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  • Dr. Mamdouh Eldamaty
    Mittags nachdem die Vormittagsreisegruppen wieder gegangen sind Was halten Sie von einer Abendöffnung eventuell probeweise einmal wöchentlich um dem täglichen Ansturm zu entgehen Das haben wir bereits seit 1 Mai 2002 eingeführt sodass die Gäste nun von 9 19 Uhr das Museum besichtigen können Außerdem wird nun morgens von 7 9 Uhr geputzt Eine meiner ersten Vewaltungstätigkeiten war es die Sauberkeit im Museum zu verbessern Die Firma Grand Service ist nun für die Museumsreinigung zuständig Welche der in Europa befindlichen ägyptischen Sammlungen hat Sie am meisten beeindruckt Eigentlich mehrere Louvre die Sammlungen in Berlin und das Kunsthistorische Museum Wien War es eher die Art der Aufstellung oder die hochrangige Bedeutung einmaliger Zeugen der ägyptischen Vergangenheit die Sie dort beeindruckt haben Beides Was empfinden Sie heute dabei dass im 19 Jahrhundert viele einmalige Funde außer Landes gebracht wurden Manchmal trauere ich ihnen nach aber andererseits sind diese Kunstschätze auch Botschafter unserer einmaligen Kultur die die Menschen der Länder in deren Besitz sie sich heute befinden an unsere Kultur heranführen sie neugierig machen und dazu bringen uns in Ägypten zu besuchen Im 19 Jahrhundert galten auch andere Gesetze als heute und viele Kunstschätze sind von unseren Herrschern glattweg verschenkt worden Das Kunsthistorische Museum in Wien verdankt seinen Grundstock an Exponaten einer Schenkung des Herrschers Abbas Hilmi an Erzherzog Max von Österreich Nach dem Tod Mohamed Alis wurden 1849 die Sammlungen aus dem Esbakeya Museum einem Vorläufer unseres heutigen Museums auf der Zitadelle zwischengelagert und nur hochrangigen Staatsbesuchern gezeigt Bei seinem Ägyptenbesuch gefiel dem Erzherzog Max von Österreich diese Sammlung so gut dass sein Gastgeber Abbas Hilmi I sie ihm großzügig zum Geschenk machte Wenn Sie wünschen könnten welche drei Stücke würden Sie am liebsten zurückhaben wollen Den Louvre Schreiber und den Tierkreis von Dendera aus dem Louvre sowie die Nofrete aus Berlin Wann wird ihrer Meinung nach das neue Nationalmuseum im Pyramidenbezirk fertiggestellt sein Ich hoffe in etwa 10 Jahren Welche Teile sollen dorthin ausgelagert werden Etwa 60 der heutigen Exponate u a die komplette Tut Anch Amun Sammlung Was geschieht dann mit den anderen Objekten Wir behalten die Masterpieces of Fine Art die in ansprechenderer Weise ausgestellt werden sollen Darf man spektakuläre Wiederauffindungen aus den Museumsarchiven erwarten Das ist gut möglich Wir werden demnächst wenn die Restaurierung abgeschlossen sein wird z B den kompletten Falken von Hierakonpolis ausstellen dessen Kupferfragmente in den Museumsarchiven lagerten Stimmt es dass mengenmäßig nur etwa ein Zehntel der im Museum befindlichen Objekte ausgestellt sind Nein es ist etwa schon die Hälfte der Öffentlichkeit zugänglich Nach welchem Gesichtspunkt werden die Stücke des Monats ausgewählt Einerseits wollen wir besondere Stücke für einige Zeit aus dem Schatten hervorholen dann aber auch spektakuläre Rückgaben wie z B das Echnaton Semenchkare Sarkophag Unterteil oder spannende Neufunde der Öffentlichkeit präsentieren Einige Objekte werden allerdings mehrere Monate lang als Stück des Monats präsentiert werden Gibt es Partnerschaften zum Erfahrungsaustausch mit anderen Ägyptischen oder Archäologischen Sammlungen Ja seit einigen Jahren arbeitet der Restaurator Herr Eckmann aus Mainz an den Kupferstatuen Pepis II und dem

