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  • Mittelalterliche Geschichte - Eine digitale Einf
    Verteilung des Textes auf dem Blatt die Abstände zwischen den Zeilen die Größe der Schrift die Verwendung von Gliederungsmitteln wie von Überschriften und Absätzen Zeichen und Symbolen Orientierung im Text Das Layout eines Güterverzeichnisses Der Text eines Güterverzeichnisses des Klosters Hersfeld in einer Handschrift der 12 Jahrhunderts ist deutlich und klar aber ohne größeren Aufwand geschrieben Die Schrift ist klein und eng die Zeilenabstände gering man wollte möglichst viel Text auf geringem Raum unterbringen Der einzige Schmuck sind rot hervorgehobene Buchstaben So tragen die unterschiedlichen Textteile rote Überschriften Jedes Mal wenn ein neues Besitztum genannt wird wurde der erste Buchstabe des Eintrags rot geschrieben Die Ortsnamen sind zwar schwarz geschrieben aber mit roten Strichen oder Punkten zusätzlich hervorgehoben Der Schmuck dient also allein der besseren Gliederung und leichten Auffindbarkeit der einzelnen Einträge Es handelt sich um eine Gebrauchshandschrift bei der es auch nicht darauf ankam dass das allerbeste Pergament verwendet wurde Plakate des Mittelalters Das Layout einer Herrscherurkunde Grundsätzlich anders tritt uns eine hochmittelalterliche Herrscherurkunde entgegen Das Layout ist sehr groß jeweils mehr als einen halben Meter hoch und breit und äußerst aufwendig gearbeitet Die Zeilenabstände betragen mehrere Zentimeter und die breiten Zwischenräume zwischen den Zeilen sind durch übergroße dekorativ gestaltete Oberlängen der Buchstaben gefüllt Orts und Personennamen im Text werden durch Kapitälchen hervorgehoben Die auffälligste Schrift ist jedoch die in der ersten Zeile und den beiden Unterschriftszeilen verwendete sogenannte Elongata eine Gitterschrift bei der die Buchstabenschäfte eng aneinandergerückt und auf eine Höhe von mehreren Zentimetern in die Länge gezogen werden Optischer Blickfang der Urkunde sind das nahezu zentral platzierte Monogramm und das rechts unten angebrachte Siegel beides Elemente die den Herrscher repräsentieren Das Monogramm vereint Namen Titel und Legitimationsformel des Kaisers in graphisch verdichteter Form Das Siegel zeigt ihn in frontaler Darstellung selbst auf einem Thron sitzend gekrönt mit

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  • Mittelalterliche Geschichte - Eine digitale Einf
    Schreibprozess Schreiber mit Federkiel und Tintenfass Staatsbib Bamberg Nun begann das Schreiben zunächst mit schwarzer seltener mit einer bräunlichen Tinte Der Schreiber oder die Schreiberin nutzten eine Vogelfeder Gänsefedern wurden am meisten verwendet Gänsekiel allerdings ohne Befiederung Ein scharfen Messerchen diente dazu die Feder immer wieder nachzuspitzen oder Fehler auf dem Beschreibstoff wegzuradieren Die Schreibunterlage war geneigt damit die Tinte nicht so schnell von der Feder floss In der Regel gab es zwei Tintenfässer eines für die schwarze und eines für die rote Tinte Der Schreiber ließ Platz für Initialen Großbuchstaben die sehr kunstvoll sein konnten sowie für Überschriften und eventuelle Bebilderungen Rubrizierung und Illustration Der zweite Gang war dem Rubrikator Rotmacher überlassen der nicht immer mit dem Schreiber identisch war Er trug nun die Überschriften die Initialen die Lombarden kleinere Initialen Buchstabenstrichelungen und Textgliederungszeichen nach Dabei konnte er auch die Abschrift überprüfen und Korrekturen eintragen Der letzte Gang war dann die Illustrierung der Handschrift die aber nur verhältnismäßig selten vorgenommen wurde Das lag an den großen Kosten die ein Künstlerengagement mit sich brachte Eine illustrierte Handschrift war statusträchtig nicht nur in Laienkreisen Schmuckvolle Initiale Buchbindung Reklamanten und Heftlade Offener Buchrücken UB Augsburg Schließlich ging es