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  • Bauchtanz in Kairo: Lucy
    Sängerin seit sie vor 15 Jahren ihre Karriere erweiterte Sie wirkte in ca 12 Serien im ägyptischen Fernsehen und in 14 Kinofilmen mit und spielte schließlich auch im Theater Besonders bekannt wurde sie in Ägypten durch den Film Die Nacht von Helmeja und die Serien über das Ägypten der Zeit von 1920 bis 1970 Im Jahre 2000 brachte sie dann schließlich ihr erstes Album mit 11 Songs heraus Sie ist die einzige Tänzerin in Kairo die in ihrem eigenen Club tanzt Im Club Pariziana Pyramidenstraße der von ihr und ihrem Mann geleitet wird präsentiert sie regelmäßig sechs Mal in der Woche nachts von ca 3 00 5 00 Uhr gemeinsam mit ihrem Orchester eine bemerkenswerte Show Sie singt und tanzt ein breit gefächertes Repertoire vom modernen Bauchtanz bis hin zu saudiarabischer Folklore Der Eintritt kostet ca 50 USD ohne Essen und Getränke dafür erlebt man jedoch garantiert einen unvergesslichen Abend mit vielen verschiedenen Gruppen und Künstlern Dass mittlerweile viele europäische Tänzerinnen in den Nachtclubs und großen Hotels in Kairo tanzen stört Lucy nicht Sie ist davon überzeugt dass viele europäische Frauen talentiert sind und das rechte Ohr für die Musik haben Sie bedauert es jedoch sehr dass die meisten ägyptischen Frauen nicht die Chance haben eine große Tänzerin zu werden Es fehlt entweder das Geld die Unterstützung der Familie oder der Mut Lucy ist davon überzeugt dass Bauchtanz einer der schwierigsten Tänze der Welt ist Für sie ist nicht wichtig woher er kommt nur dass er von Herzen kommt von innen heraus Sie sagt Es ist jedes Mal das erste Mal dass ich tanze Ich schließe meine Augen und fühle nur mit der Musik Ihre Choreographien macht sie ausschließlich selbst sie liebt und betanzt häufig Musik von Um Kulthum und wenn sie auf Tournee geht nimmt sie stets ihre eigenen

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  • Kairoer Buchmesse
    werden Außerhalb der Hallen sind die wenigen Bänke die die tristen Asphaltstraßen säumen bereits von picknickenden Familien besetzt Verweilen Ausruhen Fehlanzeige Zurück in die Hallen Der Blick aufs Angebot der zum Verkauf stehenden Bücher macht deutlich was in Ägypten derzeit am meisten gefragt ist Abhandlungen über Glaubensfragen religiöse Traktate und Tonträger Mit den angebotenen Koranrezitationen auf CD oder Kassette wird oft auch gleich das Messegelände beschallt Weiterhin gibt es ein breites Angebot an Computerhandbüchern und für die Kleinen jede Menge Lernmaterialien Bücher Hefte Karten CD ROMs viele bunt aufgemacht und schnellen Erfolg versprechend Im Vergleich zum Gedränge an den anderen Ständen ist es in der Halle mit den internationalen Ausstellern eher ruhig Am deutschen Gemeinschaftsstand von Goethe Institut Deutscher Welle und Frankfurter Buchmesse lässt sich in einer Auswahl von Kinder und Jugendbüchern schmökern die Schönsten Bücher des Jahres 2001 sind ausgestellt Welch angenehmer Kontrast hier kann man sich auf einem der bereitstehenden Stühle niederlassen und in Ruhe ein Buch durchblättern Auch in diesem Jahr gab es wieder einen Deutschen Tag der von vielen Messebesuchern als Gelegenheit angenommen wurde sich über das deutsche Angebot zu informieren Schnupperstunden für Deutschunterricht wurden angeboten in Ägypten ansässige deutsche Unternehmen und Institutionen stellten sich vor Studenten erkundigten sich eingehend nach Fachbüchern vor allem der Themenbereiche Ingenieurswesen