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  • Almut Raschper - Steinfurt aktuell, heute und damals - www.stenvorde.de
    und Hochdrucktechnik auf aufgequollenem Velin Litho Büttenpapier mit hohem Baumwollanteil mit Kunstharz und Ölfarben im Eindruckverfahren Ausgeplaudert Almut Raschper Und Hast Du deine Entwürfe dabei so lautet gleich die gespannte Frage als ich das Atelier Huss betrete Ja und was halten Sie von Grashalmen Grashalme lautete die Gegenfrage bevor er sich schnell verbesserte Hm ja natürlich Das Foto über meinem Bett hat mich inspiriert erklärte ich meine Idee weiter Ja das ist eine gute Idee ich hatte doch noch irgendwo eine Holzplatte Dann könntest Du gleich anfangen Zuerst ein Testversuch Und schon saß ich am Tisch um meine Grashalme ins Holz zu schnitzen Wenig später So streng Meinst Du nicht dass nur um sich wiederum zu verbessern Nein egal das drucken wir erstmal Und schon waren wir dabei die Druckplatten einzurichten Dann das Ergebnis Grashalme halt Doch W H ist begeistert Seine Ideen sprudeln Ich habe da noch das handgeschöpfte Papier das ich neulich von Boesner mitgebracht habe Wenn wir das vorher anfeuchten bekommen wir bestimmt einen schönen Reliefdruck hin Eine Stunde danach stehen wir vor dem Resultat vier unterschiedlich farbige Einzeldrucke im Relief Der Vordruck war fertig also ran an den Rest der Holzplatte Frau Huss kam herein um den Tee vorbeizubringen Eine Steppenlandschaft fragte sie Ja vielleicht doch eher eine Landschaft nicht mehr abstrakt stellte W H seine Vermutungen an auf die ich vage mit Ja vielleicht reagiere Auch die Steppenlandschaft wird noch gedruckt bevor ich mich in meinen zweiwöchigen Bayernurlaub begebe Als ich nach der Reise wieder das Atelier betrete liegen die Drucke schon sehnsüchtig auf weitere Bearbeitung wartend auf dem Glastisch Was hältst Du von blau und weiß fragt W H Nicht gerade die klassischen Steppenfarben aber trotzdem rühren wir die Farben an und riskieren wieder einen Testdruck Schließlich war es so heiß dass wir das

    Original URL path: http://www.stenvorde.de/whois_almut_raschper.html (2016-04-29)
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  • Der Bäcker - eine Niederschrift vom heimatgeschichtlichen Arbeitskreis im Heimatverein Burgsteinfurt e.V.
    hat sicherlich damit zu tun dass so kurz nach dem Krieg die neuen Strukturen der Handwerkskammer noch nicht genau definiert waren Bild 2 Der Meisterbrief von Franz Voß In Ermangelung einer Meisterstelle arbeitete ich erst als Geselle in der Bäckerei Frieling in Horstmar bevor ich dann im November 1947 die Bäckerei Strickmann in Borghorst pachten konnte Aus dem Pachtvertrag werden die Bedingungen der damaligen Zeit deutlich so dass er hier zitiert werden soll Bild 3 Bernhard Voß und Geselle Karl Bödding vor der Bäckerei in der Schulstraße 1936 Bild 4 Pachtvertrag zur besseren Lesbarkeit siehe Text nebenan Frau Ww Strickmann Borghorst den 11 Nov 1947 Borghorst i W Pachtvertrag Ab dem 15 November 1947 verpachte ich meinen Bäckereibetrieb einschließlich Inventar nebst Lagerraum für Kohlen und Mehl an den Bäckermeister Franz Voß aus Burgsteinfurt Die Miete beläuft sich auf 40 RM monatlich Ich erkläre mich bereit Voß für einen Lehrling oder Gehilfen einen