darum die Lagen zusammenzufügen Um zu verhindern dass die Lagen durcheinander kamen pflegten die Schreiber die ersten Worte der nächsten Lage auf dem letzten Blatt der vorhergehenden Lage zu notieren die sog Reklamanten Sie wurden beim Beschneiden des Buchblocks dann sehr häufig weggeschnitten Für das Binden des Buchs wurden die Lagen in der Mitte mit Nadel und Faden durchstochen Auf der sog Heftlade wurden die Lagen dann zusammengeheftet Dann konnte man den Einband der zumeist aus Eichen oder Buchenholzbrettern bestand verpflocken Die Enden der Bünde wurden mit Hilfe von Pflöcken oder Klebungen an den Buchdeckeln montiert Um das Ganze noch stabiler zu gestalten wurden

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  • Mittelalterliche Geschichte - Eine digitale Einf
    verwendete Paragraphen Zeichen das gebildet wird indem durch das Majuskel C ein senkrechter Strich geführt und manchmal der entstehende Innenraum geschwärzt oder eingefärbt wird Paragraphen Zeichen Hess Staatsarchiv Marburg Interpunktion Interpunktion auf verschiedener Zeilenhöhe British Library Ein weiteres in der Antike geübtes System der Textgliederung war dasjenige durch Satzzeichen Bereits die Griechen verwendeten dazu Punkte in drei unterschiedlichen Stellungen und entsprechend unterschiedlicher Bedeutung in leicht abgewandelter Form übernahmen die Römer dieses Prinzip Anders als die heutigen Satzzeichen die überwiegend nach syntaktischen Einheiten unterteilen gliederte das römische System den Text rhetorischen Gesichtspunkten folgend Ein auf der Linie stehender Punkt das comma bezeichnete die kurze Pause ein mittelhoher Punkt das colon die mittlere Pause und ein hoher Punkt periodus das Satzende Das war zumindest die Theorie praktisch jedoch kam dem System das noch Isidor von Sevilla ca 560 636 kannte und referierte offenbar nur geringe Bedeutung zu Jedenfalls verlor es in der Spätantike an Bedeutung Alkuin Gelehrter am Hofe Karls des Großen beklagte gegen Ende des 8 Jahrhunderts den Verfall des Interpunktionssystems infolge mangelnd ausgebildeter Schreiber und setzte sich selbst für eine konsequente Interpunktion ein An die Stelle des römischen Systems trat im frühen Mittelalter eine Vielzahl von nicht einheitlich verwendeten Kombinationen aus Punkten und Strichen aus denen sich langfristig die heutigen Zeichen Komma und Semikolon entwickelten In Vereinfachung des antiken Systems wurde vielfach auch ein tiefer Punkt für eine kleine ein hoher Punkt für eine große Pause bzw das Satzende verwendet Gern setzte man Zahlen zwischen Punkte um sie vor Verwechslung mit Buchstaben zu schützen oder auch um einer missbräuchlichen Hinzufügung weiterer Zahlzeichen vorzubeugen Die moderne Interpunktion bildete sich im 16 Jahrhundert heraus durch den Einfluss des Buchdrucks verfestigte sie sich zu einem nur noch wenig veränderlichen System Fragezeichen Das Fragezeichen ist sehr alt es erscheint zuerst in karolingischer Zeit in den Handschriften der Hofschule Karls d Gr Seine Herkunft ist umstritten überzeugend scheint die Herleitung aus der gleichzeitig gebrauchten Neume Quilisma also einem musikalischen Zeichen das von mittelalterlichen Schriftstellern als zitternde und steigende Tonverbindung beschrieben wird B Bischoff Demnach stellte das Fragezeichen einen Hinweis für den Vor Leser eines Textes dar die Stimme zu heben es charakterisiert die ansteigende Tonmelodie des ent sprechenden Satzes und ist also ein rhetorisches Zeichen dessen Aussehen sich im übrigen erst allmählich zu der heutigen Form entwickelte Die Stellung am Ende eines Satzes lag im Mittelalter noch nicht endgültig fest wenn sie auch überwog in beneventanischen Manuskripten etwa wurde das Zeichen über dem Frageprono men oder einem anderen Wort des Fragesatzes platziert und in anderen Regionen erscheint es zuweilen auch am Anfang des Satzes Ein spätes Fortwirken dieses Phänomens stellt vielleicht die Art der Verwendung des Fragezeichens im heutigen Spanisch dar wo es außer in der üblichen Weise an das Ende des Satzes auch auf dem Kopf stehend an seinen Anfang gesetzt wird Hier zeigt sich der Charakter des Fragezeichens als rhetorisches Zeichen in augenfälliger Weise Fragezeichen BSB München Ausrufungszeichen Ausrufungszeichen BSB München Viel jünger als das Fragezeichen ist das Ausrufungszeichen Als frühestes bekanntes Beispiel

