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  • Wissa Wassef Art Center in Harrania
    künstlerischen Techniken kann man ein relativ schnelles Anfangsresultat erzielen aber ein gewebtes Bild aufzubauen langsam Garnstück für Garnstück das kann Tage dauern Das Kind kann darüber nachdenken was es tut was es gestalten will Wenn es die Probleme der spezifischen Webtechnik löst um ein gewünschtes Ergebnis zu erzielen dann gibt das dem Kind enormes Selbstvertrauen Von den fünfzehn die angefangen haben im Jahr 1953 arbeiten heute noch sechs Frauen aktiv mit im Art Center in Harrania Mit ihnen zusammen arbeiten Frauen und Männer der nächsten Generation von Webern die im Jahr 1972 angefangen hat angeleitet von Suzanne Wissa Wassef Ich habe mit den Kindern der Weber der ersten Generation gearbeitet berichtet sie aber es war sehr schwierig Die Mütter kamen immer haben geschaut haben Ratschläge gegeben es war praktisch unmöglich für die Kinder ihre eigenen Vorstellungen zu entwickeln manche haben schnell die Lust verloren Nur zwei beide mit einer wirklich starken Persönlichkeit sind geblieben Wir haben dann nach anderen Kindern gesucht deren Eltern noch nicht hier im Center arbeiteten Jede r hat einen eigenen Platz in den Werkstätten und einen eigenen Webrahmen Jeder kann entscheiden mit wem er gerne zusammen in einem Raum arbeiten will Es ist ein ruhiges Arbeiten nur manchmal unterbrochen vom Spiel der Kinder die die jüngeren Weberinnen begleiten Bis einer der großen Wandteppiche mit den Maßen 2 mal 3 Meter fertiggestellt ist dauert es 7 bis 8 Monate manchmal auch länger Die Weberinnen und Weber wohnen in direkter Nähe Die tägliche gemeinsame Arbeit schafft Bindungen fast wie bei einer großen Familie meint Suzanne Wissa Wassef Wir werden oft auch in die privaten Probleme unserer Weber mit einbezogen Mit der ersten Generation haben wir praktisch die gesamten Familiensorgen durchlebt Und wir haben dadurch auch direkt mitverfolgt wie die Tätigkeit hier das Leben der Menschen beeinflusst Früher haben die Mädchen mit 16 Jahren manchmal sogar noch jünger geheiratet Die Jahre vorher verbrachten sie im Haus halfen bei der Hausarbeit Die jungen Weberinnen hier dagegen verdienten ihr eigenes Geld sie be kamen von Anfang an Geld auch als sie noch lernten Die Mädchen konnten also etwas zum Lebensunterhalt der Familie beisteuern Dadurch wurden sie anders respektvoller behandelt also konnten sie mit der Familie sprechen um mit dem Heiraten noch etwas warten zu können denn die meisten wollten noch einige Zeit länger arbeiten Die meisten haben dann erst mit ungefähr 20 Jahren geheiratet Manche suchten auch gezielt nach einem Ehemann der es ihnen erlauben würde dass sie weiter aus dem Haus gehen und arbeiten Wieder andere haben erst bis ein zwei Jahre nach der Hochzeit gewartet haben dann mit ihrem Ehemann geredet um ihm dann doch die Erlaubnis zur Arbeit zu entringen Die Arbeit gibt Selbstvertrauen Zufriedenheit erfüllt mit Stolz Die Frauen wissen dass sie etwas Besonderes und Einzigartiges tun Während der Arbeit wurden und werden Informationen ausgetauscht über Haushalt Babypflege Kindererziehung Das waren und sind Themen über die hier geredet werden kann wo wir auch Hilfestellung Rat geben können Es ist wie eine große Familie Wir sind sozusagen der

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  • So viel Arabisch steckt im Deutschen