und Naturwissenschaften Im weiteren Veranstaltungsprogramm moderierte Georges Khoury von der Deutschen Welle eine Diskussion zur Rolle der Literatur im Dialog der Kulturen Georg Stein engagierter Leiter des in Heidelberg ansässigen Palmyra Verlages stellte sein Buch Ein Tag im September Der 11 9 2001 vor Hier wurden Brücken geschlagen zwischen Kontinenten und Kulturen in einer Zeit sich verhärtender Fronten es waren Versuche der Differenzierung in einer Stimmung des Wer nicht für uns ist ist gegen uns In Zukunft sollen die Brücken verbreitert und verstärkt werden Als Volker Neumann Chef der

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  • Über Grenzen
    Dunkels Jenseits liegt das gelobte Land ein Ort der Erlösung ein Ort der Rettung die bessere Zukunft Eine Linie durchschneidet den Raum zwischen dem Hier und dem Dort Sie hat Augen Sie hat Zähne Sie stellt ihre Hoheitszeichen auf Hier beginnt ein anderes Gesetz Hier verteidigt ein Land sein Territorium Wahrscheinlich wurde schon einmal ein Krieg geführt um diese Grenze Hier gibt es Befestigungen Kameras hier wachen Soldaten Polizisten Zöllner Hier wird kontrolliert Durch enge Maschen muss man hier schlüpfen Hier wird identifiziert observiert zurückgewiesen Hier werden Genehmigungen verlangt die man nie besaß Stempel überprüft die man nicht erlangen konnte Man will hindurch aber man weiß nicht wie Darauf warten die Experten der Umgehungen die Kenner der grünen Grenzen die Schleuser der Schleichwege Sie sind Teil einer ganzen Ökonomie die um die Verbote der Grenze wuchert Sie speist sich aus dem Gefälle zwischen hüben und drüben und vermarktet die Differenz Fälscher Schmuggler Geldwäscher Prostituierte Drogenkuriere gehören dazu Und die Spieler die mit den Hoffnungen der Schwachen pokern Nur wenigen gelingt es einzusickern Viele werden schon auf dem Weg betrogen die meisten abgefangen Andere verlieren ihr Leben bei dem Versuch Doch die Masse der Unerwünschten aus den Armutszonen wird viel früher abgeschreckt Sollten ihre Kräfte doch zu einer Grenze reichen prallt ihr Traum auf die Mauern der Privilegierten Dahinter beginnt ein anderes Eigentum Man hat kein Recht auf Einlass in jenen Raum Hier kann man am Stigma seiner Herkunft verzweifeln Hier sammeln sich Enttäuschung Wut und Hass auf jene von der anderen Seite Mit ihrer Arbeit ihren Häusern ihren gepflegten Gärten Ihrer Sicherheit Kreditkarten und Clubausweise sind ihre Passepartouts Mit ihrem Wohlstand sind sie überall willkommen Grenzen überschreiten sie leichtfüßig Wo sie hinkommen versprechen sie Geld Investitionen Infrastruktur Sie sind Touristen Manager Finanziers manchmal Waffen und Diamantenhändler Sie müssen um Land

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  • Tobias Hülswitt, Stadtschreiber von Kairo
    viele Eindrücke zu bewältigen und dabei ist diese Form sehr hilfreich Die Veröffentlichung im Internet bedeutet aber auch dass man für ein Publikum schreibt bedeutet dass man sich ständig jemandem mitteilt dass unter Umständen die eigene Gefühlswelt ständig für jeden abrufbar ist Gerade dass man das Tagebuch mit dem Publikum teilt das finde ich spannend Es ist reizvoll damit zu spielen wie persönlich man jetzt werden will wie viel man preisgibt Dabei reflektiert man auch was ist eigentlich Intimsphäre warum hat man die wo beginnt sie braucht man sie überhaupt Ist es nicht eher ein Problem dass wir alle unsere Intimsphäre haben und über bestimmte Dinge nicht reden Hier in