Schlafraum zur Verfügung zu stellen und denselben gegen Entgeld zu beköstigen Die von Voß hergestellte Ware nehme ich gegen eine Verdienstspanne von 15 ab Die Dauer der Pachtung beläuft sich auf 5 Jahre vom 15 Nov 1947 bis zum 14 Nov 1952 Sollte ich meinen Ladenraum ebenfalls vermieten wollen wird derselbe nur an Voß vermietet Ich werde mich bemühen dass Voß in der Ortschaft Borghorst bzw in meinem Hause zwei Wohnräume zur Verfugung gestellt werden Bei einer Kündigungszeit von 3 Monaten wird Voß das Recht eingeräumt den Vertrag vor Ablauf des 14 Nov 1952 zu lösen Schon bald lief die Bäckerei sehr gut so dass ich auch einen Lehrling einstellte Allerdings war es nicht einfach für die Backofenbefeuerung Briketts zu beschaffen Ich bin noch heute Herrn Hilge von der Kreishandwerkerschaft dankbar der mir geholfen hat dieses Problem zu lösen Da es bis zur Währungsreform kaum möglich war an ausreichende Mehlreserven zu kommen habe ich wie auch alle anderen Bäcker als Mehlersatz Mais verbacken Nur wenn ich den Bauern Mais zur Viehverfütterung anbot konnte ich in den Besitz von zusätzlichem Mehl kommen Zum Muffenmarkt in Borghorst haben wir aus Ersatzstoffen Füllmasse Pralinen und Marzipanstangen hergestellt Kurz nach der Währungsreform lief wieder alles normal Unsere Renner waren damals Creme Schnittchen in Blätterteig und Kommißbrot dazu kamen Zwiebäcke in allen möglichen Sorten ob Zucker Guss oder Makronenzwiebäcke Schon zu meiner Borghorster Zeit habe ich mich um Burgsteinfurter Geschäftskundschaft gekümmert So belieferten wir die Kolonialwarengeschäfte Haßmann Bahnhofstraße Hüging Windstraße Hüging Emsdettenerstraße Frl Overesch Kirchstraße Betting Wasserstraße und Brinkhaus Ochtuperstraße Bild 5 Rechnungsblatt Bild 6 Franz Voß Mitte der 50er Jahre in seiner Bäckerei an der Eichendorffstraße Am 1 10 1952 eröffneten wir an der Eichendorffstraße 22 in Burgsteinfurt unsere neue Backstube Jenseits der Bahn waren wir der einzige Bäcker Wir hatten nicht nur eine größere Backstube sondern auch einen besseren Backofen und vor allem einen eigenen Verkauf der von meiner Frau organisiert wurde An der Eichendorffstraße haben wir 14 Bäckerlehrlinge und 12 Bäckereifachverkäuferinnen ausgebildet Unser Geschäft wurde von Anfang an sehr gut angenommen Das subventionierte Konsumbrot für 75 Pfennig war für die

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  • Der Friseur - eine Niederschrift vom heimatgeschichtlichen Arbeitskreis im Heimatverein Burgsteinfurt e.V.
    Kompensationszeit ging nicht spurlos an den Friseuren vorüber Jeder versuchte so gut wie es ging über die Runden zu kommen So brachten die Bauersfrauen Speck Milch und Eier die Frauen aus der Stadt Holz und Briketts mit wenn sie zum Frisieren kamen Der Salon war von morgens bis abends brechend voll da das Haare schneiden und legen zu den wenigen Leistungen gehörte die nicht von oben rationiert waren Falls man kein Stammkunde war gab es Schwierigkeiten überhaupt bedient zu werden Als ich 1947 aus der Schule kam bin ich zu Friedrich Hilge in die Lehre gekommen In dem reinen Herrensalon waren der Meister ein Geselle und 2 Lehrlinge beschäftigt Hier verbrachte ich die erste Hälfte meiner Lehrzeit Meine Hauptaufgaben waren Stube ausfegen beim Rasieren