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  • P. Merkel: Ernst Neufert - der Architekt - Stiftung Deutscher Architekten
    der Architekturgeschichte nicht gänzlich unerforscht ist erscheint er gerade im Vergleich zu seinen Zeitgenossen als eher marginale Position Er wird selten als Architekt thematisiert was angesichts seines umfassenden Werkes erstaunlich ist betrachtet man seine Gebäude insgesamt Typologisch vielfältig reichen sie von kleinen Villen über Büro und Institutsbauten bis hin zu komplexen Industriebauten die in einem Zeitraum von mehr als vierzig Jahren von Mitte der 1920er Jahre bis Ende der 60er Jahre im nahezu gesamten Bundesgebiet und darüber hinaus in Frankreich Finnland und der Schweiz entstanden sind Allein angesichts dieser Tatsache muss man in Neufert einen außergewöhnlich facettenreichen Architekten suchen der sich meistens einer sehr sachlichen Formensprache bedient die in ihrer äußerst zurückhaltenden Weise einen besonders konzentrier ten Blick auf ihre Gestalt und Gestaltung fordert Zahlreiche dieser Gebäude besonders die aus den 1950erJahren sind noch erhalten aber auch einige Werke aus den 30er Jahren sind nicht nur ertüchtigt oder saniert sondern auch in ihrer ursprünglich entworfenen Funktion erhalten oder modifiziert und stehen unter Denkmalschutz Um hier nur einige zu nennen gehören dazu vor allem das Mathematische Institut Abbeanum der Universität Jena und das Studentenhaus der Universität Jena jeweils 1929 30 Beide waren damals mit dem Aktiven Bauatelier der Staatlichen Bauhochschule Weimar und dem damaligen Direktor der Schule Otto Bartning 1883 1959 entstanden Außerdem ist hier das Ledigenhaus in Darmstadt 1952 55 zu erwähnen das als eines der Meisterbauten verwirklicht werden konnte Nicht zuletzt auch durch den sensiblen Umgang mit der ursprünglichen Bausubstanz veranschaulichen diese Beispiele heute noch in beeindruckenderWeise die Aktualität von Neuferts Architektur Die Rezeption seiner Person erschöpft sich bislang zumeist in der populistischen Erzählung von Anekdoten und muss deshalb dringend einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung weichen Damit wird auch die stigmatisierende Darstellung die Neufert fortwährend als Normierer Technokrat Standardisierer Reglementierer oder gar als Ordnungsfanatiker beschreibt das Feld räumen müssen All diese

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  • P. Merkel: Ernst Neufert (1900–1986) – Frühe Einflüsse in den 1920er- und 1930er-Jahren - Stiftung Deutscher Architekten
    Werken werden exemplarisch Kontextbezüge zur Architektur von Ernst Neufert untersucht Sie nehmen Bezug auf die dargestellten frühen Jahre Neuferts und auf seine Bekanntschaften in dieser Zeit wie zum Beispiel mit den Architekten Walter Gropius 1888 1969 Adolf Meyer 1881 1929 Otto Bartning oder Cornelis van Eesteren 1897 1988 um an dieser Stelle nur einige zu nennen Doch auch die Beziehung zu dem Bauherren Unternehmer und Sozialreformer dem Gründer der Schuhleistenfabrik Fagus Werke in Alfeld Carl Benscheidt sen 1858 1947 und zu seinem Sohn Karl Benscheidt jun 1888 1975 sollen untersucht und aufgezeichnet werden Denn auch hier werden Einflüsse sichtbar die Neufert in seinem Denken beeinflussen und seine späteren Tätigkeitsfelder und damit seine Architekturauffassung prägen Für die frühen Jahre in Weimar und Dessau zwischen 1919 und 1926 bedeutet die Einordnung Neuferts in einen Zusammenhang beispielsweise die Etablierung zum Staatlichen Bauhaus und in die Bürogemeinschaft Walter Gropius und Adolf Meyer Hier ist er bekanntermaßen viele Jahre als vertrauter Mitarbeiter von Walter Gropius und Adolf Meyer tätig und an mehreren Projekten als Entwerfer Zeichner und oder Bauleiter beteiligt Bei seinem vorübergehenden Aufenthalt in Alfeld von 1924 bis 1925 als Bauleiter für die von Gropius und Meyer geplanten