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  • Rettung des Euro - finanzielles Versailles für Deutschland?
    und die Welt in Atem Was kostet uns ökonomisch ein Austritt Ausschluss Griechenlands aus der Eurozone was der Verbleib des Landes in der Währungsunion Welche politischen Fragen ergeben sich daraus Die deutschen Kosten für einen Austritt Ausschluss Griechenlands und einen Zusammenbruch der Eurozone sind umstritten Sie reichen in Gestalt von Verpflichtungen über Kredite Bürgschaften Garantien etc Stand Juni 2012 von rund 310 Milliarden Euro Bundesfinanzministerium über 426 Milliarden Bundesrechnungshof bis zu 643 Milliarden Ifo Chef Hans Werner Sinn Ihnen stehen die Kosten gegenüber die wir bei einem Verbleib Griechenlands in der Eurozone zu tragen hätten Die Zahlen lassen sich nur schätzen ein Anhaltspunkt ergibt sich aus den bisherigen Hilfszahlungen für Griechenland Seit dem 1 Hilfspaket vom Mai 2010 hat Griechenland einschließlich des 2 Hilfspakets vom Februar 2012 240 Milliarden Euro erhalten das sind 120 Milliarden pro Jahr Der deutsche Anteil 27 liegt bei rund 35 Milliarden Euro Die jährlichen deutschen Kosten für einen Verbleib Griechenlands in der Währungsunion dürften in etwa dieser Summe entsprechen Da eine Wirtschaft wie die griechische nicht binnen weniger Jahre reformiert werden kann ist ein Ende dieser Transferzahlungen nicht abzusehen eine Daueralimentierung bleibt wahrscheinlich Was ergibt sich daraus politisch Selbst wenn man die Zahlen jeweils herauf oder herunterrechnet zeigt der Vergleich der Verlustzahlen für Deutschland die einmalig bei einer Griechenlandpleite und möglichen Folgekosten mit den jährlichen Transferzahlungen an Griechenland die über einen nicht genau zu bestimmenden Zeitraum anfallen würden warum die deutschen neben den europäischen Politiker einen Verbleib Griechenlands in der Eurozone bevorzugen Die Politik rechnet nicht in langen Zeiträumen ob die jährlichen Transferzahlungen über 10 20 Jahren die heute sofort fälligen Verluste übersteigen werden was wahrscheinlich ist interessiert wenig Dass es bequem ist die Probleme in die Zukunft abzuwälzen wissen wir auch aus deutscher Erfahrung Es wird interessant zu beobachten ob unsere Politiker dieses Mal der bequemen Lösung der Verschiebung der Probleme in die Zukunft widerstehen können Wie kaum anders zu erwarten konnten sie der Versuchung nicht widerstehen Die griechischen Regierungen und Politiker jedenfalls wissen dass sie den Euro behalten können wenn es für sie vorteilhaft ist Sie haben ein unübersehbares Erpressungspotential das ihnen hilft Auflagen der Kreditgeber zu missachten und sich vor schwierigen Reformen zu drücken Sie wissen dass sie damit durchkommen wenn nicht ein ganz gravierendes Missgeschick passiert Sie nutzen das aus und haben praktisch kaum eine der hoch und heilig versprochenen Reformen durchgeführt Daran wird sich voraussichtlich auf absehbare Zeit wenig ändern Den Fall Griechenland kann man unschwer als Chiffre für die Schwierigkeiten der gesamten Eurozone lesen Teuer ist es Griechenland zu retten viel teuer aber wäre kurzfristig ein Ende der griechischen Euro Mitgliedschaft Extrem teuer wäre die Rettung der Euro Währungsunion insbesondere für die Deutschen am Schlimmsten ja geradezu katastrophal wäre der Euro Zusammenbruch für Deutschland Europa ja sogar die Welt So wird jedenfalls gesagt und behauptet Wollen wir uns dieser Drohkulisse beugen Ohne zu prüfen was das für die deutschen Interessen bedeutet Verschieben wir damit nicht nur die Probleme in die immer ungewisse Zukunft Weil es bequemer ist Die EU Südschiene Griechenland wird als Sonderfall dargestellt Das stimmt aber nicht Das griechische Beispiel dürfte schnell Schule machen wenn das Land in der Eurozone bleibt Portugal Spanien und Italien vermutlich auch Irland werden ähnliche Sonderbehandlungen verlangen Mit welchen Argumenten sollte ihnen verweigert werden was Griechenland zugestanden wurde Man versteht warum die Südländer oder Peripheriestaaten Griechenland unbedingt in der Eurozone halten wollen Sie gehen davon aus dass die Eurogruppe dann auch bei ihnen einknicken wird und muss Das Erpressungspotential Italiens und Spaniens ist schon aufgrund ihres wirtschaftlichen Gewichts mindestens so groß wie das der Griechen Italien Italien spielt eine Schlüsselrolle Einerseits könnte es sich aufgrund seines ökonomischen Potentials selbst retten der durchschnittliche Italiener ist wohlhabender als der Deutsche andererseits ist es seit Beginn der Europäischen Einigung gewohnt Hilfsgelder aus dem Norden abzuziehen und tut dies mit großem Erfolg Das Finanzinstrument der Eurobonds wurde von Italienern erdacht und wird von Italien massiv propagiert Es passt ideal auf die italienischen Bedürfnisse Es ist schön wenn man Dritte für eigene Verpflichtungen zahlen und haften lassen kann Es wäre auch schön wenn man so weiter machen könnte wie bisher Allerdings hat die Finanzkrise der Schuldenpolitik Grenzen gesetzt Also Eurobonds Solidarität Zur Begründung der Eurobonds unter verschiedener Etikettierung hört man neben vielfältigen finanzpolitischen Argumenten die hier nicht erörtert werden können die aber alle auf eine Haftung der soliden Länder wie Deutschland hinauslaufen am meisten das Schlagwort Solidarität Die Geberländer die Deutschen Niederländer und Finnen sollen sich endlich solidarisch zeigen und z B dafür sorgen dass die Südländer nicht höhere Zinsen für ihre Schulden zahlen müssen wie die im Norden Solidarität ist in der Tat ein gewichtiges Argument nur sollte man es vielleicht weniger häufig im Munde führen wie unsere italienischen Freunde Sie haben es Deutschland gegenüber in der Geschichte bis in die jüngste Zeit fast immer an Solidarität fehlen lassen und sind uns bei passender oder unpassender Gelegenheit stets in die Hacken getreten oder in den Rücken gefallen Man denke nur an die italienischen Manöver beim deutschen Vorstoß für einen Ständigen Sitz im Sicherheitsrat In Sachen Solidarität hätten die Spanier und wohl auch die Portugiesen weit bessere Karten als Italien Pfänder Leichter wäre die Haftung wenn Deutschland wie Finnland Pfänder fordern würde Das Institut der Verpfändung macht den Schuldnern klar um was es geht Wie wäre es etwa mit Südtirol als Pfand das dann nach der als absolut sicher zugesagten Rückzahlung der Schuld ausgelöst und wieder voll an Italien zurückfallen würde denn niemand zweifelt an dem Willen und der Fähigkeit Italiens seine Schuld zu begleichen Deutschland könnte etwa gemeinsam mit Österreich eine Lösung finden Man könnte auch an Triest denken das sich Italien nach dem Zweiten Weltkrieg in einer Art Raubzug gesichert hat Das sind natürlich nur Gedankenspiele aber man muss den Partnern klar machen um was es geht wenn mit großer Geste nach unserer Geldbörse gegriffen wird In der 1970er Jahren war übrigens der damalige Bundesfinanzmister Hans Matthöfer SPD nicht zimperlich als es darum ging einen italienischen Kredit durch Pfänder abzusichern Italien ist danach nie mehr auf die Idee gekommen Deutschland um solche Kredite anzugehen Aber vielleicht klappt es ja über die Eurobonds Solidarität und die viel beschworene europäische Schicksalsgemeinschaft sind hehre Prinzipien und Ziele denen man nicht widersprechen will Sie müssen aber konkret und fair ausgehandelt und ausgefüllt werden Daran hapert es Die Finanzierung des europäischen Mezzogiorno In Wahrheit geht es in der gegenwärtigen Krise noch um etwas ganz anderes Die sich zuspitzende Krise soll nach den Plänen kluger und gewiefter Südeuropäer genutzt werden um die Lasten der Subventionierung des Südens dauerhaft auf die Länder im Norden besonders Deutschland abzudrücken Italien weiss wovon die Rede ist Seit der Gründung des italienischen Nationalstaats vor rund 150 Jahren füttert Norditalien den Süden den sog Mezzogiorno durch ohne Erfolg wie man weiß Periodisch flammen in Italien Diskussionen auf die Subventionen für den Mezzogiorno endlich als nutzlos zu streichen In Norditalien gab und gibt es deswegen Sezessionsbestrebungen Noch besser wäre wenn künftig andere die Bürde Mezzogiorno übernehmen in erweiterter Form und für sehr lange Zeit Darauf läuft es hinaus das ist die Reform die den Südländern vorschwebt Solidarität Wachstum Schicksalsbeschwörungen oder ähnliches sind nur schmückendes Beiwerk hinter dem sich langfristige massive Interessen verbergen die man nun im Schatten der Schuldenkrise durchzusetzen hofft Kommissionspräsident Barroso spielt dieses Spiel besonders gekonnt Es wird versucht Deutschland die Niederlande die Finnen usw dermaßen unter Druck zu setzen dass sie letztlich nachgeben und der Transferunion mit welchen Finanzinstrumenten auch immer zustimmen Der Euro wäre damit noch nicht gerettet denn seine Rettung hängt entscheidend von glaubwürdigen Reformen in den einzelnen Schuldenländern ab Die angelsächsische Finanzindustrie Unterstützung erfahren die europäischen Südländer von der angelsächsisch dominierten Finanzindustrie Diese liebt bekanntlich den Euro nicht denn er beschneidet die äußerst lukrative zwischen der Wall Street und der City von London geteilte Rolle des Dollar als Weltleitwährung Die Einführung des Euro haben sie mit überwiegend ablehnender Skepsis verfolgt die gegenwärtige Krise wird fast täglich mit apokalyptischen Prophezeiungen des baldigen und unausweichlichen Euro Zusammenbruchs kommentiert Aber Wall Street und City haben ein Interesse an der Verzögerung und Verschleppung der Krise bis die Risiken auf die Staaten und die Steuerzahler abgewälzt sind In der Zwischenzeit sollen potentielle Garantiegeber des Euro zur Kasse gebeten werden bis auch dort nichts mehr zu holen ist Im Blick haben sie Deutschland von dem sie hoffen dass es die Haftung für die Anleihen der europäischen Wackelkandidaten übernimmt und dann auch zahlt bis auch dieses Fass leer ist oder auch diese Wiese abgegrast Natürlich wäre der kurzfristige und unkontrollierte Zusammenbruch des Eurosystems auch für die angelsächsische Finanzwelt ein unkalkulierbares Risiko mit möglicherweise katastrophalen Folgen deshalb der Aufschub Was danach kommt ist bei der kurzfristigen Denkweise der Banker in London oder New York gleichgültig Hauptsache sie haben ihren Profit gemacht Wenn der Euro dabei auf der Strecke bleibt weil Deutschland ihn auch nicht mehr stützen kann umso besser ein Konkurrent weniger Nicht von Ungefähr kommt der Verdacht dass die US Ratingagenturen auf dieses Ziel hinarbeiten Wie sich Deutschland bei einem Euro Zusammenbruch aus der Verstrickung der übernommenen Haftungen befreien könnte ist nicht Sache der angelsächsischen Finanzindustrie Die daraus folgende Schwäche Deutschlands wäre zumindest für einen Teil der englischen politischen Klasse ein willkommener Nebeneffekt Um Verschwörungstheorien vorzubeugen Die Wall Street und die City von London handeln rational im Sinne ihrer Interessen Es bildet sich trotz unterschiedlicher Interessen der einzelnen Marktteilnehmer eine Art Konsens in der angelsächsischen Finanzindustrie heraus der bisher in der Welt Leitfunktion hat Die Interessen sind allerdings kurzfristig ein Verantwortungsbewusstsein auf längere Sicht gibt es nicht jeder schaut auf seinen kurzfristigen Profit Wohin das führt hat die Welt in der Finanzkrise von 2007 ff erfahren müssen desgleichen in der Weltwirtschaftskrise von 1929 ff Was soll man davon halten wenn die Folgen des Platzens einer Finanzblase mit dem Aufblasen einer noch größeren Finanzblase bekämpft werden soll Sehr vertrauenserweckend ist das nicht auch wenn mit großem medialen und wissenschaftlichem Aufwand die jeweiligen interessengeleiteten Rezepte oder Problemlösungen in der Welt orchestriert und bisher durchgesetzt werden Allmählich gewinnt man den Eindruck dass den Deutschen für den Fall eines Zusammenbruchs der Eurozone zumindest publizistisch die Schuld der Schwarze Peter zugeschoben werden soll Sollte Deutschland deshalb nicht vorsorglich die Goldbestände der Bundesbank die in New York und London gelagert sind nach Deutschland zurückholen Wer weiß auf was findige Hedgefonds oder andere Interessengruppen alles kommen Mit Schadensersatzklagen sind sie bekanntlich schnell bei der Hand Sind wir sicher dass die deutschen Goldbestände bis zur Klärung der Rechtsfragen nicht in den USA oder Großbritannien sequestriert werden Auch vor angelsächsischen Gerichten gilt der Satz Vor Gericht und auf hoher See sind wir in Gottes Hand Europäische Zentralbank EZB Das 1 Hilfspaket für Griechenland und die EZB Beschlüsse vom 9 Mai 2010 waren bereits ein massiver Bruch des Maastricht Vertrages von 1992 da die No Bailout Klausel 125 außer Kraft gesetzt wurde Die Verträge waren das Papier nicht wert auf dem sie geschrieben waren Welche Gründe haben die Bundesregierung bewogen diesem Bruch zuzustimmen Das ist nicht ganz klar Einige Begleitumstände sind zumindest auffällig Bundesfinanzminister Schäuble wurde auf dem Weg zur entscheidenden Sitzung in Brüssel krank und musste kurzfristig das Krankenhaus aufsuchen wofür ihm kein Vorwurf gemacht werden kann Kanzlerin Merkel flog derweil nach Moskau