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  • Mittelalterliche Geschichte - Eine digitale Einf
    setzte man diese Zahlen oder Buchstaben in die Mitte des Randes Kustoden und Reklamanten Eine weitere Möglichkeit Man brachte am Schluss der letzten Seite einer Lage die Anfangswörter oder Anfangssilben der folgenden Lage an man nennt diese Wörter die Kustoden oder Reklamanten Sie stellten eine Orientierung für denjenigen dar der die Lagen nach der Arbeit zu einem Kodex oder einem Buch zusammenfügen musste also für den Buchbinder Der Gebrauch solcher Kustoden lässt sich in Spanien bereits im 10 Jahrhundert nachweisen und breitete sich seit dem 11 Jahrhundert weiter aus Reklamant UB Augsburg Buch und Kapitelzählung Textgliederung nach Büchern Bayerische Staatsbib Eine Zählung der Blätter oder Seiten setzte sich im Mittelalter erst ganz allmählich durch Im Orient und in Ägypten hatte es in der Antike zwar bereits eine Zählung von Blättern Seiten oder Spalten bzw Kolumnen gegeben aber diesen Brauch hatten die Römer offenbar aufgegeben So waren die Texte des Mittelalters lange Zeit nur nach Büchern Kapiteln und weiteren kleineren Unterteilungen gegliedert Zur leichteren Orientierung im Text waren diese Unterteilungen häufig auf dem oberen Rand der Seiten oder am Seitenrand angegeben Seiten und Blattzählung Auch solche Angaben machten aber besonders umfangreiche Bücher nicht viel leichter handhabbar so dass man bessere Hilfen

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  • Mittelalterliche Geschichte - Eine digitale Einf
    Blockschrift entsteht Und angesichts der Auffälligkeit der Schrift ist es auch kein Wunder wenn man konstatieren kann dass diese Schrift an funktional exponierten Stellen der Urkunde zu finden ist Dies ist zum einen die erste Zeile die eine Anrufung Gottes und die Intitulatio also die Selbstnennung des Herrschers der die Urkunde ausgestellt hat enthält Zum zweiten wird die Elongata in der sogenannten Signumzeile verwendet in der sich auch das große Monogramm des ausstellenden Herrschers findet Funktional entspricht diese Zeile quasi der Unterschrift des Herrschers Und auch die dritte in Elongata geschriebene Zeile der Urkunde ist funktional bedeutsam Es handelt sich um die sogenannte Rekognitionszeile also die Beglaubigung der Urkunde durch den kaiserlichen Kanzler Diplomatische Minuskel Dagegen erscheint die zweite verwendete Urkundenschrift auf den ersten Blick fast schon etwas unscheinbar Aber nur auf den ersten Blick Eines der wesentlichen Kennzeichen dieser als diplomatische Minuskel bezeichneten Schrift ist es dass die Ober und Unterlängen der Buchstaben im Vergleich zu deren Korpus außerordentlich lang gezogen sind Auf diese Weise wird hier für eine Zeile soviel Platz benötigt wie z B in einem Amtsbuch sei es in Buchschrift oder in Kanzleischrift drei Zeilen brauchen würden Das ist umso bemerkenswerter als dass wir uns in einer Zeit befinden in der Pergament als einziger vorhandener Beschreibstoff extrem teuer war Schriften ansonsten also immer sehr platzsparend verwendet wurden Und auch wenn man sich die hohe Gleichmäßigkeit der Buchstaben ansieht die Schnörkel an einigen der Oberlängen oder auch die kunstvoll verzierten Kürzungszeichen man fühlt sich insgesamt mehr an Kalligraphie erinnert als an einfaches Schreiben Diplomatische Minuskel in einer Urkunde Kaiser Heinrichs III 