Ägypten gibt es das dass man über bestimmte Dinge nicht spricht und wir haben das eben auch zum Beispiel was das Thema Körper angeht In welchem Reisebuch steht schon drin wie es dem Reisenden gerade körperlich geht Gerade die physischen Aspekte können in die Tagebuchform mit einfließen Ich wollte dass man diese Stadt die einen physisch doch sehr fordert beim Lesen auch physisch begreift War das der Auslöser dafür das Tagebuch in einen offiziellen und einen inoffiziellen Text zu teilen Mit dieser Aufteilung habe ich schon bei der Amerikareise angefangen Ich dachte mir Ich will hier etwas schreiben was man normalerweise nicht schreiben würde und deshalb nenne ich es den inoffiziellen Text Wer das nicht lesen will der weiß gleich Bescheid und braucht es nicht zu lesen Obwohl diese Sachen einen ja unter Umständen gerade neugierig machen Würden sie rückblickend die Form des Tagebuchs wieder wählen Ich würde es wieder so machen Die Tagebuchform zwingt dazu die ganze Zeit aufmerksam zu sein und auch drüber nachzudenken was nehme ich wahr was will ich weitergeben Das ist für mich wichtig hält mich bei der Stange gerade in so einer Stadt die einen so sehr fordert dass man auch mal ganz fertig und kaputt ist und da ist dann das Tagebuch das will weitergeschrieben sein So was hält einen dann auch in manchen Situationen Manchmal habe ich mit gewünscht etwas mehr Konzentration ins Schreiben zu bringen Und wenn ich manche Stellen jetzt noch mal lese denke ich da warst du aber ziemlich in Eile Aber dazu müsste ich vielleicht länger hier leben und den Alltag besser beherrschen War der Zeitraum sinnvoll Na ja fünf sechs Wochen das ist schon relativ kurz Es reicht für einen ersten massiven Eindruck Es ergibt natürlich eine gewisse Spannung weil derjenige der neu hierher kommt zunächst einmal zu kämpfen hat und gleichzeitig sehr fasziniert ist von der Stadt Für mich wäre es spannend viel länger hier zu sein vielleicht ein Jahr Ich wollte ja nicht über das Exotische oder Fremde schreiben sondern über Kairo und Ägypten wie über etwas ganz Normales Gab es Themen mit denen Sie sich schwer taten oder die Sie bewusst nicht aufgegriffen haben Eigentlich wollte ich nicht über den Islam schreiben Ich weiß darüber nicht viel und wollte nicht irgendetwas behaupten Außerdem ist bei uns der Islam immer sofort Thema sobald es um

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  • Kairo - Zentrum der arabischen Musik
    alima seinen Konkurrenten den Komponisten Muhammad Uthman sowie diverse Rezitatoren und Instrumentalisten unter seine Fittiche Die Gunst des Khediven förderte die Berühmtheit dieser Künstler machte sie in den Augen des örtlichen Adels salonfähig und löste unter ihnen einen fruchtbaren Konkurrenzkampf aus Dank ihrer Schule wuchsen die ästhetischen Ansprüche des Publikums Die Verschmelzung der Musikstile Es kam nicht nur zur Zeit der Nahda zu einem Austausch zwischen geistlicher und weltlicher Musik aber kennzeichnend für diese Epoche war dass die Hymnensänger nun die Gewohnheiten der weltlichen Musiker übernahmen Sie ersetzten ihren schwärmerischen Chorgesang durch das Instrumentalensemble sie ließen sich nicht mehr aus den Spenden des Publikums bezahlen sondern erhielten von einem angesehenen Gastgeber eine Gage sie experimentierten mit neuen Formen und erweiterten ständig ihr Repertoire Der Schule der Nahda Schule ist hier zu verstehen als eine Gemeinschaft deren Mitglieder in puncto Komposition und musikalischer Umsetzung