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  • Sadd el-Kafara: Die älteste Talsperre der Welt
    bekannten und erhaltenen Talsperren der Welt Das Bauwerk besteht aus einem Dammkern aus Geröll Kies und Schutt den beidseitig anschließenden Schüttungen aus grobem Geröll bzw Steinen und den treppenförmig gesetzten Werksteinen Mit einer Kronenlänge von 113 Metern einer Basislänge von 86 Metern und einer Höhe von 14 Metern gilt dieses weitere Beispiel monumentaler Bautechnik nicht nur als die älteste sondern auch als die größte Sperre dieser Art Die Stufenpyramide von Sakkara kann sich mit ihrer Basisbreite mit dem Damm messen Unvorstellbar dass etwa am Ende der 4 Dynastie also fast zeitgleich mit der Fertigstellung der Pyramiden auch ein solches Nutzbauwerk in Angriff genommen wurde Das Aufnahmevermögen hätte 465000 m betragen bei einem Einzugsgebiet von 185 km erzeugt ein Niederschlag von einem Millimeter theoretisch einen Abfluss von 185000 m Ein Niederschlag von drei bis vier Millimetern hätte ausgereicht um einen Vollstau zu erlangen Die Angaben der Niederschlagsmengen im Durchschnitt 25 30mm Niederschlag im Jahr variieren sehr stark es existieren darüber nur sehr wenige Aufzeichnungen Anhand der Vegetation können jedoch Rückschlüsse darauf gezogen werden Die Achilla Fragantissima hat Wurzeln von bis zu 1 20 Meter Länge und kann bis zu acht Jahre ohne Niederschlag überleben Beachtliche 4500 Jahre trennen uns von dieser Pionierleistung Ich kann mich des Gefühls der Hochachtung und des Respekts für die ägyptischen Ingenieure und Techniker nicht entziehen die mit den begrenzten technologischen Mitteln ihrer Zeit und den rudimentärsten ingenieurwissenschaftlichen Kenntnissen diesen Bau gewagt haben Der Steinschüttdamm der dem Hochwasserschutz diente wird auch in der Studie Historische Talsperren von Garbrecht 1987 erwähnt Der Damm ist nach heutigen Bemessungsregeln standsicher und hätte bei sachgerechter Fertigstellung auch den zu erwartenden Überströmungen standgehalten er war sogar überdimensioniert Bei einem Hochwasser während der Bauzeit ist es vermutlich zu einer Überströmung des unvollendeten und damit verwundbaren Dammes mit der Folge einer verheerenden Flutwelle gekommen

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  • Altstadtsanierung in Kairo
    der UNESCO 1979 in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen Der ägyptische Staatspräsident Mubarak bezeichnete bei seinem Amtan tritt 1981 die Infrastruktur seiner Hauptstadt wörtlich als Schrotthaufen und stellte ein großes Budget für Verbesserungsmaßnahmen zur Verfügung Von Heliopolis nach Hel wan wurde eine Metro Linie gebaut zur Entlastung des chronisch verstopften Straßen verkehrs hat man zahlreiche mehrspurige Straßenbrücken die sogenannten fly overs in die Innenstadt geschnitten zum Nachteil des Stadtbildes und der Fußwegverbindungen Die mittelalterliche Altstadt spielte bei allen diesen Konzepten und Maßnahmen kaum eine Rolle der Zerfall der Bausubstanz nahm dramatisch zu Kunsthistoriker Islamwissenschaftler und Architekten machten nun gemeinsam auf diesen bedrohlichen Zustand aufmerksam was zu einer ersten internationalen Hilfswelle führte Sanierung der Altstadt 1972 begann eine polnisch ägyptische Expertengruppe mit einem Sanierungsprojekt im