1049 Kapitälchenschrift Kapitälchenschrift Ebenfalls hinzuweisen ist darauf dass es auch innerhalb der diplomatischen Minuskel Möglichkeiten der Hervorhebung gibt Hier geschieht das in Form von einer Kapitälchenschrift mit der z B die Namen der beiden Bäche wiedergegeben werden die den verliehenen Wild bann begrenzen Aber auch weitere Eigennamen sind auf diese Weise hervorgehoben Das alles zusammengenommen verwundert es wenig wenn sich feststellen lässt dass neben anderen äußeren Merkmalen wie Siegel Monogramm oder Bienenkorb in der Rekognitionszeile in dieser Zeit auch die Urkundenschrift eines von mehreren Zeichen der Beglaubigung also der Echtheit der Urkunde war Die Urkundenschrift im Spätmittelalter Doch das ändert sich in der Folgezeit fundamental Ab der Mitte des 13 Jahrhunderts setzt sich die sogenannte Siegelurkunde durch Wie es der Name schon andeutet ist jetzt das Siegel das wesentliche Beglaubigungsmittel alle anderen äußeren Merkmale der Urkunde darunter eben auch die Schrift als solche verlieren an Bedeutung Und ein weiteres kommt hinzu Mit der Siegelurkunde erweitert sich nicht nur der Kreis möglicher Urkundenaussteller erheblich vor allem nimmt auch die Zahl der ausgestellten Urkunden quasi explosionsartig zu Selbst wenn die jetzt durch das Vorhandensein des Siegels fehlende Veranlassung für herausgehobene Schriften keine Rolle spielen würde würde doch durch die bloße Menge der jetzt auszustellenden Urkunden auch die Zeit für Kalligraphisches fehlen Insofern ist es kein Wunder dass im nächsten Beispiel ein Urkunde des Kaiser Ludwig des Bayern aus dem Jahr 1331 in der es um die Belehnung eines

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  • Mittelalterliche Geschichte - Eine digitale Einf
    Farbtöne benutzt blüht aus wenn dünn ausgewalztes Blei der Einwirkung von Essig ausgesetzt wird Mennige das in Spanien auch in der Natur vorkommt wird durch Erhitzen von Quecksilber und Schwefel hergestellt und außer in der Malerei vor allem für die Rubrizierung der Schrift benutzt Grünspan entsteht wenn in einen ausgehöhlten Eichenholzblock eingeschlossene dünne Kupferbleche mit warmem Essig Salz und Honig bedeckt oder nur mit Essig übergossen werden Organische Farbmittel tierischer Herkunft Häufig benutzte natürliche organische Farbmittel tierischer Herkunft sind das intensiv purpurfarbene Karmin das das Weibchen der auf der Kermeseiche lebenden Kermesschildlaus liefert Der aus den Drüsensekreten verschiedener Schneckenarten gewonnene Purpur wurde zum Färben nicht aber zum Malen benutzt Für etwa ein Gramm kristallinen Purpurfarbstoff benötigt man etwa 10 000 Schnecken Die Galle vom Kalb oder von der Schildkröte liefert einen gelben Farbstoff Purpurschnecken Pflanzliche organische Pigmente Pflanzliche organische Pigmente Pflanzliche organische Pigmente sind vorwiegend die leuchtend gelben getrockneten Blütennarben des Safran und mehrere grüne Pflanzensäfte vor allem von Lauch Petersilie und Schwertlilie während ein vom samtigen Schwarzblau bis zum warmen Hellblau variierender Farbstoff entweder aus der tropischen Indigopflanze oder dem in Europa angebauten Waid gewonnen wurde Folium ein zwischen Weinrot Bräunlichrot und Blauviolett variierender Farbstoff wird aus den Früchten des Krebskrauts Chrosophora tictoria Iuss hergestellt Um diese Pigmente auf dem Bildträger zu fixieren sind Bindemittel nötig meist Eiweiß Harze von Kirsch und Pflaumenbäumen Leim aus zerriebenem Pergament oder aus der getrockneten Schwimmblase des Störs Dabei musste manches beachtet werden Wurde zu wenig Bindemittel beigegeben zerfiel die Farbe zu Staub und rieb sich vom Untergrund ab zu starker Binder zog sich beim Trocknen zusammen und sprengte die Malschicht auf Gold und Silber Nicht nur in der Tafelmalerei sondern auch in Prachthandschriften aus Pergament wurden den Bildkompositionen oft Metallgründe