ähnliche ästhetische und stilistische Anschauungen vertreten gelang es in ihrer Anfangsphase verschiedene Musikkulturen miteinander zu verbinden Manche berühmten Musiker begannen ein bürgerliches Leben zu führen jedoch von der Musik zu leben galt weiterhin als wenig ehrenwert Da man den Berufsmusikern grundsätzlich einen zweifelhaften Lebenswandel unterstellte blieb ihnen die wirkliche gesellschaftliche Anerkennung versagt Nun kam die Zeit in der die Salons nicht mehr die einzigen Orte waren wo Musik gemacht und gehört wurde Neue Auftrittsorte kamen hinzu die Bühnen der cafés chantants die sich nach dem Pariser Vorbild zu cafés concerts entwickelten die kleinen Bars an den Ufern des Nils die so genannten Casinos und schließlich die nach italienischem Muster konzipierten Theatersäle Das hatte zwei Folgen Zum einen war der professionelle Gesang nun nicht mehr auf außergewöhnliche Anlässe wie Familienfeste nationale oder religiöse Feiern beschränkt sondern wurde zu einem Wirtschaftszweig und zugleich zu einem Produkt der jederzeit konsumiert werden konnte Zum anderen bildete sich dadurch dass die Zahl der Vergnügungsstätten zunahm und dass Stimmen in die Öffentlichkeit vordrangen die früher nur für die Elite gesungen hatten ein kompetenteres Publikum heraus das nun seinerseits Einfluss auf die Musikproduktion nehmen konnte Die Eintrittskarte ersetzte die Gunstbezeigung des Khediven und das Publikum wurde zum kollektiven Mäzen Die großen Meister die den künstlerischen Aufschwung der Nahda in die Wege geleitet hatten hinterließen keinerlei Schriften über die theoretischen Grundlagen ihrer Arbeit Kamil al Khulai ein sehr produktiver Komponist aus den Anfangsjahren des Jahrhunderts ist eine Ausnahme Das Schweigen der Praktiker lässt vermuten dass die Musikkultur noch keinen Stellenwert genoss der Reflexion und Analyse seitens der Musiker gerechtfertigt hätte Wie ihre Aussagen erkennen lassen waren die damaligen Intellektuellen sich nicht darüber im Klaren dass sie die Entwicklung einer neuen Klassik miterlebten Zur Zeit der Nahda war es in Ägypten unmöglich eine Tätigkeit als theoretisch fundiert anzuerkennen die noch nicht einmal in der Schriftlichkeit angelangt war Die musikalische Ausbildung bestand aus Nachahmung und mündlicher Unterweisung wobei der junge Sänger von mutrib zu mutrib ging genau wie der Sufi Novize von shaykh zu shaykh ging um sich segnen zu lassen Das 20 Jahrhundert bis heute Als nach der Jahrhundertwende die ersten europäischen Plattenfirmen auf dem nahöstlichen Markt Fuß fassten kam es zu einem grundlegenden Wandel in der ägyptischen Musik 1903 startete zum ersten Mal eine europäische Firma Gramophone Zonophone eine Aufnahmekampagne in Ägypten Angesichts der versprochenen Gagen malten sich die Musiker eine glanzvolle Zukunft aus so hoch hatten sie ihren Wert nicht eingeschätzt Zwischen 1903 und dem Ersten Weltkrieg wurde der größte Teil des kunstmusikalischen Repertoires der Nahda aufgenommen wozu fast alle bedeutenden Sänger beitrugen Allerdings lieferte die Grammophonplatte natürlich ein Zerrbild der Wirklichkeit Nur die Kunstmusik wurde systematisch aufgenommen das geistliche und das volkstümliche Repertoire fanden kaum Beachtung Die Schallplattenindustrie bewirkte auch gesellschaftliche Veränderungen und einen Wandel der Formen sie revolutionierte sowohl die Aufführungspraxis als auch die Musikinstutionen Das Grammophon war erst einer Elite vorbehalten hielt aber auch Einzug in die Cafés und die