    Arabischen durchsetzt Sehr groß ist die Einwirkung der arabischen Sprache und Kultur auf die Inseln Malta Sizilien und Sardinien sowie auf Unteritalien Diese Entwicklung wurde durch Kaiser Friedrich II und seine hohenstaufischen Vorgänger gefördert und durch die Kreuzzüge verstärkt Ein Gutteil ihrer Entwicklung verdanken die romanischen Sprachen arabischer Lehrtätigkeit in allen südeuropäischen Zentren der Gelehrsamkeit Von besonderer Wichtigkeit sind die arabischen Elemente im europäischen Wortschatz der Anatomie Medizin Botanik Mathematik des Militärs Handels und der Astronomie Doch nicht nur die Sprachen Europas auch die Lebensumstände der Menschen wurden durch den Orient bereichert Baumwolle hat die ganze Welt erobert und Gewürze Kaffee Tee Zucker und viele andere Lebens und Genussmittel sowie Blumen sind Gaben des Morgenlandes Flieder Jasmin und Tulpe zieren die europäischen Gärten Weiterhin sind viele Sternennamen arabischen Ursprungs beispielsweise Aldebaran von al badran die zwei Monde und Algo ein Doppelstern der wegen des Wechsels seiner Lichtstärke nach dem seine Gestalt wechselnden Wüstendämon gol benannt wurde al gol der Gol Und das lautmalerisch scheinende Heckmeck ist auf das Arabische haqi milki zurückzuführen Als Juden und Moslems nach 1492 aus Spanien verdrängt wurden und auch nach Deutschland kamen brachten sie das Kreditwesen mit Der Gläubiger forderte den Kredit mit den Worten haqi milki mein Eigentum mein Recht zurück woraus eben die Verballhornung entstand Die Wanderung der arabischen Ziffern nach dem Westen hat ihre eigene Geschichte Auch ist das x der Mathematiker welches schon im 11 Jahrhundert für die Bezeichnung der Unbekannten gebräuchlich war eine Abkürzung des arabischen Wortes schei eine Sache etwas in der damaligen Schreibweise xei Es sei noch erwähnt dass neben den Zahlzeichen auch Lautzeichen vor allem Buchstaben der griechischen Sprache die zwischen der arabischen und lateinischen vermittelte aus arabisch semitischen Formen entwickelt wurden Beispiele arabischer Lehnwörter Admiral von al amir Befehlshaber Alchimie von alkimia mittelalterliche Chemie Goldmacherkunst Algebra

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  • Theater an der DEO: Der Freunderfinder
    erscheinen so dass die bange Frage einer Zuschauerin in der Pause ob es denn ein Happy End gebe durchaus berechtigt klang Die Enttäuschung über sein Versagen Katja gegenüber lebt Stefan in einer martialischen Phantasmagorie aus in der zur Erheiterung des Publikums als kleine Hommage an die DEO zwei altgediente Lehrer der N Stufe als berüchtigte Kämpfer genannt werden Komödiantisch geht s zu als Katja in der anschließenden Straßenszene Stefans an Phantomas gerichtete Zurechtweisungen auf sich beziehen muss und vorerst erbost das Feld ihrem unsichtbaren Konkurrenten überlässt In der nun folgenden Schlüsselszene gesteht Stefan der zurückgekehrten Katja die Existenz seines Freundes und schickt ihn schließlich sogar weg Zunächst unbeholfen betreten Katja und Stefan gemeinsam neues Terrain Das Spiel des Mädchens folgt anderen Regeln auf die sich Stefan aber vorsichtig einlässt Das markige Auftreten im Weltraum ist einem phantasievolleren Rollenspiel gewichen und findet im Bild vom Fliegen einen romantischen Ausklang Eine anrührende mit sphärischer Musik untermalte Szene die auch den Schluss bilden könnte wäre da nicht Stefans Vater der nun alle seine Kräfte bündelt um das Problem seines Sohnes mit männlicher Logik an der Wurzel auszureißen Selbst die einsame alte Nachbarin wird dazu eingespannt und es entsteht ein herrliches Durcheinander auf der Bühne Die ausgelassene Stimmung wird am Ende abgelöst durch die bewegende Schlussszene in der Frau Goetz direkt in den Zuschauerraum sprechend versucht den abgelegten Freund für sich zu gewinnen Das die Aula der DEO etwa zu einem Drittel füllende Publikum spendete sogleich rhythmischen Applaus der sich erst legte als Schulleiter Selbert die Darsteller und die Leiter der Theater AG mit freundlichen Worten bedachte und ihnen für ihren großartigen Einsatz dankte Ein gelungener Theaterabend ging damit zu Ende dies vor allem aufgrund der hervorragenden schauspielerischen Leistungen der AG Mitglieder allen voran Mohamed Hussein als