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  • Zum Problem der atomaren Aufrüstung
    noch immer nicht abgewöhnen können und sich die Frage ihres Gewissens nicht nur alle 4 Jahre zur Wahl erlauben können auch und gerade dann wenn sie sehr allein zu stehen scheinen mit ihrem Urteil Zwar ist der Hinweis auf jene 83 auch Anlaß zu neuer Resignation denn was läßt sich in Deutschland seit 25 Jahren nicht alles überspielen ausreden und der Vergeßlichkeit überantworten Aber eben diese Resignation wird man über sich nicht Herr werden lassen dürfen wenn man nicht alles verraten will was Ostern bedeutet ir werden uns in den nächsten Monaten mit politischen Argumenten zu befassen haben falls nicht in Ost und West Militär Propaganda und Fremdhörigkeit allein das Feld behalten und werden im Gestrüpp des politischen Kalküls der uns nicht erlassen werden kann oft genug hängen bleiben Folgende drei Punkte könnten dabei eine gewisse Orientierung bedeuten Gollwitzer und viele andere haben gezeigt daß wir in der Entscheidung gegen die Atombombe nicht frei sind Atomwaffen den totalen Krieg weit überbietend stellen den Verzicht auf die bisher gültigen sittlichen Bindungen des Völkerrechts dar Es ist erschütternd daß Regierungen die in Nürnberg Kriegsverbrecherprozesse mit dem Pathos des sittlichen Rechts durchgeführt haben Atombomben bejahen die in ihrer Anwendung irgendeine verantwortbare Begrenzung der Wirkung ausschließen und damit den Verzicht auf jedes ernstzunehmende Völkerrecht bedeuten Schon Experimente mit diesen Bomben gefährden unbeteiligte Menschen ohne daß sich in der Zeit des herrschenden Nihilismus Ankläger finden die diese verbrecherische Praxis wirksam beim Namen zu nennen vermögen Selbst wenn man der Meinung sein sollte daß sittliche Positionen im Völkerrecht von der heutigen Welt also Amerika und Rußland nicht mehr als entscheidend genommen werden sollte das sittliche Urteil der Christenheit feststehen Daß dem nicht so ist gehört zu den unbegreiflichen Tatsachen der Gegenwart Im Augenblick sind Steigerungen der Unmenschlichkeit schwer denkbar aber man muß wenn es solche Steigerungen geben sollte darauf gefaßt sein daß auch diese noch ihre ideologische politische und sogar theologische Rechtfertigung finden werden So zwingend wirkt die Logik der Teile der Welt die sich gegenseitig bestätigen stärken und in Form bringen Was würde die westliche Welt schließlich nicht für erlaubt halten wenn es die bolschewistische Welt unter deren Gesetz man steht für erlaubt hielte Wer die Gebote Gottes außer Kurs setzen kann etwa durch Mißbrauch der sogenannten Zwei Reiche Lehre ist hier hilflos der Logik der Unmenschlichkeit verfallen So bereitet und findet er in seiner Logik den Untergang iel ernster und deshalb entscheidend ist die eigentlich sittliche und im Grunde schon theologische Frage ob wir uns v o r G o t t von seinen Geboten dispensiert halten dürfen Wer dies nicht kann weil er Gott fürchtet wird sich durch keinen politischen Kalkül selbst wenn er einmal überzeugend wäre überwinden lassen Man siegt sich zu Tode falls man siegen sollte wenn man Gott gegen sich hat Es gibt keinen denkbaren Zweck der wahllos und so gut wie unbegrenzbar wirkende Massenvernichtungsmittel rechtfertigen könnte Man kann diese Mittel nicht propagieren und zugleich noch den Namen Gottes im Munde führen Der zweite Orientierungspunkt ist folgender Unser erster Verantwortungsbereich

    Original URL path: http://www.khirte.de/frieden/frie4.html (2016-05-02)
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  • Zur Wehrfrage im Verantwortungsbereich der DDR
    Generalvertrages droht sich Deutschland in zwei Heerlager unter russischer und amerikanischer Führung zu verwandeln Die Wehrfrage tritt damit an alle Deutschen heran Im folgenden erwägen wir die Frage für den Verantwortungsbereich der Christen in der DDR ir suchen zuerst die Vermahnungen ohne die uns eine klare Antwort der Gewissen auf die gestellte Frage unmöglich erscheint 1 Es muß klar sein daß die Frage nicht auf Grund von Propaganda entschieden werden darf 2 Die Freiheit für die Entscheidung des Gewissens muß gewonnen und erhalten bleiben Wo diese Freiheit nicht gewährt wird ist die Angelegenheit nicht gerecht In diesem Falle kann den Christen nicht geraten werden sich für eine ungerechte Sache einspinnen zu lassen 3 Eine Flucht aus der politischen Verantwortung ist nicht etwa christlich sondern ist Schuld 4 Flucht in einen grundsätzlichen Pazifismus ist keine Lösung Die Kriegsgefahr muß immer neu überwunden werden durch echtes politisches Bemühen 5 Es geht um eine klare und verantwortliche Erkenntnis und um das Wagnis für diese Erkenntnis zu stehen Keine Kirche kann diese notwendige politische Entscheidung abnehmen oder durch eine allgemeine Weisung ersetzen 6 Die Kirche hat zu wissen und zu sagen daß jedes wirkliche Gewissensurteil von ihr respektiert wird und daß jeder ein Glied der Gemeinde bleibt der über seinem Urteil das Wort Gottes zu hören und sich dem Gericht Gottes zu stellen bestrebt ist Die Kirche kann die etwaige Ächtung politischer Entscheidungen für ihre eigene Gemeinschaft nicht übernehmen Wer zur Gemeinde gehört bemißt sich am Glauben nicht am politischen Lebensversuch 7 Von der Kirche wird erwartet daß sie sich priesterlich der Gewissensfragen ihrer Glieder annimmt Keine Deklamation theologischer Richtigkeiten ersetzt das gute hilfreiche Wort derer die mitangefochten und mitratlos gemacht sind und deshalb nach Gottes Geist und Wort schreien 8 Gottes Wort macht uns zum gehorsamen Gebrauch unseres Verstandes frei den wir in unseren politischen Entscheidungen bewähren sollen Was einer auf diese Weise erkannt hat das soll er tun dazu soll er stehen und seine Zukunft Gott befehlen 9 Der Satz daß die Wehrfrage solange freiwillige Meldung möglich ist der Entscheidung des Gewissens unterliege daß sie aber sobald die Obrigkeit entschieden habe nur von der Obrigkeit zu verantworten sei hat keinen biblischen Grund Es besteht vielmehr die Frage ob der Anlaß des Konfliktes eine gerechte Sache ist und ob in der bestimmten Lage Waffen helfen können Es trifft nicht zu daß in jedem Fall auch für eine gerechte Sache Waffen ergriffen werden dürfen und es ist zu prüfen wie die Maßstäbe für die Beurteilung der Gerechtigkeit einer Sache zu finden sind ie kann festgestellt werden ob man an einer gerechten Sache steht Welche Fragen sind heute zu stellen für das Problem eines gerechten oder ungerechten Krieges 1 Hast Du zu Krieg und Kriegsvorbereitungen heute ein gutes Gewissen Darfst Du es haben 2 Bleibt Deine Sache gerecht wenn Du ihr mit Waffen dienst Kannst Du auf diese Weise irregeleitete Menschen gewinnen Wem dient Dein Krieg 3 Bist Du ein Kämpfer für die Weltrevolution 4 Bist Du ein Kämpfer für das materialistische Weltbild und seine

    Original URL path: http://www.khirte.de/frieden/frie2.html (2016-05-02)
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  • Muß Krieg immer sein? Ist Frieden auf Erden möglich?
