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  • Bus(tor)tour
    Aber offenbar steuerte der Bus zuvor noch ein paar Bauerndörfer an um weitere Fahrgäste aufzunehmen bevor das Bordprogramm auf uns losgelassen wurde Ich war froh dass der Bus offensichtlich nicht ganz ausgebucht war und der Platz neben mir frei blieb So konnte ich es mir jedenfalls etwas bequemer machen und meine Beine unter den Nachbarsitz strecken zumal mein Vordermann sich schon in Liegeposition platziert hatte und meinen Beinen keine andere Wahl blieb Gegen 21 Uhr ich war gerade im ersten Schlummer fing mit ohrenbetäubendem Rauschen und Kreischen der erste Adel Imam Film an Adel Imam ist ein sehr populärer hiesiger Komiker eine Mischung aus Didi Hallervorden und Rambo dessen Filme schon so bekannt sind dass fast alle sie auswendig kennen Da ich nicht auf diese Fahrt vorbereitet war hatte ich kein Oropax dabei Je länger frau jedoch in diesem Lande lebt desto besser wird sie im Improvisieren Ich drehte mir Wattestöpsel aus feuchten Tempo Taschentüchern die aber leider nur die Spitzen wegfiltern konnten denn offenbar wurde versucht das zu Anfang des Films nicht vorhandene Bild durch doppelte Lautstärke wieder wettzumachen Leise Hoffnungen keimten in mir auf dass man es vielleicht aufgeben würde mit dem defekten Video aber weit gefehlt Nach einer halben Stunde etwa verwandelten sich die grauen Querstreifen auf dem Bildschirm langsam in etwas farbigere und hin und wieder konnte ich dann sogar schemenhaft Personen erkennen die sich aus unerfindlichen Gründen in der einen Minute prügelten und in der nächsten dann wieder küssten Untermalt wurde das Ganze von Schüssen und lautstarken Wortwechseln in kreischend hysterischen oder gebieterisch herrischen Tönen Zum Glück war ich wirklich sehr müde und schaffte es noch einmal wieder einzuschlafen bis mir der Schaffner auf die Schulter klopfte um sich zum zweiten Mal meine Fahrkarte anzusehen die er vor der Filmvorführung schon einmal begutachtet und in ein langes Formular übertragen hatte Außer mir waren am Anfang der Strecke noch vier weitere Ausländer an Bord die aber nicht bis Kairo gebucht hatten und am Roten Meer ausstiegen Vielleicht wollte der Kontrolleur sich nochmals überzeugen ob ich auch wirklich der einzige ausländische Fahrgast war der vorhatte bis zur Endstation durchzuhalten Immerhin ging gerade da auch der Film zu Ende und ich hoffte darauf bald wieder einschlafen zu können Weit gefehlt Der Fahrer war offenbar durch die monotone Wüstenstrecke auf lautstarke Musik angewiesen um sich wach zu halten und so dudelten aus sämtlichen Lautsprechern ägyptische Schlager und zwar die von der Sorte mit der elektronischen Rhythmusmaschine die Höhen immer schön laut verzerrt und klirrend wie ein rostiger Straßenbesen Ich blieb dann wach bis gegen 3 Uhr als endlich noch einmal der Videorecorder in Betrieb genommen wurde den ich jetzt als wohltuend vertraut empfand und der mich innerhalb der ersten Stunde wieder in den Schlaf versetzte Offenbar muss der nun schon zum zweiten Mal abgespulte Film aber auf den mitreisenden Schaffner eine so vergesslich machende Wirkung gehabt haben dass dieser nun von Neuem auf meine Schulter tippte zum dritten Mal meine Fahrkarte kontrollierte und sich vergewisserte dass ich tatsächlich immer

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  • Unbürokratische Hilfe, nicht in Ägypten?