Stefan der seine Rolle mit einer spielerischen Intensität füllte die nichts zu wünschen übrig ließ Seine lustvolle Darbietung trug wesentlich zum Erfolg der Inszenierung bei Sein fiktiver Partner Phantomas alias Ahmed Omran spielte seine Rolle ebenfalls voll aus Ihm gelang es verschiedene Seiten der Phantasiefigur und damit Stefans zu zeigen Dabei brillierte er nicht nur im rasanten Rollenspiel mit Mohamed Hussein sondern war auch geradezu perfekt im Verschwinden Ausgezeichnet besetzt war auch die Rolle des aggressiven Gegenspielers Micky Er präsentierte dem Publikum einen unsympathischen Widerling dessen soziale Probleme offensichtlich sind Fatma Shafik als Darstellerin der verständnisvollen Stiefmutter überzeugte gleichfalls Sie zeigte glaubwürdig eine heitere und geduldige Verena und hob gekonnt den einfühlsamen aber auch selbstbewussten Charakter der Figur hervor Den Part ihres Mannes Bruno hatte Ahmed Ragab übernommen dem man schon aufgrund seiner körperlichen Statur die Vaterrolle mühelos abnahm Zunächst etwas zurückhaltend agierend entfaltete er erst gegen Ende sein volles komödiantisches Talent Bemerkenswert wie intensiv er einen leeren Stuhl anstarren konnte Immer für einen Lacher gut war deren Nachbarin Frau Goetz in der Darstellung von Sarah Abdelghany Ihr gedehntes Nicht wurde von den Zuschauern schnell als seniles Markenzeichen angenommen Licht ins Dunkel brachte schließlich Heba Khalil als Katja Sie gab dem unerschütterlichen Interesse des Mädchens für Stefan

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  • Thepsis auf Kieler Bühne
    zu den erfolgreichsten Bühnenkünstlern des Nahen Ostens In seiner mittlerweile dritten szenischen Auseinandersetzung mit dem Kaspar Hauser Mythos kombiniert der Theatermacher der inzwischen in Berlin und Kairo lebt Fragmente der Epistel des Hayy Ibn Yaqzan des aus Andalusien stammenden arabischen Philosophen Ibn Tufayl aus dem 12 Jahrhundert und Peter Handkes 1968 erschienenem Stück Kaspar Ibn Tufayls Erzählung handelt von einem Mann der in der Wüste von einem Hirsch erzogen wurde Nach dem Tod des Hirsches findet er sich in einer Gesellschaft wieder deren Gesetze er nicht versteht Er versucht mit seinen eigenen menschlichen Voraussetzungen die auf seinen philosophischen Entdeckungen während langer Meditation in der Wüste basieren ein Teil der Gesellschaft zu werden Er predigt Fleiß und Respekt gegenüber jedem Menschen und wird am Ende wegen seiner revolutionären und antireligiösen Gedanken ermordet In einer ähnlichen Art und Weise bemüht sich Handkes Kaspar ein Junge der von Wölfen aufgezogen wurde in die Gesellschaft aufgenommen zu werden er endet aber in der Psychiatrie nachdem er von Wissenschaftlern benutzt und missbraucht wurde Ghanem entwirft anhand dieser szenischen Biografie eines Naturmenschen von seiner Entdeckung in der Wildnis bis zu seiner Einkleidung für ein Abendmahl im aristokratischen Stil seine persönliche Kritik am Menschenkäfig mit all seinen Umformungs und Zwangsstrategien Das Bühnenbild Auf der Bühne sind 13 Teller und 13 brennende Kerzen zu sehen die gleich zu Beginn gelöscht werden Auf eine Leinwand im Hintergrund der Bühne wird ein stilisierter Hirsch mit seinem Zögling projiziert dann erscheint der Naturmensch auf der Bühne und verwandelt sich langsam zum zivilisierten Wesen Das dunkle Gesicht wird in weißes Mehl getaucht ein erster Schritt auf dem Weg Ein schwarzer Anzug Schuhe und Strümpfe machen ihn zu einem von uns Parallel zu der Veränderung des Wesens hört man von einem Tonband philosophische Texte auf Arabisch Deutsch Englisch und Spanisch Ghanems pantomimische Darstellung

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  • Impersonators