nördlichen Friedhof Seit 1973 ist auch das Deutsche Archäologische Institut DAI in die Altstadtsanierung mit eingebunden Im Zentrum des historischen Stadtgefüges wo einst die prächtigen fatimidischen Paläste standen hat man ein Stadtquartier ausgewählt wo eine Reise historischer Bauwerke wiederhergestellt werden sollte Ziel der Sanierung einer ganzen Gasse ist die Bevölkerung in die Projekte mit einzubeziehen ihnen ein Verantwortungsgefühl für die historische Bausubstanz zu vermitteln und sie zu Eigeninitiativen anzuregen Bis heute d h 2001 Anm der Red wurden zwölf Gebäude durch das DAI saniert Da der Haushalt eines Archäologischen Instituts keinen ausgewiesenen Titel für die Restaurierung islamischer Bauwerke hat ist man auf Spenden angewiesen so u a aus der Partnerstadt Stuttgart und der Kulturhilfe des Auswärtigen Amtes Ein erstes Projekt zur Sanierung der gesamten Altstadt wurde 1997 im Rahmen des United Nations Development Program erar beitet Dieser Bericht dient als Grundlage für ein seit dem Jahr 2000 durch das Kulturminis terium durchgeführtes Programm nach dem mehr als 80 Einzelbauwerke saniert und für Besucher zugänglich gemacht werden sollen Zusätzlich arbeitet eine neu gebildete Gruppe von Planern an der Flächensanierung einzelner Quartiere deren Umsetzung jedoch meist an den komplizierten Eigentumsverhältnissen scheitert Ursachen für den Verfall Neben diesen privatrechtlichen Schwierigkeiten zu denen auch der mangelnde Bauunter halt durch die Hauseigentümer gehört die Mietpreise wurden unter der Regierung Nasser eingefroren so dass ein Mietgebäude oft nur bis zu 5 Euro pro Monat als Mietzins erwirt schaftet ist das derzeit größte Problem der ständig steigende Grundwasserspiegel sowie die hohe Schadstoffbelastung der Luft Dies trifft im übrigen auch für alle pharaonischen und frühchristlichen Baudenkmale im Niltal zu die durch aufsteigende Feuchtigkeit akut gefährdet sind In großen Bereichen liegt der Grundwasserspiegel nur wenige Zentimeter unter dem Fußbodenniveau Die Schadstoffe welche aus einem total verrotteten Abwas sersystem in den Boden gelangen dringen so in die Fundamente der Bauwerke ein und schädigen das Mauerwerk Noch beschleunigend für den Verfall ist die hohe Schadstoffbelastung der Luft Die in der feuchten Luft gebundenen Oxide von Schwefel und Kohle dringen als Kohle und Schwefelsäure in den Stein sein Dadurch gelöste Salze greifen die Bindemittel an kristallisieren und führen zu unansehnlichen Ausblühungen und der Zerstörung der Oberfläche Durch einen Kristallisationsdruck kommt es in der Folge zu Steinabsprengungen Natriumsulfat das sich durch Verbrennungsabgase auf der Stein oberfläche ablagert und bei

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  • Gamal Abdel Nasser
    der Armee in die Kasernen und die Wiederherstellung eines demokratischen Gemeinwesens während Nasser für die Fortsetzung der Militärherrschaft eintritt 1954 24 Februar Nagib wird von Nasser zum Rücktritt gezwungen und kehrt nach einem Volksaufbegehren kurze Zeit später zurück Bald darauf nimmt Nasser ein auf ihn verübtes Attentat islamistischer Terroristen zum Anlass Nagib der Mitwisserschaft zu bezichtigen und ihn abzusetzen Erst nach dem Tode Nassers wird Nagib vollständig rehabilitiert 19 Oktober Nasser unterzeichnet ein Abkommen zum Abzug der britischen Truppen und beendet damit deren 72jährige Präsenz in Ägypten 1955 Durch die Konferenz