bürgerlichen Haushalte Mit der Ausweitung des Publikums verlor die Kunstmusik ihre dominante Stellung in der Musikproduktion mutribin und awalim wurden von den Firmen gedrängt ihr Glück in der leichten Unterhaltung zu suchen Das moderne Lied das in den dreißiger Jahren entstand orientierte sich zweifellos an den Erwartungen der Plattenfirmen Ende des 19 Jahrhunderts war das Wort Lied noch unbekannt Man kannte nur den Kunstgesang die Tradition des Virtuosentums die eine lange Ausbildung voraussetzte oder aber die Volksmusik die das aufstrebende bürgerliche Publikum das eine hoch entwickelte und moderne Kunst forderte nicht zufrieden stellen konnte Die Grammophonplatte befriedigte die Ansprüche all jener die sich einen Plattenspieler leisten konnten Alle sollten Zugang haben zur neuen Kunstmusik nicht mehr nur die türkenfreundliche Oberschicht Als man anfing in Begriffen wie Urheberrecht und geistiges Eigentum zu denken war es mit der Bildung eines gemeinsamen Erbes vorbei Noch um die Jahrhundertwende galten die Werke eines Komponisten als Allgemeingut andere Interpreten konnten sie aufgreifen und umformen Ein Werk war ausgereift wenn die großen Meister es in einer persönlichen Fassung wiedergaben Da die Konzerne aber nun als Eigentümer der Rechte auftraten waren die Stücke mit dem Namen eines bestimmten Interpreten verbunden und gingen nicht mehr in den gemeinsamen Fundus über Das gemeinsame Repertoire war zu begrenzt die Zuhörer wurden seiner überdrüssig und mit der im Entstehen begriffenen Klassik war es vorbei Von den zwanziger Jahren an orientierten sich die neuen Komponisten am Kunden Die technischen Bedingungen der Grammophonplatte besiegelten eine Ad hoc Ästhetik Jede Komposition musste in die vom Tonträger vorgeschriebene 6 Minuten Form gepresst werden Die Improvisation die ihrem Begriff nach außerhalb der Zeit liegt konnte sich auf Platte nicht behaupten Die Schallplatten der Vorkriegszeit enthielten stark verkürzte Wiedergaben der Kompositionen die der Nachkriegszeit abgeschlossene Werke die mögliche Entwicklungen nur noch andeuteten Für eine Musik die an der Schwelle zum 20 Jahrhundert größtenteils nicht aufgezeichnet war bedeutete die Schallplatte paradoxerweise beides zugleich eine unschätzbare Chance zu ihrer Bewahrung zugleich aber auch ein Todesurteil Während die Konzerne nach dem Ersten Weltkrieg die wirtschaftliche Kontrolle über die Musik ausübten versuchten die Musiker die künstlerische Kontrolle zurückzugewinnen Sie gründeten Schulen und Clubs und ersetzten das alte System der berufsständischen Anerkennung durch neue Formen des Musikunterrichts Kurz vor Beginn der zwanziger Jahre

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  • Musik im Ramadan
    zum Sueskanal gelegen Einflüsse der verschiedenen Mittelmeervölker sowie der am Roten Meer lebenden Menschen in sich vereint und sich auf Grund der Vielfalt der Kulturen eine spezifische Musiktradition herausbilden konnte Sufiriten religiöse Gesänge die Volksweisen der Völker entlang der Südküste des Mittelmeers sie alle tragen zur Einzigartigkeit dieser Musik bei Hauptinstrument ist die simsimiyya eine kleine Leier El Tanbura wurde 1989 von Zakaria Ibrahim in Port Said gegründet und besteht aus insgesamt 20 Musikern die altersmäßig von 25 bis 75 Jahren rangieren und alle sowohl Sänger als auch Tänzer und Musiker sind Ihre Instrumente umfassen die bereits oben erwähnte simsimiyya tanbura große Leier nay arabische Flöte tabla arabische Trommel