Hannoverschen Papierfabriken 1923 24 und das Geschäfts und Lagerhaus der Landmaschinenfabrik Gebr Kappe 1922 25 wird er zusätzlich auch kleine Ergänzungsbauten für das ab 1911 von Gropius und Meyer errichtete und inzwischen als Ursprungsbau der Moderne bezeichnete Fagus Werk betreuen und hier Carl Benscheidt sen und Karl Benscheidt jun kennenlernen Hier werden entscheidende Weichen für die späteren Jahre Neuferts gestellt in denen er sich vermehrt der Thematik der Normung und Serienbauweise widmen wird In den Jahren von 1926 bis 1930 wird Neufert als Leiter der Architekturabteilung gemeinsam mit Otto Bartning und dem aktiven Bauatelier der Staatlichen Bauhochschule Weimar der Folgeschule des nach Dessau umgesiedelten Bauhauses erste

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  • P. Merkel: Die Vereinigten Lausitzer Glaswerke in Weißwasser - Stiftung Deutscher Architekten
    Pressglas verantwortlich und entwickelt dem modernen Zeitgeist entsprechend hieraus ein vielseitiges Sortiment neuer Formen und Typen für temperaturbeständiges Haushaltsglas Die durch Wagenfeld vorangetriebene industrielle Herstellung von qualitativ hochwertigem Glas führt auch zu einer Auseinandersetzung von Reorganisationsmaßnahmen innerhalb des Werkes und der Hütten Moderne Betriebsführung veränderte Produktionsabläufe wie z B Akkord und Fließbandarbeit und daraus folgende Steigerungen der Absatzzahlen führen bei der VLG zu dem Entschluss neue Fabrikgebäude zu bauen die den neuen Standards von Arbeitsabläufen gerecht wer den Für diesen baulichen Neuanfang der einen Hüttenbetrieb und ein Zentrallager vorsieht sieht Wagenfeld in Ernst Neufert den richtigen Architekten Jemanden der sich zu dieser Zeit mit der Umsetzung moderner Arbeits und Betriebswissenschaften in funktionale Grundrisse beschäftigt und der versucht optimierte Bewegungsabläufe in Grundrissen zeichnerisch festzuhalten um hieraus Standards abzuleiten die zu einer einheitlichen Maßordnung im Bauen führen soll Hierbei achtet Neufert zunächst insbesondere darauf Arbeitsweisen und Produktionsabläufe nach ihren minimal notwendigen Bewegungsabläufen entsprechend der Taylorschen Forderung einer wissenschaftlichen Betriebsführung zu organisieren und zu planen Wagenfelds Bemühungen erfahren eine Krönung um die Kultivierung der Industriearbeit als es ihm gelingt mit Ernst Neufert einen der bedeutenden modernen Architekten bei der VLG einzuführen Neufert baut in Weißwasser einen Hüttenbetrieb und ein Zentrallager Der moderne Industriebau hält somit Einzug auch in der Glasindustrie bemerkt hierzu Walter Scheiffele Scheiffele Walter Der Modellfall Die Vereinigten Lausitzer Glaswerke in Weißwasser in Manske Beate Hrsg Wilhelm Wagenfeld 1900 1990 Ostfildern Ruit 2000 S 46 65 hier S 58 Die beiden gleichaltrigen Bauhausschüler Neufert und Wagenfeld kennen sich bereits seit 1923 als Wagenfeld an das Staatliche Bauhaus nach Weimar kommt wo er zunächst bis 1925 in der Metallwerkstatt unter der Leitung von Lazlo Moholy Nagy 1895 1946 und Christian Dell 1893 1974 lernt Neufert der hier bis 1920 studiert ist aufgrund der mangelnden Architekturlehre inzwischen nicht mehr als Student am Bauhaus

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  • S. Wurzbacher: „Zum Verhältnis zwischen urbaner Dichte und Energie“ - Stiftung Deutscher Architekten
