennzeichen ist mittlerweile mit einzelnen grauen Härchen durchsetzt Schon mit siebzehn hat sich Scharping für diese Haartracht entschieden so etwas wie Protest war es schon Zunächst umkränzte der Bart den Mund erst später wuchs er kinnaufwärts Bei seinem ersten Landtagswahlkampf als Spitzenkandidat 1987 rieten wohlmeinende Berater und die Herren von der Werbeagentur ihn abzurasieren Der Bart bleibt dran entschieden Jutta und die Töchter In den Ferien habe er ihn mal zur Probe abrasiert Schrecklich Das sieht Scharping selbst nicht anders Ohne Bart bin ich nicht was ich bin Sogar seine Kontrahentin Heidemarie Wieczorek Zeul antwortet am Tag des Ortsvereins auf die Frage was ihr am besten an Rudolf Scharping gefalle Sein gepflegter Bart Und die dicken Brillengläser Kontaktlinsen vertrage ich nicht sagt er Punktum Wie fragte doch Markus Heller in der Zeit Ein Vollbart Mitten im Gesicht des Kanzlers geht das überhaupt Und die Antwort Karl der Große trug einen Vollbart das prägte Noch Heinrich I 919 bis 936 und der viel spätere Heinrich II hatten so etwas prachtvoll Gelocktes an sich Von den zwanzig deutschen Kanzlern in Kaiserreich und Weimarer Republik trugen neunzehn einen Oberlippenbart drei in Kombination mit einem Kinnschmuck Na also Freunde und Mitarbeiter Außerhalb seiner Partei in der das Genossen Du dazugehört ist Scharping mit dem Duzen nicht schnell dabei Obwohl man in einem kleinen Landtag über die Parteigrenzen hinaus leicht Freundschaften knüpft gibt es nur drei CDU Abgeordnete mit denen er auf Du steht CDU Fraktionschef Hans Otto Wilhelm und die Abgeordneten Franz Peter Basten und Peter Schuler Dem rheinland pfälzische FDP Chef Rainer Brüderle ist er schon seit Mitte der achtziger Jahre freundschaftlich verbunden und seit sie in einem Kabinett sitzen duzen sie sich Sie treffen sich jeden Dienstagmorgen zu einem anderthalbstündigen Frühstück zu zweit Im Kabinett freilich geht es anschließend ganz förmlich zu Ein Freund im engeren Sinne ist im Kabinett Wissenschaftsminister Jürgen Zöllner Freunde sind auch Fraktionschef Kurt Beck sein Kronprinz und Landtagspräsident Christoph Grimm In Scharpings Regierungsteam für die Bundestagswahl gehören Oskar Lafontaine und Ulrich Maurer zu den persönlichen Freunden In seiner täglichen Umgebung sind vor allem zu nennen Staatskanzlei Chef Karl Heinz Klär Regierungssprecher Herbert Bermeitinger und Büroleiter Friedhelm Wollner Scharping und der zwei Jahre Friedhelm Wollner kennen sich seit 1967 Der Koblenzer Wollner zieht damals nach Lahnstein macht ebenfalls bei den Jusos mit Als Scharping dann Juso Landesvorsitzender ist führt Wollner den Unterbezirk Rhein Lahn an 1969 folgt er Scharping an die Bonner Universität beide belegen die gleichen Fächer Beide schreiben gemeinsam Aufsätze für Zeitschriften und Bücher Und beide verdienen sich ihr Studium als Mitarbeiter im politischen Bereich Wollner arbeitet im Kanzleramt bei Brandts ersten Planungschef Reimut Jochimsen zuletzt Landeszentralbank Chef in Nordrhein Westfalen Danach ist er Assistent bei der jungen Abgeordneten Herta Däubler Gmelin Als Scharping 1975 nach Mainz geht übernimmt Wollner dessen Job beim Abgeordneten Dietrich Sperling Als Sperling Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesbauministerium wird geht Wollner als Büroleiter mit Die beiden machen Schlagzeilen als sie den Weg vom Bauministerium an der Deichmannsaue ganz im Süden von Bonn Bad Godesberg zum Bundeshaus statt mit dem Dienstwagen mit dem Paddelboot zurücklegen Sperling der seinen Wahlkreis lahnaufwärts von Scharpings Wirkungsgebiet Rhein Lahn Kreis im Hessischen hat ist ein begeisterter Paddler Seit den siebziger Jahren sind gemeinsame Paddeltouren des Sperlingschen Freundeskreises auf der Lahn eine feste Institution Scharping ist fast immer dabei Nach der politischen Wende in Bonn ist Wollner im Bauministerium für Verkehrswegeplanung namentlich der Bundesbahn zuständig Er läßt sich schließlich für die Arbeit als Referent in der SPD Bundestagsfraktion beurlauben In dieser Zeit arbeitet er seinem Freund in Mainz vielfältig zu Als die SPD 1991 die Wahl in Rheinland Pfalz gewinnt läßt sich Wollner