der blockfreien Staaten wird Nasser zu einer zentralen Figur im Entkolonialisierungsprozess Hier werden Resolutionen verabschiedet nach denen jede Form von Kolonialismus und Rassendiskriminierung verurteilt und der Abbau der Spannungen zwischen den Machtblöcken gefordert wird Zudem will Nasser die ägyptische Armee zur stärksten Streitmacht der arabischen Welt ausbauen Nachdem er bei den westlichen Staaten nur wenig Hilfe bekommt nähert er sich dem Ostblock an Unter diesem Einfluss baut Nasser ein neues politisches System den Arabischen Sozialismus auf ein Ein Parteien System mit dem Islam als offizielle Religion Er enteignet Grundbesitzer und verteilt das Land an das Volk eine Verstaatlichung der Banken und Fabriken erfolgt wenig später Nasser fördert die Ausbildung der ägyptischen Jugend indem er ihr eine freie Bildung ermöglicht Das Frauenwahlrecht wird eingeführt ebenso eine kostenlose medizinische Versorgung Dies verschafft ihm hohe Popularität Zur Beseitigung des Massenelends plant Nasser den Bau des Assuan Staudamms Mit deren Zusagen für Finanzierungshilfe versucht er die USA und die Sowjetunion gegeneinander auszuspielen Im Ergebnis ziehen beide Supermächte sich zurück 1956 26 Juli Zur Finanzierung des Staudamms wird der Suez Kanal verstaatlicht Zwar entschädigt Nasser die Anteilseigner Briten und Franzosen trotzdem werden sie um eine sehr wichtige Handelsroute gebracht 29 Oktober Das Entziehen dieser Handelroute führt zu einer Militärintervention bei der Nasser eine militärische

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  • Der Staatsstreich vom 23. Juli
    Gamal Abdel Nasser Anwar Al Sadat Salah Salin und Hosein Schafahi Mohamed Nagib dagegen stieß erst während des Palästinakrieges zu ihnen Drei Jahre später 1942 teilte sich das Komitee in Sektionen um eine totale Geheimhaltung zu garantieren Jede Sektion bestand aus je fünf Mitgliedern deren Kopf nur einer der Männer einer anderen Sektion kannte Alle Stränge liefen in einem Zentralkomitee von 10 Offizieren zusammen Diese 10 Offiziere bildeten später nach dem erfolgreichen Staatstreich vom 23 Juli 1952 den Revolutionsrat dem Gamal Abdel Nasser vor stand Die Revolution Am Vorabend des 23 Juli 1952 traf sich der Geheimbund der Freien Offiziere zum letzten Mal zu einer Besprechung Der König sollte am nächsten Tag gestürzt werden Zu lange hat er auf Kosten des Volkes ausschweifend gelebt Ausschlaggebend für die militärische Gesinnung der Männer waren vor allem die Ereignisse des Jahres 1948 d h vier Jahre zuvor als Ägypten an der Seite von Palästina gegen Israel gekämpft hatte Die Waffen mit denen die ägyptischen Soldaten kämpfen mussten töteten mehr Ägypter als Feinde Die abgefeuerten Schüsse gingen sehr oft nach hinten los und töteten oder verletzten die eigenen Soldaten Dem König war bekannt dass es sich bei diesen Waffen um Billigware handelte Trotzdem hatte er ohne Rücksicht auf die hohen Verluste die im eigenen Lager dadurch entstehen würden die Waffen einsetzen lassen Gerade dieses Verhalten des Königs gegenüber seiner Streitmacht war der auslösende Funke für die Revolution Am 23 Juli 1952 erhielt der König ein Schreiben der Freien Offiziere indem sie ihm eine Frist von 24 Stunden gewährten um Ägypten verlassen zu können Gleichzeitig wurde der Palast von der revoltierenden Armee umstellt Weitere wichtige Gebäude wurden besetzt Höchste Priorität hatte die Beschlagnahme des