    der Stadtentwicklung zur Ausbildung ganz unterschiedlicher Gestaltungsmerkmale der urbanen Morphologie geführt Neben Steuerungsfunktionen von baulicher Dichte innerhalb der Bauleitplanung werden deren vielschichtige Eigenschaften nun auch noch um energetische und nachhaltige Aspekte in Hinblick auf den Klimawandel und beschlossene Energiewende erweitert Erste diversiv formulierte Ansätze wie eine nachhaltige und energieeffiziente Stadt der Zukunft grundsätzlich aussehen soll zeigen sich in den konträren Strategien Verlustminimierung durch Verdichtung mit kompakten Volumina und Gewinnmaximierung durch solare Exposition Dabei bestimmt die spezifische Beschaffenheit der Morphologie primär in welche Richtung das energetische Verhalten der Form tendiert und in welcher Höhe regenerative Potenziale an Oberflächen Dach Fassade und Freiraum bereitgestellt werden können Fokus Stadt Eine Fokussierung auf städtische Energieströme ist in der Forschungslandschaft relativ neu In der Vergangenheit wurden vor allem Einzelbetrachtungen am Gebäude vorgenommen und mittels Aufsummierung energetischer Eigenschaften einzelner Gebäude Rückschlüsse auf mögliche Maßnahmen der Quartiersebene gezogen Von dieser Methode gilt es sich zu trennen und neue Wege hin zu ganzheitlichen städtischen Betrachtungen zu gehen Dabei muss ein besonderes Augenmerk auf den Gebäudebestand gerichtet werden welcher im Unterschied zum Neubau die größte Herausforderung darstellt Transformationsprozesse müssen hier behutsam und ortsspezifisch und vor allem möglichst dezentral geschehen Diese Forderung einer extrem dezentralen Organisation von Energiesystemen benannte auch Professor em Thomas Sieverts während des Symposiums Urban Transitions am 11 11 2011 in Wuppertal zur nachhaltigen Stadtentwicklung Mit dem Verweis auf die Vielfältigkeit regenerativer Energien so Sieverts müsse mittels Kombination ganz unterschiedlicher Potenziale eine regionale Differenzierung in der Energiebereitstellung entwickelt werden Auch Professor Manfred Hegger schloss sich einer Forderung nach dezentral organisierten Energiesystemen an und verwies auf die Möglichkeit den Energiebedarf von Gebäuden mit bis zu vier Geschossen nach dem heutigen Stand der Technik ausschließlich mit lokalen Ressourcen zu decken Dabei sollte aber stets die Eigenlogik des Ortes berücksichtigt und entsprechend gefördert werden Stadtraumtypen als städtische Typologie Vor diesem Hintergrund widmet sich mein Promotionsvorhaben der Fragestellung in welchem Maße die städtische Morphologie Einfluss auf die Höhe regenerativer Potenziale Solarenergie Biomasse und oberflächennahe Geothermie und das energetische Verhalten baulicher Strukturen hat Dazu werden verschiedene beispielhafte Stadtausschnitte nach genannten Potenzialen und Bedarfen untersucht Bei der Auswahl geeigneter Betrachtungsräume greife ich auf ein Klassifizierungssystem des Forschungsprojektes UrbanReNet der Technischen Universität Darmstadt zurück welches die in Deutschland vorherrschenden städtischen Strukturen in entsprechende Stadtraumtypen einteilt Zur Ermittlung von Bedarfen und Potenzialen programmiere ich ein mathematisches Energiemodell dessen Schwerpunkt auf der Berücksichtigung von formspezifischen Abhängigkeiten wie z B die Höhe von Transmissionswärmeverlusten in Abhängigkeit zur Kompaktheit oder dem nutzbaren Maß an Globalstrahlung auf Oberflächen liegt Eine detaillierte Kenntnis von Potenzialen und Bedarfen in Abhängigkeit zur Morphologie ist für die kommunale und städtische Entwicklung eine wichtige Grundlage Hierzu soll die Arbeit Grundlagenwissen und Methoden liefern welche die Möglichkeit schaffen soll Verborgenes gegebenenfalls zu aktivieren und im Sinne der Forderungen von Sieverts und Hegger dezentral energetisch nutzbar zu machen Wissenstransfer Meine Arbeitsmethode gestalte ich prozesshaft wobei sich Ziel und Methode stets weiterentwickeln Nach einer intensiven Phase der Grundlagenermittlung arbeite ich gerade an einer stärkeren Fokussierung und Eingrenzung des inhaltlichen Ziels Dies rührt auch aus dem engen Austausch

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  • S. Wurzbacher: Energetische Begabung von Quartieren - Stiftung Deutscher Architekten