aus Blattgold oder seltener Blattsilber hinterlegt Die hauchdünnen Gold oder Silberblätter wurden entweder mit Eiweiß direkt auf dem Pergament befestigt oder auf ein erhabenes Gessobett eine Mischung aus Gips Holzstaub Puderzucker Bleiweiß und Leim die wegen ihrer Elastizität beim Bewegen der Pergamentblätter nicht brach aufgelegt Mit einem Griffel konnten in die mit dem Gesso unterlegten Metallflächen Muster und Ornamente in Blindprägung eingedrückt werden In den spätmittelalterlichen Handschriften aus Papier das für das Aufbringen von Metallblättern ungeeignet war seltener in Pergamenthandschriften wurde Gold und Silber zuweilen auch Kupfer und Zinn als pulverisiertes Metall vermalt Mit Gummi oder Eiweiß vermischt blieb der Metallstaub auf dem Pergament oder Papiergrund haften die Wirkung von Goldstaub konnte durch gelbe Zusätze wie etwa Galle oder Pflanzensäfte intensiviert werden Nach dem Abtrocknen wurde das vermalte Metall mit einem Achatstein oder einem Eberzahn geglättet und poliert Blattgold Werkzeuge des Illustrators Illustrator mit Werkzeugen Erst nach dem Vorbereiten des Handschriftenblatts oder bogens durch Festlegen des Layouts nach dem Markieren der Zeilenabstände mittels eines Zirkels und nach dem dem Schreiben des Textes sowie gegebenenfalls der Kapitelüberschriften und oder Bildbeischriften begann die Arbeit des Illustrators Beschrieben und bemalt wurden die noch unbeschnittenen und ungebundenen Bogen Mitunter wurden den Illustratoren die Bildthemen mehr oder weniger detailliert durch Maleranweisungen vorgegeben die sich zuweilen noch an

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  • Mittelalterliche Geschichte - Eine digitale Einf
    sie richtig aufzulösen und zu interpretieren Lexicon Abbreviaturarum Doch auch die Zeitgenossen erkannten bereits die Schwierigkeit dass Abkürzungen Raum für Interpretationen bieten Ein Beispiel ist die Zeit Kaiser Justinians Um Rechtssicherheit zu erhalten verfügte der Herrscher dass in juristischen Texten Abkürzungen verboten sind Bereits früh bemühte man sich um die Bereitstellung von Hilfsmitteln zur Auflösung von Abkürzungen Im 19 Jahrhundert unterschied der italienische Archivar Adriano Cappelli über 14 000 Abkürzungen im Schriftwesen des Mittelalters Capelli benannte dabei wesentliche Grundformen des Abkürzungsgebrauchs von denen drei besonders häufig auftreten Die Suspension die Kontraktion und die Abkürzung durch feststehende Zeichen Adriano Cappellis Lexicon Abbreviaturarum Staatsarchiv Augsburg Suspension Suspension Heinric us in einem Amtsbuch Staatsarchiv Augsburg Eine der ältesten Abkürzungsformen ist die sogenannte Suspension Bei dieser Abbreviatur wurden nur der Anfangsbuchstabe oder die ersten paar Buchstaben ausgeschrieben Der Rest wurde durch einen Punkt oder durch einen Kürzungsstrich versinnbildlicht In unserem Beispiel wurden das u und das s weggelassen und durch einen Kürzungsstrich dargestellt Diese Abbreviatur wurde sehr häufig bei Eigennamen oder bei Amtsbezeichnungen verwendet Kontraktion Eine der häufigsten Abkürzungsformen ist die sogenannte Kontraktion Dabei wird ein Wort auf wenige prägnante Buchstaben in der Regel Konsonanten zusammengezogen Diese Form der Abkürzung wurde häufig bei den sog Nomina Sacra verwendet also bei Heiligennamen und Heiligenbezeichnungen aus dem klerikalen Bereich Kontraktion der lat Worte omnes christum Staatsarchiv Augsburg Festehende Zeichen Abkürzung für lat et durch ein festehendes Zeichen Staatsarchiv Augsburg Die Feststehenden Zeichen haben sich ursprünglich aus den tironischen Noten entwickelt Die Tironischen Noten wurden bereits in der Antike vom Privatsekretär Ciceros entwickelt Sie finden sich sogar noch im heutigen Gebrauch wieder wie beispielsweise beim Pluszeichen oder beim Prozentzeichen Sie wurden auch in der mittelalterlichen Kanzlei sehr viel verwendet und ersetzen dort einen Wortteil oder ein ganzes Wort In unserem Beispiel wurde das Wort et durch ein