Mediengebäudes damit keine beunruhigenden Nachrichten ausgestrahlt werden konnten Man wollte eine Revolte vermeiden Daher war es ebenfalls möglich überraschend und zeitgleich alle einflussreichen Verbündeten Faruks unter Haus Arrest zu stellen Endlich war der Moment gekommen in dem Anwar Al Sadat der spätere ägyptische Präsident über das Radio verkünden konnte dass der Staatsstreich unblutig und erfolgreich gelungen sei Nach dieser Nachricht brach in den Straßen brausender Jubel aus Drei Tage später am 26 Juli 1952 verließ König Faruk Ägypten und ging ins Exil nach Italien Schon ein knappes Jahr nach dem Sturz der Monarchie hatten die Revolutionäre ihr Ziel erreicht und proklamierten am 18 Juni 1953 die Republik im Namen Mohameds Nagibs der nun der erste Staatspräsident Ägyptens wurde General Mohamed Nagib war der einzige der aus der anonymen Gruppe der Revolutionäre an die Öffentlichkeit getreten war Er zeichnete sich für die Abdankung des Königs verantwortlich und vertrat die Pläne und Ideale die sich die Freien Offiziere an Stelle des Pascha Regimes gesetzt hatten Mohamed Nagib Doch General Mohamed Nagib der älteste unter den Offizieren der auch den höchsten militärischen Rang innehatte blieb nicht lange an der Macht Seine moderaten Vorstellungen von der Umsetzung der Ziele zur neuen Republik stimmten nicht immer mit denen der Freien Offiziere überein Er wollte schon bald die Führung des Landes vom Militär trennen und wieder den

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  • Mehmed Alis Reich
    in einer Lage befinden um welche sie viele unserer Proletarier oft beneiden könnten Die Häuser der Fellahs sind meistens kleine Hütten von an der Sonne gedörrten Lehmsteinen oder auch nur von getrocknetem Lehm aufgeführt ohne eine andere Öffnung als die Türe Aber diese Wohnungen sind meistens dicht und warm im Winter immer vor leichtem Regen und Unwetter was ohnedem so selten hier eintritt geschützt schattengebend im Sommer und geräumig genug für die geringen Bedürfnisse dieser Leute Während in Griechenland selbst die Wohlhabenderen unter den Landleuten selten ein Dach besitzen das nicht Schnee und Regen durchließe Und erinnert man sich vollends der von erstickendem Rauch angefüllten Schweineställe in denen die armen Irländer hungern und die in jenem verhältnismäßig so kalten Klima fast gar keinen Schutz gewähren so richtet sich das Mitleid nach einer ganz andern Seite Die Fellahs sind arm aber in den geringsten Dörfern Ägyptens wo ich hinkam fand ich fast immer Brot Milch Butter Käse Eier Gemüse in Fülle auch Geflügel in den größeren selbst Schlachtfleisch was man uns gern für einen sehr billigen Preis zum Verkauf anbot sobald nur kein Gouvernementsbeamter dabei war deren Raubsucht allerdings zu den Kalamitäten Ägyptens gehört während in Griechenland häufig Zwiebeln und ein fast ungenießbares Maisbrot das einzige sind was man sich verschaffen kann auch die Leute selbst dort in der Regel von gleicher Kost leben müssen wie in Irland von Kartoffeln und Whiskey Endlich hörte ich noch nie daß ein Fellah verhungert sei was zur Schande der Menschheit bei den irländischen Bauern notorisch schon öfters vorgekommen ist und vielleicht heute noch möglich sein mag Die Fellahs sind ferner höchst elend gekleidet aber auch hier ist der Vergleich zu ihrem Vorteil denn erstens bedürfen sie bei dem milden Klima fast gar keiner Kleidung zweitens habe ich bis