um sich bei den Feierlichkeiten des Jahrestags der deutschen Kapitulation 8 9 Mai 1945 für die Befreiung zu bedanken Frankreichs Präsident Sarkozy und Italiens Ministerpräsident Berlusconi sagten dagegen die geplante Reise nach Moskau ab und eilten nach Brüssel wo sich Sarkozy nach allgemeiner Wahrnehmung den damaligen französischen Präsidenten der EZB Claude Trichet kräftig zur Brust nahm Die Ergebnisse dieses Wochenendes sind bekannt sie bestehen u a in einer schweren Verletzung deutscher Interessen Die EZB begann eine neue Politik u a mit dem Ankauf von Staatsanleihen europäischer Krisenstaaten Die Bundesregierung hat den schleichenden Mandatswechsel als alternativlos dargestellt Axel Weber der deutsche Vertreter in der EZB nahm daraufhin sofort seinen Abschied Jürgen Stark folgte ihm später nach Seither muss Deutschland in Form von Krediten Garantien Target 2 Forderungen an die EZB immer höhere Risiken eingehen Denn bei dem einmaligen Vertragsbruch blieb es natürlich nicht Rettungspakete wie der EFSF und nun der ESM Europäischer Stabilitätsmechanismus wurden geschnürt um der Schuldenkrise Herr zu werden Ein Ende ist nicht abzusehen Man wird den Eindruck nicht los dass Deutschland an jenem Wochenende im Mai 2010 massiv über den Tisch gezogen wurde Die Machtverhältnisse in der EZB haben sich seit Mai 2010 radikal verändert Statt dem deutschen Kandidaten Axel Weber wurde der Italiener Mario Draghi Chef der EZB Der Einfluss der Bundesbank ist erheblich geschrumpft die Nehmerländer geben im EZB Rat den Ton an Jens Weidmann der deutsche Vertreter ist isoliert Frankreich und die Nehmerländer wollen aus der EZB endgültig eine Institution machen die der Politik anders als die unabhängige Bundesbank untergeordnet ist Das muss wissen wer für Deutschland über Personalien und Befugnisse der EZB verhandelt Der Umgang von Kanzlerin Merkel mit Axel Weber lässt allerdings wenig Gutes ahnen Es gibt massive Bestrebungen den Einfluss der Bundesbank auf die EZB gänzlich auszuschalten Die Bundesbank ist in Frankreich lange als ein Instrument der Bevormundung der eigenen Wirtschafts und Finanzpolitik wahrgenommen worden Mitterrand hat nicht ohne Grund die Einführung des Euro zur Voraussetzung der Wiedervereinigung gemacht Der deutsche Einfluss sollte positiv formuliert über den Euro eingebunden und negativ formuliert ausgeschaltet werden Die institutionelle und personelle Umgestaltung der EZB soll dieses Ziel vollenden Nostalgie bringt nichts die Entscheidung ist Anfang Mai 2010 gefallen Die Bundesbank hat ihre gute Zeit gehabt und heute stellen sich andere neue Probleme In den USA und in Großbritannien sind die Notenbanken auch nicht völlig von der Politik unabhängig Voraussetzung einer Änderung der Statuten der EZB wäre allerdings die angemessene Wahrung deutscher Interessen Die wäre bei den heutigen Machtverhältnissen in der EZB und der Fortsetzung ihrer Politik nicht gegeben Angesagt ist ein erbitterter Kampf um jeden Millimeter Einfluss Wer glaubt Deutschland dürfte die Wahrung seiner Interessen dieser jetzigen EZB vertrauensvoll in die Hände legen irrt gewaltig Heraus käme letztlich die unbegrenzte Haftung Deutschlands für die Schulden Dritter und deren unverantwortliche Schuldenpolitik auf die wir keinerlei Einfluss haben Wie das gespielt wird sieht man z B am Gebrauch der deutschen Sprache in den EU Institutionen Obwohl die deutsche Sprachgruppe in der EU bei weitem die größste ist und verschiedene Bundesregierungen immer wieder versucht haben die Lage zu verbessern fristet das Deutsche in den EU Institutionen ein Kümmerdasein und wird konsequent ausgebremst Ähnliches gilt für den Anteil deutscher Diplomaten am neuen Europäischen Auswärtigen Dienst wo Deutschland als größter EU Mitgliedstaat nur zwei Drittel der französischen Diplomaten stellt und noch hinter Italien und Spanien auf dem vierten Platz rangiert Die Beispiele ließen sich vermehren Die Ankündigung von EZB Chef Mario Draghi von Anfang August 2012 unbegrenzt Staatsanleihen aufzukaufen und der EZB damit unbegrenzte Feuerkraft zu verleihen wirft ein Schlaglicht auf die Zukunft Die Bundesbank hat auf die Gefahren einer Inflation und die Nähe zur verbotenen Staatsfinanzierung hingewiesen vergeblich Die kreative Geldpolitik hat in der EZB Einzug gehalten Draghi war bekanntlich mehrere Jahre ein Mann von Goldman Sachs der Investmentbank die Griechenland geholfen hat mit gefälschten Zahlen in die Eurozone aufgenommen zu werden und das herannahende Desaster jahrelang zu verschleiern Goldman Sachs war die Bank die zumindest bis zur Finanzkrise besonders erfolgreich mit windigen Finanzprodukten gehandelt hat sie verkaufte sie gutgläubigen Kunden und wettete gleichzeitig dagegen Kein Wunder dass die Personalie Draghi viele Leute nervös macht Europäischer Stabilitätsmechanismus ESM Eine Überrumpelung Deutschlands wie im Mai 2010 darf es nicht mehr geben Ansonsten dürfte sich ein anschwellender und breiter deutscher Meinungsstrom aus Ressentiments durch die künftige Europadiskussion ziehen Das gilt vor allem für Entscheidungen die unmittelbar finanzielle Interessen betreffen Ein Beispiel für den kompletten Mangel an Beteiligung der BürgerInnen ist der ESM der Europäische Stabilitätsmechanismus der weitestgehende Befugnisse auf die europäische Ebene verlagert Die deutsche Öffentlichkeit war auch nicht annähernd aufgeklärt Selbst dem Bundestag wurde eine angemessene Information vorenthalten Das Bundesverfassungsgericht BVerfG hat am 19 Juni 2012 einer Klage von Abgeordneten stattgegeben die gegen die unzureichende Informationspolitik der Bundesregierung geklagt haben Die Diskussion um den sogenannten Fiskalpakt ist eher ein Nebengleis Gegenüber den EU Verträgen enthält der Fiskalpakt nichts wesentlich Neues und viele Fachleute halten ihn für entbehrlich Die einschneidenden umstürzenden Entscheidungen stehen im ESM Dass sich die deutsche Diskussion auf den Fiskalpakt verschoben hat geht auf den wahrscheinlich bewusst von der Bundesregierung herbeigeführten Mangel an Informationen zum ESM zurück Die deutsche Öffentlichkeit und auch der Bundestag können nicht diskutieren was sie nicht kennen und auch nicht kennen sollen Eine Volksabstimmung wäre bei der enormen Tragweite des ESM der geeignete und richtige Entscheidungsweg gewesen Das Grundgesetz wird durch den ESM so tief und weitgehend transformiert dass ein Volksentscheid eigentlich unabweisbar gewesen wäre Auch Bundesfinanzminister Schäuble hat angesichts der Tragweite der anstehenden Entscheidungen im Sommer 2012 die Idee einer Volksabstimmung ins Spiel gebracht Nun hat das Bundesverfassungsgericht hat mit seinem Urteil zum ESM vom 12 September 2012 einige für Deutschland verbindliche Interpretationen und Klarstellungen gemacht Das ist gut aber es muss abgewartet werden ob diese hinreichend sind um die die deutschen Interessen wirksam zu schützen Die Suche nach einem neuen Gleichgewicht zwischen den Partnern der Eurozone steht auf der Tagesordnung Das ganze System muss neu austariert werden Die Regierungen die Notenbanker die Wirtschaftseliten und Spitzenpolitiker neigen dazu die Entscheidungen unter sich auszuhandeln Die politische Klasse Deutschlands steht hinter den auf diese Weise ausgehandelten Entscheidungen und akzeptiert bisher überwiegend das Ergebnis der Euro Gipfel und anderer Entscheidungsgremien als alternativlos Das kann so nicht bleiben wenn das geeinte Europa ein erfolgreiches Projekt bleiben soll Die BürgerInnen müssen beteiligt und das demokratische Defizit überwunden werden Frankreich In Frankreich bei unserem wichtigsten europäischen Partner ist die Lage eine andere Dort gibt es Volksabstimmungen zu europapolitischen Fragen Der erste Lissabon Vertrag oder EU Verfassungsvertrag wurde 2005 vom Volk abgelehnt Die Sozialistische Partei Frankreichs die heute den Präsidenten und die Mehrheit im Parlament stellt war seinerzeit gespalten Der heutige Außenminister Laurent Fabius war 2005 z B ein Befürworter des Nein Die Bereitschaft der Franzosen weitere Souveränitätsrechte an EU abzugeben scheint seither eher noch gesunken zu sein wenn man die Ergebnisse der letzten Wahlen analysiert Das auch in Frankreich so empfundene Gewürge um die

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  • Kontinuitaet deutscher außenpolitischer Interessen im 20. Jahrhundert?
    Lage ohne größere Konflikte und Kriege durch die Krise zu steuern Nach dem Abgang von Bismarck gab es diese Staatsmänner nicht nicht in Deutschland nicht in Paris nicht in London und auch nicht in St Petersburg Großbritannien Frankreich und Russland hielten an ihren außenpolitischen Interessen fest dank denen sie ihre Machstellung erobert und über die Jahrhunderte befestigt hatten Warum sollten sie ändern was sich so lange für sie bewährt hatte Die Meinung herrschte vor auch die neuen Interessenkonflikte wie bisher unter Einsatz militärischer Mittel ausfechten zu können Niemand hatte in den Hauptstädten einen auch nur annähernd realistischen Begriff davon in welche Katastrophe ein allgemeiner bewaffneter Konflikt Europa stürzen könnte Nur so ist die europäische Hochrüstung mit ihren Plänen zur Mobilmachung vor 1914 zu verstehen Es war ein verhängnisvoller Irrtum wie man heute weiß Das Deutsche Reich fühlte sich durch die anderen europäischen Mächte die eine tendenzielle Hegemonie nicht hinnehmen wollten eingekreist Zu Recht oder zu Unrecht ist nicht so bedeutsam Was zählt ist Wahrnehmung und die war nicht nur falsch Alle europäischen Großmächte fühlten sich vor 1914 in ihren Interessen herausgefordert und bedroht Der Krieg brach 1914 aus Über die politische Verantwortung kann man streiten Aber das löst das Problem nicht Es waren die außenpolitischen Interessenkonflikte die mit diplomatisch politischen Mitteln von den zeitgenössischen Staatsmännern nicht mehr beherrscht wurden Jeder fühlte sich im Recht Natürlich auch das Deutsche Reich Der Erste Weltkrieg wurde zur Urkatastrophe des 20 Jahrhunderts Der Krieg dauerte mehr als vier Jahre Millionen starben auf den Schlachtfeldern Deutschland verlor schließlich den Krieg Schlimmer war dass die deutsche Gesellschaft nach dem Krieg nicht mehr dieselbe war wie zuvor sie war in ihren Grundfesten erschüttert und zutiefst verunsichert Der Versailler Vertrag brachte zudem keinen Frieden er löste die grundlegenden Probleme nicht Deutschland begehrte dagegen auf und glaubte mit militärischen Mitteln das Blatt doch noch einmal wenden zu können Im Zweiten Weltkrieg zerbrachen diese Ambitionen Deutschland wurde besiegt es war die totale Niederlage Das Land wurde besetzt in Besatzungszonen aufgeteilt um ein Viertel bis ein Drittel seines Territoriums amputiert Deutschland war nach 1945 nur noch ein vager unbestimmter geographischer Begriff kein politischer Begriff mehr Nur unter Bevormundung ausländischer Mächte konnten sich die Deutschen nach der totalen Niederlage 1945 ab 1948 1949 in Teilstaaten organisieren Betrachtet man die Ergebnisse der zwei Weltkriege für Deutschland fällt es nicht schwer zu erkennen dass sie in etwa der Lage vor der Reichsgründung 1870 1871 entsprachen Es gab wieder zwei Staaten in Deutschland die Bundesrepublik und die DDR die miteinander rivalisierten wie einst Preußen und Österreich Im Westen war mit der Bundesrepublik eine Art Rheinbund Staat wie unter Napoleon I entstanden in dem die Alliierten vor allem Frankreich darüber wachten dass er nicht zentralistisch regiert sondern so weit wie irgend möglich föderal aufgebaut war Russland hatte seinen Einflussbereich wieder nach Mitteleuropa ausgedehnt und mit der DDR eine Art neues Preußen geschaffen das die Anlehnung an Moskau nicht nur suchte sondern existentiell benötigte wie einst das Preußen der napoleonischen Zeit Großbritannien hatte den Rivalen der in eine tendenziell hegemoniale Stellung in Europa hinein zu wachsen drohte ausgeschaltet Insofern kann man die zwei Weltkriege als Kriege zur Wiederherstellung des Status quo ante begreifen die die deutsche Reichsgründung revidierten Die Interessen der europäischen Großmächte Großbritannien Frankreich und Russland hatten sich freilich unter immensen Opfern wieder durchgesetzt Alle hätten zufrieden sein können außer den Deutschen selbst die ihren Nationalstaat verloren hatten dem sie aber im Lauf der Jahre immer weniger nach zu trauern schienen Die deutschen Interessen in der europäischen Machtbalance Wie hätte bei der Ausgangslage 1870 1871 deutsche Außenpolitik angelegt werden können damit der neue Staat sicher durch die Fährnisse der in Jahrhunderten gewachsenen Interessen der mächtigen Nachbarn hätte gesteuert werden können Bismarck dem die Probleme durchaus bewusst waren hat sie auf seine Weise durch ein kompliziertes Bündnissystem zu lösen versucht Seine Nachfolger waren weniger problembewusst und vertrauten mit zeitlichem Abstand zur Reichsgründung offenbar auf die Kraft des Faktischen Das Deutsche Reich war eine Tatsache es existierte es würde sich schon behaupten notfalls mit militärischen Mitteln Den zeitlichen Rückstand zu den anderen Mächten bei der Aufteilung der Welt suchte man aufzuholen Den eigenen