Einseifen und eventuell Vorschneiden Meister und Geselle hatten ihren festen Stuhl Die männlichen Kunden kamen damals etwa alle 3 Wochen zum Haare schneiden Es war üblich 10 Tage danach zum verbilligten Nachschneiden zu kommen Das Rasieren hatte erheblich nachgelassen Wer trotzdem kam brachte selbst Handtuch und Seife mit Kopfwäsche war bei Herren nahezu unbekannt Im Sommer wurde zum Rasieren kaltes Wasser genommen während im Winter das Wasser auf dem Ofen erhitzt wurde Zuhause waren wir im Damensalon mit einem Durchlauferhitzer schon ein bisschen moderner eingerichtet Hier verbrachte ich dann den 2ten Teil meiner Lehrzeit um auch im Damensalonbereich ausgebildet zu werden Neben dem Haare schneiden gab es die Heißdauerwelle und die handgelegte Wasserwelle Gelegentlich wurde auch noch onduliert Auch kam verstärkt das Färben und Blondieren auf natürlich mit besseren Farben Creme und Geleefarben Tubenfarben als vor dem Krieg 1955 kam die Kaltwelle auf den Markt die das Dauerwellengeschäft erheblich beeinflusste genauso wie das Lockwellenverfahren das die kalt gelegte Wasserwelle ersetzte Herbert Oertel war mittlerweile bei uns eingestellt worden von dem ich sehr viel lernen konnte Im April 1950 machte ich dann die Gesellenprüfung und blieb weiterhin im elterlichen Betrieb beschäftigt Meine Mutter Luise Elfers hatte gerade ein Jahr vorher obwohl berufsfremd die Meisterprüfung gemacht Bild 1 1955 Meisterin Luise Säcker Elfers mit ihren Angestellten Personen von rechts obere Reihe Marianne Elfers Marianne Hallau Charlotte Örtel Gisela Hagedorn Lehrling Friedhelm Howe Lehrling Christa Hilge Lehrling untere Reihe die Meisterin Günter Elfers Maria Ebersmann Aushilfskraft Achtung Die Bilder 1 3 lassen sich durch Anklicken des Fotos oder des kleinen Symbols darunter in einer weiteren Seite vergrößert darstellen Um anschließend wieder in diese Seite zurück zu kommen klicken Sie bitte in der Bilderseite links oben auf die Schaltfläche zurück oder eine Seite zurück je nach Anzeigeprogramm Browser Bild 2 1952 im Herrensalon bei Elfers mit Friedhelm Howe Günter Elfers Maria Ebersmann Das Handwerkszeug in einem Herrensalon bestand aus Kamm Schere Haarschneidemaschine überwiegend aufgehängte Maschinen Seifentöpfchen Pinsel Rasiermesser Streichriefen Öl und Schieferstein zum Schärfen des Messers Stammkunden hatten im Salon immer ihr eigenes nummeriertes Seifen oder Rasiertöpfchen Im Damensalon gab es Kamm Schere Onduliereisen Wasserwellkämmchen Lockenwickler Dauerwellapparate Trockenhauben Dauerwell Flachwell und Lockwellwickler In unserm Herrensalon standen 3 Kundenstühle während wir im Damensalon 6 Kabinen vorhielten Nach der Währungsreform trat auch

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  • Die Kohlenhandlung - eine Niederschrift vom heimatgeschichtlichen Arbeitskreis im Heimatverein Burgsteinfurt e.V. - www.heimatverein-burgsteinfurt.de