jetzt noch nicht gesehen daß die hiesigen Weiber gleich den irländischen Frauen und Mädchen der gemeinen Klasse nicht einmal Lumpen genug besaßen um ihre Blöße soweit zu bedecken als es die Schamhaftigkeit gebietet Im Gegenteil erblickt man die Weiber der Fellahs wenn auch oft in zerrissenen Gewändern doch immer wie die übrigen Morgenländerinnen bis an den Mund verhüllt wozu sie meisten 5 6 Goldstücke in einer Reihe vorn vom Antlitz bis auf die Brust herab aufgenäht tragen was ebenfalls mit der bodenlosen Armut nicht recht übereinstimmen will von der unsere philanthropischen Reisenden uns ein so abschreckendes Bild entwerfen weil sie wohl den Strohhalm im fremden Auge aber den Balken im eigenen nicht sehen Ich glaube daß mitten in Paris und London teilweise gräßlicheres Elend nachzuweisen ist als in ganz Ägypten gefunden werden kann Auch hörte ich nie von Selbstmorden die bei uns so häufig sind und die außerordentliche Abneigung der Fellahs Soldaten zu werden die sie zu den grausamsten Selbstverstümmlungen treibt ist gleichfalls kein Beweis daß sie sich in ihrem jetzigen Zustande so überschwänglich elend fühlten Wer aber frisch aus Europa hier debarkiert und zum erstenmal das gemeine Volk in Schmutz und Lumpen gehüllt sieht was im Orient gang und gäbe in Europa aber nur die

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  • Oh-Ba-Ma
    der hiesigen innenpolitischen Probleme Bilderstrecke Obamas Rede in Kairo Angeblich zeigte sich Obama danach als er in Deutschland war sehr viel pessimistischer als er hier schien In Kairo lief er flotten Schrittes zum Rednerpult versprach sich nicht ein einziges Mal wirkte intensiv und gleichzeitig entspannt Als mich eine Schweizer Radiosprecherin anschliessend fragte wie ich es empfunden habe den Mann life zu sehen sagte ich Toll einfach toll Obamas Enttäuschung verstehe ich allerdings sehr gut Denn das Publikum das ganz bei der Sache war klatschte nur dann wenn Obama über die Palästinenser und den Irak sprach und beschrieb wie viel die Araber für die globale Kultur geleistet hätten Als Obama das Leid der Juden erwähnte und den enormen Schaden den der Holocaust angerichtet habe schwiegen sie Ich weiss warum schliesslich lebe ich hier Der schlimmen Meinung Ahmedinejads der Holocaust habe gar nicht stattgefunden sind weitaus mehr Orientalen als man es sich im Westen vorstellen kann Sie sind deshalb keine Antisemiten nein der Holocaust wurde von Westlern erfunden und umgesetzt Ich denke das Schmollen der Orientalen gegenüber den Israeli beruht einerseits auf geschichtlicher Unkenntnis und andrerseits auf ihrer ewigen Frage warum eigentlich ausgerechnet sie für die Shoah büssen sollen Ich kann die Frage zwar nachvollziehen dennoch finde ich die Haltung der Orientalen falsch Es gibt Israel es ist eine Realität und mit der müssen alle Betroffenen umgehen Annäherung Ausgleich Frieden und Normalisierung sind erwünscht und dringend notwendig Das kalte Schweigen ist nicht nur tragisch und falsch sondern auch lächerlich nach 60 Jahren So war also die Stimmung im Saal und ich bin froh hat Obama sie mitbekommen Der Mann darf nicht unterschätzt werden Er ist weitaus klüger als es viele wahrhaben wollen und ausserdem hat er diese coole Art Probleme anzugehen Viele werfen ihm vor er solle nicht nur reden sondern auch

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  • Kairos starke Frauen