    ist es Frauen nicht erlaubt Kabuki vorzutragen Anders als im modernen westlichen Theater welches sich meistens sprachlicher Dialoge bedient werden im asiatischen Theater Bewegungen musikalisch untermalt und zeitweise auch von Rezitatoren oder Sängern separat begleitet Die vier Darsteller die den Abend gestalteten brachten dem Zuschauer auf eindrucksvolle Art die Vielseitigkeit dieser Theaterform nahe Nicht das Spielen von Frauen im realistischen Sinne sondern in hoch stilisierter Form Weiblichkeit auszudrücken ist das

    Original URL path: http://papyrus-magazin.de/archiv/2002_2003/mai/impersonators.htm (2016-04-25)
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  • West-östlicher Diwan
    reihen entstehen Bilder von großer Eindrücklichkeit In der Erzählung vom Lilienliebhaber zum Beispiel der auf seinem Feld keine Kartoffeln oder Bohnen wachsen lässt sondern Lilien in allen Farben Er will die Blumen nicht verkaufen will keinen Gewinn damit machen sondern sie einfach nur anschauen Sein Antrieb ist die Liebe zum Schönen ohne den Hintergedanken irgendeiner Nutzbarmachung Als der Mann schwer krank wird und schließlich stirbt entlädt sich der lange aufgestaute Missmut der Dorfbewohner der Hass auf seine Andersheit in blinder Zerstörungswut Miral al Tahawi wurde 1968 in Sharqiya geboren und wuchs in einer Beduinenfamilie auf Nach dem Studium der Literaturwissenschaft arbeitete sie als Lehrbeauftragte an der Kairoer Universität Sie hat bislang eine Kurzgeschichtensammlung und drei Romane geschrieben und gilt als eine der bekanntesten Nachwuchsautorinnen der arabischen Welt Ihr Schreiben hat sie selbst als Autobiographie der eigenen Seele bezeichnet Ihr Roman Das Zelt spielt vorwiegend im geschlossenen Raum der Frauen im Hof einer Familie sesshaft gewordener Beduinen Der Vater ist nur selten anwesend zu gerne hätte Fatima die junge Protagonistin des Buches etwas mehr von seiner Aufmerksamkeit zu gerne würde sie mit ihm hinausreiten in die unbekannte Welt Doch dieser Vater kommt und geht wie es seine Geschäfte verlangen das Mädchen bleibt im ummauerten Hof Raum zusammen mit einer zänkischen Großmutter und der immer verzweifelteren Mutter deren Makel es ist dass sie keine männlichen Nachkommen gebiert Fatima möchte ausbrechen aus dieser Enge aber als die Europäerin Anne ihr anbietet sie zu sich zu nehmen bemerkt Fatima dass ihr das unmöglich ist Der Wunsch nach Freiheit nach Ausbrechen aus der Enge einerseits und die enge Bindung an die Welt der Familie und der Tradition andererseits drohen das Mädchen zu zerreißen Eindrücklich stellt al Tahawi in diesem Buch die beduinische Lebenswelt dar ohne Klischees und folkloristische Buntheit Motive aus traditionellen Geschichten und Liedern fließen in den Roman ein in dem Wirklichkeit und Phantastisch Symbolisches untrennbar ineinander verwoben sind Die blaue Aubergine spielt im studentischen Milieu Der Roman ist Miral al Tahawis Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Zeit als Studentin Jahren in denen sie Anschluss zu islamistischen Kreisen fand den Schleier trug und auf Demonstrationen Parolen rief wie Der Islam ist die Lösung Die zwei jungen Frauen die im Mittelpunkt des Romans stehen verkörpern durchaus zwei Prototypen einer Generation Die eine begehrt auf bricht mit Tabus und wird letztlich von den Mitbrüdern ausgenutzt und verachtet Die andere nennt sich selbst die Aubergine sie verbirgt sich mehr und mehr unter immer dichter werdenden Schleiern und füllt die Leere welche uneingelöste Sehnsüchte unausgesprochene Gefühle und Wünsche hinterlassen mit den Buchstaben der Religion Für al Tahawi war diese literarische Auseinandersetzung wie sie selbst sagt ein wichtiger und schmerzlicher Ablösungsprozess Heute will sie allen Versprechungen ausweichen und nur noch leben und schreiben Ihr dritter Roman Gazellenspur die Rekonstruktion eines Frauenlebens soll bald ins Deutsche übersetzt werden Die Lesungen im Goethe Institut und in der Buchhandlung Diwan waren insgesamt gut besucht die simultan übersetzte Diskussion im Anschluss lebhaft und fruchtbar Wer die Texte der beiden Schriftstellerinnen liest bemerkt schon bald