Triangel sagat kleine Zimbal shakhalil Kastagnettenart riq Tamburinart Die Truppe versteht sich als Bewahrerin des kulturellen Erbes der Region und ist bereits bei Folklorefestivals in Frankreich Schweden Kanada Großbritannien und Burkina Faso aufgetreten Nun aber zu ihrem Auftritt in Kairo im Beit el Harrawi Als Punkt neun sich das Tor öffnete gab es ein großes Geschiebe und Gedränge wir hatten jedoch Glück und konnten einen der hart umkämpften Sitzplätze ergattern Der Innenhof dieses restaurierten ehemaligen Bürgerhauses aus dem 18 Jahrhundert ist eigentlich für Veranstaltungen dieser Art zu klein hat er doch nur Platz für ein paar Stuhl bzw Bankreihen und eine improvisierte Bühne Aber das tat der Begeisterung der Zuschauer und hörer keinen Abbruch Vom ersten Lied an wurde mitgeklatscht gesungen und getanzt Die Atmosphäre griff auch auf die wenigen nicht ägyptischen Gäste über Fasziniert beobachteten wir wie selbst junge Leute auf die Bühne stürmten und mit den älteren Semestern der Truppe tanzten und sangen Undenkbar in Deutschland wo Volksweisen Teenagern bestenfalls ein müdes Lächeln entlocken Von Darbietung zu Darbietung steigerte sich die Stimmung und Lautstärke bis ich nach etwa zwei Stunden davon überzeugt war das Trommelfell würde mir gleich platzen

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  • Raqia Hassan
    ein Gefühl für das was ägyptischer Bauchtanz bedeutet So kam Raqia immer mehr zu der Überzeugung dass es im Grunde genommen ein Muss für jede Tänzerin und jede die es werden will ist nach Kairo zu reisen sich die großen Stars in den Clubs anzusehen einen Eindruck von der Kultur zu gewinnen und den Egyptian Way of Life zu erleben Allmählich wuchs in ihr der Wunsch ein ägyptisches Bauchtanzfestival zu organisieren Fünf Jahre dauerte es bis dann 1999 das erste Bauchtanzfestival in Kairo unter dem Motto Ahlan we sahlan stattfinden konnte Raqia erfuhr die breite Unterstützung ihrer ägyptischen Kolleginnen und Kollegen nicht zuletzt auch von legendären Stars wie z B Mahmoud Reda und so gelang es ihr 25 Dozenten zu gewinnen Am diesjährigen Festival nahmen mehr als 400 Teilnehmer teil Das kommende Festival ist bereits in Planung und soll vom 10 06 16 06 03 im Mena House stattfinden Es wird neben Dina und vielen anderen Stars sogar Nagwa Fouad als Dozentin erwartet Durch das Festival ist es Raqia Hassan nicht nur gelungen den Bauchtanzbegeisterten in aller Welt ein gebündeltes Know how Event in ägyptischer Atmosphäre zu bieten sondern sie hat auch für die Dozenten eine Plattform geschaffen sich auf internationale Wege zu begeben Erst durch das Festival haben ägyptische Dozenten den Sprung in die internationale Szene geschafft und werden nun häufig als Gastdozenten weltweit eingeladen Während des diesjährigen Festivals im Juni Papyurs berichtete in der vorherigen Ausgabe hatte ich Gelegenheit mit Raqia zu sprechen Sie freut sich besonders darüber dass es ihr durch das Festival gelungen ist die ägyptischen Medien für Bauchtanz zu interessieren Gleich nach dem ersten Festival hat das Fernsehen begonnen Interviews mit Tänzerinnen zu machen was es vorher nie gegeben hat denn nach wir vor erfreut sich der Bauchtanz leider auch bei vielen Ägyptern eines nicht

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  • Brücken - Eine Nachlese zur Frankfurter Buchmesse