    pachtete er das ausgebombte Lager der Kohlenhandlung Schräder von 1885 Inhaberin Ww Lehmann am Wilhelmsplatz 1 Rollten vor der Währungsreform am Bahnhof Burgsteinfurt die Waggons mit Kohle aber auch Schlammkohle oder Torfan so musste August Winter eigenhändig die Ware entladen Wenn bekannt wurde dass Kohlenzuteilungen angekommen waren stand morgens eine riesige Schlange von Menschen mit Fahrrädern Hand und Bollerwagen vor dem jeweiligen Auslieferungslager um ein Zentner Kohle abholen zu können Auf der Muldenwaage wurde die Kohle abgewogen und in den Bollerwagen gekippt Brachten die Leute Säcke mit wurde auch abgesackt und dann mit dem Damenfahrrad wegtransportiert Gelegentlich holte der Kohlenhändler die Kohle auch mit Pferd und Wagen direkt an der Zeche ab Mein Chef bediente sich dabei des Fuhrunternehmers Hans Scholte August Winter war wohl der größte Kohleneinzelhändler in Burgsteinfurt Er hatte seinen großen Kundenstamm dadurch erworben dass er insbesondere in der schlechten Zeit seine guten Beziehungen zu verschiedenen Zechen nutzte um über seine Zuteilung hinaus zusätzlich Kohle zu beschaffen Ende der 40er Jahre bekam August Winter bereits einen 11er Deutz Trecker mit Hänger der noch mit Lunte angedreht werden musste Hiermit wurde nicht nur Kohle ausgeliefert sondern auch ein Teil der Kohle direkt am Zechengelände abgeholt Auch ein Förderband im Kohlenschuppen erleichterte die Arbeit Anfang der 50er Jahre hat mein Chef sich dann schon einen schwereren Trecker angeschafft Zu der Zeit fuhren die meisten übrigen Kohlenhändler aus der Stadt noch mit Pferd und Wagen Von diesen hatte als erstes Gieldon einen VW Kastenwagen Ebbing ein Fahrzeug mit vorgelagertem Kipper und Villnow für den Kleinverkauf einen Opel Blitz womit allerdings nur kleinere Mengen ausgeliefert werden konnten Je nach Kohlenanfall haben wir bis zu 12 Stunden am Tag gearbeitet Anfangs bekam ich als Lohn 20 DM die Woche was sich dann langsam steigerte Bild 1 In den ersten Jahren nach dem Krieg arbeitete mein Chef nur mit Aushilfskräften während er Anfang der 50er einen Festangestellten hatte der aber je nach Arbeitsanfall immer mit Aushilfskräften ergänzt werden musste Nach der Währungsreform haben wir unseren Kunden die Kohle meist in Zentnersäcken zu Hause angeliefert und dann in die oft engen Keller getragen Es passierte aber auch dass wir lose Kohle brachten und diese vorm Haus abkippten Die angelieferte Kohle kam zum größten Teil aus Ibbenbüren oder aus Zechen des Ruhrreviers die Braunkohlenbriketts aus dem rheinischen Braunkohlenrevier Die Kohlen unterschieden sich nach Gasflammenkohle Gaskohle Fettkohle Esskohle Magerkohle Anthrazitkohle und Braunkohle Die ersten 3 Sorten fanden hauptsächlich in der Industrie Verwendung Aus Fettkohle wurde Steinkohlenkoks hergestellt außerdem wurde Fettkohle als Schmiedekohle verwandt Bild 2 Der Krieg insbesondere aber die unmittelbare Nachkriegszeit brachte für den Kohlenhandel schwerwiegende Probleme mit sich Kohle war knapp und rationiert Als Ersatz verkauften die Kohlenhändler Schlammkohle Torf Torfbriketts Sägemehlbriketts usw Da die Produktqualität sehr schlecht und oft nicht befriedigend war bereitete es den Verbrauchern aber auch dem Handel viel Ärger Gegen Ende der 50er Jahre verbesserte sich allmählich die Situation so dass bis in die 60er Jahre hinein die festen Brennstoffe nochmals eine Blüte erlebten Allerdings bestanden für Kohle strenge Wettbewerbsregeln

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  • Das Kolonialwarengeschäft - eine Niederschrift vom heimatgeschichtlichen Arbeitskreis im Heimatverein Burgsteinfurt e.V.