    niemand in dieser kleinen staubigen Bürowelt vermag den deutschen Gästen weiter zu helfen Als sie im letzten Zimmer hinten links nur noch einen abgedunkelten Raum mit Baby und Kinderbettchen vorfinden in denen Kleinkinder morgens um 11 Uhr mucksmäuschenstill unter dünnen Deckchen schlafen vielleicht die Kinderkrippe ist den beiden endgültig klar Hier sind wir falsch Ein hilfsbereiter Mensch schickt sie in den zweiten Stock Ein Blick in den unbeleuchteten Aufzug genügt und unsere Besucher entscheiden sich spontan dazu die Treppe zu benutzen getreu dem Motto Es gibt viele Geschichten über Aufzüge in Kairo glauben Sie sie alle Aber auch im nahezu identisch wirkenden langen Flur mit nasszellengroßen Büros auf der zweiten Etage kann man mit dem Zettel nichts anfangen vermag niemand zu helfen Weiter geht die Odyssee durch die Mugamma Vielleicht im vierten Stock Oder doch im zweiten Sie könnten es noch im fünften Stock versuchen Hatte ich schon einmal erwähnt dass ein freundlicher und höflicher Ägypter nach dem Weg gefragt lieber jemanden in die Irre schickt als zuzugeben dass er nicht weiter helfen kann Im wirklich schäbigen fünften Stock platzt dem Gast aus Deutschland der Kragen Kurzerhand kidnappt er einen der Beamten und bedeutet ihm sie zu begleiten bis der richtige Büroraum gefunden ist Nun sind sie zu dritt unterwegs der gemeinsame Weg führt sie zunächst zu einer Art Postverteilstation eine riesige über drei Meter hohe Halle die aber bis auf Förderbänder und Rutschen für die potenzielle Beförderung von Post leer ist kein Brief ist zu sehen Links sitzen Frauen die unsere Besucher auf den Nebenraum verweisen Aber auch dort gilt Fehlanzeige Spätestens jetzt hätten die meisten von uns aufgegeben und Euro Euro sein lassen Nicht so die hartnäckigen Helden unserer Geschichte Irgendwie landen sie nach einer weiteren Viertelstunde des Suchens und Befragens eines zusätzlichen Dutzends von Angestellten erneut im vierten Stock Dort ganz hinten oben rechts direkt neben der Toilette deren Zustand mir als schlichtweg unbeschreiblich geschildert wurde endlich die Erlösung An einem Schreibtisch Marke DDR sitzt ein Sachbearbeiter Zigarette rauchend und schwatzend Nicht nur dass er anwesend ist und nicht gerade einer Nebentätigkeit nachgeht um seinen kargen Lohn aufzubessern Nein er scheint sich auch tatsächlich für die Angelegenheit zuständig zu fühlen Nachdem die Mitausgereiste ihren Ausweis vorgezeigt hat öffnet er einen antik wirkenden Tresor an dem sich links und rechts große Handräder befinden Innen kommt eine riesige Registratur zum Vorschein Und darin befindet sich man glaubt es kaum ein Karteiblatt mit angetuckertem 50 Euro Schein Wie viele Karteiblätter von ähnlich gelagerten Fällen mögen hier wohl schlummern und auf ähnlich geduldige Empfänger warten Nochmals muss der Ausweis vorgezeigt werden mit dem der Sachbearbeiter verschwindet Nach langen 20 Minuten kehrt er mit einer Ausweiskopie zurück die mit drei Stempeln und drei Unterschriften versehen ist Nun kann das Geld übergeben werden Nur noch eine Empfangsbestätigung ihrerseits ist vonnöten die wiederum vom Sachbearbeiter unterschrieben und abgestempelt wird dann kann er alle Papiere zusammen tuckern und in einer Mappe auf seinem Schreibtisch verstauen Abschließend gilt es noch eine kleine Gebühr für die Auslagen

    Original URL path: http://papyrus-magazin.de/archiv/2002_2003/maerz/3_4_2003_mitausgereist14.html (2016-04-25)
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  • Das tote Telefon
