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  • Kiosk Berlin
    hatte Als die Zeichen auf Annäherung standen startete die Hamas eine Reihe von Anschlägen und rief dadurch seinen Mörder auf den Plan Dieser extremistische Israeli hatte mit den palästinensischen Terroristen viel gemein Und das ist bis heute so Immer wenn die Hoffnung auf Entspannung keimt gewinnen die Extremisten an Auftrieb Immer mehr Leben und Ressourcen werden in diesem verrückten Ritual vergeudet Vielleicht so hofft Gitai kommt der Nahe Osten einmal dahin wo die Europäer schon waren Die haben vor 50 Jahren auch erst Millionen Menschen aufs Grausamste getötet bevor sie schließlich herausfanden dass man auch zusammenleben und unterschiedliche Meinungen vertreten kann ohne sich gegenseitig umzubringen Die Leute sagt der Regisseur sind nicht intelligent Die Leute sind doof Vielleicht müssen sie alle möglichen schlimmen Erfahrungen und Foltern hinter sich bringen bevor die Erkenntnis einsetzt Eine Hoffnung für den Nahen Osten Dass die Leute zwar noch auf ihren Nachbarn spucken aber zumindest nicht mehr öffentlich Es kann aber auch sein dass die Barbarei dazu noch immer auf einem zu niedrigen Level ist Politiker findet Gitai sollten ihren Job machen und sie haben ihren Job im Nahen Osten ziemlich lausig gemacht Künstler haben eine andere Aufgabe Sie müssen nicht über das Abkommen von Oslo reden Stattdessen sollten sie von der Brutalität reden die der Landschaft angetan worden ist Es ist eine empfindliche Landschaft die wenig Extreme keine hohen Berge keine spektakulären Wasserfälle zu bieten hat Ihre Sensationen bestehen in zarten Bildern ein Baum mit einem kleinen Stein ein bestimmter Lichteinfall Das ist berührend und schön Sieht man aber mit welcher Brutalität die Israelis diese Landschaft in den besetzten Gebieten an sich reißen dann wird sie zum Politikum Hier findet eine Penetration statt Diese Landschaft ist gefickt sie ist versaut worden Warum fragt Gitai sind diese Leute nicht bescheidener Was wollen sie den nächsten Generationen hinterlassen Wissen sie nicht dass dieses Land der ganzen Menschheit gehört Es ist das Erbe der religiösen und spirituellen Quellen für einen großen Teil des Planeten Ein einziger Quadratkilometer der Stadt Jerusalem hat die Menschen auf zwei Dritteln der Erdoberfläche indoktriniert Christentum Islam Judentum das alles kommt hierher Fragt man nach dem Anteil den die zeitgenössische Architektur an dieser Zerstörung hat sieht man aber auch dass hier nicht bloß ein israelisches Problem vorliegt Manche Probleme sind spezifisch und lokal andere von globaler und ökologischer Dimension Nach einigen Jahren in Frankreich ist Gitai 1993 also kurz nach der Wahl Rabins und dem Osloer Abkommen wieder nach Israel zurückgekehrt Er arbeitet seitdem in einem wie er sagt belasteten Kontext und sieht genau darin die Herausforderung für eine künstlerische Arbeit Die Spannungen in einem Land zu spüren in dem jeder eine dezidierte Meinung vertritt und sei es die falsche und gleichzeitig kohärent zu arbeiten das scheint ihm der Nährboden für eine starke künstlerische Produktion zu sein Schließlich hat auch Fassbinder im geladenen Kontext der deutschen Nachkriegsgesellschaft Filme geschaffen die ein kritisches Bewusstsein überhaupt erst wieder möglich machten Auch denkt Gitai an das trickreiche Spiel mit dem sich Velazquez der Bourbonenkönige zu erwehren

    Original URL path: http://www.tuliphouse.de/deutsch/raum1_text02.htm (2016-02-17)
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  • tulip house