    Energiequellen werden dabei aller Voraussicht nach auch neue Anforderungen an Struktur und Textur von Stadträumen stellen Betrachtet man die Energieversorgungsmuster die sich in den letzten 50 Jahren etabliert haben so sind es vor allem Großkraftwerke die Grund und Spitzenlasten des Energiebedarfs einer Stadt decken Dabei liegen diese meistens an der Peripherie einer Stadt und transportieren produzierten Strom auf Stromautobahnen über weite Strecken hin zum Verbraucher Dieses Konzept konnte sich in der Vergangenheit nur aufgrund der Möglichkeit große Mengen fossiler Energien industriell zu fördern und diese anschließend über ein globales Transportsystem zu den Abnehmern in den Ballungszentren zu liefern etablieren s a Schaubild 1 fossile Stadt Vernetzung von Quartieren nach energetischer Begabung Regenerative Energien stehen dieser Versorgungsstruktur konträr gegenüber da sie dezentral gewonnen werden und je nach klimatischen Randbedingungen zeitlich variabel und in unterschiedlicher Menge anfallen sodass eine Diskrepanz zwischen Erzeugung und Nutzung entstehen kann Dieser Effekt wird zudem noch durch die derzeitigen Bedarfs und Verhaltensmuster unserer Gesellschaft und die pauschale Belohnung bei der Bereitstellung regenerativer Energie zum Beispiel über Photovoltaik oder Solarthermie verstärkt Momentan erfolgt der Ausbau von aktiven Solarenergiesystemen zwar mit hoher Geschwindigkeit es werden jedoch in der Regel lediglich Anlagen auf exponierten und optimal orientierten Flächen errichtet Diese liefern im Jahresmittel absolut einen maximierten Energieertrag der jedoch nicht immer in zeitlicher Synchronie mit Energiebedarfen steht Im Bereich der Wärmegewinnung über Solarthermie mag dies zwar über Speicher mehrere Tage zu überbrücken sein bei der Strombereitstellung über Photovoltaik wird momentan jedoch nur das öffentliche Stromnetz als Speicher betrachtet Bei auf maximalen Jahresertrag hin errichteten Anlagen kann dies insbesondere in den Mittagstunden zu einer hohen Belastung des Netzes führen während in den Vormittags und Nachmittagsstunden nur eine mäßige Stromausbeute erzielt wird Demgegenüber könnten ost bzw westorientierte Anlagen in diesen Stunden durchaus einen beträchtlichen Anteil der Stromversorgung decken und die Diskrepanzen zwischen den Bereitstellungsprofilen glätten Die regenerative Stadt wird zukünftig wohl über kein lineares Versorgungsmuster mehr verfügen sondern die zeitlich und räumlich variabel anfallenden Energieüberschüsse und bedarfe über ein engmaschiges und unhierarchisches Netz miteinander synchronisieren s a Schaubild 2 regenerative Stadt Dabei ist auch davon auszugehen dass zukünftig vermehrt auch die für einen maximalen Ertrag weniger optimal orientierten Oberflächen für einen Einsatz aktiver Energiesysteme herangezogen werden falls diese in zeitlicher Abhängigkeit einen Beitrag zur Energieversorgung einer Stadt eines Quartiers oder eines Gebäudes leisten können Ausblick Stadtforschung Die regenerativ vernetzte Stadt ist seit kurzem in den Fokus der Forschung gerückt Dabei wird vor allem die Ebene des Quartiers als die relevante Maßstabsebene erachtet auf welcher alle vorhandenen Potenziale identifiziert und bilanziert werden können Der Fokus weg vom Gebäude und hin zum Stadtraum ermöglicht neben der Nutzung von Potenzialen in und an baulichen Strukturen auch die Nutzung von Potenzialen in Straßen und Grünräumen vgl herzu Hegger 2012 S 23 Alle bisher vorliegenden Studien operieren hierbei mit einer Typisierung von Stadtstrukturen den sogenannten Stadtraumtypen vgl hierzu Roth 1979 Everding 2007 AGFW 2001 UrbanReNet 2012 und quantifizieren statische Potenziale Diese Typisierung hat den Vorteil dass keine aufwendige Einzelgebäudebetrachtung durchgeführt werden muss sondern über das Nettobauland eine

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  • S. Wurzbacher: „Solarer Städtebau 2.0“ - Stiftung Deutscher Architekten