    bedauernd auf seine Zigarette und meint entschuldigend One minute Sprach s und schlendert mit seinem Kollegen zum Gartentor hinaus Nichts Böses ahnend warte ich manchmal beschleicht mich der Eindruck dass Warten meine Hauptbeschäftigung in diesem Land ist vielleicht wollen sie ja den Verteiler in der Straße überprüfen Da kommt freudestrahlend mein Mann nach Hause Die beiden Männer von der Telefongesellschaft sind ihm begegnet und er ging davon aus dass alles erledigt ist Pustekuchen Wir warten weitere zehn Minuten eine halbe Stunde bis es uns schließlich dämmert dass die beiden auf Nimmerwiedersehen verschwunden sind Erneuter Anruf bei unserer Vermieterin Gut sie kümmert sich darum Wieder vergeht ein Tag der Stille Wir versuchen uns mit unserer Situation abzufinden Schließlich ist es ja auch ganz angenehm die Beantwortung lästiger E Mails et was aufschieben zu können Sicher wird unsere Erklärung sollte das Telefon irgendwann mal wieder funktionieren für unsere deutschen Bekannten etwas hanebüchen klingen aber wir können es schließlich nicht ändern Keine Telefonate Auch das geht Schließlich haben wir ja noch unser Handy Als wir jedoch wirklich dringend telefonieren müssen aber was ist schon dringend ist leider die Karte leer Pech Irgendwie erinnert mich diese Situation an autofreie Sonntage in Deutschland lang ist s her Am nächsten Morgen es ist Donnerstag und unsere letzte Chance vor dem arbeitsfreien Freitag und dem anschließenden Bayram Fest steht unsere Vermieterin mit einem Telefon vor der Tür Sie glaubt uns wohl nicht Jedenfalls stöpselt sie es sowohl im Arbeitszimmer als auch im Wohnzimmer in die Anschlussdose und ist endlich davon überzeugt dass beide Leitungen tot sind Es wäre aber auch nicht mit rechten Dingen zugegangen wenn zufällig beide Anschlüsse kaputt gewesen wären Sie verspricht Abhilfe zu schaffen Ein paar Stunden später taucht sie mit einem Mechaniker auf der nochmals die am Haus herabbaumelnden Kabel überprüft aber nichts

    Original URL path: http://papyrus-magazin.de/archiv/2002_2003/maerz/3_4_2003_totestelefon.html (2016-04-25)
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  • Kairo ist ein Dorf
    oder mir bisher unbekanntes Mitglied der Community kennen lerne Ach Sie sind die Mutter von X Frau von Y Nachbarin von Z Und wie auf Knopfdruck rufe ich die bereits zu diesem Namen gespeicherten Informationen ab Bisher hatte mir nur das passende Gesicht zu den Informationen gefehlt Auch kann man sich nicht ungesehen in der Stadt bewegen Will ich schnell etwas einkaufen im Supermarkt oder auf der 26 Juli Straße in Zamalek dann begegne ich bestimmt irgendwelchen Leuten die ich kenne zumindest fährt jemand an mir vorbei Was machst du Wo willst du hin Und du ihr Wer will da von der Anonymität der Großstadt reden Damit mich niemand missversteht Es ist natürlich schön und ich genieße es auch überall auf bekannte Gesichter zu treffen und ein kleines Schwätzchen zu halten Ich finde es nur ein Phänomen dass man sich in diesem Riesenmoloch immer wieder begegnet und übereinander gut informiert ist Die Geschichte mit dem Weihnachtsbaum mag auch als Beispiel dienen Eine Bekannte hatte auf der gegenüberliegenden Straßenseite einen soeben gefällten Nadelbaum entdeckt entschieden dass er geradezu prädestiniert sei als Tannen Ersatz und Ständer für den Weihnachtsschmuck und ihn sich mit Hilfe ihres Gärtners an Land gezogen Einige Stunden später wurde sie von einer anderen Bekannten am