    sich bis heute gehalten obwohl Ägypten nunmehr schon seit über 800 Jahren nicht mehr schiitisch ist und im sunnitischen Islam die Heiligenverehrung eigentlich verpönt ist Nachdem wir nach einem lautstark eingeforderten Bakschisch wieder unsere Schuhe zurückbekommen hatten gingen wir quer über den Vorhof zu zwei weiteren Gräbern mit den ältesten Rippenkuppeln die es in Ägypten gibt Hier liegen eine Tante des Propheten Sayyida Ateyya und sein Urururenkel Mohamed al Ga fari fett ein Sohn des sechsten schiitischen Imam Die Sultana Shagarett ed Durr Zurück auf dem Dammweg wendeten wir uns anschließend einer ganz und gar nicht heiligen aber nichtsdestoweniger berühmten Frauengestalt zu deren Mausoleum links der Straße weit unterhalb des heutigen Straßenniveaus hinter einem Eisengitter liegt Ihre Lebensgeschichte ist recht spannend und tragisch zugleich war sie doch die einzige Frau die im islamischen Ägypten als Sultanin herrschte Sie war eine aus Armenien stammende Sklavin die Salih Negm el Din Ayyub der letzte Herrscher der von Saladin begründeten Ayubidendynastie sich zur Frau genommen hatte bevor er 1249 zur Zeit der Kreuzzüge im Kampf gegen Ludwig IX von Frankreich fiel Shagarett ed Durr verschwieg zunächst den Tod ihres Mannes damit sein Sohn und Nachfolger Turan Schah aus Mesopotamien zurückkehren und sein Erbe antreten konnte Dann ließ sie diesen aber von der mamlukischen Leibgarde ihres verstorbenen Gatten ermorden und machte sich selbst für 80 Tage zur Sultanin Schließlich heiratete sie den Anführer der Leibgarde den Mamluken Aybak den sie vorher noch zwang sich von seiner ersten Gemahlin zu trennen Als sie hörte dass Aybak Heiratsverhandlungen mit einer anderen Frau unternahm ließ sie auch ihn ermorden Daraufhin wurde sie selbst von den Dienerinnen seiner ersten Gemahlin mit Holzschuhen erschlagen und ihr Leichnam über die Mauer der Zitadelle den Hunden zum Fraß vorgeworfen Schließlich wurden ihre sterblichen Überreste von dort eingesammelt und in dem von ihr 1250 errichteten Mausoleum beigesetzt Leider ist das Gebäude für die Öffentlichkeit gesperrt und kann nur mit einer Sondergenehmigung besichtigt werden Viele Gebäude entlang unseres Spazierweges leiden unter dem durch die Nilregulierung angestiegenen Grundwasserspiegel aber auch unter der fehlenden Nilüberschwemmung die früher regelmäßig die Salze auswusch die heute dem Mauerwerk schaden Gebäude die früher ständiger Feuchtigkeit ausgesetzt waren bekommen nun häufig Risse da sie nun zu sehr austrocknen Die meshed der Sultanin besteht aus einem Kuppelraum dessen Kuppel die Form eines oben zugespitzten Kielbogens hat Von innen ist sie mit Stuckornamenten im spanischen Stil verziert Während der Bauzeit fand eine erste Welle der Rekonquista statt in der viele maurische Künstler aus Andalusien vertrieben wurden die nach Ägypten auswanderten und ihre Fertigkeiten und ihren Stil mitbrachten Bei diesem Stil sieht man keinen Hintergrund mehr weil mehrere Schichten von Ornamenten aus Stuck übereinander angeordnet sind und die Motive sehr eng neben und übereinander liegen wie steinerne Spitzendeckchen Die Gebetsnische ist mit goldenem und grünem Mosaik verziert Nun gehen wir ein längeres Stück geradeaus bis zur meshed der Sayyida Nefissa Sie war eine Urenkelin von Hassan dem Enkel des Propheten und soll nach Ägypten ausgewandert sein um sich in Fustat der ersten islamischen

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