    Kriege zu kämpfen hat die Bibel mißbraucht ir sind nicht gefragt ob Kriege immer bleiben werden sondern wir sind gefragt was wir als Christen verantworten können Die Offenbarung Johannes rechnet damit daß in den Kämpfen des Endes ein Drittel der Menschen dahingerafft wird 9 18 Aber sie sagt nicht daß dies Christen zu tun hätten und deshalb etwa Massenvernichtungsmittel bejahen dürften Vielmehr rechnet sie damit daß die Christen mitten in diesen widergöttlichen Grauen als Verfolgte existieren er allgemeine Satz daß Kriege immer bleiben werden verführt viele dazu die Christenheit hoffnungslos untätig und faul zu machen In diesem Sinn kann der Satz trotz frommer Verbrämung sehr gottlos sein Dann herrscht Resignation und es ist möglich daß Gott angesichts einer hoffnungslosen Christenheit Gehorsam und Hoffnung bei Samaritern und Heiden vorfindet Dann bereitet sich Gericht vor Hesekiel 9 it dem Kampf gegen den Krieg wer den Krieg Sünde nennt hat gegen ihn zu kämpfen ist nicht gemeint daß wir eine vollkommene christliche Welt herbeiführen könnten Aber der glaubt nicht an das Reich Gottes der es für unwirksam erklärt und die Welt ihren gottlosen Gesetzen und Trieben überläßt Dazu ist Christus nicht gekommen und dazu hat er nicht das Liebesgebot gegeben daß wir gottlos erklären es ändert sich aber gar nichts in der Welt allenfalls ein Weniges in der Privatmoral Die Christenheit hat sich mit derartigen Lehren nicht selten bei den Mächtigen dieser Welt beliebt gemacht hat ihr Salz dumm werden lassen und auch bei angeblich rechtgläubiger Wiedergabe des Evangeliums diesem Evangelium und dem Herrn Schande gemacht Römer 2 24 Praktizierte Hoffnungslosigkeit hat mit der Sünde gegen den Heiligen Geist zu tun s hat Zeiten gegeben in denen Christen glauben konnten allein noch mit Kriegen dem Frieden dienen zu können Im Zeitalter der Massenvernichtungsmittel ist diese Rechtfertigung des Krieges als Atomkrieg nicht mehr möglich

    Original URL path: http://www.khirte.de/frieden/frie5.html (2016-05-02)
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  • Kein Krieg mehr von deutschem Boden!
    entscheidend Im Grunde ist es ziemlich gleichgültig ob der eine drei der andere vier Geschosse im Magazin hat Eins genügt er Handel ist ein wichtiger Faden Es ist von einiger Bedeutung wenn sich alle halben Jahre Minister beider deutscher Staaten auf der Leipziger und der Hannover Messe treffen auch wenn die Wetterlage nicht günstig ist Freilich wird man guttun die wirtschaftlichen Beziehungen nicht zu überschätzen Keiner der beiden Partner bestimmt nicht die DDR wird auf wirtschaftlichen Druck hin größere politische oder ideologische Opfer bringen Nicht zu unterschätzen sind die persönlichen Beziehungen zwischen den Politikern die gerade bei unüberbrückbaren ideologischen Gegensätzen eine erhebliche Bedeutung haben Es kommt sehr viel darauf an daß die Gesprächspartner sich gegenseitig kennen einander berechenbar werden und Vertrauen gewinnen Das ist möglich und wirksam ie Massenmedien beider Seiten könnten eine wichtige Nahtfunktion haben Sie könnten das gegenseitige Vertrauen stärken ohne die bestehenden Gegensätze zu verschleiern Einige tun das in einer Weise für die wir nur dankbar sein können Andere scheinen weniger dem gegenseitigen Verstehen als dem Kalten Krieg verpflichtet zu sein Ein Beispiel das in unseren Tagen besonders aktuell ist Kritische Anfragen von Jugendlichen aus der DDR die in kirchlichen Räumen laut werden werden verallgemeinert und als das Aufkommen einer politischen Opposition gewertet Kurzschlüssige oder naive Appelle werden zu Schlagzeilen verarbeitet die geeignet sind das Verhandlungsklima zwischen den beiden deutschen Staaten zu stören Wenn man in der DDR irgendwelche Gruppen als Opposition etikettiert programmiert man geradezu ihre Vernichtung Das würde auch geschehen wenn nicht immer wieder Wege gefunden würden um die Ereignisse und ihre publizistische Behandlung in vernünftiger Weise miteinander aufzuarbeiten ch möchte es mir nicht versagen in diesem Zusammenhang den Vorschlag des ebenso erfolgreichen wie umstrittenen amerikanischen Evangelisten Billy Graham wiederzugeben Er hat ihn im Mai 1982 bei dem Treffen von Vertretern vieler Religionen in Moskau gemacht Er schlägt den Führern der Nationen besonders denen der wichtigsten Mächte ein Moratorium der feindseligen Rhetorik vor Friede wird nicht fester in einem Klima von Mißtrauen in dem jede Seite in steigendem Maße die andere falscher Absichten und heimlicher Aktionen beschuldigt ja es gibt fundamentale ideologische Unterschiede die unsere Welt teilen und es ist unrealistisch anzunehmen daß diese Ideologien von denen die sich daran halten aufgegeben werden Aber das ist der Sache des Friedens nicht dienlich wenn die Nationen sich die jeweils anderen Ansichten nicht anhören wollen und sich weigern das was die andere Seite sagt ernst zu nehmen nd ich darf eine weitere Bemerkung hinzufügen Luther sagt einmal Der Theologe des Kreuzes nennt die Dinge beim rechten Namen Das ist das Gegenteil davon Dinge grundsätzlich mit falschem Namen zu benennen oder Namen zu nennen für Dinge die es gar nicht gibt Bleibt nach den Fäden die Frage nach den Geweben ie Erkenntnis scheint mit den Jahren Raum gewonnen zu haben