    einzureichen um dafür neue Bezugsscheine zu erhalten Frischwaren wie Obst Gemüse und Kartoffeln bezogen wir direkt von den Bauern Ich erinnere mich noch gut dass wir zu bestimmten Zeiten täglich 60 70 Zentner Kartoffeln von den Bauern bekamen die in kleinen Mengen dafür brachten die Kunden eigene Taschen und Körbe mit verkauft wurden Das galt auch für alle anderen Waren des täglichen Bedarfs Nichts war fertig verpackt so wie wir das heute kennen sondern alles wurde lose abgewogen und in kleinen Mengen zu ½ oder ¼ Pfund verkauft in Spitztüten oder Bodenbeutel eingetütet Diese Abwiegevorgänge sind von uns oft schon vorbereitet worden um die Kunden dann in den Geschäftszeiten schneller bedienen zu können Das Warenangebot beschränkte sich damals neben den Frischwaren auf Mehl Zucker Salz Reis Nudeln Haferflocken Bonbons Zwieback Kaffee und Marmelade Das Kaffeeangebot bestand aus Kathreiners Malzkaffee und Vox Kaffee Dieser wurde dann meistens nur in Mengen von 50 Gramm verlangt und sollte dann noch gemahlen werden Da wir sehr viel Arbeiterkundschaft hatten ist in dieser Zeit nur selten bar bezahlt worden Die Ausgaben der einzelnen Kunden wurden im Laufe der Woche ins Buch geschrieben und dann am Wochenende wenn es Lohn gegeben hatte bezahlt Nach der Währungsreform trat dann eine grundlegende Änderung ein Nicht nur dass fast alles wieder eingekauft werden konnte sondern auch die Waren wurden wieder von den Großhändlern auf Bestellung frei Haus geliefert Die Regale und Schaufenster füllten sich und es bildeten sich auch keine Schlangen mehr Allerdings hatten wir einen langen Arbeitstag und mussten uns immer wieder neu auf die jeweiligen Kundenwünsche einstellen Je mehr Geld vorhanden war um so mehr stieg das Warenangebot Wein Schnaps Essig und Öl wurden bei uns aus großen Korbflaschen abgefüllt Neben Berkenbos hatten wir uns einen Namen für Fischverkauf gemacht So gingen teilweise zwei Zentner Fisch pro Woche über unsere Ladentheke 1949 sind wir dann nach dreijähriger Bauzeit in unseren Neubau an der Hohen Schule eingezogen Hier hatten wir gute Voraussetzungen geschaffen um einen großen Kundenstamm betreuen zu können Da ich damals immer die Schaufenstergestaltung von Karl Schäfer bewunderte der Filialleiter bei Kessner am Markt war schaute ich mir für unser Schaufenster bei ihm einiges ab Der Laden wurde hauptsächlich im Familienbetrieb mit einer Angestellten und zwei Lehrlingen geführt Ich kümmerte mich insbesondere um den Einkauf während meine Frau die Seele des Verkaufs war In den 50 er und Anfang der 60 er Jahre liefen die Geschäfte gut Jedoch dann machte sich der Einfluss der Großmärkte immer mehr bemerkbar die waggonweise einkaufen konnten und dadurch die Wettbewerbschancen des Einzelhändlers erheblich beschnitten So hatten wir noch 1967 versucht dieser Misere durch den Anschluss an die Einkaufskette Edeka zu begegnen Jedoch bereits 1970 als zusätzlich zu erkennen war dass keines der Kinder den Laden übernehmen wollte haben wir dann schweren Herzens unser Kolonialwarengeschäft aufgegeben Hermann Hüging Jahrgang 1938 wusste zu berichten dass er als kleiner Junge regelmäßig von den Bäckern Veltrup oder Wahlbring Brot holen musste In seinen Bollerwagen im Winter mit dem Schlitten gingen jeweils 72 Mischbrote oder

    Original URL path: http://www.stenvorde.de/heimatgeschichtlicher_arbeitskreis/ak_kolonialwarengeschaeft.html (2016-04-29)
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  • Der Metzger - eine Niederschrift vom heimatgeschichtlichen Arbeitskreis im Heimatverein Burgsteinfurt e.V.