vom Bonner SPD Fraktionschef Hans Jochen Vogel nach Mainz ausleihen um zunächst als Fachmann bei den Koalitionsgespräche mit der FDP und den Grünen dabeizusein Wie selbstverständlich wächst er in seine neue Aufgabe Als die Regierung steht bedarf es gar keiner Worte mehr zwischen den beiden Lahnsteiner Freunden Wollner wird Leiter des Ministerpräsidenten Büros Friedhelm Wollner ist ein Mann der ganz im Hintergrund wirkt Er ist bescheiden das Gegenteil von geltungssüchtig wortkarg kann aber auch ausflippen wenn nicht alles klappt Die andere Seite dieses Mann ist sein stiller Humor Er hat mit seinem Mentor Sperling den Phantom Abgeordneten Jakob Maria Mierscheid erfunden der sogar mit Anfragen in den Protokollen des Bundestages auftauchte und in Bonn für viel Wirbel aber auch Gelächter gesorgt hat Mierscheid ist zu zwei Dritteln von mir Manche Leute schmücken sich mit falschen Federn sagt Wollner Zu einer der Mierscheid Thesen aus Wollners Feder die Parallelität der SPD Wahlerfolge zur Stahlproduktion Ich fürchte Mierscheid muß sich nun eine andere Theorie ausdenken wenn wir 1994 gewinnen wollen sagt Wollner schmunzelnd Wollner und Scharping sitzen im Sommersemester 1971 im Hauptseminar beim Politikwissenschaftler Karl Dietrich Bracher Ein dritter ist dabei den man nach 1991 auf der Führungsetage in Mainz findet Karl Heinz Klär Wie Scharping wurde er 1947 geboren Er ist Saarländer studiert zunächst in Saarbrücken Im Sommersemester schreibt er sich in Bonn ein Mit Scharping kommt es zu zu einer losen Freundschaft Klär tritt in Bonn in die SPD ein ist im Unterbezirk der Partei aktiv Scharping vermittelt ihm einen Job arbeitet als Lektor beim Neuwieder Luchterhand Verlag zu dem er gute Kontakte hat Dann arbeitet Klär beim SPD nahen Verlag Neue Gesellschaft J H W Dietz und als Archivar bei der Friedrich Ebert Stifung Nebenbei schließt er sein Studium ab promoviert 1979 zum Dr phil 1980 bekommt er eine C 1 Stelle als Assistenzprofessor an der Gesamthochschule Kassel Als 1983 der Posten des Büroleiters von Willy Brandt in der Parteizentrale frei wird empfiehlt Brandts Freund Horst Ehmke Bonner Bundestagsabgeordneter Klär Nach Brandts Rücktritt wird Klär unter dem neuen Parteichef Hans Jochen Vogel Leiter der Abteilung für Politische Planung in der Baracke 1987 und 1991 hilft Klär Scharping im Wahlkampf So ist es nach dem Sieg für die beiden ausgemachte Sache daß er nach Mainz geht Er wird Chef der Staatskanzlei also höchster Beamter des Landes und übernimmt damit nach 44 Jahren CDU Herrschaft einen der heikelsten Posten In der Zwischenbilanz bekommt Klär allenthalben gute Noten Er hat den Laden im Griff spielt sich nicht in den Vordergrund Er pfuscht dem Regierungssprecher nicht ins Handwerk hat aber ein Feld für sich reserviert die Medienpolitik Er vertritt die medienpolitischen Interessen des Landes Rheinland Pfalz ist Vorsitzender der Kommission zur Ermittlung der Fernsehgebühren und hat die SPD Länder bei der Schaffung des nationalen Hörfunks koordiniert Scharping ist im Juni 1993 noch nicht zum neuen SPD Chef gewählt da wird Klär schon als künftiger Bundesgeschäftsführer gehandelt Doch zwischen den beiden steht von vornerhein fest Klärs Aufgaben liegen jetzt erst recht in Mainz wenn sein Chef wegen bundespolitischer Verpflichtungen weniger Zeit für die Landespolitik hat Und was eines Tages wird Man wird sehen Der Saarländer Klär jedenfalls mittlerweile ein eingefleischter Bonner ist ganz bewußt auf der schäl Sick im rechtsrheinischen Beuel wohnengeblieben und nicht nach Mainz gezogen Eine Etage unter Scharping sitzt in der Staatskanzlei Regierungssprecher Herbert Bermeitinger achtzehn Jahre älter als er ein väterlicher Ratgeber sozialdemokratisches Urgestein Bermeitinger wird nachdem er zunächst in der Bundestagsfraktion tätig war 1969 Sprecher der SPD Landtagsfraktion Als wenig später Wilhelm Dröscher sein neuer Chef wird stellt er seinen Posten zur Disposition Doch Dröscher will ihn behalten Bermeitinger der 1979 nur knapp mit einer Kandidatur für das Europäische Parlament scheitert ist ein wandelndes Lexikon und Geschichtsbuch Er hat den Scharpings Weg seit dessen Einzug