    die Passanten zu günstigsten Preisen mit Getränken versorgen und außer allerhand Fachliteratur auch abgefilmte Zweistundegespräche zu den verschiedensten Themen bereithalten Da kommt man dann aus dem Kaufhaus setzt sich bevor der Bus kommt rasch noch auf einen der bunten hell gepolsterten Hocker von Stephen Craigs transportablem Multifunktionskiosk vor einen kleinen Flachbildschirm und hört über Kopfhörer was Sozialarbeiter über die Theorie der sozialen Arbeit sagen Oder Feministinnen über die Frauenbewegung in der DDR Oder Mediziner über epidemische Strukturen Zum Beispiel Die Reihe mit israelischen Architekten und Stadtplanern u a auch mit Sharon Rotbard und Eyal Weizman ist jedenfalls nur der Anfang und zwar einer der in die aktuelle Ausgabe des Ersatzstadt Projektes besonders gut passt Bei der Ersatzstadt handelt es sich um ein mit Mitteln der Bundeskulturstiftung gefördertes Veranstaltungspaket das die Volksbühnendramaturgin Bettina Masuch in Zusammenarbeit mit den Kuratorenteams metroZones Jochen Becker Stephan Lanz und Tulip House Anselm Franke Hannah Hurtzig entwickelt hat Ursprünglich als Sondernutzung der temporären Sperrholzarchitektur Neustadt von Bert Neumann in der Volksbühne gedacht überzieht das teils akademische teils künstlerische Programm zum Thema internationale Stadtforschung und Stadtplanung mit seinem aktuellen Tulip House Projekt 7 Tage Raumkontrolle im Grunde die ganze Stadt Insbesondere natürlich durch das Ersatzradio das auf 104 1 UKW rund um die Uhr mit Filmnacherzählungen Gesprächen mit Fahrgästen aus dem Radiotaxi sprechen statt blechen Musik vor allem aber gründlichen Interviews zu Themenbereichen wie Kontrolle Gesetz Simulation oder Migration präsent ist Täglich zwischen 18 und 20 Uhr werden auch die Gespräche gesendet die jeweils am Vorabend in der Villa Elisabeth für das Kiosk für nützliches Wissen aufgezeichnet wurden Das Kiosk das sich hier auch mit kyrillischen Buchstaben schreibt geht auf eine sowjetische Idee aus den 20er Jahren zurück das Kiosk als transportable Architektur für propagandistische Redner zu nutzen Der irische Architekt und Künstler Craig setzte es als

    Original URL path: http://www.tuliphouse.de/presse/israel.htm (2016-02-17)
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  • tulip house
    an In den kommunal verwalteten Camps allerdings herrschen die unmenschlichsten Bedingungen Stromanschlüsse gibt es fast nur in den Containerbehausungen einiger Vorzeigecamps Unter Autobahnbrücken oder auf brachliegenden Industrieflächen versinken die Lager im Schlamm Die hygienischen Bedingungen sind mehr als bedenklich Mauern aus Stahl und Beton umgeben und durchziehen die Camps An den Eingängen kontrollieren Polizeibeamte wer hinein kommt Besucher sind nicht zugelassen An den Wänden des Kiosk für nützliches Wissen sind Berichte der Roma zu lesen Auf einem Stadtplan sind verschiedene Camps des Stadtgebietes eingezeichnet Ein Plakat fordert dazu auf sich bei den Roma auf ausgelegten Unterschriftenlisten zu entschuldigen ein symbolischer Akt der unter den am Projekt beteiligten Künstlern nicht unumstritten ist Aber viele unterschreiben meist erst nachdem sie sich lange Zeit die Interviews angehört haben Gegenüber den Roma über deren Lebenssituation und institutionalisierte Marginalisierung kaum jemand etwas weiß überwiegen die Vorurteile Auch von der offiziellen Geschichtsschreibung werden sie ins Abseits gedrängt Es habe heißt es mitunter noch heute in der Endphase des italienischen Faschismus ab 1940 in Italien keine Internierungslager für Roma gegeben Der Bewohner eines Camps jedoch berichtet von seiner vier Jahre langen Internierung in einem Kloster in Süditalien Ihm wird der Kontakt zu einem Dorfschullehrer vermittelt werden der über die Internierungen in seinem Dorf Agnone ein kleines Buch veröffentlichte aber nie auf Überlebende getroffen war Es gibt noch viel zu tun um an Samudaripen den Massenmord der Nazis an den Roma zu erinnern Der Kiosk entstanden als mobile Forschungseinheit Kino und Archiv im Rahmen des Projektes Ersatzstadt der Berliner Volksbühne sollte nach dem Willen der Künstler kurzfristig einen Schwarzmarkt der Erzählung in den kontrollierten Sicherheitszonen unseres öffentlichen Lebens ansiedeln Diesem Anspruch ist er sicher gerecht geworden Nach einigen Tagen wird er wieder abgebaut Der letzte Tag ist der 28 Januar Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus Am Vormittag