Schulbus auf ihre Errungenschaft und deren Zustandekommen angesprochen auch diese Tat war nicht unbeobachtet geblieben Als wir kürzlich kurzfristig umziehen mussten wurden wir auch von allen Seiten gefragt Ich habe gehört ihr müsst aus eurem Haus raus Und das so schnell wie kam es denn dazu Manchmal glaubte ich den unausgesprochenen Nachsatz zu spüren Was habt ihr euch denn zu Schulden kommen lassen Richtig interessant wird es bei den zwischenmenschlichen Beziehungen Wer klatscht nicht gerne einmal wir haben ja auch sonst nichts zu tun Beim Vorbereitungsseminar lernten wir dass man als Frau allein

    Original URL path: http://papyrus-magazin.de/archiv/2002_2003/januar/1_2_2003_mitausgereist13.html (2016-04-25)
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  • Gartenumgestaltung auf ägyptische Art
    gespannt wie man das von einem guten deutschen Maschendrahtzaun gewöhnt ist Der silk wurde einfach mit Drahtstücken an die Äste der Heckenpflanzen gebunden Wie lange das wohl hält Die Lücke zwischen den beiden Hecken am Eingangstor wurde mit 2 stattlichen Gummibäumen geschlossen Damit war für alle Beteiligten das Werk vollendet Nach drei Tagen fiel mir auf dass die Blätter der schönen neuen Gummibäume anfingen sich gelb zu färben Daraufhin nahm ich sie genauer in Augenschein Mein Blick fiel auf den Boden und ich entdeckte ein schwarzes Halbrund aus Plastik Daraufhin holte ich meine kleine Gartenschaufel aus der Garage und grub rund um die beiden neuen Gummibäume das Erdreich einige Zentimeter ab Mein Verdacht wurde zur Gewissheit der Gärtner hatte die Pflanzen kurzerhand mit samt den schwarzen Plastiktöpfen in der Erde versenkt Außerdem fiel mir auf dass der Rest Maschendraht nicht einmal um die Hälfte des Grundstückes reichte Da in der nächst größeren Straße immer eine Horde wilder Hunde ihr Unwesen treibt musste natürlich das gesamte Grundstück mit einem dichten Zaun umgeben werden um es vor unliebsamen Eindringlingen zu schützen Außerdem erstreckte sich durch den Garten ein Bogen von Betonsockeln die Fundamente der Zaunpfähle der alten Hecke Die Arbeiter hatten sie einfach am Boden abgeknickt Am nächsten Tag stellte ich den Gärtner zur Rede Zunächst zeigte ich ihm die Gummibäume die mit ihren Pflanztöpfen im Erdreich steckten und ihre gelben Blätter Khaled machte ein ganz unschuldiges Gesicht In einem Monat sei alles kulu quajis meinte er nur Die Bäume müssten sich nur an die neue Umgebung gewöhnen Ich deutete nochmals auf die Plastiktöpfe und meinte dass das misch quajis für die Bäume sei vor allem im Sommer Daraufhin meinte er nur warum ich mich denn so aufrege Er habe doch extra große Löcher aus den Plastiktöpfen ausgeschnitten und sie erst dann mit samt den Bäumen in die Erde gepflanzt Das war zu viel für mein deutsches Verständnis von Gartenpflege Ich erklärte ihm unmissverständlich dass er die Plastiktöpfe entfernen sollte Weiterhin sollte er noch wie vereinbart Maschendraht besorgen und das restliche Grundstück damit umspannen Darüber hinaus störten uns die Betonsockel denn wir wollten eine durchgehende Rasenfläche schaffen Und schließlich sollte er die 3 Palmen die in Töpfen auf der Terrasse standen vier Hibiskuspflanzen die ich von einer Freundin bekommen hatte die Cairo verlässt einen Weihnachtsstern und ein Wandelröschen zur Vergrößerung meines Blumenbeetes pflanzen Zwei Tage schmollte er daraufhin mit mir Ich glaube ihm wäre es lieber gewesen wenn der Mister die Anweisungen erteilt hätte Am dritten Tag führte