in den Landtag 1975 begleitet und ist sein loyaler Sprecher ab 1985 als Scharping Fraktionschef wird dessen loyaler Sprecher Die Umgebung im Regierungsalltag des Rudolf Scharping wäre unzureichend beschrieben wenn man nicht auch seine Chefsekretärin Marie Luise Fricker erwähnen würde die er aus der Oppositionsetage mitbrachte wo sie auch schon unter seinen Vorgängern die Seele des Büros war Nummer zwei im Sekretariat ist Sonja Naab Heike Raab ist seit 1993 seine persönliche Referentin Zum engeren Stab gehören auch der Jurist Georg Wilmers und Rolf Engels als Mädchen für alles Engels zu Scharpings Juso Zeiten Vorsitzender des Unterbezirks Neuwied war wie Wollner zuvor im Bundesbauministerium Dieser Kreis setzt sich jeden Mittag am großen Tisch von Wollner zusammen um gemeinsam zu Mittag zu essen Man zahlt in eine gemeinsame Kasse einer muß im Wechsel das Essen besorgen Scharping vespert mit wann immer es geht Er liebt diese Art der Kommunikation wo sich in den Gesprächen Dienstliches unmerklich mit Privatem vermischt Und dienstags nach Feierabend tut sich dieser Kreis mit Wissenschaftsminister Zöllner und seinem Büro zusammen um Volleyball zu spielen Treue zu Personen zeichnet Scharping aus Cheffahrer Dieter Wienerl hat ihn schon zu Oppositionszeiten kutschiert Der zweite Fahrer Rolf Arnold ist Lahnsteiner seine Tochter engste Freundin von Scharpings Jüngster Julia Scharping Ich hatte Rolf Arnold 1990 in einer für ihn schwierigen persönlichen Situation zu helfen versprochen und das nach gewonnener Wahl sofort eingelöst Vertrauensvoll auch das Verhältnis Scharpings zu seinen Bodyguards Jupp Castor und Karlheinz Maron sind der harte Kern der Sicherheitstruppe gehören fast zur Familie Für die Scharpings gibt es keine Standesfragen Und die Freunde außerhalb der Politik Da sind Fußballer wie Stefan Kuntz vom FC Kaiserslautern und Klaus Toppmöller zu nennen inzwischen Trainer von Eintracht Frankfurt andererseits Hans Dieter Hüsch der Barde und Kabarettist Und Konstantin Wecker ist wohl sein ungewöhnlichster Freund Der linke Liedermacher aus München der sich am eigenen Schopf aus dem Drogensumpf gezogen hat war einige Male zu Gast in Lahnstein Scharping fuhr nach München die beiden zogen über das Oktoberfest flippten so richtig aus Wecker in der Bunten im Juni 1993 Ich weiß daß Scharping oft für einen etwas spröden Beamtentypen gehalten wird aufrichtig zwar fleißig und korrekt aber nicht gerade von sinnlicher Lebensfreude sprühend und viele wundern sich über unsere Freundschaft Aber ich kenne Rudolf auch als einen Menschen der bis vier Uhr morgens meinen Geburtstag feiert meine Freunde mit seinem Witz begeistert auf der Heimfahrt nach Mainz im Auto schläft um sich dann pünktlich um acht Uhr wieder dem Regieren zu widmen Scharping der die Toskana Fraktion der SPD zum Gegen wenn nicht gar Feindbild erkoren hat in dem großen Mißverständnis es handele sich um ein Synonym für Luxus und Hedonismus das Gegenteil ist der Fall Toskana bedeutet Freude am einfachen Leben besucht im Herbst 1991 Wecker auf dessen Landgut in Ambra einem Dörfchen mitten im Dreieck Florenz Siena Arezzo Das einzig Störende an dem Treffen ist die ständige Anwesenheit der italienischen Carabinieri die vom Bundeskriminalamt über den hohen Privatbesuch alarmiert worden waren Aber einmal können Wecker und seine Gäste ausbüchsen In der OsteriA Le Logge gleich hinter der Piazza del Campo genießen sie urwüchsige toskanische Küche Gianni der Küchenchef präsentiert dem Gast stolz sein eigenes Kochbuch mit einem Vorwort von Le Logge Freund Otto Schily dem Repräsentanten der Toskana Fraktion der gleich um die Ecke auf seinem Landgut im Arbia Tal lebt wann immer er Bonn entfliehen kann Nicht daß sie immer einer Meinung sind Scharping und sein Sänger Freund Wecker Etwa wenn es um das Asylrecht geht Oder auch um das Buch Uferlos in dem sich Wecker als ehemaliger Junkie outet Da bin ich mit vielem nicht einverstanden sagt Scharping Aber so Wecker Es ist bei Rudolf immer wieder möglich zu vergessen daß er Ministerpräsident ist Ich glaube nur so läßt sich eine Freundschaft

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