    Original URL path: http://www.tuliphouse.de/presse/rom.htm (2016-02-17)
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  • tulip house
    es Talent anzulocken und zu reflektieren Der in die Jahre gekommene Hallenkomplex auf der Isarinsel ist ganz gut gerüstet für ein langes Wochenende an dem er Bürgerrechtsgruppen Medienpiraten Schriftstellern Musikern und Softwareprogrammierern als Treffpunkt dienen soll Aufgeschlagene Notebooks schiefe Projektionen und verknotete Kabel bestimmen die Szenerie Dagegen wirken die Stände und Broschürentische die die Hauptschauplätze säumen beinahe archaisch Mitten im aufgeräumten Chaos knattert das Programm des Berliner Senders Reboot FM der hundert Tage lang in der Hauptstadt Open source Radio machen will aus ein paar Kofferradios Nicht alles aber wird gesendet oder läßt sich danach in Kürze im Netz nachlesen oder nachschauen manche Diskussion sollte man möglichst persönlich mitbekommen haben eine Begegnung wird ja in dem Augenblick am spannendsten in dem sie ein vorgefertigtes Bild verändert Als der 73jährige Filmhistoriker Enno Patalas der sich unentwegt mit den Problemen bei der Definition von Originalversionen von Filmklassikern beschäftigt am Samstag nachmittag noch einmal das Mikro ergreift ist so ein Moment gekommen Der Netzkünstler Sebastian Lütgert von der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur wegen der Verbreitung zweier Adorno Texte über seine Website aus Copyrightgründen juristisch belangt hat eben noch Filmbilder auf ihre Verbreitungsformen hin befragt jetzt applaudiert er ostentativ als Patalas erklärt Film ist schon an sich nichts anderes als eine Kopie eine Raubkopie der Wirklichkeit Überraschende Momente bei öffentlichen Begegnungen können allerdings nicht nur zu Beifall hinreißen sie können auch schmerzhaft sein Später am Abend führen israelische Audio und Videokünstler einen Film über den antiterroristischen Schutzwall zwischen Israel und dem Westjordanland vor Wer sie zur politischen Wirkung ihrer bewegenden Bilder befragt und zur Antwort erhält sie seien Künstler aber keine Politiker muß doch staunen wie merkwürdig sich mitunter der Blick verengt auch im offensten Netzwerk kann man aus dem Rahmen fallen Was an solch aktueller Kunst wäre denn nicht politisch Telepolis 02 03 2004 Networking Europe Netzaktivisten gegen Rassismus Andrea Naica Loebell In München trafen sich am Wochenende Netzaktivisten um sich einander vorzustellen ins Gespräch zu kommen und sich in einem virtuellen Europa gegen Rassismus und Ausgrenzung zu vernetzen Neuro Networking Europe sollte nicht nur eine Konferenz sondern vernetzte Praxis sein Freitagabend in der Muffathalle in München Im Café an jedem Tisch mindestens ein Laptop jeweils drumherum gruppiert intensiv diskutierende mehr oder weniger junge Menschen In der Halle eine riesige Leinwand als Raumtrenner links ein bestuhlter Veranstaltungsraum mit Bühne rechts im Halbdunkel auf Tischen eine Menge Computer und dazwischen der Kiosk für nützliches Wissen Beamer werfen die Abbilder von Websites auf die Wände Auf der Bühne eröffnet vor dem sich langsam sammelnden Publikum Fred Schell vom Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis offiziell Neuro Networking Europe Er plädiert dafür das Internet nicht dem Kommerz und schon gar nicht den Rechtsextremen zu überlassen Das Ziel sei die sowohl reale wie virtuelle Vernetzung junger Aktivisten als soziale Bewegung gegen Rechts in dem sich gerade erweiternden Europa Auch die Bundesjugendministerin Renate Schmidt spricht Grußworte an die lieben jungen Leute aus Europa und ruft zur Gegenbewegung gegen Intoleranz Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit auf