    Original URL path: http://papyrus-magazin.de/archiv/2002_2003/mai/west_oestlicher_diwan.htm (2016-04-25)
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  • Religiöse Musik
    konnte man als Ausrufer die Lautstärke seiner Stimme trainieren Als es noch keinerlei Verstärkungsmöglichkeiten gab war das für jeden notwendig der später in einem großen Saal auftreten wollte Normalerweise wird der Gebetsruf nach einer Melodieskizze die viel Spielraum für individuelle Ausgestaltung läßt gesungen Werden bestimmte Melodieformeln wiederholt so steigt die Tonfolge beim ersten Mal mit wenigen Verzierungen bis zur Quarte über dem Grundton der selbst schon im mittleren Register liegt Beim zweiten Mal ist die Melodie dann viel üppiger ausgeschmückt und schließt mit einer Kandenz auf dem Grundton Wahrscheinlich war die Kunst des Gebetsrufes im 19 Jahrhundert viel abwechslungsreicher als heute Gesellschaftliche Feste und Riten ländliche Traditionen Die Gesänge anläßlich von Geburt Beschneidung Heirat Geisteraustreibung und Tod werden überall in Ägypten kollektiv vorgetragen Die Ruf und Antwort Technik die Wiederholung des Refrains duch das Ensemble woraufhin der Solist die Strophe singt die Stimme eines einzelnen oft wechselnden Sängers die sich über das Ostinato des Chors erhebt auf diese Musikphänomene trifft man in vielen Kulturen in Ägypten aber sind sie allgegenwärtig Sie kennzeichnen sowohl das ländliche als auch das religiöse Repertoire sowohl die traditinonelle Kunstmusik als auch die zeitgenössische Unterhaltungsmusik Die auf einem festen Rhythmus aufbauenden Gesänge folgen meist dem Muster der taqtupa das heißt sie setzen sich aus Refrain und Strophen zusammen denen ein und dieselbe melodische Phrase zugrunde liegt Man findet diese Struktur bei ganz unterschiedlichen Liedern Liedern anläßlich einer Beschneidung einer Hochzeit oder eines Sebu Sebu ein immer noch lebendiger Brauch ein Fest das am siebten Tag nach der Geburt eines Kindes begangen wird Man streut Salz ins Haus um es vor dem bösen Blick zu schützen und der Säugling wird zusammen mit den Samen von sieben Pflanzen aus dem Niltal in ein großes Sieb ghurbal gelegt während eine Gruppe aus Berufsmusikern und den weiblichen Mitgliedern der Familie ein Lied aus einem für diesen Zweck bestimmten Repertoire vorträgt Das bekannteste dieser Lieder kommt von den Beduinenstämmen Seltenere Rhythmusverbindungen in denen improvisierte Schlaginstrumente eingesetzt und durch Händeklatschen und Fußstampfen ergänzt werden gibt es vor allem in den entlegenen Regionen in Nubien und im Sinai Es sind oft die weiblichen Familienmitglieder die bei gesellschaftlichen Ritualen singen Berufsmusikerinnen sind in der ländlichen Musik selten Ausnahmen sind die ghawazi die Tänzerinnen die zu den Hochzeiten eingeladen werden Sie setzen beim Tanzen rhythmische Akzente mit ihren sagat den songenannten Fingerzimbeln Mit diesen können die Tänzerinnen den Zyklus des Trommlers gegenläufig begleiten Die ghawazi tanzen nicht nur sondern tragen manchmal auch Lieder vor allerdings besteht ihr Repertoire heutzutage größtenteils aus Stücken der über die Medien verbreiteten Unterhaltungsmusik die sie mit Hilfe eines kleinen Ensembles eines Geigers eines Akkordeonspielers eines Flötenspielers und mehrerer Trommler nachspielen Zwei den Frauen vorbehaltene Berufe die nur am Rande zum Musikgeschehen gehören sind sehr gefragt und im ländlichen Raum immer noch nicht ausgestorben der des Klageweibs muaddida und der der Geisteraustreiberin kudyat al zar Die professionellen Klageweiber müssen vor dem Begräbnis bestellt werden und begeben sich in das Haus des Verstorbenen zu den Frauen der Familie Sie tragen schwarze oder