daß zwei starke selbstbewußte Partner den Frieden stabiler machen als schwache oder als schwach gewollte oder als für schwach ausgegebene Was die DDR betrifft so darf man nicht vergessen daß sie mehr als zwanzig Jahre auf Betreiben der BRD völkerrechtlich nicht anerkannt war Solche Erfahrungen hinterlassen Narben Dies und Erkenntnisse aus der Geschichte der Arbeiterklasse lassen verständlich werden daß jeder Versuch oder Anschein einer Nötigung sofort die Situation des Klassenkampfes heraufbeschwört Es gibt eine innere Notwendigkeit für humanere Verhältnisse für mehr Gleichberechtigung und Beteiligung aller zu sorgen Willige Bürger leisten Besseres als unwillige Entwicklungen in Richtung auf besseren Umgang mit Andersdenkenden um ein christliches Anliegen zu nennen können nur von innen unter entspannten Verhältnissen erwartet werden Die Kirchen haben aus diesem Grunde das Ihre dazu getan zu einem differenzierteren Urteil über die DDR zu verhelfen Sie haben zum Beispiel versucht deutlich zu machen daß das Gespräch des Staatsratsvorsitzenden mit dem Vorstand des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR am 6 März 1978 kein taktisches Manöver war sondern daß es eine kontinuierliche Kirchenpolitik signalisierte die gerade auch für Zeiten größerer Spannung ein vernünftiges Miteinander vor allem eine solide Basis für das Gespräch garantieren sollte Daß es immer wieder einmal Spannungen geben würde war beiden Seiten von vornherein klar Trotz aller Behauptungen der 6 März sei tot weil es zur Zeit Spannungen gibt ist festzuhalten daß die Bereitschaft im Gespräch miteinander zu bleiben nach wie vor voll gegeben ist riedensgefährdend ist es hingegen wenn auf beiden Seiten Feindbilder vorausgesetzt und gepflegt werden Man kann niemandem verbieten Gegner des Kapitalismus oder des Kommunismus zu sein Gefährlich wird es nur wenn die politisch begründete Gegnerschaft ins Irrationale absinkt und sich dann in einen Haß verdichtet der sich nicht auf das Böse das wäre biblisch sondern auf die vermeintlich Bösen richtet Haß aber ist geistiger Totschlag Es beunruhigt daß zum Beispiel die Bezeichnung Kommunist in vielen Teilen der Welt einem Todesurteil gleichkommt und in anderen Teilen mindestens zur moralischen und gesellschaftlichen Disqualifizierung führt Man muß manchmal den Eindruck haben daß die eigentliche Triebfeder des Antikommunismus der Haß gegen die potentiellen Expropriateure ist und der Vorwurf der Gottlosigkeit im Namen eines recht domestizierten vor allem das Eigentum sichernden Gottes gemacht wird Zurück zur gemeinsamen Verantwortung für einen stabilen Frieden Ich halte es für zwingend daß Sicherheit heute im Atomzeitalter nur als gemeinsame Sicherheit bewahrt werden kann Entweder wir denken miteinander und sind auch um die Sicherheit des anderen besorgt oder wir kommen nicht mehr zum Denken weil wir gemeinsam sterben or allem kommt es darauf an auch die letzten aus ihrer Gleichgültigkeit für die entscheidende Frage der Menschheit herauszuholen Auf dem schon erwähnten Moskauer Kongreß wurde ein russischer Schriftsteller der dreißiger Jahre zitiert Fürchte dich nicht vor den Feinden im schlimmsten Fall können sie dich töten Fürchte dich nicht vor den Freunden im schlimmsten Fall können sie dich verraten Fürchte dich vor den Gleichgültigen weder töten noch verraten sie aber nur mit ihrer schweigenden Zustimmung gibt es auf der Erde Verrat und Mord Hoffnungsgemeinschaft einrich Rathke Landesbischof von Mecklenburg sagte den beiden Staatsmännern im Güstrower Dom in seiner Kirche werde für den Marxisten Erich Honecker und den Christen Helmut Schmidt gebetet Wer für jemanden betet erwartet etwas von ihm und hat Hoffnung für ihn Helmut Schmidt sagte Erich Honecker und er seien sich näher gekommen das sei ein Zeichen der Hoffnung Das waren gute Worte Ich sehe es als eine der wichtigsten politischen Aufgaben der Christen an Hoffnung zu wecken Ohne eine starke ja unverwüstliche Hoffnung kann man heutzutage nichts für den Frieden tun offnungen sind nicht gleich Illusionen Illusionen machen wir uns immer dann wenn wir unbiblisch vom Menschen denken wenn wir uns einen Standort in irgendwelchen unirdischen Höhen suchen und wenn wir also unsere eigene Verantwortung auf einen bequemen lieben Gott oder auf selbsternannte Helden abwälzen wollen ir Christen wissen daß es für diese Welt die eine große Hoffnung gibt das Reich Gottes Jesus hat sie uns verkündet Seitdem können wir die Menschen und diese Erde nicht mehr ohne diese Hoffnung sehen Wir werden das was wir auch politisch zu tun haben in Richtung auf diese Hoffnung hin tun Wir suchen nach Zeichen der Hoffnung die uns darin bestärken auch im Bereich des Politischen ch denke die Tatsache daß in beiden Lagern so viele Menschen in diesen letzten Jahren sensibler für die Fragen des Friedens und der Umwelt geworden sind ist ein solches Zeichen der Hoffnung Wir Christen müssen das Unsrige dazu tun daß diese Hoffnung nicht wieder in Resignation verkommt oder sich auf die Abwege der Illusion begibt oder gar zum Opfer von Verführern wird amit komme ich zu dem besonderen Beitrag der Christen und Kirchen in der DDR dazu daß der Satz Nie wieder Krieg von deutschem Boden keine schöne Parole bleibt ie Kirchen in der DDR haben nicht erst