    gelegentlich an die höheren Beamten auch Kalbfleisch Rouladen Rinderzunge und Rostbeef verkaufen zu können Daneben gab es natürlich Wurst und Leberbrot und Töttchen in den verschiedensten Zusammensetzungen Da es in Burgsteinfurt seit 1891 einen öffentlichen Schlachthof gab der von der Stadt betrieben wurde mussten die Metzger unserer Stadt auch alle Schlachtungen dort durchführen Hauptschlachttag war Montag Dann trafen sich alle Metzger am Schlachthof Dort hatte der Schlachthofverwalter und späterer Hallenmeister Bernhard Röwekamp das Sagen Bild 3 Burgsteinfurter Metzger mit Schlachthofleiter Dr Rolf Hennings Bis zum Umbau des Schlachthofes 1960 kamen die Schweine nachdem sie im Liegen gestochen mit dem Bolzenschussapperat getötet waren in den Brühkessel um dann mit einem Metallgerät der Glocke die aufgeweichten Borsten abzuschaben Das änderte sich nach der Modernisierung doch grundlegend Für die Schweine und Rinder gab es getrennte Hallen Die Schweine kamen in die Tötebucht wurden mit der elektrischen Zange betäubt am Hinterfuß auf die Rohrbahnen hochgezogen und dann gestochen so dass nicht nur ein besseres Ausbluten garantiert sondern das Blut auch besser aufzufangen werden konnte Im Anschluss konnten die Borsten dann mit der Kratzanlage automatisch abgeschabt werden Die Metzger hatten bei den jeweiligen Vorgängen mitzuhelfen Danach mussten wir die Tiere ausnehmen das Fell abziehen sie hälften und vierteln um das Fleisch dann im Kühlhaus des Schlachthofes zu lagern Erwähnenswert ist vielleicht noch dass sich beim Schlachthofumbau die städtischen Metzger verpflichtet hatten die modernen Einrichtungen des Schlachthofes durch höhere Gebühren pro Stück mitzufinanzieren Ich erinnere mich dass mein Vater nach dem Schlachten mit einigen der Berufskollegen noch in die Gaststätte Fischer früher Berkemeier zum Kartenspielen und Biertrinken ging In unserer Glanzzeit zwischen 1968 und 1978 schlachteten wir pro Woche 20 Schweine 5 Stück Großvieh und 2 3 Kälber dazu kamen gelegentlich noch Schafe und Ziegen Trotzdem mussten wir teilweise noch Edelstücke dazukaufen Unser Arbeitstag begann morgens um 3 30 Uhr in der Frühe Die Organisation unserer Arbeitsvorgänge hatten wir nach einem Schema aufgeteilt das sich für uns als sinnvoll erwiesen hatte Montags nach häuslicher Vorbereitung Schlachten auf dem Schlachthof Dienstags Tiere vom Schlachthof holen und zu Hause zerlegen Mittwochs Kochwursttag Donnerstags Brühwursttag Freitags Herstellung von Dauerwurst und frischer Rohwurst Samstags Meister Metzger und Lehrling mussten im Laden aushelfen Die Transporte zum Schlachthof übernahm zumeist Günther Gieldon 1965 habe ich dann vor der Meisterschule Heyne Frankfurt die Meisterprüfung abgelegt Nachdem mein Vater 1970 starb habe ich den Betrieb alleine weitergeführt Die finanziellen Möglichkeiten der Bevölkerung verbesserten sich in den 70er Jahren immer mehr Es begann die gute Zeit der Metzger Der Verbraucher verlangte viel und auch immer mehr hochwertiges Fleisch Die Konkurrenz der Supermärkte war noch nicht da Aus diesem Grunde suchten wir im Stadtzentrum einen Verkaufsladen und wurden 1968 beim ehemaligen Konsum Ecke Steinstraße Mühlenstraße früher Lindenstraße fündig Die Produktion verblieb am Bütkamp Infolge der Stadtsanierung mussten wir uns 1982 wieder verändern Wir bauten an der Ecke Kalkwall Steinstraße ein neues Wohn und Geschäftshaus wo sowohl die Produktion als auch der Verkauf funktionsgerecht sinnvoll zugeordnet ist Während der Metzger früher wie beschrieben für seine individuelle Wurst

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  • Der Schmied - eine Niederschrift vom heimatgeschichtlichen Arbeitskreis im Heimatverein Burgsteinfurt e.V.