    Original URL path: http://www.tuliphouse.de/presse/raum4.htm (2016-02-17)
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  • tulip house
    ihren Cocktail trinken und sich über irgend etwas unterhalten hat das Kunstprojekt Publikum nichts zu tun ja es wird noch zusätzlich von ihnen durch die Kopfhörer isoliert Wie Fische im Aquarium gleiten die beiden Populationen die Kunst und die Trinker Gemeinde aneinander vorbei Die hier hergestellte Vertrautheit hat also die Anonymität ringsum geradezu zur Voraussetzung Daß sich eine wirkliche und fruchtbare Beziehung unter Leuten ergeben könnte die sich an einem bestimmten Ort gemeinsam mit einem bestimmten Thema beschäftigen auf eine solche Hoffnung will man sich offensichtlich nicht länger verlassen Im Gegenteil rechnet man mit einer Öffentlichkeit in der sich jede Wortmeldung durch ihre strategische Verwendung verbraucht und neutralisiert und damit wertlos wird Und natürlich auch ortlos Wie dem theoretischen Begleittext zu entnehmen ist soll die Kommunikations Installation daher auch einen Bezug zur Stadt herstellen Und tatsächlich Wenn der Stadttheoretiker erzählt wie er aus der beschaulichen Einsamkeit des Klosters bei Nancy wo er seine Kriegsgefangenschaft verbrachte über die verschiedenen Besatzungszonen in das zerstörte Berlin kam und wie er dort vom Westen aus wo er zunächst studierte von Leuten des Kulturbunds bewegt in den Osten übersiedelte dann kann einen die ehemalige Stalinallee und das Filmplakat von Schulze gets the Blues im Rücken plötzlich in der Tat der unabweisbare Eindruck einer Einheit von Zeit Ort und Handlung überkommen Verblüffenderweise erzielt die Versuchsanordnung den gewünschten Effekt und gerade dieser Umstand ist es der ein wenig beunruhigt Sollten die Konstruktionen der Kunst am Ende nur noch dazu gut sein die Schäden der Ausdifferenzierung zu kompensieren Daß man demnächst vielleicht tatsächlich solche Projekte braucht bloß um sich vernünftig zu unterhalten das kann einen schon etwas verstimmen Berliner Zeitung 23 April 2004 Stadträume Erinnerungsräume Der Architekt Bruno Flierl und der Dokumentarfilmer Thomas Heise beim KIOSK für nützliches Wissen Tobias Lehmkuhl Der Ort ist gut gewählt und das Wetter sehr entgegen kommend Ein paar Bäume verbreiten sogar auf der Karl Marx Allee Frühlingsduft Dabei ist die Gegend um das Kino International nicht besonders heimelig Und doch kann man draußen sitzen denn im und vor dem ehemaligen Kosmetiksalon Babette findet an diesem Mittwochabend ein Ereignis statt dass sich mit urbanen Räumen beschäftigt und wohl deswegen dem Publikum eine für eine Gesprächsveranstaltung ungewöhnliche Bewegungsfreiheit gewährt Auf die gläserne Fassade des heute als Bar eingerichteten Gebäudes sind zwei Leinwände gespannt die sich von innen wie von außen betrachten lassen Auf einer ist der Architekturtheoretiker Bruno Flierl zu sehen auf der anderen der Dokumentarfilmer Thomas Heise Sie sitzen im ersten Stock des gleichen Gebäudes in einer nicht einsehbaren Kammer und führen ein autobiographisches Gespräch das der Besucher über einen Kopfhörer verfolgen kann der mit einem mobilen Empfänger ausgestattet ist Es handelt sich um eine neue Ausgabe der vom Kuratorenteam Tulip House initiierten Dialogserie KIOSK für nützliches Wissen die im Rahmen des von der Kulturstiftung des Bundes geförderten Projekts ErsatzStadt stattfindet Vier Stunden lang erzählt eine Person der Zeitgeschichte einem von ihr ausgewählten Zuhörer ihr Leben Die Veranstalter nennen dies eine Versuchsanordnung zur Erinnerung an die Stadt Und tatsächlich überlagern sich an diesem

    Original URL path: http://www.tuliphouse.de/presse/flierl.htm (2016-02-17)
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  • Kiosk Berlin