aufgrund der Friedensbewegung in der BRD und der Anfragen die in den letzten Jahren aus der eigenen Bevölkerung kamen die Fragen des Friedens ernsthaft bewegt Sie haben das Stuttgarter Schuldbekenntnis von 1945 auch als Bekenntnis des politischen Versagens verstanden Es gehört zu einer recht verstandenen Buße daß die Christen ihre politische Verantwortung erkennen und daß die Kirchen ihnen helfen sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten wahrzunehmen ine der ersten Synoden der EKD die von Weißensee 1950 war ausdrücklich dem Frieden gewidmet Für die Kirchen in der DDR verdichtete sich im Laufe der Zeit die Überzeugung daß die Aufgabe alles nur Mögliche für den Frieden zu tun mindestens zur Zeit die zentrale Verpflichtung für den Glaubenden ist Die Kirchen sind sich dessen bewußt daß sie um der Wahrheit willen ihr gesamtes Wissen um den Menschen um seine Würde aber auch um seine Entfremdung von Gott von dem Mitmenschen und von sich selbst also seine Sünde vor allem aber das Wissen um seine Hoffnung einzubringen verpflichtet sind Gebet und Gottesdienst gewannen zentrale Bedeutung für das politische Handeln Dadurch blieb das Zentrum unseres Glaubens stets im Blick as ist für die Friedensbemühungen der Kirchen in der DDR heute charakteristisch Die Friedensbemühungen schließen sich einigermaßen kontinuierlich an die der fünfziger Jahre an Eine Flaute wie sie sich in der Bundesrepublik nach der Spandauer Ohnmachtsformel 1958 Die Spandauer Ohnmachtsformel ist im Beschluß der EKD Synode von 1958 zur Diskussion über die Atombewaffnung enthalten Sie lautet Die unter uns bestehenden Gegensätze in der Beurteilung der atomaren Waffen sind tief Sie reichen von der Überzeugung daß schon die Herstellung und Bereithaltung von Massenvernichtungsmitteln aller Art Sünde vor Gott ist bis zu der Überzeugung daß Situationen denkbar sind in denen in der Pflicht zur Verteidigung der Widerstand mit gleichwertigen Waffen vor Gott verantwortet werden kann Wir bleiben unter dem Evangelium zusammen und mühen uns um die Überwindung dieser Gegensätze KJ 1958 S 66 und den mißverstandenen Heidelberger Thesen 1959 Die Heidelberger Thesen der Evangelischen Studiengemeinschaft führten die Diskussion fort Wir müssen versuchen die verschiedenen im Dilemma der Atomwaffen getroffenen Gewissensentscheidungen als komplementäres Handeln zu verstehen These 6 Einerseits gelte These 7 Die Kirche muß den Waffenverzicht als eine christliche Handlungsweise anerkennen Demgegenüber steht die These 8 Die Kirche muß die Beteiligung an dem Versuch durch das Dasein von Atomwaffen einen Frieden in Freiheit zu sichern als eine heute noch mögliche christliche Handlungsweise anerkennen KJ 1959 S 100ff zeigte gab es dort nicht Dazu trägt die Tatsache bei daß die Gesellschaft der DDR die Kirchen in ihrem Raum immer wieder zur Stellungnahme und zum Mittun aufgefordert hat n der DDR gibt es einige besonders gute Voraussetzungen für die Friedensarbeit Der sozialistische Staat bekennt sich ausdrücklich und unbedingt zum Frieden In diesem Sinne hat er im Rahmen seines Bündnisses eine Fülle von Vorschlägen auf den Tisch gelegt Er hat keine Forderungen auf Revision der Grenzen Es gibt plausible objektive Gründe daß sozialistische Länder mit verstaatlichten Industrien sich in einer anderen Situation befinden als solche mit einer unabhängigen Rüstungsindustrie Der sozialistische Staat der DDR hat sich mehrfach durch seine höchsten Repräsentanten voller Anerkennung über die Friedensarbeit der Kirchen in der DDR ausgesprochen Zu verweisen ist besonders auf die Würdigung durch den Staatsratsvorsitzenden Honecker am 6 März 1978 Der Staat gibt die Möglichkeit zu offenen Sachgesprächen in denen beide Seiten sich gegenseitig informieren können In der DDR existiert kein Militärseelsorgevertrag damit entfallen Ansprüche die man aus einem solchen Vertrag gegeneinander geltend machen könnte Es gibt wenigstens in den dafür in Frage kommenden Ressorts keine christlichen Minister deren Glaubwürdigkeit bei unterschiedlichen Meinungen in Frage gestellt werden könnte Gerade auf diesem Gebiet ist die unbedingte Trennung von Staat und Kirche hilfreich Entgegenkommen und Verständnis sind damit gerade nicht ausgeschlossen pezifische Schwierigkeiten sollen nicht verschwiegen werden Bei allem was von staatlicher und kirchlicher Seite zum Frieden gesagt und für ihn getan wird bei weitgehender Übereinstimmung in der Kritik an der Aufrüstung und der Forderung nach Abrüstung darf nicht übersehen werden daß die Akzente bei dem Wort Frieden verschieden gesetzt werden Während es den Christen darum geht den Frieden und damit das Leben zu bewahren weil die Schöpfung Gottes nicht durch unsere Schuld verkommen darf weil Gott die Menschen durch Christi Geburt Leben Leiden und Auferstehen mit sich versöhnt und damit die Grundlage zur Versöhnung auch untereinander gegeben hat weil wir auf die Erlösung dieser Erde warten ist für den marxistischen Partner der Friede und damit die Erhaltung des Lebens eng mit dem Sieg des Sozialismus verbunden Weil Sozialismus und Friede eins seien sei alles was den Sozialismus oder einen sozialistischen Staat fördert unmittelbar Förderung des Friedens Beim Novemberplenum 1981 des Zentralkomitees der SED hieß es daß unsere