Platz an der Sonne wurde man schon erringen wenn man die eigenen Ansprüche nur nachdrücklich genug vertreten würde Der Aufbau der Kriegsmarine diente diesem Zweck Hinzu kam eine optimistische Grundstimmung eine innere Selbstgewissheit die mit der dynamischen wirtschaftlichen und demographischen Entwicklung einherging Wohl bemerkte die deutsche Regierung dass Deutschland zunehmend diplomatisch isoliert war Man fühlte sich eingekreist fand jedoch keinen Weg aus der Isolierung Angesichts der Interessenlage der mächtigen Nachbarn war das auch schwer erreichbar Frankreich hatte sich mit dem Verlust des Status als stärkste Kontinentalmacht und Elsass Lothringens nicht abgefunden und setzte u a mit der Finanzierung grenznaher strategischer Eisenbahnen im Westen des Russischen Reiches fest auf diesen Bündnispartner Russland konnte seine Interessen im Balkan nicht durchsetzen da sie mit Interessen von Österreich Ungarn kollidierten Die Habsburger Monarchie in Wien zog das Deutsche Reich immer tiefer in den Balkanprobleme hinein die mit der Erosion des Osmanischen Reiches einhergingen Berlin konnte und wollte diesen letzten europäischen Bundesgenossen nicht verlieren und unterstützte ihn nolens volens Der wachsende russische Groll traf dann allerdings Berlin direkt Großbritannien betrachtete das Deutsche Reich das im Begriff stand das Kräftegleichgewicht in Europa zu gefährden und schon aufgrund ökonomischer und demographischer Gegebenheiten in eine tendenziell hegemoniale Stellung hinein wuchs mit wachsendem Misstrauen Allein durch seine schiere Existenz und seine dynamische demographische und wirtschaftliche Entwicklung wurde das Deutsche Reich für die anderen europäischen Großmächte zu einem provozierenden Störfaktor Auch wenn die deutsche Politik völlig immobil und passiv gewesen wäre hätte es seltener und überragender diplomatischer Fähigkeiten bedurft um das wachsende Unbehagen der Nachbarn zu verhindern oder auszugleichen Die deutsche Politik verharrte allerdings nicht in Passivität Die Aufrüstung der Kriegsmarine wurde forciert und in London natürlich als Herausforderung wahrgenommen Auch suchte das Deutsche Reich just in den Weltregionen Einfluss zu gewinnen die noch als leere Flecken erschienen aber nur deshalb weil sie zwischen Großbritannien und Russland strittig geblieben und deshalb nicht aufgeteilt worden waren Das betraf mit dem Osmanischen Reich den Bosporus Vorderasien und das Zweistromland heutiger Irak sinnfällig geworden durch den Bau der Bagdad Bahn aber ebenso Afghanistan Russland und vor allem Großbritannien empfanden das als offene Provokation Die deutsche Politik verhedderte sich in ihrer Aufholjagd um Macht und Einfluss in der Welt im Gestrüpp der Interessen der anderen europäischen Großmächte Ein Ausgleich mit Großbritannien über die Flottenrüstung der in Reichweite schien wurde in den Wind geschlagen Auch ungeschickte Äußerungen des deutschen Kaisers Wilhelm II waren wenig hilfreich wobei letzteres nicht überbewertet werden sollte Verbale Kraftsprüche gehörten in jener Zeit des europäischen Imperialismus ganz generell zum Repertoire der Politiker und Staatsmänner Mit anderen Worten das Deutsche Reich besaß kein durchdachtes und erprobtes diplomatisches Gerüst keine außenpolitischen Leitlinien mit deren Hilfe es wie Großbritannien Frankreich oder Russland einen Weg durch die Fährnisse der kollidierenden Interessen in Europa hätte finden können Preußen aus dem die Diplomatie des Deutschen Reiches hervorging war bis 1870 in Europa zwar nominell Großmacht war jedoch im Vergleich zu Großbritannien Frankreich Russland und wohl auch Österreich Ungarn von geringerem Gewicht Viel Erfahrung im Umgang mit den Interessen anderer Großmächte gab es in Berlin nicht Preußen hatte sich seit Napoleon I diplomatisch ganz im Fahrwasser Russlands bewegt Es hatte nicht gelernt mit der Macht behutsam umzugehen weil es das nicht brauchte Preußen Deutschland hätte diese Erfahrung dann allerdings dringend benötigt denn der Machtzuwachs Berlins war nach 1870 1871 enorm Berlins Diplomatie entwickelte bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs kein Konzept wie es die eigenen und die Interessen der anderen Großmächte dauerhaft zu einem Ausgleich bringen konnte Berlin lernte nicht die Interessen der anderen Beteiligten bei der Entwicklung der eigenen Politik mitzudenken und zu berücksichtigen Letztlich verließ man sich auf die Kraft der Waffen um den Knoten zu durchschlagen und deutsche Interessen durchzusetzen Mythisch überhöhtes Vorbild wurde das Preußen Friedrichs II der sich dank seiner Armee im Siebenjährigen Krieg 1756 1763 gegen eine Welt von Feinden gegen Frankreich Russland und Österreich drei europäische Großmächte gleichzeitig behauptet hatte Preußen hatte sich unter Friedrich II als neue Großmacht etabliert reichte in der Substanz aber nicht dauerhaft an die traditionellen Großmächte heran Denn auf militärische Stärke allein war kein Verlass wie sich wenige Jahrzehnte später in den napoleonischen Kriegen zeigte Preußens neue Stellung war trotz der Siege Friedrichs II prekär geblieben Nur knapp und mithilfe russischer Unterstützung hatte Preußen 1806 die Niederlage überlebt Dass der militärisch begründete Aufstieg Preußens vom Großen Kurfürsten über Friedrich II bis zu Bismarck einmal abbrechen und ein Ende haben könnte war nicht Bestandteil des preußisch deutschen Mythos Der Mythos versperrte den Zugang zur Realität Erster Weltkrieg Die Schuldfrage am Ersten Weltkrieg ist Gegenstand einer ausufernden politisch wissenschaftlichen Literatur und soll hier nicht erörtert werden Hier interessiert die deutsche Reaktion auf den Ausbruch des Krieges Es fehlte die konzeptionelle Klarheit Sie zeigte sich ganz überwiegend in einer man kann es nicht anders sagen unbekümmerten weil realitätsfremden Kriegszieldiskussion Ohne im Einzelnen darauf einzugehen kann man doch zusammenfassen dass den meisten Diskussionsbeiträgen die Durchsetzung einer deutschen Hegemonie in Europa vorschwebte In der Euphorie des Kriegsbeginns forderten die Kriegszielplaner u a im Westen die Annexion Belgiens eines Teils der französischen Nordseeküste des Erzbeckens von Lothringen und im Osten die Annexion Kurlands Teilen Polens etc Der Phantasie schienen keine Grenzen gesetzt Von einer klugen abwägenden langfristig denkenden und planenden Außenpolitik kann in diesem Zusammenhang keine Rede sein Das galt umso mehr als die deutschen Waffen noch keineswegs gesiegt hatten der Sieg vielmehr auf sich warten ließ Es kennzeichnet den Mangel an diplomatischer Erfahrung dass solche Gedankenspiele die zum Teil in aller Öffentlichkeit ausgetragen wurden überhaupt ins Kraut schießen konnten Die Diskussion zeugt von der vorherrschenden Unsicherheit hinsichtlich der vitalen Interessen Deutschlands Die deutsche Politik war auf den Kriegsausbruch gedanklich überhaupt nicht vorbereitet Man wusste nicht was man wollte Wenn es ein Verteidigungskrieg war durfte es keine praktisch unkontrollierte Kriegszieldiskussion geben war es ein Krieg zur Etablierung einer deutschen Hegemonie dann hätte es vor dem Krieg unbedingt Klarheit über die Kriegsziele geben müssen Ein Krieg wurde geführt ja wofür Es war eine unglaubliche Gedankenlosigkeit mit der das Deutsche Reich in den Krieg eintrat Sie spricht allerdings auch gegen eine deutsche Kriegsschuld es sei denn im Rahmen von Fahrlässigkeit Die Auseinandersetzung um einen Ausgleich zwischen berechtigten existentiellen deutschen und den Interessen der anderen europäischen Großmächte war in Deutschland ausgeblieben Für die deutschen Kriegsgegner Großbritannien Frankreich und Russland war die Lage bei Kriegsausbruch hingegen klar Ihr überkommenes und in Jahrhunderten erprobtes außenpolitisches Ordnungssystem gab die Leitlinien vor es bedurfte keiner langen Diskussion Sie lassen sich wie folgt zusammenfassen Punkt eins Das Deutsche Reich durfte keinesfalls eine faktische Hegemonie in Kontinentaleuropa erringen Punkt zwei es musste so weit geschwächt werden dass auch eine tendenzielle kontinentaleuropäische Hegemonie Deutschlands auf Dauer ausgeschlossen blieb Punkt drei vielleicht ergab sich sogar die Möglichkeit das Deutsche Reich das noch nicht einmal ein halbes Jahrhundert existierte als Störfaktor ganz auszuschalten und wieder zu zerschlagen Eine Kriegszieldiskussion war folgerichtig nicht nötig und fand auch nur marginal statt In Deutschland wurde nicht gesehen wie kritisch die Lage 1914 für das Deutsche Reich war Vor allem die Rolle Londons wurde im anstehenden Konflikt völlig falsch eingeschätzt Dass England der Hauptgegner war und für deutsche Waffen unangreifbar auf den britischen Inseln selbst nach der Niederlage kontinentaleuropäischer Verbündeter weiterkämpfen würde wurde in seinen Konsequenzen nicht gesehen Einer fiel in Deutschland 1914 aus dem Rahmen Walther Rathenau 1867 1922 der Aufsichtsratvorsitzende der AEG eines der größten und wichtigsten deutschen Industrieunternehmen Als Außenminister der Weimarer Republik sollte er einige Jahre später am 24 Juni 1922 einem rechtsradikalen Attentat zum Opfer fallen Während die überwältigende Mehrheit der deutschen Zeitgenossen auch in den führenden politischen Kreisen den Krieg als erlösendes Ereignis begrüßten sah Rathenau in dem Krieg nüchtern ein Verhängnis Er hielt den Krieg von Anfang an für eine aus falscher Einschätzung der Gesamtlage mit unzureichenden Gründen und letztlich unbedeutendem Anlass herbeigeführte Katastrophe Gegenüber dem linksliberalen Reichstagsabgeordneten Conrad Haußmann sagte er im Herbst 1914 Wissen Sie Herr Haußmann warum wir diesen Krieg führen Ich weiß es nicht sagen Sie es mir Was soll dabei herauskommen Conrad Haußmann Schlaglichter 13 zit nach Lothar Gall Walther Rathenau Porträt einer Epoche Beck München 2009 184 Da das Unglück nun mal eingetreten war verweigerte Rathenau sich nicht und stellte seine organisatorischen Fähigkeiten und exzellenten Beziehungen in der Wirtschaft dem Kriegsministerium als Leiter der Kriegsrohstoffabteilung zur Verfügung Diese kriegswichtige wenn nicht kriegsentscheidende Abteilung war auf seinen Vorschlag hin eingerichtet worden Rathenau wurde damit de facto zum Organisator der deutschen Kriegswirtschaft Gleichzeitig suchte er dem Krieg aus den deutschen Interessen heraus einen Sinn zu geben den er in der deutschen Selbstbehauptung und einer kompletten Umgestaltung der Verhältnisse in Europa sah Die von Rathenau vorgeschlagene Umgestaltung war für seine Zeit geradezu revolutionär Wo andere nach Kriegsbeginn eine faktische deutsche Hegemonie mit der Kraft der Waffen herstellen wollten und für weit reichende Annexionen eintraten schlug Rathenau in seinen Beiträgen zur Kriegszieldiskussion eine Zollunion mit Österreich Ungarn sowie einen baldigen Friedensschluss und eine Zollunion mit Frankreich und Belgien vor Also keine Annexionen sondern Ausgleich der Interessen auf wirtschaftlicher Grundlage Er machte diesen Vorschlag auf dem Höhepunkt der deutschen Siegeszuversicht die Marneschlacht war noch nicht geschlagen und verloren Frankreich sollte ein Frieden gewährt werden der ein späteres Bündnis nicht nur nicht ausschloss sondern ihm den Boden bereitete Vorbild war der Friede den Bismarck 1866 mit Österreich geschlossen hatte Für Rathenau kam es darauf an Kontinentaleuropa neu zu ordnen Die Gründung einer Wirtschaftsgemeinschaft mit Frankreich und Belgien würde Grenzstreitigkeiten relativieren und einen dauerhaften Frieden gewährleisten Die Verfolgung gemeinschaftlicher wirtschaftlicher Interessen und Ziele wäre die Voraussetzung für eine Neugestaltung Europas Die politische Klarsicht Rathenaus war bemerkenswert Bei Kriegsausbruch gab es keine vitalen deutschen Interessen die so bedroht waren dass sie einen Kriegseintritt gerechtfertigt hätten Im Balkan hatte Deutschland diese Interessen nicht Außer durch einen generellen Krieg war das Deutsche Reich auch 40 Jahre nach der Gründung in seiner Existenz nicht bedroht Die dynamische demographische und wirtschaftliche Entwicklung bestätigte und bekräftigte seinen Bestand Das Streben nach faktischer Hegemonie war mehr als riskant und würde in einen allgemeinen Krieg mit unabsehbaren Folgen münden wie es dann auch geschah Rathenau ging davon aus dass England auch nach der Niederlage Frankreichs weiter kämpfen werde vgl Gall 185 Anm 21 Eine Einschätzung die richtiger nicht sein konnte wie wir heute im Rückblick auch auf das Jahr 1940 und den Zweiten Weltkrieg wissen Rathenau hat ebenfalls realistisch eingeschätzt wie ein Ausgleich mit Frankreich unter Einschluss Belgiens auf wirtschaftlicher Basis zustande kommen könnte Er hat gedanklich die kleine EWG von 1957 die Vorläuferin der Europäischen Union vorweg genommen Er hat das Interessengeflecht durchdacht das dem neu gegründeten deutschen Nationalstaat eine sichere Existenz und Entfaltungsmöglichkeiten geben konnte Seine Vorschläge wurden von der deutschen politischen Führung insbesondere Reichskanzler Bethmann Hollweg angehört aber verworfen Russland hatte in Rathenaus frühen Denkschriften von 1914 noch keine Rolle gespielt Die