    immer auch um Musik wobei Hanning Schröder in einem Dilemma steckt Im Westen werden seine Werke nicht aufgeführt weil er als Freund des Ostens gilt und im Osten nicht weil Schönberg und die Zwölftöner in der DDR verteufelt wurden Für eine vielbeachtete Toller Inszenierung der Theatergruppe die Nele mit einem bei der ostdeutschen Weltbühne aktiven Freund gegründet hat komponiert ihr Vater die Musik Ein Praktikum am Deutschen Theater Halle verhilft Nele zu ihrer ersten theaterpraktischen Arbeit Sie wird Regie und Dramaturgieassistentin bei der Operettenproduktion Frau Luna zu der sie auch das Programmheft schreibt Langsam kristallisiert sich für Nele eine mögliche Arbeitsform heraus und zugleich auch dass ein lange heimlich gehegter Wunsch nämlich der als Tänzerin selbst auf der Bühne zu stehen unerfüllt bleiben wird Sie ist dazu zu alt wird aber noch heute von einem Traum heimgesucht den andere im Setting einer Abiturprüfung kennen Ich stehe plötzlich in einer Balletcompagnie auf der Bühne und habe keine Ahnung was ich dort tun soll Ihre Universitätsjahre sind politische Bildungsjahre wobei sich der Widerstand gegen das System verstärkt Als Hans Mayer geht Ludwig Harig verhaftet wird schwindet der Glaube dass man diesen Staat aktiv mitgestalten kann langsam dahin Mit ihrem Examen zur Diplomphilosophin das Nele im Jahr 1957 an der Humboldt Universität ablegt zeichnet sich ab dass ihre Tage in der DDR gezählt sind Ihre Theatergruppe und das Umfeld der Weltbühne wird bespitzelt und verraten Unter dem Druck der Stasi durch Vorladungen und Verhöre fällt die alte Clique langsam auseinander einer muss für acht Jahre ins Zuchthaus andere ducken sich werden krank oder bringen sich um Wieder andere setzen sich unter dem hohen psychischen Druck in den Westen ab Nele Hertling glaubt heute dass sie damals noch die naivste von allen gewesen ist Sie erkennt dennoch Es geht nicht mehr In Berlin lernt sie ihren späteren Mann den Architekten Cornelius Hertling kennen Und mit diesem führt der Weg aus Berlin Durch glückliche Umstände und persönliche Fürsprache gelingt den beiden der Weggang aus dem Osten ohne dass dadurch die Zurückgebliebenen oder die Familie mit politischen Restriktionen zu rechnen haben Sie ziehen 1959 nach London wo Cornelius eine Arbeitsstelle als Architekt findet und Nele als Au pair bei einem britischen Schauspieler unterkommt Hier kommt sie zum ersten Mal mit freien und zugleich hochprofessionellen Theatergruppen in Kontakt die es in Deutschland wo die Szene durch das subventionierte Staatstheater geprägt ist noch nicht gibt In London heiraten die beiden bekommen so auch einen westdeutschen Pass und ziehen 1960 aus ökonomischen Gründen nach Westberlin zurück Cornelius bekommt hier eine Stelle im Büro von Peter Poelzig Nele bringt ihre erste Tochter zur Welt Während klar wird dass sich der alte Freundeskreis völlig zerstreut wird muss sie sich in Westberlin wo sie in der Bücherstube Schöller am Kurfürstendamm die eine wichtige Anlaufstelle für Intellektuelle aus dem Westen ist neu orientieren Ein Buch das Nele zuvor gemeinsam mit ihrer Mutter gemacht hatte verschafft ihr den Kontakt zur Akademie der Künste die im Westteil der Stadt am Hanseatenweg im Bezirk Tiergarten gerade

    Original URL path: http://www.tuliphouse.de/deutsch/erz3_text.htm (2016-02-17)
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  • Kiosk Berlin
    Reden 00 54 30 Jülich 00 56 00 Stuttgart 00 59 00 Maimi Basel China 01 03 20 Anfänge 01 04 17 Zürich 01 04 40 Bonn 01 06 55 ortlose Ausstellungen 01 08 30 Rom 01 09 45 Rolle des Kurator 01 10 30 Flugzeug 01 15 40 Rolle des Kurator 01 16 30 Fliegende Teppiche 01 17 30 Ostberlin 01 22 30 Paris 01 23 00 London 01 27 40 Paris 01 29 00 komplexe Ausstellungen 01 30 50 Amerika 01 32 00 Portland San Francisco Miami 01 33 40 Minneapolis 01 34 30 Chur Sils Maria 01 37 00 Bücher 01 38 00 Dakar 01 40 00 Palast der Republik 01 42 00 Mailand EvOST E6 A K Teil2 DVD 2 2 00 01 00 Dakar 00 02 40 unrealisierte Projekte Edinburgh Ebora Empoli Essen 00 06 00 Bordeaux 00 08 00 Mailand 00 08 30 Antwerpen 00 10 00 Der Katalog 00 14 00 Online 00 15 18 Berlin 00 16 00 das unendliche Gespräch Interviewprojekt 00 23 10 dynamische Erinnerung 00 24 00 Frankfurt 00 27 20 Glasgow 00 30 00 Granada 00 35 00 Helsinki Japan 00 39 40 Beijing 00 42 20 Fliegende