    verhängnisvollen August 1982 In einer Textstelle reflektiert der Protagonist über Kaffee der zum Inbegriff all dessen wird was für ihn Zivilisation ausmacht Nicht zuletzt der einfühlsamen Art des Sprechers war es zu verdanken dass das leider spärliche Publikum gebannt zuhörte Die Moderation hatte die Literaturübersetzerin Jutta Himmelreich Unser dritter Besuch galt einer Podiumsdiskussion zum Thema Literarische Visionen in einer geteilten Welt Arabischer Raum Hier moderierte George Khoury von der Deutschen Welle Palästina Köln wie gewohnt souverän Die DiskussionsteilnehmerInnen waren Gamal al Ghitani Autor und Journalist Kairo Mona Yahia Künstlerin und Autorin Tel Aviv Köln Miral al Tahawi Autorin und Literaturwissenschaftlerin Kairo sowie Vénus Khoury Ghata Autorin und Lyrikerin Libanon Paris Es ging um die Frage ob Literatur die Menschen einander näher bringt und ob sie in einer Zeit der Globalisierung ein Wegweiser zu einer friedlicheren und gerechteren Welt sein kann Während Gamal al Ghitani die Meinung vertrat Schriftsteller sollten über die Grenzen zwischen Ost und West hinweg schreiben und hinzufügte Literatur sei das wichtigste Element zur Annäherung meinte Miral al Tahawi dass es bisher kaum Brücken über die zwischen Ost und West existierende Kluft gebe und dass das Verhältnis durch große Missverständnisse geprägt sei Literaturübersetzungen könnten ihrer Ansicht nach zu einer Annäherung beitragen Mona Yahia die im Irak aufgewachsen ist aber seit 20 Jahren in Deutschland lebt und auf Englisch schreibt wies darauf hin dass nicht nur ein Okzident und ein Orient existiert Können wir uns nun gegenseitig ergänzen oder nicht Vénus Khoury Ghata die früher im Libanon lebte inzwischen aber schon seit dreißig Jahren in Frankreich ansässig ist und auch in der Landessprache schreibt baut auf Übersetzungen und betrachtet Deutschland in dieser Hinsicht als vorbildhaft Mona Yahia betonte dass als Beitrag zur Völkerverständigung mehr arabische Bücher übersetzt werden sollten Gamal al Ghitani der auf Arabisch schreibt beklagte den Kulturkampf der vom Westen ausgehe sowie den westlichen Imperialismus aber auch die arabische Rückständigkeit und plädierte für mehr Interaktion Miral al Tahawi berichtete von ihren Erlebnissen in den USA nach dem 11 September 2001 als sie sich nur als Opfer empfand und das Gefühl hatte sich verleugnen zu müssen Anschließend zersplitterte der Dialog in einzelne Monologe und der Moderator hatte Mühe auf das Diskussionsthema zurückzukommen Insgesamt also wenig Neues zumindest nicht für im Nahen Osten Lebende oder an dieser Region Interessierte Aber vielleicht hat der Eine oder die Andere der Zuhörenden doch einen Denkanstoß bekommen Trotz der Übermacht der anglo amerikanischen Verlage und ihrer Titel fand der arabische Raum aber nicht nur im internationalen Zentrum Beachtung sondern auch in den gut besuchten Lesungen unter dem Motto Das blaue Sofa wo beispielsweise Assia Djebar ihren neuen Roman Oran Algerische Nacht vorstellte oder einem Pressegespräch mit Rafik Schami zu seinem kürzlich erschienenen Buch Mit fremden Augen Resümee Bei einem Ereignis wie der Frankfurter Buchmesse mit ihrem vielfältigen ja oft unüberschaubaren Angebot ist es schwer für einzelne Veranstaltungen ZuhörerInnen anzulocken weshalb manche der Podiumsdiskussionen und Lesungen zum Thema Bridges weniger Anklang fanden als sie verdient hätten Andere wiederum waren vielleicht etwas zu speziell um

    Original URL path: http://papyrus-magazin.de/archiv/2002_2003/januar/1_2_2003_bruecken.html (2016-04-25)
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