ganze Republik sozialer Friedensdienst ist Wir Christen können aus grundsätzlich theologischen und aus Gründen der Erfahrung eine Idee und deren Verwirklichung in der Geschichte nicht in eins sehen Auch die Kirche ist was die Verwirklichung des Willens Gottes angeht nicht schon Reich Gottes Die Kirche bekommt den Vorwurf zu hören sie gebe erst jetzt da sie in einem sozialistischen Staat lebe pazifistischen Gedanken Raum Damit unterbreche sie eine lange Tradition Unter kapitalistischen Verhältnissen hätten Christen kein schlechtes Gewissen gehabt ihr Vaterland mit der Waffe zu verteidigen Wir Christen in der DDR tun gut solche Einrede nicht zu überhören und darüber zu wachen daß unser Friedenszeugnis rein bleibt Aber es geht uns um etwas ganz anderes Wir Christen erinnern uns mit Scham dessen wie wenige von uns in dem verbrecherischen Krieg den Kriegsdienst verweigert und dafür mit dem Leben bezahlt haben Die Kirchen hatten bis dahin so gut wie nichts für Kriegs oder Wehrdienstverweigerer aus Gewissensgründen getan Nun liegt das entsetzliche Erleben des Zweiten Weltkrieges hinter uns Nun haben wir es am eigenen Leibe erfahren was wir früher zum Spott über unsere Feinde aufgesagt haben Mit Mann und Roß und Wagen hat sie der Herr geschlagen Nun haben die Atombomben von Hiroshima und Nagasaki angezeigt daß eine ganz neue Qualität des Kriegführens angebrochen war Nicht zuletzt war der Gedanke furchtbar daß in einem nächsten Krieg sofern er in Europa stattfinden würde Deutsche auf Deutsche schießen und damit das Gericht des Zweiten Weltkrieges vollenden würden ies waren die Gründe die die Kirchen in der DDR schon früh dazu veranlaßten für die Verweigerer eines bewaffneten Militärdienstes einzutreten indem sie öffentlich für sie beteten ihnen soviel Hilfe wie möglich angedeihen ließen und ihren Staat baten Möglichkeiten für einen Dienst in der Nationalen Volksarmee ohne Waffe zu gewähren Die Anordnung des Nationalen Verteidigungsrates der DDR vom 7 September 1964 hat die Möglichkeit eröffnet einen Wehrersatzdienst ohne Waffe als Bausoldat im Rahmen der Nationalen Volksarmee abzuleisten azu verabschiedeten die evangelischen Kirchen in der DDR die Handreichung Zum Friedensdienst der Kirche 1965 Ich zitiere eine grundlegende Weichenstellung Die Fragestellung lautet nicht Kann sich ein Christ am Krieg beteiligen Vielmehr wird bei dem zentralen Schriftzeugnis von dem Friedensbund Gottes mit der Welt ein Christus eingesetzt Auf diesem Hintergrund wird dann die Frage nach dem individuellen Verhalten angesichts der drei Möglichkeiten Wehrdienst mit der Waffe Ersatzdienst in den Bausoldateneinheiten und Wehrdienstverweigerung gestellt Keine wird prinzipiell ausgeschlossen Das gilt bis auf den heutigen Tag Alle drei Möglichkeiten stehen aber streng unter dem Friedensgebot Christi Die Handreichung sieht in der Verweigerung jedoch ein deutlicheres Zeugnis des gegenwärtigen Friedensgebotes unseres Herrn Handreichung 11 3 c eit der Gründung des Bundes der Evangelischen Kirchen hat sich fast jede Synode zur Frage des Friedens geäußert Männer der Kirchenleitung haben dies in pointierter Weise getan Ich nenne die Rede von Bischof Werner Krusche bei der Nyborg Konferenz Ende April 1971 mit dem Thema Diener Gottes Diener der Menschen Kirchliches Jahrbuch 1971 S 355ff Mir scheint daß folgende Sätze nicht verlorengehen sollten Versöhnung heißt nicht einfach Aufhebung der Gegensätze sondern Austragung der Gegensätze unter dem Vorzeichen des ja zueinander Die Kirchen können nicht selbst Partei werden aber sie müssen Partei ergreifen aber nicht pauschal für ein gesellschaftliches System sondern für die konkreten Menschen und die Menschlichkeit in concreto Frieden gibt es nicht gegen den anderen sondern nur mit ihm Und Frieden wird hergestellt indem einer den bedingungslosen ersten Schritt tut Friedenspolitik ist Politik des ersten Schrittes Die Ermutigung zu dieser Politik des ersten Schrittes gehört zum Friedensdienst der Kirchen S 339 us solcher Freiheit zum Dienst haben die DDR Kirchen sich nach langen schwierigen Debatten entschlossen zum Weltfriedenskongreß in Moskau 1973 im Rahmen der DDR Delegation Teilnehmer zu entsenden Sie haben das tun können weil ihnen offene und unabhängige Partnerschaft versprochen worden war Dies ist dann auch so gewesen Es war wichtig die Vorstellungen der Kirchen vom Frieden einmal mit ganz anderen Partnern zu diskutieren und deutlich zu machen daß Religion für uns Christen in der DDR nicht Privatsache ist sondern die Verpflichtung auch zur Übernahme politischer Mitverantwortung einschließt o haben die Kirchen in der DDR das Zustandekommen der Helsinki Konferenz KSZE 1975 warm befürwortet und ihr Ergebnis begrüßt Die erste Auswertung fand auf ihre Einladung hin noch im gleichen Herbst im Rahmen einer Konsultation der Konferenz Europäischer Kirchen KEK in Buckow bei Berlin statt inigkeit herrschte über folgende Punkte Die Schlußakte insgesamt wie auch die zehn Prinzipien der friedlichen Koexistenz bilden eine unteilbare Einheit Durch die Verbindung der Menschenrechte mit der Friedensverantwortung erscheint in den Beziehungen der europäischen Staaten zueinander eine neue ethische Qualität Eine Folge der politischen Entspannung muß Abrüstung