er mich dann zu den beiden Gummibäumen die jetzt ohne Plastiktöpfe im Erdreich steckten Ich lobte ihn kräftig Dann zeigte er mir eines der Zaunfundamente Er hatte ungefähr einen halben Meter nach unten gegraben aber der Betonpfeiler reichte noch tiefer in die Erde Um die ganzen Fundamente zu entfernen hätte noch tiefer gegraben werden müssen Zum Abtransport hätten wir wieder einen Kleinlaster benötigt Die entstandenen Löcher hätten mit einer Ladung Erde zugefüllt werden müssen Also beratschlagten wir und fanden schließlich eine typisch ägyptische Lösung

    Original URL path: http://papyrus-magazin.de/archiv/2002_2003/januar/1_2_2003_gartenumgestaltung.html (2016-04-25)
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  • Wundersamer Arztbesuch
    Belegschaft erklären dass die nächste Querstraße hinter der belebten Straße Oh Gott o Gott noch mal da rüber die richtige sei Und tatsächlich die Straße hieß so ähnlich und es gab eine Nummer 6 Aber keinen Arzt Zwei freundliche Männer erklärten mir hilfsbereit dass es dort niemanden der so ähnlich heiße gebe und meinten dass ich doch mit meinem Handy schnell nochmals in der Praxis anrufen sollte Jetzt hätte sich wirklich ein Handy gelohnt aber ich habe keins Schnell im nächsten Krämerladen eine Telefonkarte gekauft und schon hatte ich den freundlichen und zudem Deutsch sprechenden Arzt der sich zudem als ehemaliger Absolvent der DEO herausstellte an der Strippe Ich war ja nun ganz falsch Sharraf ist nicht gleich Sherif Straße doch uns Ausländern traut man ja keine korrekte Aussprache zu Seiner Erklärung lauschte ich gespannt und ich entnahm ihr dass die Praxis hinter dem Manialpalast sein müsse Also wieder über diese jetzt noch stärker befahrene Straße um mein Leben gerannt El hamdullilah und flugs den halben Kilometer zurück zum Auto marschiert eilig bis zum Manial gefahren und hinter der Palastmauer einen neuen Versuch unternommen Ein freundlicher Boab verwies mich zur nächsten Straße und als ich nun einen erleuchteten Eingang erblickte dachte ich doch tatsächlich mein Glück sei vollkommen Ich sah mich schon von dem freundlichen Assistenten mit einem Glas Karkarde in der Hand begrüßt und hoffte nur auf nicht allzu lange Wartezeit schließlich hatte ich ja wirklich Ausdauer bewiesen Es gab zwar kein Schild am Haus aber der Arzt hatte gesagt dass es nur ein Hinweisschild in Arabisch am Anfang der Straße geben würde Ich klingelte mutig und da kam auch schon jemand Eine Frau verwies mich auf mein Unterfangen nach dem Arzt zu fragen einen Moment zu warten wischte sich den Mund ab und rief in den angrenzenden Raum Ich war also falsch Es erschien ein wohlproportioniertes Mannsbild dem ich meine Hilflosigkeit anscheinend deutlich machen konnte denn es zauberte sofort ein Handy aus der Hosentasche bat um die Nummer und schon parlierte er los Hoffentlich konnte er mir nun den Weg erklären denn es ging ja schon auf 22 30 Uhr zu Er hatte alles verstanden und sagte nur One minute holte aus den abgrundtiefen Taschen seiner Hose einen Schlüssel und forderte mich auf in sein Auto zu steigen Jetzt war ich baff Konnte ich seine Hilfsbereitschaft ablehnen Konnte ich ihm dem überaus Zuvorkommenden ein Nein Danke entgegensetzen Auch auf die Chance später mit dem Taxi dorthin zurückfahren zu müssen stieg ich also ein Er wendete schnaufte kurzatmig und fuhr ohne Licht auf sein Ziel los Sollte ich ihn darauf aufmerksam machen dass er verbotswidrig über eine Kreuzung fuhr so wie ich das vor einigen Tagen bei einer Dame am Midan Messaha getan hatte die gegen die eindeutig verbotene Fahrtrichtung gefahren war mich dabei fast umgefahren hätte und mir ein verächtliches und sicher durch die kurz bevorstehende Iftar Zeit bedingtes Malesch hinterher warf Nein ich schwieg genoss die Fahrt und verstand nun auch warum so viele Autoinsassen nicht nur