    auch Walter Gropius 1931 mit seiner Untersuchung zu notwendigen Gebäudeabständen in Abhängigkeit zur Gebäudehöhe vgl Giedion et al 1931 das Prinzip solaroptimierter Stadtstrukturen welche später wichtige Grundlage von Abstandsregelungen werden wird Gerichtete Strukturen Die Idee solaroptimierter Stadtstrukturen findet sich in zahlreichen gebauten Beispielen der klassischen Moderne wieder Neben Studien Ludwig Hilberseimers zu kompakten Hochhauszeilen lässt sich vorallem in der Siedlung Dammerstock bei Karlsruhe eindrücklich eine aus solarer Optimierung heraus gedachte Entwurfsmethodik Walter Gropius lesen Unter den nach der ersten Ölkrise von 1973 aufkeimenden Paradigmen der Energieeffizienz werden wiederum die bis dahin gängigen Bauformen der Moderne zunehmend hinterfragt Seit den frühen 1980er Jahren wird aus einem bauphysikalischen Prinzip heraus das Passivhaus System entwickelt welches durch eine Kombination aus verlustminimierenden Maßnahmen und maximaler Nutzung passiver Erträge Wärmebedarfe auf ein bauphysikalisch mögliches Minimum begrenzt Je effizienter das Gebäude von seinen Hüllflächen her konstruiert ist desto größer wird der Einfluss der Verschattung auf den Wärmebedarf des Gebäudes vgl Goretzki 2007 Aus diesem Grund werden bei Wohnquartieren Abstände zwischen Baukörpern vergrößert um einen maximalen Solarenergieertrag in der Heizperiode zu erzielen Eine weitere treibende Kraft bei der Minimierung von Energiebedarfen und der Maximierung von Energiegewinnen ist die systematische Orientierung von Gebäuden nach Süden Ein Niedrigenergiehaus benötigt den Untersuchungen von Vallentin 2011 S VII 34 zufolge bei Abweichungen von der idealen Ausrichtung von bis zu 120 ein Passivhaus sogar bis zu 150 mehr Heizwärme pro Jahr In der Jahresbetrachtung scheint somit ein südorientiertes mit ausreichend Abstand zur benachbarten Bebauung versehenes Gebäude die energieeffizienteste Bauform darzustellen Eine Transkription dieses Systems führt seit den 1980er Jahren zu einem Solaren Städtebau welcher nicht mehr eine Ost West Orientierung der klassischen Moderne sondern eben jene Nord Süd Orientierung propagiert Die Passivhaussiedlung Kranichstein in Darmstadt oder der Ackermannbogen in München zeigen in diesem Zusammenhang eindrücklich eine passiv und aktiv optimierte stadträumliche Konfiguration Diese gilt es jedoch nach heutigem Standpunkt in zweifacher Hinsicht zu hinterfragen Zum einen ist die Frage der städtischen Raumqualität kritisch zu bewerten Konnten bei Ost West orientierten Zeilen der klassischen Moderne noch back to back Typen mit einer zweihüftigen Erschließung realisiert werden erfolgt bei Nord Süd orientierten Zeilen eine Erschließung der Baukörper in der Regel einhüftig von Norden Die Bildung von Nachbarschaften wird innerhalb dieses Erschließungsprinzips erschwert und ein Konflikt zwischen Erschließung und Ausrichtungsseite kreiert Aus einer wärmeenergetischen Betrachtung heraus sind diese Strukturen zwar effizient zukünftig wird jedoch weniger Wärme denn Strom die eigentliche Herausforderung in der regenerativen Energiebereitstellung darstellen Eine Deckung des Strombedarfs aus lokalen Quellen wird daher für eine CO2 neutrale Entwicklung des Gebäudebestandes von großer Bedeutung sein Technische Systeme wie zum Beispiel Photovoltaik bieten hierfür bereits die Möglichkeit Gebäude mit bis zu vier Geschossen im Jahresmittel mit genau so viel Strom zu versorgen wie dieses zur Abdeckung ihres Strom und Wärmebedarfs benötigen Eine erste Definition hierfür stellt das BMVBS 2011 mit seiner Definition von Wohnhäusern mit Plus Energie Niveau auf Energetisch wird hierbei der Strombedarf der Nutzer und ein Hilfsstrombedarf technischer Anlagen berücksichtigt Morphologisch bauen diese Gebäudetypen auf den Prinzipien des Passivhauses auf Kubatur Abstand und

    Original URL path: http://www.stiftung-deutscher-architekten.de/meldungen/detail/s-wurzbacher-solarer-staedtebau-20/ (2016-04-24)