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  • Mittelalterliche Geschichte - Eine digitale Einf
    Dokument bestätigt die Verleihung des römischen Bürgerrechts an einen Helvetier Man sieht auf den ersten Blick dass die Buchstaben sehr einheitlich gebaut sind es gibt keine Varianz in Größe oder Ausführung Römische Kursive Ganz anders unser zweites Beipiel das den Einsatz von Schrift in einem komplett anderen Kontext zeigt Es handelt sich hier um ein Tontäfelchen auf dem ein Liebeszauber eingeritzt ist und das an einem magisch wirksamen Ort hinterlegt seine Kraft entfalten sollte Bei der Schrift dem magischen Verwendungszweck entprechend hier übrigens teilweise spiegelverkehrt auf diesem Täfelchen handelt es sich um die sogenannte ältere römische Kursive eine Schrift die entsteht wenn Formen der Kapitalis dem kursiven Schreibprozess unterzogen werden Mit expansivem Schriftgebrauch im Alltag wurde die Schriftführung flüssiger und flüchtiger So entstand parallel zur römischen Kapitale die sogenannte römische Kursive Aus Gründen der Schreibökonomie entstanden die auf wesentliche Formelemente reduzierten Kleinbuchstaben Minuskelschrift Ist beispielsweise auf der Bronzetafel das E aus 4 Strichen zusammengesetzt sehen Sie hier den Buchstaben mit nur 2 Stichen gebaut der erste und zweite Strich des ursprünglichen E werden also zusammengefasst und der dritte Strich gleich ganz eliminiert Liebeszauber auf römischer Bleitafel Archäologische Staatssammlung München Unziale Unziale in einer Handschrift BSB München Im 7 Jahrhundert finden wir dann mit der Unziale eine Schrift die in vielen ihrer Formen auf der römischen Kursive basiert Wie an Formähnlichkeiten und unterschieden erkenn und klassifizierbar wird haben viele Buchstaben dieser Schriftform ihre Basis in der älteren römischen Kursive Wenn Sie hier das E betrachten werden Sie erkennen dass es sich mit seinen runden Halbbögen um eine Kalligraphisierung der Form aus der älteren römischen Kursive handelt Nur wird hier der Buchstabe wieder aus 3 Strichen zusammengesetzt mit Haar und Schattenstrich versehen und immer gleich gestaltet Die wissenschaftliche Bezeichnung dieses Schrifttyps ist in Anlehnung an ein Zitat des Hieronymus entstanden das sich auf die zollgroßen Buchstaben litterae unciales christlicher Prachthandschriften bezog Nationalschriften Durch kalligraphische Verdichtung entstanden in der Spätantike und vor allem im frühen Mittelalter in den unterschiedlichen Regionen des ehemaligen römischen Reiches verschiedene kalligraphische Schriften Diese Ausdifferenzierung des Schriftwesens wurde durch den Zerfall des Imperiums flankiert Beispiele für diese sogenannten Nationalschriften sehen Sie hier Die Beneventana ist die Schrift Süditaliens ein wichtiges Zentrum ist das Kloster Monte Cassino Obwohl die Schrift sehr schön ist haben wir einige Probleme sie zu lesen Denn sie enthält viele Formen die aus der Kursive stammen wie z B das 8erförmige t Beneventana BSB München Insularis Insularis BSB München Die Insulare Schrift entstand im Irland des 6 Jahrhunderts durch Umstilisierung von Schriften welche die christlichen Missionare von Italien aus importierten vor allem Unziale und Halbunziale Von Irland aus wurde diese Schrift dann zuerst durch irische Missionare nach England und dann durch irische und angelsächsische Missionare auf das Festland exportiert Man kann sich gut vorstellen dass Schriften aus dem einen Kloster in einem anderen Kloster manchmal nur mit Mühe gelesen werden konnten Dass irgendwann das Bedürfnis nach einer klaren leicht lesbaren und ästhetisch ansprechenden Schrift entstand liegt auf der Hand Die gesellschaftlichen Voraussetzungen für die Entstehung einer

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