    ihre Gangart und den Zustand ihrer Hufe überprüfen Die Tritte vom Vorder und Hinterhuf mussten sauber sein wie man sich ausdrückte Aus einer Menge von Fabrikeisen Rohlinge suchte der Meister die passenden Eisen aus Je nach Bedarf setzte der Schmied leichte oder schwere Eisen ein Waren sie noch nicht durchgeschlissen konnten sie ein 2tes Mal wieder verwendet werden Da unser Meister extra eine Hufbeschlagsprüfung abgelegt hatte fühlte er sich auch in erster Linie dafür zuständig Gelegentlich wenn Zeit dafür vorhanden war wurden die Hufeisen auch selbst hergestellt An dem Oberteil des gebogenen Eisens schmiedeten wir eine halbmondförmige Kappe an um das Rutschen des Pferdefußes zu verhindern In der Bodenfläche wurde eine Vertiefung Falz eingearbeitet in die beidseitig je 4 Löcher für die Hufnägel eingeschlagen wurden Vor dem Beschlagen mussten die Hufe beschnitten an Trachte und Zehe gekürzt und Stral und Sohle mit dem Hufmesser ausgeschnitten werden Das erforderte schon eine gewisse orthopädische Geschicklichkeit Auf dem Amboss ist das Hufeisen dann nachgearbeitet worden Mit einem leichten Schmiedehammer und 2 schweren Vorschlaghämmern schlugen Meister und Gesellen abwechselnd im gleichen Takt auf das heißglühende Eisen so dass die Funken weit in die Werkstatt sprühten Dann wurde das noch heiße Eisen auf den Huf aufgebrannt und mit 8 Nägeln befestigt Im Winter bei Eis und Schnee mussten die Eisen häufiger geschärft werden oder es wurden Stollen eingedreht oder angeschweißt Eine weitere große Aufgabe war der Wagenbau Hierzu arbeitete Uphues hauptsächlich mit den Stellmachern Rudolf Lammers Veltruper Kirchweg 7 Johann Ebbing Am Neuen Walll 2 Wacker Kirchstraße Köster Bagnostraße und mit Hermann Schnieder Hollich 34 zusammen War der Stellmacher beim Wagenbau zuständig für alles was aus Holz hergestellt wurde so musste der Schmied sich um die dazugehörigen Eisenteile kümmern Stellmacher machten Naben Speichen und Felgen Schmiede arbeiteten die Beschläge und zogen die Reifen auf Noch bis in die 60er Jahre wurden die Reifen von Hand aufgezogen Dabei folgte die Technik dem einfachen Naturgesetz dass Körper sich bei Wärme ausdehnen und bei Kälte zusammenziehen Daher mussten die Eisenreifen immer etwas kleiner geschmiedet werden als die hölzernen Radfelgen So wurde der Umfang von Rad und Felge genau ermittelt War der Reifen zu weit band er die Felge nicht zusammen war er zu eng gingen die Felgen wegen zu hoher Spannung zu Bruch In einer Eisenbiegemaschine wurde das Eisenband zunächst kreisförmig gebogen Die Ecken wurden geschlitzt keilgezinkt miteinander vernietet und dann feuerverschweißt Waren die Reifen rotglühend erhitzt musste schnell gehandelt werden Mit Feuerhaken wurde das heiße Eisenband auf die Holzfelge aufgebracht Da das Holz leicht schwelte musste das Hämmern und Ausrichten sogleich einsetzen Das war ein spannender Vorgang der viel Geschick und Schnelligkeit erforderte Sogleich wurde das Rad durch einen Wassertrog gedreht was ein lautes Zischen und eine dichte Wolke aus Wasserdampf hervorrief die die Werkstatt in Nebel hüllte Der Schmied war zufrieden wenn seine Arbeit gelungen war Durch das Abkühlen verkleinerte sich der Umfang des Rades so dass der Reifen fest auf die Felge gepresst wurde Bild 4 Rechnung Außer Josef Uphues gab es vorm Krieg in

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  • Der Schneider - eine Niederschrift vom heimatgeschichtlichen Arbeitskreis im Heimatverein Burgsteinfurt e.V.