    Original URL path: http://papyrus-magazin.de/archiv/2002_2003/januar/1_2_2003_arztbesuch.html (2016-04-25)
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  • Tagebuch einer Mitausgereisten
    gehalten Hunde schnüffeln einmal um das Fahrzeug herum das alles geht rasch vonstatten Zahlreichen Wachposten ausgerüstet mit Leuchtstäben säumen die dunkle Auffahrt zum Ort des Geschehens wir fahren vorbei an den mysteriös erleuchteten Pyramiden die Szenerie wirkt gespenstig und schüchtert mich irgendwie ein Am Parkplatz angekommen geht ebenfalls alles reibungslos Der Eingangsbereich ist mit Teppichen ausgelegt zuvor jedoch muss man den beschwerlichen Weg über steinigen und sandigen Boden bewältigen Stöckelschuhe sind eben wenig wüstentauglich Abendkleider auch nicht Wer Aida sehen will muss sich zunächst einmal warm anziehen Entsprechend vorgewarnt trotzten wir mit dicken Lederjacken und Paschmina Tüchern dem Wind und der Kälte der Wüste Unsere mitleidigen Blicke galten den nichtsahnenden Opernbesuchern die kurzärmelig oder im Spaghettiträgerkleid daher kamen Glücklich konnte sich jede schätzen die einen mitleidigen Partner mit Sakko zur Seite hatte Unsere Plätze sind nicht schlecht trotzdem scheint die Bühne meilenweit entfernt Warum haben wir nur das Opernglas vergessen Die vielen leeren Stuhlreihen überraschen uns Immerhin blieb uns erspart was eine Freundin beim Besuch eines Gastspiels von Holiday on Ice erlebte Vehement beanspruchte eine wohl genährte Ägypterin mit offensichtlich identischem Ticket ihren Sitzplatz Sie weigerte sich diesen zu räumen worauf die Ägypterin mit all ihrem Gewicht auf ihrem Schoß Platz nahm Endlich fängt Aida an nur eine Viertelstunde verspätet Wir versuchen uns auf die Musik zu konzentrieren was nicht leicht ist Anders als bei Konzerten im Opernhaus klingeln zwar weniger Handys oder man hört sie im Freien weniger Es wird auch nicht an den falschen Stellen geklatscht Störungen gibt es trotzdem zuhauf Noch gegen Ende des ersten Aktes fahren Fahrzeuge die Straße hinauf bringen verspätete Besucher die kurz darauf mit ihren Schuhen die Stufen der Tribüne hinauf klappern wenigstens waren die Holztreppen weniger laut als die Metalltreppen vor drei Jahren Die Zuspätgekommenen erreichten noch rechtzeitig den Höhepunkt des Abends

    Original URL path: http://papyrus-magazin.de/archiv/2002_2003/november/11_12_2002_mitausgereiste12.html (2016-04-25)
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  • Geschichten in einem Satz
    und Weise bestgelaunt an sich vorbeiwinkend leitet NAIV ist es wenn auf dieser nun schon bekannten dicht befahrenen Hochstraße ein Saidi auf dem alten Hollandrad mit quer liegendem Besen fröhlich dahinradelt und mit dem auf dem Besen sitzenden jugendlichen Beifahrer ein anregendes Gespräch führt wobei dieser noch genügend Zeit und Muse findet um den in drei Kolonnen auf ihn zubrau senden und knapp ausweichenden Blechkarossen fröhlich zuzuwinken KLAR ist es

    Original URL path: http://papyrus-magazin.de/archiv/2002_2003/november/11_12_2002_geschichteninsatz.html (2016-04-25)
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