AEG hatte mit der Gründung einer Tochterfirma in Russland schon vor Kriegsbeginn bedeutende wirtschaftliche Interessen verfolgt 1915 trat Russland in den Vordergrund von Rathenaus Interesse Er wollte London und vor allem Paris als Finanzier und Kreditgeber Russlands ablösen und Russland ökonomisch fest in das deutsche Interessengebiet einbeziehen Rathenau Russland ist unser künftiges Absatzgebiet Boris Grekow Russland ist unser künftiges Absatzgebiet Walther Rathenau und Russland zwischen 1914 und 1922 in Walter Rathenau 1867 1922 Hg Hans Wilderotter Berlin 1994 204 Voraussetzung war eine Herauslösung des Zarenreiches aus der Kriegsallianz gegen Deutschland und eine Sprengung der Entente Dieser Frage war nach Rathenau alles übrige unterzuordnen was auch den Verzicht auf Annexionen beinhaltete In Brest Litowsk schlossen am 3 März 1918 das Deutsche Reich und Österreich Ungarn mit der jungen Sowjetmacht einen Separatfrieden Brest Litowsk sah u a die Herauslösung Finnlands Polens der Ukraine und Teile des Baltikums aus dem russischen Staatsverband vor Finnland und die Ukraine wurden unabhängig Auch Georgien erlebte im Zusammenhang mit einem Zusatzabkommen eine kurze Phase der Unabhängigkeit In Brest Litowsk hatten sich die deutsche Oberste Heeresleitung und die extremen Vertreter deutscher Kriesgziele durchgesetzt Unter Protest unterzeichneten die Bolschewiki den Vertrag weil sie andernfalls um den Bestand der jungen Sowjetrepublik fürchteten Eine Revision des Vertrages hielt Rathenau aus politischen Gründen für absolut notwendig ebd 206 Rathenaus Forderung nach einer Revision war mit keinerlei Sympathie für die russische Oktoberrevolution verknüpft wiederholt hatte er vor der Gefahr eine Bolschewisierung Deutschlands gewarnt Die deutsche Niederlage im Herbst 1918 ließ den Vertrag von Brest Litowsk Makulatur werden Im Februar 1920 kam Rathenau erneut auf seinen Plan einer engen politischen und wirtschaftlichen Verbindung zwischen Deutschland und Russland zurück und forderte mit einer Reihe von Vertretern der deutschen Industrie die Herstellung enger wirtschaftlicher Beziehungen zu Sowjetrussland ebd 207 Mit dem Vertrag von Rapallo vom 16 April 1922 den Rathenau als Außenminister unterzeichnete verfolgte er diese Linie weiter Während des Ersten Weltkriegs drang Rathenau mit seinen Vorstellungen nicht durch Die weitere Entwicklung ist bekannt Stichworte können genügen Deutschland verlor den Ersten Weltkrieg Im Versailler Vertrag von 1919 wurde Deutschland so geschwächt dass so die Absicht der Entente Mächte eine tendenzielle deutsche Hegemonie in Kontinentaleuropa auf überschaubare Zeit ausgeschlossen war Eine Zerschlagung des Deutschen Reiches war 1918 1919 unmöglich weil der russische Kriegsalliierte durch die Revolution ausgefallen war Die deutsche Politik begann schon in den zwanziger Jahren an der Revision von Versailles zu arbeiten Im Dritten Reich mündete diese Politik in den Zweiten Weltkrieg Deutschland wurde 1945 besiegt besetzt amputiert und in zwei Staaten und wenn man so will mit Österreich in drei Staaten zerschlagen Ausländische Truppen blieben bis in die neunziger Jahre in Deutschland stationiert im Westen Deutschlands bis heute Deutschland war nach 1945 wieder wie nach dem Westfälischen Frieden 1648 bis 1870 1871 potentielles Schlachtfeld In einem Ost West Konflikt wenn er denn ausbrach war Deutschland als Kriegstheater NATO Jargon vorgesehen Atomraketen der Sowjetunion der USA aber auch Frankreichs waren auf deutsches Territorium gerichtet Ein militärischer Konflikt sollte soweit möglich auf Deutschland und kleinere Nachbarländer eingegrenzt werden Der Streit um die Nachrüstung SS 20 Pershing II Anfang der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts drehte sich nicht zuletzt um diese Frage Diese drastische Darstellung ist notwendig

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  • Das Auswärtige Amt und die Vergangenheit
    milden Urteilen oder zur Straffreiheit verhalf im November 1948 zu sieben Jahren Haft verurteilt einen Monat vor Verabschiedung des Grundgesetzes Der Zeithistoriker Daniel Koerfer der die Ergebnisse der von Außenminister Fischer eingesetzten Historikerkommission äußerst kritisch sieht meint dass Weizsäcker in Nürnberg vermutlich hingerichtet worden wäre wenn damals Weizsäckers Abzeichnung der Einsatzgruppenberichte 1941 1942 bekannt gewesen wäre dass er also wusste dass hinter der Front Massenmord in großem Stil begangen wurde Interview Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 28 11 2010 Man mag von den Nürnberger Prozessen halten was man will und es gibt nicht wenige kritische Stimmen das Urteil gegen Weizsäcker steht im Raum Die AA Legenden vom apolitischen anständigen gesunden alten Amt das die Karrierediplomaten über die NS Zeit bewahrt und gerettet hätten werden von der Historikerkommission widerlegt Das Amt S 401 f 412 f Es erstaunt wie lange sich diese Legenden halten konnten 4 Richard von Weizsäcker und der 8 Mai Richard von Weizsäcker der Sohn des AA Staatssekretärs Ernst von Weizsäcker und spätere Bundespräsident 1984 1994 hatte am Wilhelmstraßenprozess als Mitglied der Verteidigung teilgenommen und zu diesem Zweck sein Studium unterbrochen Es fällt nicht schwer zu verstehen wie sehr ihn der Prozess und die Verurteilung seines Vaters mitgenommen haben muss Das Thema dürfte ihn auch in der Folgezeit beschäftigt und belastet haben Wie geht man damit um als Repräsentant eines Staates einer Gesellschaft einer Funktionselite als Bundespräsident in einer Rede zum 40 Jahrestag der Kapitulation Nimmt man die alte Argumentation von Nürnberg wieder auf knüpft an die alten Legenden an oder weicht man aus Das tut Weizsäcker nicht er machte einen wichtigen Schritt er nannte die Niederlage von 1945 eine Befreiung Es ist vor allem dieser Satz die Umdeutung der Niederlage in eine Befreiung der für seine Rede steht der von seiner Rede bleibt Die Überzeugungskraft Weizsäckers kam aus dem persönlichen Erleben Es war ein Befreiungsschlag So ist die Rede jedenfalls in Deutschland überwiegend aufgenommen worden Sie ist in der Folgezeit nahezu kanonisiert worden Umdeutungen oder Neubewertungen der Geschichte sind nichts Ungewöhnliches jede Generation schreibt ihre Geschichte neu Was vor einem halben Jahrhundert negativ bewertet wurde erstrahlt nunmehr in hellem Licht und umgekehrt Aber Vorsicht der allzu lockere Umgang mit der Geschichte birgt Gefahren hat Fallstricke und Abgründe Umdeutungen haben mitunter Konsequenzen sie haben ihren Preis Oder sie stoßen sich so hart an der historischen Realität dass es schmerzt Dann ist es zum Vorwurf der Geschichtsklitterung nicht mehr weit Zu bedenken ist auch welche Traditionen betont welche vernachlässigt werden Gefährlich ist das Entstehen von Legenden die einer nüchternen und realistischen Einsicht in die Vergangenheit im Wege stehen und Fehlentscheidungen für die Zukunft programmieren Als geradezu klassisches mahnendes Beispiel sei nur an die sog Dolchstoßlegende nach dem 1 Weltkrieg erinnert die die deutsche militärische Niederlage 1918 dem Versagen der Heimat zuschrieb und die bis zum Ende des 2 Weltkriegs einen verheerenden Einfluss hatte 40 Jahre nach Kriegsende gibt ein Bundespräsident den Siegern mit dem Satz von der Befreiung recht Das gibt es eher selten und ist in Washington Paris Moskau London und anderswo sicher gern gehört worden Natürlich war das Kriegsende für KZ Insassen Kriegsgefangene Verschleppte Verfolgte und andere betroffene Gruppen und Personen eine Befreiung Aber die überwältigende Zahl der Deutschen hat das Kriegsende keineswegs als Befreiung der Deutschen erlebt Die Sieger haben das auch gar nicht gewollt Sie standen Deutschen gegenüber die sogar nach Hitlers Tod bis zum bitteren Ende weiterkämpften die u a den Reichstag noch verteidigten als die Rote Armee dort schon die Siegesfahne gehisst hatte Auch die Millionen Flüchtlinge aus dem Osten haben die Vertreibung aus ihrer Heimat sicher nicht als Befreiung empfunden ebensowenig wie die Diplomaten die in Nürnberg vor Gericht standen und verurteilt wurden Weizsäcker selbst hatte im Krieg bis zu seiner Verwundung im April 1945 d h bis kurz vor der Kapitulation in der Wehrmacht mitgekämpft und sein Leben eingesetzt einer seiner Brüder war im Krieg gefallen Welches sind die die Motive und Gründe die zu dieser Umdeutung geführt haben Treibt die Unruhe die im Versagen des Vaters in der NS Zeit ihre Quelle hat den Sohn zu einer Aussage die fernab historischer Fakten liegt Leopold von Ranke wie es eigentlich war Haben sich Richard von Weizsäcker und mit ihm die Deutschen die seine Rede überwiegend zustimmend aufgenommen haben 40 Jahre nach Kriegsende Hegels berühmten freilich umstrittenen Satz zu eigen gemacht Was vernünftig ist das ist wirklich und was wirklich ist das ist vernünftig Grundlinien der Philosophie des Rechts Ist es die Suche nach Anerkennung und Rehabilitation nach einer Vergebung der Sünden die den Satz von der Befreiung hervorgebracht hat weil die deutschen Funktionseliten Hitler bis zum Ende dienten und darin versagten Deutschland aus eigener Kraft von Hitler zu befreien Wälzte Richard von Weizsäcker mit der Akzeptanz der Schuld eine Last ab von sich und als Bundespräsident von den Deutschen von denen viele insbesondere in den Funktionseliten ähnlich schwierige Biographien hatten oder aus dem Verwandten oder Bekanntenkreis kannten Ein ganzes Bündel von Motiven und Gründen kommen zusammen die die Wirkungsmächtigkeit der Rede erklären können Die Umdeutung der bedingungslosen Kaptitulation 1945 in eine Befreiung ist kein leeres Wort keine rhetorische Floskel sie hat Konsequenzen sie hat ihren Preis Wer den Sieg der Alliierten 40 Jahre später als Befreiung bezeichnet kann nicht davon abstrahieren und trennen was mit der Befreiung einherging und ihre Folgen waren Es gab nicht nur langfristig als solche empfundene Wohltaten sondern kurzfristig sehr schmerzhafte Maßnahmen der alliierten Sieger Im persönlichen Bereich des Bundespräsidenten ist es die Verurteilung des Vaters Ernst von Weizsäcker durch das Nürnberger Kriegsverbrechertribunal Ohne als Befreiung umgedeutete Niederlage hätte es keinen Prozess und keine Verurteilung des ehemaligen AA Staatssekretärs gegeben Im Hinblick auf das deutsche Volk ist es der Verlust der Ostgebiete mit jahrhundertelanger deutscher Besiedlung die ein Viertel bis ein Drittel des ehemaligen Staatsgebiets ausmachen In letzten Fall hat Weizsäcker die Konsequenz gezogen und ist einer der engagiertesten Vertreter des Verzichts geworden Noch heute gilt er z B den Polen deswegen als liebster deutscher Politiker von Rang Im Fall seines Vaters ist Weizsäcker die Akzeptanz der Verurteilung als Konsequenz der Befreiung bisher schuldig geblieben er will die Schuld seines Vaters nicht wahrhaben und stilisiert ihn noch heute zum Widerstandskämpfer Soviel zu einer problematischen Geschichtsumdeutung die Befreiung hat ihren Preis Er geht über die genannten Punkte hinaus und ist in Wahrheit sehr viel höher vgl Guntram von Schenck 8 Mai 1945 Tag der Befreiung www guntram von schenck de Richard von Weizsäcker hat diesen Preis noch nicht entrichtet er sollte die Schuld seines Vaters des AA Staatssekretärs unumwunden anerkennen da ist nichts zu retten Oder vertraut er darauf die Legenden der Familie wie in der Vergangenheit mithilfe seines einflußreichen familiären und politischen Netzwerks und des Beistands aus den Medien in der Öffentlichkeit durchzusetzen 5 Holocaust und AA Die AA Beteiligung an der NS Judenpolitik gehört zu den am meisten verstörenden Passagen des Buches Die Einbindung und Verwicklung des AA in die Judenpolitik und Judenvernichtung des NS Regimes wird anhand zahlreicher Dokumente nachgewiesen Es waren nicht nur Einzelpersonen oder isolierte Referate die wussten was vor sich ging Das AA war insgesamt involviert und ergriff einige Male sogar die Initiative In dem Buch heißt es außerdem An der Entscheidung über die Endlösung war die Spitze des Auswärtigen Amtes direkt beteiligt Das Schicksal der deutschen Juden wurde am 17 September 1941 besiegelt An diesem Tag fand ein Treffen Hitlers mit Ribbentrop statt Das Amt S 185 Einer der bedeutendsten Holocaust Forscher Saul Friedländer u a Das Dritte Reich und die Juden München 2007 datiert diese fatale Entscheidung hingegen auf Dezember 1941 und verweist auf den Zusammenhang mit dem Kriegsverlauf Interview Der Spiegel 41 2007 Einen Zusammenhang mit Ribbentrop oder dem AA zieht er nicht in Erwägung Es gibt für die Entscheidung zum Holocaust d h die systematische Ermordung der europäischen Juden keine Dokumente die eine genaue Datierung erlauben würden Zumindest wurde bis heute nichts gefunden Das Protokoll der Wannsee Konferenz dokumentiert lediglich die Umsetzung der Entscheidung die zuvor im engsten NS Führungskreis möglicherweise nur zwischen Himmler und Hitler selbst gefallen war Ribbentrop galt in der NS Hierarchie aber als Leichtgewicht Das Datum der Holocaust Entscheidung ist eines der wichtigsten weil fatalsten der jüngsten deutschen Geschichte deshalb an dieser Stelle stichwortartig