sein Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa dürfen nicht auf Kosten der jungen Nationalstaaten in der Dritten Welt gehen as Ergebnis von Helsinki hat zu immer neuen Überlegungen und Anläufen ermutigt Vor allem haben die DDR Kirchen die Notwendigkeit vertrauensbildender Maßnahmen im weitesten Sinn bei einer Reihe von Sachgesprächen zum Thema Abrüstung und KSZE mit Vertretern der DDR Regierung und auf internationaler Ebene betont aß alles Reden von Abrüstung und Sicherheit so lange keine Ergebnisse zeitigen wird wie die beiden Machtblöcke einander mit äußerstem Mißtrauen beobachten war ein deutliches Ergebnis der Gespräche die der Bund der Evangelischen Kirchen seit 1978 mit dem Nationalen Christenrat NCC der USA führt Erster Anlaß für diese Gespräche die bereits dreimal stattgefunden haben war die Absicht der US Regierung die Neutronenwaffe einzuführen Den DDR Kirchen erschien es am wirksamsten mit den USA Christen in einen Dialog zu treten die die Möglichkeit haben unmittelbar mit ihrer Regierung zu sprechen Die bei diesen Begegnungen erarbeiteten Texte wurden der DDR Regierung zugeleitet die der ersten Konsultation unmittelbar dem Vorsitzenden des Ministerrates übergeben Der Ministerpräsident fand Worte großer Anerkennung für die Arbeit der DDR Kirchen für den Frieden m gleichen Sinne hatte sich bereits der Vorsitzende des Staatsrates Erich Honecker am 6

    Original URL path: http://www.khirte.de/frieden/frie6.html (2016-05-02)
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  • Christof Stier: Ansprache auf dem Waldfriedhof in Halbe, 10. Mai 1985
    hier um alte Wunden aufzureißen Wir stehen hier um Gott zu bitten daß er Wunden heile und aus schmerzlicher Erinnerung Hoffnung wachsen lasse Jesu Wort begleitet uns an diesem Ort Jesu Wort geleite uns von diesem Ort Jesus Christus spricht Selig die Trauernden denn sie werden getröstet werden Selig die Friedensstifter denn sie werden Gottes Kinder heißen Matth 5 4 9 Jesus ermutigt Ihr dürft trauern und weinen Es gab und gibt bis zum heutigen Tag viel Einzelschmerz Die Blumen auf einigen Gräbern zeugen davon Aber davon sprechen Wer wagte vom eigenen Leid zu reden als er hören und sehen mußte was Deutsche anderen Menschen angetan haben Schweigen aus Schuldbetroffenheit aus Scham aus politischer Rücksichtnahme Die Trauer um die eigenen Toten wurde überlagert von der politischen und ideologischen Auseinandersetzung Aber verdrängte Leiderfahrung zehrt Erstickte Tränen verschließen Mund und Herz Unbewältigtes Leid entläßt in Schwermut Die Menschen die hier bestattet wurden haben Unsagbares gesehen und erlitten Sähen wir vor uns was hier wirklich geschah unser Herz und unser Verstand könnten es nicht fassen Ringsumher tobte die letzte große Kesselschlacht Mit unerbittlicher Härte und Grausamkeit wurde gekämpft erbarmungslos ausweglos Der Haß entlud sich mit tödlicher Konsequenz Ungeheure Verluste auf beiden Seiten In der Morgenmeldung der 9 Armee vom 28 April 1945 heißt es Nur durch die von sämtlichen Generalen getroffenen Maßnahmen ist es gelungen die Haltung der Truppe bis jetzt zu gewährleisten Was bedeutet solch ein Satz Zum Beispiel dies Junge Soldaten die sich weigerten zu kämpfen wurden geschlagen erschossen Auch sie werden unter diesen Toten ruhen Das schreckliche Sterben traf Verführte und Verführer Verblendete und Sehende Hier aber vorwiegend junge Menschen die in aussichtslosen Kampf getrieben wurden Und mitten im Kessel Zivilbevölkerung Tausende von Fliehenden und Vertriebenen Frauen Kinder Greise gnadenlos mit hineingerissen in den vernichtenden Strudel des Krieges Hilflos Umherirrende Verwundete laut Schreiende oder leise Flehende Sterbende zerrissene Menschen Eine Frau erzählte mir was sie in jenen Tagen und Nächten sah und erlebte Sie war damals 9 Jahre alt Worte versagen Und hier liegen auch Menschen die sich selbst das Leben nahmen aus Angst Sie sahen keinen Ausweg mehr Der unselige Krieg ging verloren mit all seinen Schrecknissen Wir sind keine Richter wir brauchen keine Urteile zu sprechen Jesus Christus ist der gnädige und gerechte Richter vor den die Toten und die Lebenden treten Jesus Christus verheißt jenen Leben die sich erfassen lassen vom Leid vom Schmerz der Menschen Wo immer dies geschieht und an wem immer trauern dürfen trauern können damit verwundete Herzen geheilt werden damit der Weg frei wird zur Versöhnung Selig die Trauernden denn sie werden getröstet werden Aber an diesen Gräbern ist auch anderes zu sagen Selig die Friedensstifter denn sie werden Gottes Kinder heißen Jesus nennt jene glücklich die Frieden schaffen Mit all der Arbeit und Mühe die dies bedeutet Mitten zwischen diesen Gräbern möchten wir laut ausrufen Krieg darf es nie wieder geben Aber die Toten mahnen auch wahrhaftig zu bleiben und zu sprechen Können wir solche Worte einlösen Zum Frieden gehört die Wahrheit

    Original URL path: http://www.khirte.de/frieden/frie7.html (2016-05-02)
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  • Wort zum Frieden 1985 des Bundes der Evangelischen Kirchen in der Deutschen Demokratischen Republik