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  • S. Rethfeld: Harald Deilmann - Ein Gestalter seiner Zeit - Stiftung Deutscher Architekten
    ich meinen Projektanspruch nun insofern relativiert habe als dass ich mich allein auf das architektonische Werk beschränke Die Projekte liegen hierbei mehrheitlich im Bereich Münster allein über 200 Projekte Westfalen in den Stadtregionen von Dortmund Düsseldorf und Stuttgart und gerade in den 1970er Jahren vereinzelt auch im Ausland wie Projekte in Iran Italien Luxemburg Österreich Schweiz und USA zeigen In der überwiegenden Anzahl wurde Deilmann direkt mit den Projekten beauftragt doch sah er sich immer auch durch Wettbewerbe herausgefordert Geschult am Erstlingsprojekt dem Stadttheater Münster 1954 56 noch zusammen mit Max von Hausen Ortwin Rave und Werner Ruhnau errang Deilmann bis 1980 bei insgesamt 250 Wettbewerbsteilnahmen für weitere dreißig Entwurfsprojekte die Aufträge Gleich der zweite Wettbewerbsgewinn eine Kurklinik in Bad Salzuflen erweiterte hierbei das Spektrum des Büros beträchtlich und ermöglichte Deilmann sich auch als Architekt für Krankenhausbau zu etablieren Dem Architekten lag jedoch viel daran nicht zum Spezialisten zu werden Boomjahrzehnte der Bundesrepublik ermöglichen breites Tätigkeitsfeld Die günstigen Umstände der Boomjahrzehnte der jungen Bundesrepublik eröffneten Harald Deilmann alle Möglichkeiten neben Kirchen und Kindergärten Krankenhäusern und Sportstätten Schulen und Instituten Banken und Versicherungen Rathäusern und Bürgerzentren verlangte die neu entstehende Gesellschaft bekanntlich jedwede Form von Infrastruktur so dass sein Werk nahezu jeden Gebäudetyp aufweist bis hin zu Spielcasinos Flugsimulatoren Zoo und Fernsehturm Deilmann erfuhr für sein Tun wichtige Prägungen während seines Studiums in Stuttgart wo er bei Rolf Gutbrod 1948 mit einer Arbeit für den Hauptbahnhof Friedrichshafen diplomierte Nicht um Wiederaufbau sondern um einen Neubau Rolf Gutbrod ging es hierbei auch Deilmann und die Stuttgarter Schule unter Richard Döcker bot ihm dafür ein wichtiges Umfeld zunächst als Student später als Assistent und Hochschullehrer Wie Jürgen Joedicke rückblickend beschreibt war ihr Fundament ein erneuertes Verständnis des Bauens Offenheit gegenüber neuen Tendenzen aber zugleich Ablehnung alles Monströsen und Übersteigerten Wer sich modischen Neigungen hingab fiel scharfer Kritik zum Opfer Markante Objekte beschreiben den Prozess der Formfindung In den nächsten Monaten soll meine Arbeit neben den persönlichen biographischen Prägungen insbesondere diese Anfänge eingehend untersuchen Dabei geht es darum zu prüfen ob sich speziell aus dieser Zeit Leitmotive für das Schaffen Deilmanns ergeben haben Mit dem Begriff Formfindung wird hier ein Schlüsselvorgang zu untersuchen sein sowohl architekturtheoretisch als auch am Objekt selbst Markant erscheinen hierbei einige beispielhafte Bauten etwa die Sonderschule Haus Hall in Gescher 1968 das Krankenhaus in Engelskirchen 1956 oder die West LB Bauten in Münster 1967 und Düsseldorf 1976 Den zahlreichen privaten Wohnhäusern wird eine eigene Untersuchung gewidmet werden sowohl im Vergleich untereinander als auch mit Werken maßgeblicher Architekten der Zeit in den USA Skandinavien und der Schweiz Dem Austausch während der zurückliegenden Bearbeitungszeit dienten regelmäßige Gespräche im Graduiertenkolleg sowie mit den Autoren weiterer monographischer Dissertationsvorhaben am Lehrstuhl insbesondere zu den Arbeiten über Bruno Lambart Alexandra Apfelbaum Paul Zucker Petra Kahlfeldt und Carl Pinnekamp Melanie Günter Auch einzelne Tagungen und Symposien boten im Berichtszeitraum einen guten Rahmen zur Auseinandersetzung mit Fachkollegen so das Symposium Bauten und Anlagen der 1960er und 1970er Jahre Ein ungeliebtes Erbe veranstaltet vom Haus der Architektur Oktober 2009