einige kurze Ausführungen ausführlich und mit Quellenangaben Guntram von Schenck Kriegswende Dezember 1941 und Holocaust www guntram von schenck de Die Datierungsfrage steht im Zusammenhang mit dem 1941 alle Bereiche des Dritten Reiches erfassenden Kriegsverlauf Bevor die Holocaust Entscheidung zur systematisch betriebenen Vernichtung der Juden fiel hatten sich die Pläne die Juden zur Auswanderung zu nötigen bzw umzusiedeln als undurchführbar erwiesen Der Kriegsverlauf hatte erst die Auswanderung nach Palästina und danach die Ansiedlung in Madagaskar hinfällig gemacht Das ins Auge gefasste Reservat in Polen wurde rasch verworfen die Abschiebung nach Sibirien die wohl die Wenigsten ohnehin hätten überleben sollen scheiterte am ausbleibenden Sieg der Wehrmacht über die Sowjetunion Das Steckenbleiben der Wehrmacht vor Moskau im Dezember 1941 markiert das endgültige Aus all dieser Pläne Ein Teilnehmer des deutschen Angriffs auf Moskau der ihn mit einer Panzerspitze bis in die Vororte der russischen Hauptstadt führte war übrigens Paul Frank Staatssekretär des Auswärtigen Amtes 1970 1974 Hitler und sein engster Führungskreis standen im Dezember 1941 vor einer völlig neuen Entscheidungssituation zumal das mörderische Wüten der Einsatzgruppen in Polen und der Sowjetunion an seine Grenzen stieß Die NS Judenpolitik musste entweder erheblich radikalisiert oder weil abträglich für die Kriegsführung eingestellt oder zurückgestellt werden wie das auch in anderen Bereichen wie z B der Kirchenpolitik geschah Die Kriegslage spitzte sich im Dezember 1941 dramatisch zu Die Sowjetunion war nicht besiegt sie konnte nicht im ersten Anlauf überrannt werden Der Zweifrontenkrieg den Hitler immer vermeiden wollte weil er seiner Meinung nach nicht durchzustehen war war Realität geworden Mit Großbritannien hatte das Deutsche Reich im Westen einen zähen Gegner der kompromisslos weiterkämpfte Schlimmer noch mit der Kriegserklärung an die USA am 11 Dezember 1941 war im Westen dem Dritten Reich ein weiterer Feind erwachsen der schon im Ersten Weltkrieg den Ausschlag zugunsten der Entente und gegen Deutschland gegeben hatte Gegen diese Koalition war ein Krieg nicht zu gewinnen Die gewaltige Überlegenheit der Alliierten an Menschen und Material würde sich auswirken und den Kriegsverlauf bis zum Sieg der Kriegsgegner über das Dritte Reich bestimmen Das Deutsche Reich befand sich ab Dezember 1941 in einer selbstverschuldeten existenzbedrohenden Lage das finis Germaniae zeichnete sich ab Hitler war sich dessen bewusst nahm aber die drohende Niederlage Deutschlands in Kauf In dieser dramatischen Situation traf Hitler zwei Entscheidungen Er radikalisierte den mit jedem Tag aussichtsloser werdenden Krieg den er bis zum Endkampf um Berlin im April 1945 fortsetzte ohne jemals ein Zurück oder ein Stopp ernsthaft auch nur in Erwägung zu ziehen Und er radikalisierte die Judenpolitik hin zum systematisch betriebenen Völkermord Die Motive liegen in der Psyche Hitlers Ruhmsucht mag eine Rolle gespielt haben vgl Guntram von Schenck Holocaust Folge der Ruhmsucht Hitlers ebd Schon am 30 Januar 1939 hatte Hitler in einer Rede im Reichstag den Juden gedroht dass er sie zur Rechenschaft ziehen würde sollten sie die Welt noch einmal in einen Weltkrieg stürzen Beide Entscheidungen Krieg bis zur wahrscheinlichen immer absehbarer werdenden Niederlage und die Vernichtung der Juden in seinem Machtbereich gehören zusammen sie sind unlösbar miteinander verknotet Der radikalisierte Krieg bis zum Untergang und die Vernichtung der Juden im NS Machtbereich sind die beiden Seiten der gleichen Medaille Die Entscheidungen fielen im Dezember 1941 Eine Beteiligung des AA und Ribbentrops an der Holocaust Entscheidung ist nicht belegt und unwahrscheinlich Die Argumente sprechen für den Kriegsverlauf im Dezember 1941 als Auslöser 6 Die Reaktion des AA auf die Kontinuitätsfrage In der internen Veranstaltung des AA zur Veröffentlichung von Das Amt und die Vergangenheit am 29 Okt 2010 die im Wortlaut als DVD zugänglich gemacht werden soll sagte Staatssekretär Ammon im Schlusswort gleich im ersten Satz Zwischen dem alten und dem neuen AA gebe es keine gemeinsame Tradition keine Brücke und es darf auch keine geben zit nach FAZ 02 12 2010 Das musste er sagen Alles andere wäre verheerend und die AA Leitung käme in Erklärungsnot was nun Kontinuität ist und was nicht Das muss man sich nicht antun Historiker und Publizisten sind da freier Wer das Buch gelesen hat kommt zu einem anderen Schluss die Kontinuität drängt sich zumindest in Teilbereichen geradezu auf Das gilt vor allem für das Personal Adenauer wünschte zwar keine restaurierte Wilhelmstrasse Das Amt S 450 f aber schon Blankenhorn dem ersten Beauftragten für den Aufbau eines neuen Auswärtigen Dienstes gelang es nahezu alle ehemaligen Diplomaten die sich im Deutschen Büro für Friedensfragen zusammengefunden hatten zu übernehmen Das Amt S 451 Mit Wilhelm Melchers gelangte eine der Hauptfiguren der AA Legendenbildung ins wichtige Amt des Leiters des Referats Personal Höherer Dienst Das Amt S 455 Schon kurz nach der Gründung des neuen AA 1951 waren die entscheidenden Posten in den Händen von Ehemaligen Das Amt S 469 Die Personalentwicklung im AA rief in der Öffentlichkeit und bei den Parteien so viel Kritik hervor dass der Bundestag einen Untersuchungsausschuss Nr 47 einsetzte Es kam nicht viel dabei heraus weil Adenauer mit der Nazi Riecherei Schluss machen wollte Das Amt S 487 Die Historikerkommission hält die Zahlen fest zwischen 1949 und 1955 stammten 64 3 der AA Beamten des höheren Dienstes aus dem alten Amt Das Amt S 492 1950 waren 42 3 der Beamten des höheren Dienstes ehemalige Mitglieder der NSDAP Pgs der Anteil ging dann 1952 auf 34 5 zurück Für die Aufbauphase resümiert die Historikerkommission dass rund ein Drittel ehemalige Pgs waren je höher der Dienstrang umso häufiger waren sie frühere Pgs Knapp die Hälfte der Pgs im AA stammte 1952 nicht aus der alten Wilhelmstrasse Das Amt S 494 Das Bonmot nach dem Kriege habe es im AA mehr Pgs gegeben als vor dem Krieg wird durch Zahlen unterstrichen vor dem Krieg besaß rund ein Drittel der höheren Beamten der Berliner Zentrale ein NS Parteibuch mit mehr als 40 in der Bonner Zentrale Anfang der 50er Jahre lag der Anteil ehemaliger Pgs deutlich höher Das Amt S 494 Wie auch immer diese Zahlen errechnet und verglichen wurden es gibt da sicher die eine oder andere Frage einen Kontinuitätsbruch signalisieren sie nicht Wichtiger als die Zahl die Zahl ehemaliger Pgs ist die direkte personelle Kontinuität zwischen altem und neuem Auswärtigen Amt Auf der internationalen Bühne standen nun für den neuen demokratischen Staat die gleichen Personen die die NS Politik vertreten hatten Das irritierte und stellte für viele die Bonner Außenpolitik infrage Der berühmte Korpsgeist des AA sei wieder mal am Werk gewesen und habe über den Systemwechsel für den inneren Zusammenhalt gesorgt indem das Amt nach außen abgeschottet wurde Das Amt S 496 Interessant ist in diesem Zusammenhang dass noch 2 3 Jahre nach Abschluss der Nürnberger Prozesse eine Zusammenarbeit mit der Anklagebehörde als Ausschlussgrund für eine AA Eignung galt Das Amt S 548 Das Misstrauen gegenüber Emigranten war ebenfalls dominant Das Amt S 544 Selbst Mitte der 60er Jahre fanden Mitglieder der US Botschaft in Bonn am neuen Amt nicht den Wandel auffällig sondern die Kontinuität Ein Vorkriegsbeamter des Auswärtigen Dienstes würde manches wiederfinden was dem heutigen Auswärtigen Amt vertraut ist Das Amt S 503 Egon Bahr der als Leiter des Planungsstabs mit Willy Brandt 1966 ins Amt kam ortete drei Gruppen die Gruppe der Ehemaligen aus der Wilhelmstrasse die aus Altersgründen allmählich kleiner wurde die Neuen die nach dem Krieg die Diplomatenausbildung durchlaufen hatten die Bahr als Snobs und Zyniker bezeichnete und schließlich die Seiteneinsteiger die als Außenseiter nichts zu sagen hatten Das Amt S 656 Gegen die Ehemaligen hatten die Westverbündeten wenig oder nichts einzuwenden sie erschienen ihnen als die besseren weil zuverlässigeren Partner Das Amt S 497 Dafür gab es neben der Professionalität Gründe die Ehemaligen suchten Anerkennung dienten sich an und sahen sich mehr oder weniger bewusst in einer Bringschuld Dazu trug auch bei dass die Alliierten wussten und auch die Ehemaligen sich dessen bewusst waren dass die Angriffe aus Ostberlin gegen viele AA Personalien mit brauner Vergangenheit überwiegend stimmten die Angriffe wurden aber als Propaganda abgetan Die Ehemaligen fanden in der Identifikation mit dem Westen den Ersatz für eine nationalen Interessen verpflichtete Außenpolitik wie sie z B für die Diplomaten Großbritanniens und Frankreichs auch im Kalten Krieg selbstverständlich war und blieb Die Diplomaten aus der Wilhelmstrasse konnten nahtlos an alte antikommunistische Denkmuster anknüpfen Eine Ausnahme bildeten die Neutralisten und Befürworter besserer Beziehungen zu Moskau die bis hin zur Entspannungs und Ostpolitik Willy Brandts von den Westalliierten mit einigem Argwohn beobachtet wurden Die Historikerkommission nennt mit der AA Organisationsstruktur Denk und Verhaltensmustern des neuen AA weitere Anknüpfungspunkte an das alte Amt z B Korpsgeist Haltung gegenüber Seiteneinsteigern etc Das sollte nicht überbewertet werden Darin unterscheidet sich das Auswärtige Amt wenig oder gar nicht von anderen klassischen Auswärtigen Diensten wie dem britischen Foreign Office oder dem französischen Quai d Orsay Erinnerungssplitter Aus meiner Zeit als Kultur und Pressereferent der Botschaft Damaskus 1982 1985 ist mir ein Ausspruch den ich damals zum ersten Mal hörte in Erinnerung Das ist mir ein innerer Reichsparteitag wenn etwas besonders gut gelaufen war Auch die Vorgänge um die Auslieferung Alois Brunners eines engen Mitarbeiters von Adolf Eichmann der in Syrien Zuflucht gefunden hatte waren mir aufgestoßen In Vertretung war ich seinerzeit mit dem erfolglosen deutschen Auslieferungsantrag befasst gewesen Nach allem was ich in Erfahrung bringen konnte hatte Alois Brunner zeitweise Kontakte zu Botschaftsangehörigen gehabt die er mit deutschen Produkten wie Kartoffeln etc versorgt hatte Entscheidend ist die personelle Kontinuität des AA und was daraus folgt Es war das Bemühen um Akzeptanz und Anerkennung das die Ehemaligen die den Kern des neuen Auswärtigen Amtes bildeten antrieb Das reichte über das natürlich legitime Streben nach Anerkennung und Wiedereingliederung der Bundesrepublik in die internationale Völkergemeinschaft hinaus weit in den persönlichen Bereich hinein Die Überwindung der Schmach von Nürnberg dieser sperrige Riegel der den Blick auf das angeblich unbefleckte Amt verwehrte und die eigene Vergangenheit und das persönliche Versagen bloßlegte setzte Abwehr und Verdrängungsmechanismen frei die sich u a in den Legendenbildungen niederschlugen Das kennzeichnende am neuen Amt ist nicht der Bruch sondern die personelle Kontinuität zum alten

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  • Piketty, Augustinus, Pelagius: Armut und Reichtum
    Klerus rekrutierten sich fortan aus der Oberschicht der großen römischen Landbesitzer Die Aristokratie der großen Landbesitzer diente sich den neuen germanischen barbarischen Herren an die sie gern an ihren Höfen als Fachleute für Verwaltung und Steuererhebung aufnahm Denn auch die neuen Herren brauchten Geld Sie führten so gut es eben ging die römischen Verwaltungs und Steuerpraktiken weiter Das ist der historische Kontext des Theologenstreits zwischen Augustinus und Pelagius Wie war unter den sich verändernden Umständen das Seelenheil der Reichen und Mächtigen zu erlangen Wie haben sich die Theologen und die Kirche bei den Vorgaben des Christentums Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr mit den neuen Realitäten auseinander gesetzt und oder arrangiert Pelagius Wie kommt man durch das Nadelöhr in den Himmel Zeiten großer Umbrüche sind auch der Nährboden neuen radikalen Denkens Pelagius machte ab 390 in Rom mit seiner Lehre vom freien Willen Furore der Mensch kann stets das Gute tun und das Böse lassen er muss sich dabei nur an Christus orientieren Ahmt er Christus nach kann der Mensch im Prinzip sündenfrei bleiben Posse non peccare Wo sich das Böse seit dem Sündenfall Adams in der Gesellschaft festgesetzt eingefressen und weiterentwickelt hatte konnte es durch den freien Willen der Menschen wieder entfernt und ausgemerzt werden Die Einzelheiten der Lehre von Pelagius können hier nicht nachgezeichnet werden Die gesellschaftlichen und politischen Implikationen waren den Zeitgenossen aber klar Was von den Menschen durch den freien Willen fehlerhaft geschaffen worden war Römisches Reich in seiner damaligen Form konnte durch den freien Willen auch wieder rückgängig gemacht korrigiert und umgebaut werden Das Römische Reich war auf Unrecht aufgebaut und drohte deshalb angesichts der Bürgerkriege und Einfälle der Barbaren zu zerbrechen und unterzugehen Die Radikalität des Pelagius stellte die auf Ewigkeit konzipierte Dauerhaftigkeit des Römischen Reiches und seiner gesellschaftlichen Ordnung infrage In der Schrift De Divitiis die von einem Schüler des Pelagius stammt wurde die Lehre gesellschaftspolitisch noch radikalisiert wer dem Beispiel Christi nachfolgen will kann das nicht als reicher Mann oder Frau tun er oder sie kommt niemals durch das Nadelöhr Er oder sie muss sich seiner ihrer weltlichen Güter entledigen muss sich davon befreien Einige der römischen Superreichen haben es getan z B Hl Melania Die Aristokratie der großen Landbesitzer die über Jahrhunderte das Römische Reich getragen hatte sollte auf prunkvolle Selbstdarstellung und Machtfülle als Besitzer großer Landgüter verzichten Gleichzeitig waren ihr durch den Einfall der Barbaren schon die Möglichkeit der Ausübung vieler wichtiger Ämter im Dienst des Kaisers genommen worden Die Selbstgewissheit der römischen Oberschicht war im Kern getroffen Ein Pfeiler der alten römischen Ordnung begann zu wanken Umkehr und Askese sollten die Antwort auf die gefährlichen Zeitläufte sein Reichtum war letztlich durch Unrecht erworben sein Ursprung und seine Erweiterung waren auszumerzende Fehlentwicklungen Wo zuvor Familiengüter sorgsam über Jahrhunderte zusammengehalten und vermehrt worden waren sollte alles aufgegeben zu Geld Gold gemacht werden das wiederum an die Armen verteilt werden sollte So die Schrift De Divitiis Ob das auch für die Güter der Kirche selbst galt lässt die Schrift offen liegt