    Original URL path: http://papyrus-magazin.de/archiv/2002_2003/maerz/3_4_2003_religioesemusik.html (2016-04-25)
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  • Musikinstrumente der Arabischen Musik
    in Halb und Ganztonschritten gestimmt aber durch besondere Anblastechniken und das partielle Abdecken der Grifflöcher kann der Musiker auch die mittleren Intervalle Dreivierteltöne der ägyptischen Musik spielen Daneben gibt es noch andere verbreitete arghul Varianten Das Wort mizmar bezeichnet verschiedene Typen von Oboen die in der Volksmusik verwendet werden Das Instrument hat sechs Grifflöcher seine zylindrische Pfeife endet in einem kegelförmigen Schallbecher Die mizmar Ensembles sind gewöhnlich mit drei unterschiedlich großen Oboen besetzt die in verschiedenen Lagen gestimmt sind Die kleine schrille sibs ist 30 cm lang und spielt die Melodie die shlabiyya auch mizmar Saidi genannt mißt 40 cm die größte die 60 cm lange telt liefert lang anhaltende Baßtöne Neben den drei Oboisten spielen in den mizmar Ensembles gewöhnlich auch noch Trommler Die Gruppen begleiten nicht nur Sänger sondern tragen auch ein instrumentales Repertoire vor zu dem verschiedene Tänze aufgeführt werden der Pferdetanz oder der Stocktanz bei dem zwei Gegner einen Kampf mimen Saiteninstrumente Die Saiteninstrumente sind im volkstümlichen Repertoire seltener als in der Kunstmusik ihr Gebrauch beschränkt sich auf bestimmte Gegenden oder Kontexte Bis zum 19 Jahrhundert gab es in Ägypten zwei verschiedene Typen von Fiedeln die rabab al shair mit rechteckigem Resonanzkörper und einer Saite aus Roßhaar und die etwa 90 cm lange rababat al mughanni Die rabab besteht aus einer mit Leder oder Fischhaut überzogenen Kokosnußschale und einem darauf montierten Holzstab Sie ist mit zwei im Quartabstand gestimmten Saiten bespannt Es ist selten daß der Musiker über mehr als eine Oktave spielt obwohl der Tonumfang des Instruments dies ermöglichen würde Die Saiten werden mit einem Roßhaarbogen aus Bambus gestrichen Beim Spielen hält der Musiker das Instrument schräg im Schoß Die rabab al shair wird in den Golfstaaten und in Südsyrien immer noch verwendet aber nicht mehr in Ägypten Tanbura und simsimiyya bezeichnen mehr oder weniger das gleiche Instrument Es handelt sich um eine fünfsaitige Leier mit rundem Resonanzkörper die am Roten Meer und im Jemen verbreitet ist Die tanbura wird viel in der Gegend um Assuan in Oberägypten gespielt und ist pentatonisch gestimmt die simsimiyya hat sich in der zweiten Hälfte des 20 Jahrhunderts um den Suezkanal herum verbreitet und reproduziert die typischen Intervalle der ägyptischen Musik im Nildelta Die Saiten werden entweder mit den Fingern oder mit einem Plektron gezupft Traditionellerweise wurde die simsimiyya in den Cafés von Port Said von den sahbageyya Gruppen gespielt halbprofessionellen Musikern die ihren Wechselgesang durch Händeklatschen rhythmisch unterstützten Die moderne Variante des Instruments kann bis zu 12 Saiten haben und wird heute von Folklore Ensembles aus der Gegend um den Suezkanal benutzt Schlaginstrumente Die beiden wichtigsten Schlaginstrumente sind die darabukka und die riqq Erstere auch tabla genannt hat einen dicken trichterförmigen Trommelkörper aus Ton neuerdings auch aus Metall mit einer breiten Öffnung die mit Fischhaut oder mit einem Fell aus Kunststoff überzogen ist Der tabbal der Trommler spielt im Sitzen die Trommel quer über die Hüfte gelegt Er erzeugt einen klangvollen Ton dum genannt wenn er das Fell in der Mitte trifft und einen trockenen Ton den tak

    Original URL path: http://papyrus-magazin.de/archiv/2002_2003/maerz/3_4_2003_musikinstrumente.html (2016-04-25)
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