    40 Jahren der Friede bedroht geblieben ist Die gequälte Menschheit hat nicht Genesung gefunden wie es die Stuttgarter Erklärung von 1945 erhoffte Auch die nicht mehr unmittelbar am zweiten Weltkrieg beteiligten Generationen haben seine Folgen zu tragen Noch schwelen Mißtrauen und Furcht der Nachbarvölker Die Verbündeten von einst haben sich getrennt Zwei mächtige Militärbündnisse mit unterschied lichen Gesellschafts und Wirtschaftsordnungen stehen sich hochgerüstet gegenüber Auf deutschem Boden bestehen zwei deutsche Staaten deren Grenze zugleich die Grenze zwischen Ost und West geworden ist Sie sind fest innerhalb ihrer Bündnis und Wirtschaftssysteme gebunden und gleichzeitig einbezogen in die Verantwortung für die Lösung der großen Weltprobleme die Erhaltung des Friedens für alle Völker das Ringen um Gerechtigkeit und die Beseitigung des Hungers Auch in den evangelischen Kirchen sind wir in den zurückliegenden vier Jahrzehnten Fehleinschät zungen erlegen Wir haben nur schwer gelernt zu erkennen welcher Weg uns geboten war Es wurde uns schwer die Realität zweier deutscher Staaten anzunehmen Aber wir haben erkannt Die Erhaltung des Friedens hat den Vorrang vor allem anderen Es wurde uns schwer die organisatorische Einheit der deutschen evangelischen Kirche aufzugeben Aber nur so war es möglich unter den jeweiligen gesellschaftlichen Bedingungen Zeugnis und Dienst eigenständig auszurichten Wir haben lange gebraucht Vorurteile und feindliche Einstellungen gegenüber den Siegermächten von 1945 zu überwinden und an Wegen zu neuem Vertrauen mitzubauen Wir haben lange gebraucht bis wir die besondere Herausforderung und Chance erkannt haben die im gemeinsamen Zeugnis unserer Kirchen für den Frieden liegt Wir haben lange gebraucht ehe in unseren Gemeinden die Einsicht wuchs daß unser Streben nach Wohlstand seine Grenzen haben muß an der Not der Hungernden und Unterdrückten und an der Verantwortung die wir für die Schöpfung tragen Im Blick auf manche Entwicklungen in den letzten 40 Jahren werden wir wie die Väter in der Stuttgarter Erklärung zu sagen haben Wir klagen uns an daß wir nicht mutiger bekannt nicht treuer gebetet nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben Um so dankbarer erleben wir die Freiheit zum Dienst die Gott uns schenkt Wir haben erfahren Schuld kann vergeben werden Das befreit zu neuem Beginnen Das Opfer Jesu Christi am Kreuz und seine Auferstehung die wir zu Ostern feiern stellen alle Schuld alle Not und Ratlosigkeit unter das Zeichen der Hoffnung Das ermutigt und verpflichtet uns unsere Verantwortung heute wahrzunehmen Als Kirchen in beiden deutschen Staaten treten wir gemeinsam dafür ein daß von deutschem Boden nie wieder ein Krieg ausgeht Gemeinsam fordern wir daß der Rüstungswettlauf beendet wird Gemeinsam sind wir überzeugt daß das System der nuklearen Abschreckung kein dauerhafter Weg zur Friedenssicherung sein kann sondern unbedingt überwunden werden muß Gemeinsam treten wir für eine europäische Friedensordnung ein Gemeinsam erinnern wir uns an die Verantwortung der Industrienationen für ein menschenwürdiges Leben in den Ländern der Dritten Welt Gemeinsam bitten wir im Gedenken an das Kriegsende vor 40 Jahren Wir bitten unsere Gemeindeglieder Laßt uns nicht aufhören für den Frieden der Welt zu beten Unser Gebet ist der unverwechselbare Beitrag den wir als Christen und Kirchen für den Frieden

    Original URL path: http://www.khirte.de/frieden/frie9.html (2016-05-02)
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  • Bekennen in der Friedensfrage
    Balance der Reichen nicht stören Weil wir Christus nachfolgen widersprechen wir der Logik der Abschreckung Auch wir erliegen dieser Logik Wir bitten daß Christus uns auf seinen Weg führt Wir bekennen Gott schenkt uns in Christus seine Gerechtigkeit Er will daß sie das Miteinander der Menschen bestimmt Er will daß wir mit anderen teilen statt sie zu beherrschen Daraus folgt Kein Mensch und kein Staat darf das Zusammenleben der Menschen durch Geist und Logik der Abschreckung vergiften sie zu Mitteln der Politik machen und damit die Wege zur Gerechtigkeit verbauen Die Praxis der Abschreckung aber steht im Widerspruch zur Gerechtigkeit Gottes Sie räumt militärischen Sicherheitsüberlegungen den Vorrang vor der Gestaltung eines gerechten Zusammenlebens der Menschen ein Sie führt zu einer Militarisierung des Lebens und Denkens von Kindergarten und Schule bis hin zur Weltwirtschaft und Wissenschaft Sie vergeudet die materiellen und geistigen Schätze der Menschheit Sie verschärft die Ausbeutung der armen Länder durch die Industrienationen Sie tötet schon heute durch Hunger und Verelendung auch ohne Krieg Weil wir dem Geist Gottes folgen widersprechen wir der Praxis der Abschreckung Auch wir sind in diese Praxis verwickelt Wir bitten daß Gott uns jeden Tag soviel Einsicht und Kraft gibt wie wir brauchen II In einer Welt mit Massenvernichtungsmitteln gibt es keine gerechten Kriege mehr Krieg darf kein Mittel der Politik mehr sein Die Aufgabe des Staates für Recht und Frieden zu sorgen kann heute nicht mehr wahrgenommen werden durch ein Sicherheitssystem das auf Abschreckung beruht in dem Armeen über Massenvernichtungsmittel verfügen und in der Lage sind andere anzugreifen Diese Aufgabe erfordert vielmehr die Entwicklung eines Systems Gemeinsamer Sicherheit das auf Vertrauensbildung beruht Das System Gemeinsamer Sicherheit bahnt politische Wege der Konfliktregelung Es