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  • A.J.P Taylor: Ursprünge 2. Weltkrieg
    hätten sie nach Möglichkeiten gesucht die zum Teil als legitim angesehenen Ansprüche Hitlers auf einigermaßen verträgliche Weise zu befriedigen Hitler stellte keine präzisen Forderungen er wartete auf Vorschläge und Konzessionen um dann noch mehr zu verlangen Hitler habe je nach Lage agiert Er sei ein Meister des Wartens gewesen ebd Solange er das Recht der Deutschen auf Selbstbestimmung in Österreich oder den Sudeten einforderte hatte er ein Prinzip des Versailler Vertrags auf seiner Seite Versailles hatte das Selbstbestimmungsrecht allen Völkern zugesprochen außer den Deutschen Das österreichische Parlament hatte 1919 einstimmig für den Anschluss an das Deutsche Reich votiert was in den Versailler Verträgen dann verboten wurde Die dreieinhalb Millionen Deutschen in Böhmen Mähren hatte niemand gefragt ob sie tschechoslowakische Staatsbürger werden wollten Die Trennung Ostpreußens vom Reich durch den polnischen Korridor und die Lage Danzigs waren in Deutschland durchweg als unerträglich abgelehnt worden Die Revision des Versailler Vertrags wurde von der überwältigenden Mehrheit der Deutschen mitgetragen Das wusste man in London und Paris Man war beunruhigt und fragte sich wie man die sich abzeichnenden und zuspitzenden Krisen Konflikte entschärfen könnte Hitler habe auch keinen sog Masterplan gehabt Er ergriff so Taylor die Chancen wie sie sich ihm darboten Das sog Hossbach Protokoll 5 Nov 1937 das vielfach als Beleg für Hitlers Angriffspläne herangezogen wird und in den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen eine herausragende Rolle spielte wird z B von Taylor als irrelevant weil bedeutungslos zurückgewiesen S XIX Desgleichen die angeblich zielstrebige Aufrüstung Deutschlands Deutschland habe in den letzten Friedensjahren 1938 1939 rund 15 des Bruttosozialprodukts für Rüstung ausgegeben Großbritannien genauso viel Nach München sei die deutsche Rüstung sogar zurückgefahren worden Zu Beginn des Krieges habe Deutschland nicht mehr Jagdflugzeuge Bomber und Panzer gehabt als Großbritannien und Frankreich zusammen As usual Hitler was sought to have planned and prepared for a great war In fact he had not Wie üblich nahm man an Hitler habe einen großen Krieg geplant und vorbereitet Tatsache ist er tat es nicht Taylor bekräftige diese Aussage nochmals 1965 im Vorwort der 6 Auflage nachdem er seine Professur in Oxford verloren hatte S XVII Hitlers politischer Instinkt mit dem er sich vorsichtig und abwartend von Erfolg zu Erfolg gehangelt habe sei durch München korrumpiert worden Danach habe er geglaubt mit Bluff Einschüchterungen Drohungen und gekonnt orchestrierten Nervenkriegen weitere Erfolge einfahren zu können Schließlich hatte man in London und Paris das Münchner Abkommen als großen Erfolg und Triumpf der Appeasement Politik gefeiert Insbesondere nach Abschluss des Hitler Stalin Paktes vom 23 August 1939 sei Hitler davon ausgegangen dass London und im Gefolge Paris es nicht darauf ankommen lassen würden einen großen Krieg zu riskieren wenn er versuchen würde die Danzig und Korridorfrage gewaltsam zu lösen Dass es überhaupt zu einem deutsch sowjetischen Pakt kam lastet Taylor der dilatorischen und streckenweise amateurhaften Politik Londons an das seit Monaten ebenfalls mit Moskau verhandelt hatte Letztlich sei eine Lösung der Danzig und Korridorfrage an der sturen Haltung Polens gescheitert das weder zu Konzessionen gegenüber Deutschland noch der Sowjetunion Durchmarsch Recht für sowjetische Truppen

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  • Kriegswende 1941
    machte wissen wir nicht Hitler war sich allerdings bewusst dass die für einen langen Krieg als unabdingbar erachteten Industrie und Rohstoffzentren entweder nicht erobert oder nicht wie erhofft ausgebeutet werden konnten 15 An warnenden Hinweisen fehlte es nicht Die Wehrmacht stand schon während des Vormarsches auf Moskau am Ende ihrer materiellen und personellen Kraft wie sich für den Chef des Generalstabs des Heeres Franz Halder aus vielen Anzeichen ergab 16 Im Herbst 1941 musste der Chef der Heeresrüstung Fritz Todt einen derart gravierenden Abfall der Waffen und Munitionsfertigung feststellen dass er einen baldigen Friedensschluss für ratsam hielt 17 Todt gewann insbesondere nach einer Besichtigungsreise seiner Panzerkommission an die Ostfront den Eindruck dass der Krieg nicht mehr zu gewinnen war und forderte deshalb Hitler am 29 Nov 1941 zu einem politischen Friedensschluss auf Darauf Hitler Ich sehe aber kaum noch einen Weg um politisch zu einem Ende zu kommen 18 Reorganisation der Wehrmachtsspitze Die zweite Weichenstellung war der Wechsel im Oberbefehl des Heeres Hitler hatte Generalfeldmarschall von Brauchitsch für das Scheitern des Russlandfeldzugs verantwortlich gemacht und ihn am 19 Dezember 1941 als Oberbefehlshaber des Heeres abgelöst Den Oberbefehl über das Heer übernahm Hitler nun selbst Das fiel umso schwerer ins Gewicht als die Wehrmacht schon seit 1934 auf den Führer vereidigt worden war Es gab danach keine militär strategisch gesamtverantwortliche Instanz mehr außer in der Person des Diktators selbst Die Segmentierung der militärischen Kriegführung wurde zur Regel Der Wehrmachtsführungsstab wurde ein reiner Arbeitsstab des Führers Der Generalstab des Heeres war nur für den Ostkrieg zuständig Den einzelnen Militärspitzen standen immer nur bruchstückhaft die Informationen zur Verfügung die eine wirklichkeitsnahe Gesamtübersicht und Beurteilung der Kriegslage hätten ermöglichen können Hitler hat im Dezember 1941 das militärische Entscheidungsmonopol an sich gerissen Er beanspruchte eine umfassende Kontrolle und dehnte seine Weisungs und Befehlsgewalt bis in Einzelfälle operativer Entscheidungen aus 19 Kein Separatfrieden im Westen Die dritte Entscheidung Hitlers bestand darin den Krieg bis zum Ende durchzufechten Im Westen war die Entscheidung allerdings nicht ganz freiwillig Ein Sonderfrieden mit den Westalliierten wäre hätte ihn Hitler jemals ins Auge gefasst wohl am Willen Churchills gescheitert Churchill wollte von Anfang an den Sieg über Deutschland Bereits in seiner Antrittsrede Blut Mühsal Schweiß und Tränen vom 13 Mai 1940 hatte er ausgerufen dass es ohne einen Sieg um jeden Preis kein Weiterleben für das Britische Weltreich gebe 20 Am 22 Juni 1941 dem Tag des deutschen Angriffs auf die Sowjetunion führte er in einer Rundfunkansprache aus dass Großbritannien niemals mit Hitler oder irgendeinem aus seiner Bande verhandeln und die Naziführer am Morgen des Sieges alliierten Gerichten übergeben werde 21 Spätestens mit der Casablanca Konferenz auf der Churchill am 23 Januar 1943 die Forderung nach der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands durchsetzte rückte ein Sonderfrieden im Westen außer Reichweite Das hatte auch der deutsche Widerstand zur Kenntnis zu nehmen Der deutsche Widerstand mußte so Eugen Gerstenmaier der im Krieg dem Widerstand angehörte und später in der Bundesrepublik Bundestagspräsidenten wurde die bittere Erfahrung machen dass der Krieg eben nicht nur gegen Hitler und sein Reich sondern gegen Deutschland in jeder Gestalt geführt wurde 22 Die Forderung nach der bedingungslosen Kapitulation war eine wenn nicht die entscheidende Motivation für viele Deutsche auch die die den Nazis fern standen den Krieg bis in den Mai 1945 weiter zu führen Die daraus resultierende Verlängerung des Krieges brach letztlich auch dem Britischen Empire das Kreuz Großbritannien war am Kriegsende so erschöpft dass das Empire kurz danach zerfiel London verlor mit dem Empire weswegen es mit Deutschland den Kampf aufgenommen hatte Eine Entwicklung die Hitler bezogen auf Großbritannien im Januar 1942 voraussah wenn verloren wird verliert nur England 23 Kein Separatfrieden im Osten Eine bessere Möglichkeit der Umklammerung und damit der seit Dezember 1941 auf längere Sicht aussichtslosen Kriegslage zu entkommen wäre unter Umständen ein Sonderfrieden mit der Sowjetunion gewesen Stalin hatte mehrfach Friedensfühler ausgestreckt Die Angebote die er unterbreitete wurden freilich mit den Erfolgen der nach Westen vorrückenden Roten Armee immer geringer Stalin hoffte die für ihn vorteilhafte Lage von September 1939 bis Juni 1941 wieder herzustellen und die Stoßkraft der Wehrmacht gegen Briten und Amerikaner zu richten Die Westmächte fürchteten eben eine solche Entwicklung Hitler reagierte auf die Avancen Stalins nicht Sogar nach Stalingrad wäre nach erneuten Friedensfühlern Stalins für Hitler ein solcher Ausweg möglich gewesen Er explorierte diese Möglichkeiten nicht einmal 24 Auch hier stellt sich wieder die Frage nach dem rationalen oder irrationalen Handeln Hitlers Die ideologische Verblendung Hitlers der Wahn von der Überlegenheit der arischen Rasse über die Slawen habe so die nicht selten gehörte Erklärung die Siegeszuversicht aufrecht erhalten und Hitler davon abgehalten im Osten einen Abbruch der Kriegshandlungen ins Auge zu fassen Nicht die Zahlen die für eine sowjetische Überlegenheit sprachen sondern so die Selbstsuggestion das bessere Menschenmaterial die bessere Ausrüstung die bessere Führung würden letztlich einen deutschen Sieg unausweichlich machen Hitler hat soviel ist richtig seit seinen politischen Anfängen diesen Krieg mit dem Ziel eines deutschen territorialen Raumgewinns im Osten immer gewollt Das mag bei der Entscheidung mit geschwungen haben Wahrscheinlicher ist allerdings etwas anderes Nach einem Sonderfrieden hätte sich Berlin in der gleichen als bedrohlich empfundenen Lage wie vor dem Angriff auf die Sowjetunion befunden Hitler hätte mit einem Sonderfrieden etwas Zeit kaufen können Der Preis wäre allerdings hoch gewesen Die Sowjetunion und die Rote Armee hätten sich regenerieren können während Deutschlands Kräfte durch den fortdauernden Konflikt mit den USA und Großbritannien von denen der Diktator nicht wusste wie er sie besiegen könnte aufgerieben worden wären Einen Sonderfrieden mit Moskau verwarf der Diktator selbst wenn er damit Zeit kaufen und vielleicht ein neues Spiel hätte eröffnen können 25 Keine Kapitulation Letzte Alternative wäre angesichts der aussichtslosen Lage die Kapitulation ein Strecken der Waffen gewesen Im Ersten Weltkrieg hatte die deutsche Führung im Herbst 1918 angesichts der drohenden Niederlage diesen Weg gewählt Die deutschen Truppen standen im September und Oktober 1918 noch überall in Feindesland als das Deutsche Reich allerdings nach mehr als vierjährigem Ringen unter dem Druck des alliierten Durchbruchs an der Westfront um einen Waffenstillstand nachsuchte Der Waffenstillstand

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  • Heidegger, die Nazis und der aussichtslose Krieg