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  • S. Rethfeld: Zwischen Souveränität und Neugier - Stiftung Deutscher Architekten
    aufgeschlossen In der Nachkriegszeit bieten hier vor allem die westlichen Nachbarländer und die USA Anschauungsmaterial deren moderne Vertreter oftmals die maßgeblichen Zwanziger Jahre Ansätze von Bauhaus und Neuem Bauen in den Zentren Berlin Frankfurt M Stuttgart Dessau oder Breslau in die junge Bundesrepublik zurückspiegeln Richard Neutra USA Alvar Aalto Finnland und vor allem der Däne Arne Jacobsen erweisen sich für diese Generation als wegweisend auch für Harald Deilmann Für Jacobsen 1902 1971 der sich als Bewunderer des Bauhauses und als reiner Funktionalist verstand war es ein Ziel klare gesunde leicht verständliche Architektur ohne modische Zutaten zu erreichen Und das sollte nun erst Recht für die Wohnbauten gelten Deilmanns erste Wohnbauten entstehen 1956 in Bad Salzuflen Hier hatte er einen Wettbewerb für eine Kurklinik samt Wohnumfeld für das Personal gewonnen Die Wohnhäuser scheinen wie aus einem anderen Land so ausgewogen aber auch raffiniert treten sie auf Die Wände aus Ziegelmauerwerk Stahlbetondecken und dach welches mit Schiefer gedeckt ist Dazu schlichte weiße Holzfenster Mit wenigen Linien und Materialien markiert Deilmann in Ansicht und Grundriss die Funktionen und Elemente Auch seine ersten privaten Einfamilienhäuser die er in Münster Marl und Bielefeld 1955 errichtet sprechen die gleiche Sprache Noch vielschichtiger und aufschlussreicher gerät dagegen sein eigenes Wohnhaus das er 1956 für seine Familie und für sein Büro an der Jessingstraße in Münster baut Und es weckt Sympathie wenn er sagt Nichts ist schwieriger anstrengender und undankbarer für einen Architekten als in eigener Sache auftreten zu müssen Es gibt andererseits auch selten etwas Schöneres So läss denn auch gerade dieses Haus sich als engagiertes Statement und Vorwegnahme für sein künftiges Bauen lesen Funktional stellt es eine Verbindung von Wohnen und Arbeiten dar Im Innern gliedert er das Gebäude in einen straßenseitigen Bürotrakt und einen hinteren zum Garten orientierten Wohnbereich beides auf versetzen Geschossen verteilt An der Verbindungsstelle liegt sein Arbeitszimmer Die Dachform mit verschieden geneigten Seiten übernimmt er von seinem Projekt in Bad Salzuflen und kann damit eine örtliche Satteldachvorgabe umspielen Wieder sind die Hauptbaustoffe roter Backstein Sichtbeton Holz und Schiefer Vieles scheint logisch und geklärt an diesen funktionalen formalen und konstruktiven Überlegungen und doch ist es so Deilmann nicht weniger als ein Organismus der hier zu einer neuen Baukörperform führt und die Gestalt des Hauses bestimmt Das eigene Haus als Prototyp Sein Haus erweist sich in den Folgejahren 1957 64 als Prototyp für eine Reihe von Wohnhäusern die von ihm überwiegend in Münster als eine Art Case Studies entstehen Die Häuser eint die durchgängige Handschrift einer gediegenen Backsteinmoderne Wolfgang Pehnt da sie auf ein gemeinsames Formen und Materialvokabular zurückgreifen und doch findet jedes einzelne durch seine spezifischen Rahmenbedingungen Kontext Raumprogramm zu einem eigenen Charakter Beispielhaft sei hier das Wohnhaus Görtz genannt Gebaut seinerzeit für eine Mutter mit ihrem erwachsenen Sohn zeigt es sich als gemeinsame Adresse zur Straße bietet im Innern jedoch zwei gleiche Wohneinheiten übereinander mit gemeinsamer Zwischenebene Zum Erkennungsmerkmal wird die Proportionierung der Baukörper sowie die der Fassade eine Komposition mit Ziegellochfenstern Schornstein weißer Attika rotem Ziegelstein und nahezu quadratischen weiß gestrichenen

    Original URL path: http://www.stiftung-deutscher-architekten.de/meldungen/detail/s-rethfeld-zwischen-souveraenitaet-und-neugier/ (2016-04-24)
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