    besuchte er die bäuerliche Kundschaft Besonders viel Arbeit lag vor den großen kirchlichen Festtagen wie Ostern Pfingsten und Weihnachten an Samstags war immer großes Abbügeln der Neuteile angesagt die dann mittags von den Kunden abgeholt oder vom Lehrling weggebracht wurden Bild 2 Schneider Franz ein Burgsteinfurter Original aus den 50er und 60er Jahren Für einen Anzug Hose Weste Jacke benötigte ein Schneider etwa 40 Arbeitsstunden Dafür bekam er im Schnitt 180 Mark 80 Mark für die Arbeit 100 Mark fürs Material Unser Großstück Schneider verdiente Mitte der 50er Jahre 50 Mark in der Woche während der mittlerweile bei uns eingestellte Kleinstück Schneider Gerd Hoffmann der bei uns beköstigt wurde 35 Mark die Woche erhielt Bevor ich 1958 meinen Meister machte hatte ich ein Gesellenjahr in Emsdetten und ein weiteres in Ahaus bei einem Spezialisten für Gesellschaftskleidung gemacht Zwischendurch besuchte ich für ein halbes Jahr eine private Handelschule in Münster In der schlechten Zeit nach dem Krieg fuhren wir oft mit dem Bollerwagen zur Weberei Segler in Borghorst um uns mit Drellstoffen bedruckte Stoffe die Sträflingskleidung ähnelten einzudecken die als Einlage dienten Die uns vom Obermeister Josef Schwering aus Borghorst zugeteilten Stoffe reichten bei weitem nicht aus um den Kundenwünschen nachzukommen Besser waren die Kunden dran die Stoffe mitbrachten Die Bezahlung erfolgte in dieser Zeit häufig mit Naturalien so dass wir selbst keinen Hunger zu leiden hatten Ein Großteil unserer Arbeit bestand damals im Wenden von Mänteln Oft lautete unser Auftrag auch aus zwei Textilteilen ein Teil zu machen Ich erinnere mich noch dass Militärwolldecken bei Meyerhöfer eingefärbt und uns zur Herstellung von Mänteln gebracht wurden aus zwei Wolldecken einen Mantel Des weiteren hatten wir sehr viel auszubessern Beim Herrenschneider bestellte man Herren und Damenoberbekleidung wie Anzüge Mäntel Kostüme und Röcke Als Männer und Frauen modebewusster wurden ließen sich auch Frauen zu Schneiderinnen ausbilden Dazu kamen die Weißnäherinnen die für die Leibwäsche und die Aussteuer zuständig waren Wichtig war in der damaligen Zeit dass die Kleidungsstücke Säume und Einschläge hatten damit sie nach Bedarf leicht änderbar waren Aus abgetragenen Sachen wurden noch Flicken geschnitten um durchgesessene Hosen und durchgescheuerte Kniestücke auszubessern Was dann letztendlich in den Lumpensack kam war beim besten Willen nicht mehr brauchbar Besuchte ein Kunde zum Maßnehmen oder Anprobieren unsere Werkstatt kam es meist zu anregenden Gesprächen denen ich als Lehrling gerne lauschte Im Schneidersitz saß der Schneider auf seinem Tisch um sich voll auf die Arbeit konzentrieren zu können Mit offenem Hemd und ärmelloser Weste das Bandmaß um den Hals gelegt saß er dort oft viele Stunden um Stoffteile mit dem Reihfaden zusammenzufügen Vor ihm lag ein Nadelkissen mit Näh und Stecknadeln unterschiedlicher Größen Ein Nähring auf dem Mittelfinger der rechten Hand diente zum Nachschieben der Nähnadeln Reih und Nähgarn waren auf Rollen gewickelt damit sich die Fäden nicht verhedderten Unterschiedliche Scheren zum Zuschneiden oder zum Aufschneiden der Knopflöcher hingen an der Wand Mehrere elektrische Bügeleisen standen bereit um fertige Teile zu plätten Stoffmuster Bücher durften natürlich auch nicht fehlen Die später angeschafften Zick Zack Nähmaschinen erleichterten

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