    in unser Leben hinein Die Philosophie Heideggers gibt keine Anweisungen oder Orientierungen Heidegger versteht sie als die Arbeit des Abtragens und Abbauens von vermeintlichen ethischen Objektivitäten Und das Gewissen Heidegger fragt was das Gewissen dem Angerufenen zuruft und antwortet Streng genommen nichts Dem angerufenen Selbst wird nichts zugerufen sondern es ist angerufen zu sich selbst d h seinem eigenen Seinkönnen Tu was du willst aber entscheide dich selbst und lass dir von niemandem die Entscheidung und damit die Verantwortung abnehmen Das Dasein ist dann eigentlich wenn es sich nicht auf substantielle Sittlichkeit von Staat Gesellschaft öffentlicher Moral verlässt Die Unverlässlichkeit aller zivilisatorischen Daseinsvorsorge steht für Heidegger außer Frage Heidegger ermuntert zu einem verwegenen Dasein Es ist nicht der Mut zum Bösen wie bei Ernst Jünger die abgründige Lust am Kriegerischen Anarchischen und der abenteuerlichen Amoralität 4 Für Heidegger ist es der Mut zum Nichts Heidegger will wie im Streitgespräch mit Cassirer 1929 in Davos den Boden zu einem Abgrund machen Er verwirft jede Arbeit der Sinnstiftung durch Kultur und erklärt Was bleibt sind einige wenige Augenblicke von großer Intensität Man sollte sich nicht länger verhehlen dass die höchste Form der Existenz des Daseins sich nur zurückführen lässt auf ganz wenige und seltene Augenblicke der Dauer des Daseins zwischen Leben und Tod dass der Mensch in nur ganz wenigen Augenblicken auf der Spitze seiner Möglichkeiten existiert 5 Zur Intensitätssteigerung braucht es Mut und Verwegenheit Verwegenes Dasein ist die Voraussetzung für Intensität Eigentlichkeit ist Intensität nichts anderes Wenn Philosophie im Sinne Heideggers ihrer Zeit mächtig ist wenn Philosophie ihre in Gedanken gefasste Zeit ist wie Hegel es formuliert hat was bedeutet dann die Heidegger sche Philosophie für die Zwischenkriegs und Kriegszeit in Deutschland Der Mensch ist was er aus dem Leben macht Er verleiht ihm selbst einen Sinn Es ist freilich nach Heidegger ein auf Nichts gestelltes Vorlaufen zum Tode Da alle Wahrheiten geschichtlich sind und ihre Zeit nicht überdauern gibt es nichts woran der Mensch sich festhalten könnte Es gibt keine objektiven Vorgaben keine Ethik keinen Halt außer in dem Menschen selbst Es gibt nur das Nichts und die Konfrontation mit diesem Nichts Aus der Langeweile muss sich der Mensch mittels Intensitätssteigerung des Daseins losreißen Mit anderen Worten Aufbruch ins Nirgendwo das Vorlaufen zum Tode aber mit Haltung Die Eigentlichkeitsphilosophie Heideggers scheint formal unbestimmt genug zu sein um in politischen Dingen unterschiedlichen Optionen Raum zu geben Hannah Arendt Karl Löwith Günther Anders Herbert Marcuse Jean Paul Sartre unter anderen haben dies gezeigt und haben auf der Grundlage von Heideggers Philosophie eigene Wege eingeschlagen Heidegger hat sich hingegen für Volk und seine Geschichte entschieden Volk und Geschichte Nach Heidegger beinhaltet das In der Welt Sein auch dass der Mensch in die Geschichte seines Volkes sein Geschick und sein Erbe hineingestellt ist Das Dasein auch das kollektive findet nicht durch Normen Verfassungen Institutionen zu seiner Eigentlichkeit sondern nur durch gelebte Vorbilder nur dadurch dass das Dasein sich seinen Helden wählt 6 Wer bereit ist die Geworfenheit des eigenen Daseins illusionslos SuZ 391 hinzunehmen der muss auch bemerken dass er sich sein Volk zu dem er gehört nicht wählen kann dass er auch ins Volk geworfen ist hineingeboren in seine Tradition und Kultur Das Dasein kann das so verstandene Volks Geschick bewusst übernehmen es ist bereit dieses Geschick mit zu tragen und zu verantworten Es macht die Sache des Volkes zur eigenen Sache bis hin zur Bereitschaft zum Opfer des eigenen Lebens Es wählt sich seinen Helden aus dem Traditionsbestand dieses Volkes Der eigentliche Bezug zum Volk bleibt der Bezug zum eigenen Selbst In Sein und Zeit war der Bezug des Einzelnen zu seinem Volk noch zweideutig Einerseits bleibt der eigentliche Bezug zum eigenen Volk ein Bezug zum eigenen Selbst Andererseits verhält sich uneigentlich wer die Gemeinschaft des Volkes sucht um seinem eigenen Selbst zu entkommen Alles sieht so aus wie echt verstanden ergriffen und gesprochen und ist es im Grunde doch nicht oder es sieht nicht so aus und ist es im Grunde doch 7 1933 wird Heidegger auf einer Kundgebung der deutschen Wissenschaft für A Hitler in Leipzig die Urforderung alles Daseins dass es sein eigenes Wesen behalte und rette auf das Volk übertragen das sein eigenes Wesen retten und behalten muss 8 Ein Volksganzes ist also ein Mensch im Großen 9 Das hat Konsequenzen Folgt man Heideggers Rektoratsrede so hat sich das deutsche Volk mit seiner Revolution gemeint ist die NS Machtergreifung 1933 weit hinausgewagt in das Ungewisse Das Volk ist aufgebrochen um die Sinnstiftung des Sinnlosen zu wagen An die Stelle der philosophischen Ekstase tritt die Mystik der Volksgemeinschaft In einer Rede vor Arbeitslosen Anfang 1934 sagt er Jeder Arbeitende unseres Volkes muss wissen warum und wozu er dort steht Nur so wird der Einzelne im Volksganzen und im Volksschicksal verwurzelt 10 Der Tübinger Studentenschaft rief er im November 1933 zu Wer aber kämpft befindet sich im Inneren eines entstehenden Werkes Er empfängt die Fülle des Daseins und wird Mitbesitzer der Wahrheit des Volkes im Staat 11 Ausdrücklich verabschiedet Heidegger alle langfristig angelegten Projekte des geschichtlichen Handelns Übrig bleibt Man muss den Augenblick nutzen die Gelegenheit ergreifen Gegenüber dem kollektiven Geschick kommt es freilich darauf an für die Zufälle der erschlossenen Situation hellsichtig zu werden 12 Geschichte ist aber nicht nur die Bühne auf der nach irgendeinem Zusammenhang Träger außerzeitlicher Werte kommen und gehen man muss sie vielmehr verstehen als Ort der Erzeugung und Vernichtung der Werte Die Welt ist ein gefährlicher Ort an dem nur die zur Obdachlosigkeit Entschlossenen die wirklich freien aushalten können ohne Schutz suchen zu müssen unter dem Dach vorgegebener Wahrheiten Frei sein Befreier sein ist Mithandeln in der Geschichte 13 In der großen Metaphysik Vorlesung 1929 1930 formulierte Heidegger zur Geburt der Philosophie aus dem Nichts der Langeweile Wenn die Bedrängnis unseres Daseins trotz aller Nöte ausbleibt und wenn das Geheimnis fehlt dann handelt es sich für uns zuerst darum diejenige Basis und diejenige Dimension für den Menschen zu gewinnen innerhalb derer ihm überhaupt wieder dergleichen wie ein Geheimnis seines Daseins begegnet Dass bei dieser

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  • Deutschland im Spiegel
    denke etwa an das russische Zarenreich aber auch Italien etc Das deutsche Kaiserreich hatte z B vor Großbritannien das allgemeine gleiche Wahlrecht eingeführt Es gab vor 1914 vielleicht einen Trend aber keinen europäischen demokratischen Gleichklang aus dem Deutschland ausgeschert wäre Ähnliches gilt für 1933 in Moskau regierten Stalin und die Kommunisten Italien war bereits eine faschistische Diktatur in den Staaten Mittel und Osteuropas herrschten von wenigen Ausnahmen abgesehen alles andere als demokratische Verhältnisse Die entscheidende Frage ist das aber nicht Die Frage ist vielmehr welchen Wert an sich Demokratie in einigen Jahrhunderten haben wird Ein Blick in die bekannte Geschichte lehrt dass wir uns keineswegs allzu grossem Optimismus hingeben dürfen Bezogen auf die menschliche Gesamtgeschichte waren die demokratischen Phasen immer nur sehr kurz und geographisch eng begrenzt So das antike Athen im 5 Jahrhundert v Chr die römische Republik der Antike bis Cäsar wenn man sie denn überhaupt als Demokratie ansehen will und einige europäische Staaten ab dem 19 Jahrhundert und im 20 Jahrhundert mit einem auf den Westen beschränkten Siegeszug der Demokratie nach dem 2 Weltkrieg Aber schon ziehen Anfang des 21 Jahrhunderts wieder dunkle Wolken auf wenn man an China oder Russland denkt Die Demokratie bedeutet nicht das Ende der Geschichte um einen Begriff von Francis Fukuyama zu gebrauchen The End of History and the last Man 1993 Die Geschichte geht weiter Innere und äußere Entwicklungen werden die Demokratie verändern und aushöhlen wie einst die Römische Republik die nach Cäsar nur dem Namen nach noch bestand Die Demokratie in den USA von heute hat im übrigen mit der Demokratie der Schweizer Urkantone im 14 15 Jahrhundert nichts gemein Traditionslinien sind oft konstruiert und fragwürdig Wenn die Demokratie von allen schlechten Verfassungen noch immer die beste ist so hat es sie immer nur in wenigen glücklichen Phasen der Menschheitsgeschichte und nur auf engem Raum gegeben Es sind Momente der wirtschaftlichen kulturellen und politischen Blüte und Expansion die einer begrenzten Zahl von Menschheitsbürgern Wohlergehen Selbstbestimmung und Teilhabe am politischen Prozess ermöglichten Oft auf Kosten Dritter die Bürger Athens ließen Sklaven für sich arbeiten die Römische Republik beutete die meisten Völker des Mittelmeerraumes aus und auch die Gesellschaften des freien Westens verhalten sich nach Meinung vieler bis heute ausbeuterisch gegenüber der sog Dritten Welt Wo das Wohlergehen durch wirtschaftliche Schwierigkeiten und äussere Bedrohungen gefährdet wird setzen erst unmerklich dann unübersehbar Veränderungsprozesse ein selbst wenn die Fassade eine Zeitlang noch weiter bestehen bleibt Werte wie Freiheit Selbstbestimmung und Mitbestimmung als Teilhabe am politischen Leben werden ihre Bedeutung verändern Man muss kein notorischer Pessimist sein um eine solche Entwicklung auch für unsere Gesellschaften voraus zu sehen Die Jahrhunderte schleifen alles ab und formen alles um Wenn dem so ist kann man davon ausgehen dass der Verlauf der deutschen Geschichte in der 1 Hälfte des 20 Jahrhunderts in 500 1000 oder mehr Jahren nicht am Versagen an der Demokratie gemessen werden wird Das Urteil wird sich an anderen Kriterien die Erinnerung an anderen Dingen festmachen Das mag man aus heutiger Sicht entschieden ablehnen oder zumindest bedauern Dennoch müssen sich die Deutschen von heute mit dem Gedanken vertraut machen dass die Demokratie die sie gewissermaßen als Lehre aus der Geschichte als Wert schlechthin verinnerlicht haben keinen Ewigkeitswert hat Sie ist vor der Geschichte sogar ein höchst vergängliches Gut dem nur unter besonders günstigen Umständen eine gewisse Lebensdauer gegeben ist gewissermaßen eine Verfassung für Schönwetterperioden Das sollte uns heute freilich nicht hindern dieses Gut so lange und so entschlossen wie möglich zu verteidigen und hochzuhalten Demokratische Zeiten sind die kostbaren Momente der Menschheit in ein paar hundert Jahren vielleicht so etwas wie das verlorene Paradies Kriegsschuld Angriffskrieg Kriegsverbrechen Die Alleinschuld am Ausbruch des 1 Weltkriegs wurde von den Siegermächten Deutschland angelastet Die deutsche Geschichtsforschung und Publizistik hat dies bis Anfang 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts mehrheitlich zurückgewiesen Mit Fritz Fischers Werk Der Griff nach der Weltmacht 1961 fand in den 60er Jahren eine Umkehrung statt Mittlerweile wird Fischer in der deutschen Forschung überwiegend wieder revidiert und lediglich eine deutsche Mitverantwortung angenommen In den maßgebenden deutschen Medien ist letzteres meist noch nicht angekommen und es wird für das große Publikum gedankenlos von deutschen Angriffskriegen 1914 und 1939 berichtet Das ist falsch aber relativ belanglos Das Deutsche Reich war vor 1914 ohne Zweifel eine aufstrebende Macht die das europäische Gleichgewicht ökonomisch und demographisch in Frage stellte Etablierte Mächte wie Großbritannien und das zaristische Russland die ihre Weltreiche in zahllosen Kriegen schon zusammengerafft und erobert hatten die Briten das Empire rund um den Globus die Russen ein gigantisches Territorium von Warschau bis Wladiwostok von Helsinki bis Tiflis fühlten sich herausgefordert Ähnliches gilt für Frankreich das nach Afrika und Indochina ausgegriffen hatte sich aber mit dem Verlust Elsass Lothringens nicht abfinden wollte Das Deutsche Reich entwickelte Anfang des 20 Jahrhunderts eine derartige Potenz dass das übrige Europa mit vereinten Kräften diese neue Macht im Herzen des Kontinents im 1 Weltkrieg nicht niederzwingen konnte Es bedurfte des Eingreifens der außereuropäischen Macht der USA um Deutschland 1918 zu besiegen Schon aus heutiger Sicht war die deutsche Politik unter Wilhelm II nicht imperialistischer als die britische russische oder französische und auch die der USA Hohles Pathos und große Töne haben salopp ausgedrückt in dieser Zeit außer Wilhelm II auch andere europäische Politiker und Staatsmänner geschätzt z B Benjamin Disraeli britischer Politiker und Staatsmann Die europäischen Staaten und die USA expandierten in die Welt und gerieten untereinander in Streit um Teile des Kuchens Die etablierten Mächte schlossen sich zusammen um den deutschen Neuankömmling nicht hoch kommen zu lassen denn sie hatten etwas zu verteidigen und zu verlieren Insbesondere die britische Propaganda denunzierte das Deutsche Reich als imperialistisch und süchtig nach Weltherrschaft Denn das weltumspannende Imperium beanspruchten die Briten nicht nur selbst sie hatten es in ihrem Selbstverständnis mit ihrem Empire auch inne Ein ähnliches Selbstverständnis haben die Masters of the Universe die Herren der Welt des Finanzdistrikts der Londoner City Anfang des 21 Jahrhunderts entwickelt Gemeinsam mit der New Yorker Wall Street haben sie in der Folge die Welt in die schwerste Finanz und Wirtschaftskrise seit 1929 gestürzt London wollte vor 1914 das ungeschmälerte Empire nicht nur um jeden Preis behalten sondern nach Möglichkeit noch ausbauen Es war schlicht der Kampf von Rivalen Mit der Niederlage 1918 und den Vertragsbedingungen von Versailles 1919 waren bereits alle Würfel gegen Deutschland gefallen Die Entente Mächte taten alles damit Deutschland niemals zu gleicher politisch historischer Größe wie Großbritannien oder Frankreich würde aufsteigen