    Original URL path: http://www.tuliphouse.de/deutsch/erz6_text.htm (2016-02-17)
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  • Kiosk Berlin
    verbindet Außerdem ist es ihr wichtig nicht dort zu leben wo ihre Eltern sind Mit einer winzig kleinen Mappe bewirbt sie sich an der Universität für angewandte Kunst und wird in die Malereiklasse von Adolf Frohner aufgenommen Während die überwiegend männlichen Kommilitonen mit dem Pinsel in der einen und der Bierflasche in der anderen Hand riesige Leinwände bemalen und im Anschluss völlig eingesaut auf Partys weiter trinken hält Amina sich kaum in der Hochschule auf und nutzt die Studienzeit vor allem zu anderweitigen Aktivitäten Der Geniekult in der Malerei ist ihr zuwider sie erkennt in diesem männerdominierten Feld gebärneidbedingte Motive und absolviert als die Höchststudiendauer überschritten zu werden droht eine Aufnahmeprüfung im Fach Mediengestaltung Hier legt sie dann auch eine Abschlussarbeit vor Es handelt sich um ihr Buch Die Sammlung Handke Obwohl Amina eigentlich gerne malt findet sie genügend Gründe damit aufzuhören Ist ein Bild einmal fertig und in einer Ausstellung zu finden war die ganze Arbeit irgendwie umsonst denn es entwickeln sich über die Malerei keine interessanten Gespräche mit anderen Leuten Außerdem will Amina gar nicht für die Ewigkeit produzieren die massenhaft produzierten Bilder stehen doch nur in der Wohnung herum und wenn einmal eins verkauft wird dann natürlich eines der Besseren also eines das man ausgerechnet nicht so gerne los geworden wäre Die Medienkunst hat in dieser Hinsicht Vorzüge Wer im Digitalen produziert häuft keinen Müll an es ist ein Arbeiten im materialfreien Raum Und wenn sich eine CD nach einer gewissen Zeit nicht mehr lesen lässt ist das auch nicht so schlimm vielleicht sollte man auch Bilder und Bücher auf diese Art produzieren und nicht immer nur auf säurefreiem Papier drucken Auf die beliebte Frage was machst du denn so hat Amina eine Standardantwort Sie zückt eine Visitenkarte auf der wechselnde Berufszeichnungen stehen je nachdem gibt sie sich als Sozialarbeiterin Bühnenbildnerin Künstlerin Schauspielerin DJ oder aber einfach als Tochter aus Derzeit hat sie die Berufsbezeichnung Programmkoordinatorin in Gebrauch schließlich besteht nicht zuletzt die Krankenkasse auf einer klar definierten Tätigkeit Auch die anderen Berufsbezeichnungen sind aber nicht einfach erfunden In der außerschulischen Jugendarbeit hat Amina Leute getroffen die Kunst als sozialen Prozess verstehen zur Bühnenbildnerei ist sie gekommen weil es sich hier um ein der Malerei verwandtes Feld handelt nur dass man es zudem mit anderen Leuten zu tun hat Bühnenbildnerei kennt Amina sowieso schon seit sie 15 ist Damals war sie bei einem Urlaub mit ihrer Mutter der Schauspielerin in Kontakt mit einer Theatergruppe gekommen Hat Amina einen Ehrgeiz Am ehesten den kein schlechtes Gewissen zu haben Daher tut sie vor allem Dinge die sie gar nicht kann so stellt sich kein Gefühl des Scheiterns ein sondern eher das Gefühl schon wieder etwas dazu gelernt zu haben Als DJ traut sie sich zwar eine gewisse Repertoireexpertise zu gesteht aber auch dass sie nicht besonders gut mixen kann Das Auflegen zwingt sie dazu sich zu exponieren und nimmt ihr die Versagensangst Amina will nicht immer bloß als Tochter eines berühmten Vaters wahrgenommen werden In DJ Workshops mit jüngeren

    Original URL path: http://www.tuliphouse.de/deutsch/erz14_text.htm (2016-02-17)
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