schließt die Entwicklung struktureller Nichtangriffsfähigkeit durch Abrüstung auf allen Ebenen und Umrüstung auf defensive Waffensysteme ein Es zielt auf Gerechtigkeit gegenüber den armgemachten Völkern Nur im Rahmen eines solchen Konzeptes ist militärische Verteidigungsbereitschaft noch zu rechtfertigen In dieser Situation setzt sich die Kirche für gewaltfreie Förderung und Sicherung des Friedens ein Jeder Christ der vor die Frage des Wehrdienstes gestellt ist muß prüfen ob seine Entscheidung mit dem Evangelium des Friedens zu vereinbaren ist Wer heute als Christ das Wagnis eingeht in einer Armee Dienst mit der Waffe zu tun muß bedenken ob und wie er damit der Verringerung und Verhinderung der Gewalt und dem Aufbau einer internationalen Ordnung des Friedens und der Gerechtigkeit dient Die Kirche sieht in der Entscheidung von Christen den Waffendienst oder den Wehrdienst überhaupt zu verweigern einen Ausdruck des Glaubensgehorsams der auf den Weg des Friedens führt Weil wir Gott als Herrn bekennen sind wir alle herausgefordert durch deutliche Schritte zu zeigen daß Einsatz Besitz und Produktion von Massenvernichtungsmitteln unserem Glauben widersprechen Unsere praktischen Schritte müssen so vielfältig und konkret sein wie das Überleben der Menschheit vielfältig und konkret bedroht ist III Wir nennen heute beispielhaft die folgenden Schritte und bitten die Gemeinden diese Schritte weiter zu konkretisieren und zu ergänzen 1 Weil der jetzt zu erwartende Abbau von Mittelstreckenraketen ein ermutigender Anfang der Abrüstung ist

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  • Berliner Appell, Verantwortliche der Kirchen vereint gegen einen Krieg im Irak, 05. Februar 2003
    großen Teilen der Bevölkerung den Zusammenbruch staatlicher Funktionen die Gefahr von Bürgerkrieg und Destabilisierung der ganzen Region Das Leiden irakischer Kinder und der unnötige Tod hunderttausender Iraker während der letzten zwölf Jahre der Sanktionen lasten schwer auf unseren Herzen In der gegenwärtigen Situation bekräftigen wir mit Nachdruck das seit langem geltende humanitäre Prinzip bedingungslosen Zugang zu Menschen in Not zu gewähren Außerdem warnen wir vor den möglichen sozialen kulturellen und religiösen aber auch diplomatischen Langzeitfolgen eines solchen Krieges Weiteres Öl in das Feuer der Gewalt zu gießen das die Region bereits auffrisst wird den Hass nur noch weiter anfachen indem extremistische Ideologien gestärkt und weitere globale Instabilität und Unsicherheit genährt werden Als Verantwortliche aus Kirchen in Europa haben wir eine moralische und pastorale Verpflichtung Fremdenhass in unseren Ländern entgegenzutreten und den Menschen in der muslimischen Welt die Furcht zu nehmen die sogenannte westliche Christenheit stelle sich gegen ihre Kultur Religion und Werte Wir müssen die Zusammenarbeit für Frieden Gerechtigkeit und Menschenwürde suchen Alle Regierungen insbesondere die Mitglieder des Sicherheitsrates haben die Verantwortung diese Frage in ihrer ganzen Komplexität zu bedenken Es sind noch nicht alle friedlichen und diplomatischen Mittel ausgeschöpft worden um den Irak zu zwingen den Resolutionen des UN Sicherheitsrates zu folgen Es ist für uns eine geistliche Verpflichtung die sich auf Gottes Liebe zur ganzen Menschheit gründet uns gegen den Krieg im Irak zu stellen Mit dieser Botschaft senden wir ein starkes Zeichen der Solidarität und Unterstützung an die Kirchen im Irak im Nahen Osten und in den USA Wir beten dass Gott die Verantwortlichen leiten möge Entscheidungen zu treffen die auf der Basis sorgfältiger Überlegung moralischer Prinzipien und hoher rechtlicher Standards beruhen Wir laden alle Kirchen ein sich uns in diesem Zeugnis anzuschließen für eine friedliche Lösung dieses Konflikts zu beten und alle Menschen zu ermutigen sich am Ringen um eine solche Lösung zu beteiligen Aufruf von Verantwortlichen aus europäischen Kirchen bei einem Treffen in Berlin am 5 Februar 2003 einberufen vom Ökumenischen Rat der Kirchen ÖRK in Absprache mit der Konferenz Europäischer Kirchen KEK dem Nationalen Kirchenrat in den USA NCCCUSA und dem Mittelöstlichen Kirchenrat MECC auf Einladung der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD Liste der Teilnehmer Präses Manfred Kock Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD in der 24 lutherische reformierte und unierte Gliedkirchen zusammen geschlossen sind Als oberster Repräsentant vertritt der Ratsvorsitzende rund 26 Millionen evangelischer Christen in Deutschland www ekd de Bischof Dr h c Rolf Koppe Kirchenamt der EKD Leiter der Hauptabteilung für Ökumene und Auslandsarbeit www ekd de Dr Konrad Raiser Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen ÖRK www wcc coe org Dr Keith Clements Generalsekretär der Konferenz Europäischer Kirchen KEK www cec kek org Bischof Dr Walter Klaiber Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland ACK www oekumene ack de Bischof und damit oberster Geistlicher der Evangelisch Methodistischen Kirche Deutschland www emk de Präsident Jean Arnold de Clermont Präsident der Federation Protestante de France die 16 Gliedkirchen 60 Gemeinschaften und 500 Institutionen Organisationen und Bewegungen vertritt mit rund

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