können Am liebsten hätten sie schon damals das Deutsche Reich das ja erst knapp 50 Jahre bestand wieder zerschlagen Deutschland war als Nation um ein Bild zu gebrauchen gewissermaßen im Jünglingsalter gestoppt worden Etwaige Entfaltungsmöglichkeiten wurden abgewürgt Von den Entente Mächten war das auch so gemeint und ist in Deutschland so angekommen Was dann nach 1918 1919 aus Deutschland kam war ein Aufbegehren die kleinbürgerliche Radikalisierung der Nazis die alles nochmals mit unzulänglichen geistig politischen und materiellen Mitteln auf eine Karte setzten und verloren Das Bürgertum zog weitgehend mit weil es den Nazis gelang seine nationalen Ambitionen und Frustrationen zu bedienen Der bürgerliche Ehrgeiz war noch da auch wenn ihm die politischen Grundlagen und die Erfahrung fehlten Gläubigkeit und oder Treue ersetzen nun mal nicht den politischen Verstand Am 1 September 1939 begann der 2 Weltkrieg Der Hitler Stalin Pakt vom 24 August 1939 wird von den betroffenen Nationen in Mittelosteuropa vielfach als der eigentliche Kriegsbeginn gesehen zu Recht Der Beginn der Kriegshandlungen wenige Tage später und die vorangegangenen beidseitigen deutsch polnischen Provokationen sind Folge dieses Paktes Die britische Politik hat zur unflexiblen polnischen Haltung und damit zum Kriegsausbruch auch einiges beigetragen Wenn dem so ist muss zumindest der Sowjetunion Stalins eine Mitschuld am Ausbruch des 2 Weltkriegs zugemessen werden Schließlich hat sich Stalin mit der Besetzung des Baltikums und Ostpolens kurz danach zielstrebig und vertragsgemäß an der Aufteilung der Kriegsbeute beteiligt Die Ausdehnung des Krieges auf immer neue Kriegsschauplätze von Norwegen über Griechenland bis Nordafrika war ganz im Sinne Churchills der sich davon eine Verzettelung und Schwächung der Wehrmacht versprach die dann auch eintrat Der deutsche Angriff auf die Sowjetunion 1941 erklärt sich zum Teil aus dieser Kriegslogik und Kriegsdynamik der schon Napoleon 1813 erlegen war Auch wenn Napoleons Außenminister Talleyrand den Satz auf etwas anderes gemünzt hatte wäre man versucht mit ihm zu sagen C était pire qu un crime c était une faute schlimmer als ein Verbrechen ein Fehler Ab Dezember 1941 hatte Hitler mit dem Scheitern der Wehrmacht vor Moskau und dem Eintritt der USA in den Krieg das Vabanquespiel des Alles oder Nichts endgültig verloren Danach kam bis 1945 etwas anderes ich komme darauf zurück Zwar war Frankreich 1940 besiegt worden Großbritannien kämpfte danach mit Churchill weiter um das Empire zu sichern In seiner berühmten Antrittsrede vom 13 Mai 1940 Blut Schweiß und Tränen hatte er bereits implizit die bedingungslose Kapitulation Deutschlands gefordert die er im Januar 1943 in Casablanca als Forderung der offiziellen Politik der Alliierten durchsetzte Churchill wollte von Anfang an Deutschland als Rivalen diese Gefahr für das Empire wie er es sah ausschalten Die Weltgeltung Britanniens die historische Mission Londons und der angelsächsischen Völker in der Welt galt es für Churchill mit allen Mitteln zu bewahren Rivalen oder die man als solche wahrnahm mussten niedergerungen werden Das war nicht neu und war schon britische Politik gegenüber Frankreich unter Ludwig XIV im 17 und Napoleons I im 18 19 Jahrhundert gewesen Grundgedanke dieser Politik war die balance of power das Gleichgewicht der europäischen Mächte die London eine Schiedsrichterrolle in Europa und freie Hand auf den Weltmeeren gab Die Nachwelt wird sich in einigen Jahrhunderten kaum mit diesen Kriegschuldfragen aufhalten Vielleicht ordnet man in diesen zeitlichen Zusammenhang auch die sog Bush Doktrin ein die einen Präventiv Krieg rechtfertigt um eine Bedrohung von den USA abzuwenden zur Anwendung kam die Doktrin z B im Irak Krieg 2003 eine Bedrohung bestand objektiv nicht sie war konstruiert Schließlich weiß man seit dem Trojanischen Krieg dass der Raub der Helena zwar den offiziellen Kriegsgrund abgab dahinter aber andere Interessen standen die zu dem von Homer besungenen 10 jährigen Krieg um die Vorherrschaft am Bosporus führten Deutsche Politik mag zu Beginn des 20 Jahrhunderts nicht immer geschickt agiert haben Das Kernproblem war aber das Auftreten und Aufstreben einer neuen Macht in der Mitte Europas die das europäische Gleichgewicht störte Es gelang den europäischen Mächten nicht aus dieser heiklen Situation auf friedlichem Wege eine neue Balance zu finden So wurde der Konflikt auf traditionelle Weise mit den Waffen ausgetragen Die verheerenden materiellen und moralischen Schäden und Folgen hatte niemand voraus gesehen Anfang des 21 Jahrhunderts wird versucht daraus Lehren u a für den Umgang mit dem aufstrebenden China zu ziehen hoffentlich mit Erfolg Die Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse krankten von vornherein schon daran dass Stalins Schergen mit zu Gericht saßen Die Sieger haben 1945 in Nürnberg den Angriffskrieg und seine Vorbereitung zu einem neuen Straftatbestand erklärt Bis dahin galt der Satz nulla poene sine lege d h die rückwirkende Strafbarkeit war ausgeschlossen Die höchsten Funktionäre des Nazi Regimes wurden vom Internationalen Militärtribunal in Nürnberg verurteilt die meisten zum Tode Auf eine allgemein akzeptierte Definition des Angriffkriegs konnte sich die internationale Gemeinschaft freilich bis heute d h 60 Jahre nach Nürnberg nicht einigen Das Massaker an Zivilisten durch Bodentruppen ist ohne jede Frage ein Kriegsverbrechen Deutsche Kriegsverbrechen wie u a Oradour in Frankreich Lidice in der damaligen Tschechoslowakei in Polen und Russland wurden angeklagt und bestraft Derartige Verbrechen sind unter allen Umständen unnachsichtig zu verfolgen und zu sühnen Massaker aus der Luft wenn bei Luftangriffen Hunderte Tausende ja Zehntausende Zivilisten Frauen Kinder alte Männer umgebracht werden wie in Hamburg 1943 Dresden 1945 Hiroshima und Nagasaki 1945 aber ebenso wenn auch in erheblich kleinerer Größenordnung in Coventry Rotterdam und Warschau blieben in Nürnberg ungeahndet Aber Massaker bleibt Massaker insbesondere bei Flächenbombardements auf urbane Zentren Anklagepunkt waren in Nürnberg auch Verbrechen gegen die Menschlichkeit Die Vertreibung von rd 14 Millionen Deutschen aus den Ostgebieten in deren Verlauf 1 5 2 Millionen umkamen war ohne jeden Zweifel ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit fiel allerdings in den Augen der Sieger nicht unter diesen Tatbestand Notabene die Nazigrößen mussten nach 1945 natürlich in irgendeiner Form zur Rechenschaft gezogen und bestraft werden Unmittelbar nach Kriegsende war der Nürnberger Prozeß eine pragmatische Lösung rechtliche Probleme wie Rückwirkungsverbot Gleichbehandlungsgrundsatz und der Ruch von Siegerjustiz wurden in Kauf genommen um eine absolut gerechtfertigte Bestrafung indidueller Schuld zu begründen Der Holocaust spielte in Nürnberg eine eher nebensächliche Rolle ich komme auf den Holocaust zurück Die USA sind bis heute der Charta zur Errichtung des UN Strafgerichtshofs in Den Haag nicht beigetreten Sie drohen unverhüllt damit US Bürger sollten sie vor das Tribunal gestellt werden mit Gewalt zu befreien In diesem Zusammenhang wird von US Seite betont dass Nürnberg eben keinen Präzedenzfall geschaffen habe Freimütig wird nebenbei anerkannt das es sich lediglich um einen Akt der Zivilisierung von Siegerjustiz gehandelt habe z B George F Will The International Criminal Court A Court that is hostile to tue rule of law in International Herald Tribune v 12 07 2002 So besehen wird von den Nürnberger Prozessen keine Orientierung ausgehen sie sind kein Merkposten für die Nachwelt Kriegsverlauf und Judenmord Im Dezember 1941 blieb die Wehrmacht vor Moskau stecken die Sowjetunion konnte nicht überrannt und besiegt werden Am 11 Dezember 1941 erklärte Hitler den USA den Krieg die USA hatten schon zuvor Großbritannien und auch die Sowjetunion tatkräftig unterstützt Ab Dezember 1941 konnte der Krieg von Deutschland objektiv nicht mehr gewonnen werden Ein Sieg gleichzeitig gegen die USA die Sowjetunion und Großbritannien mit ihren Verbündeten war schlicht unmöglich Im gleichen Dezember 1941 fiel auch die Entscheidung zur koordinierten systematischen Ermordung der Juden im Machtbereich des 3 Reiches die dann auf der Wannsee Konferenz im Januar 1942 administrativ umgesetzt wurde dazu u a Saul Friedländer einer der weltweit renommiertesten Holocaust Forscher Interview in Der Spiegel 41 2007 S 214 Ende 1941 hatte sich der Krieg schon über 2 Jahre hingezogen die Juden waren seit 1933 ausgegrenzt drangsaliert und verfolgt worden Der Krieg und die Judenverfolgung bekommen mit dem Dezember 1941 aber eine neue fatale Dimension Die Vernichtung der Juden im Machtbereich der Nazis und die Fortsetzung und Steigerung des nicht zu gewinnenden verlorenen Krieges bis zum Kriegsende Mai 1945 müssen zusammen gesehen werden Sie sind die zwei Seiten derselben Medaille Der Dezember 1941 ist das Schlüsseldatum Nicht nur der zeitliche Zusammenhang der Entscheidungen spricht dafür Wer je in dramatischen existenziellen politischen Entscheidungssituationen stand und der Dezember 1941 war für Hitler mit Sicherheit eine solche wird sich dieser Einsicht nicht verschließen können Hitler hat die drohende Niederlage damals mehr als geahnt er blickte in den Abgrund Dafür spricht viel nicht nur Indizien wie u a die Rückzugspläne des deutschen Generalstabs aus Russland Ein politischer Hohlkopf war Hitler nicht im Machtpoker kannte er sich aus Sein kometenhafter Aufstieg vom einfachen Agitator zu Beginn der Weimarer Republik bis zum Russlandfeldzug 1941 spricht für sich Er musste sich der hoffnungslosen Lage nach dem Scheitern des Russlandfeldzuges im Dezember 1941 vor Moskau bewusst gewesen sein denn wiederholt hatte er betont dass es einen Zweifrontenkrieg wie im 1 Weltkrieg unbedingt zu vermeiden gelte weil er nicht durchzuhalten sei Auf der Gegenseite war sich Churchill seit Dezember 1941 absolut sicher dass er trotz Rückschlägen in den kommenden Jahren letztlich als Sieger aus dem Krieg hervorgehen würde Die drohende Niederlage vor Augen hat Hitler ein infernalisches Untergangs und Vernichtungsszenario in Gang gesetzt dessen Opfer nicht nur die Juden sondern das deutsche Volk und die Weltgeltung Europas werden sollten Die Juden in seinem Machtbereich konnte er physisch vernichten das deutsche Volk in einen Verzweiflungskampf stürzen und damit seine Existenz als Nation in Frage stellen Das britische Empire das schon im 1 Weltkrieg Risse gezeigt hatte würde den von Hitler ins Auge gefassten prolongierten Konflikt nicht überstehen In seinem Kampf gegen Hitler bis zur bedingungslosen Kapitulation Deutschlands spielte Churchill Hitler in die Hände weil er dem deutschen Durchhaltewillen bis zum Schluss 1945 mit der Forderung nach bedingungsloser Kapitulation eine wenn nicht die entscheidende Motivation gab Frankreich war ohnehin besiegt Am Ende der Kriegshandlungen würden Millionen Juden vernichtet Deutschland in Ruinen liegen und Europa als Machtfaktor in der Welt ausgelöscht sein Die Welt sollte ihn auch ohne Sieg nie vergessen Er würde einen Untergang inszenieren der sich in das Gedächtnis der Welt einbrennen sollte Wenn Hitler eine Gabe hatte dann die der politischen Inszenierung Er schuf Bühnen für die Politik die die Zeitgenossen immens beeindruckten ja hinrissen ob man das in späteren Zeiten nun unverständlich und eher komisch findet oder nicht so u a die Reichsparteitage die Olympischen Spiele 1936 Die Filme von Leni Riefenstahl legen noch heute Zeugnis davon ab Nicht alles war seine Erfindung Er kupferte bei Mussolini und bei Stalin ab schuf aber auch eigenes Die gigantischen Ausbaupläne für Berlin die er sich von Albert Speer entwerfen ließ dokumentieren seinen Inszenierungstrieb und willen Sie legen Zeugnis ab von einer Bauwut die für die Ewigkeit von ihm künden sollte Er wollte vor der Geschichte als einer der ganz Großen dastehen als einer von denen die man nicht vergisst Das Umkippen des Krieges im Dezember 1941 die drohende sichere Niederlage veränderte die Voraussetzungen Nur noch in der grandiosen Inszenierung des Untergangs konnte er zu jener Unsterblichkeit gelangen die er mit seinen Bauten nicht mehr erreichen konnte Den millionenfachen Mord an den Juden würden die Juden in der Erinnerung wach halten die außerhalb seines Machtbereichs lebten so wie die Juden u a die Flucht mit Moses aus Ägypten die Verschleppung an die Ufer von Tigris und Euphrat im 6 Jahrhundert v Chr festgehalten und in unvergesslichen Metaphern tradiert hatten Vgl Holocaust Folge von Hitlers Ruhmsucht in www guntram von schenck de Die Deutschen wiederum würden sich jahrhundertelang fragen wie es möglich war dass sie bis zum Schluss für eine Sache kämpften die ihr eigener Untergang war materiell und moralisch Hitler sah übrigens voraus dass die Deutschen nach dem Krieg unmittelbar vom Hosianna auf das Kreuzige ihn übergehen würden Europa und die Welt würden sich auch noch nach großem zeitlichen Abstand über diese Zeit beugen weil sie das Ende einer der glanzvollsten Perioden der

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