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  • Bonn 1948/49
    Zeit die Bonner noch ganz konkret Wiedergutmachung Rückerstattung Entnazifizierung und Prozesse gegen NS Verbrecher waren heftig diskutierte Themen Während in den nächsten Jahren die Entschädigung von bestimmten NS Verfolgten auf eine klare gesetzliche Grundlage gestellt wurde konnten NS Täter in immer stärkeren Maße von Amnestien profitieren In den Jahren 1948 bis 1950 sah Bonn drei Großveranstaltungen zum Gedenken an die Opfer des NS Regimes Vor dem Hintergrund des Kalten Krieges geriet die größte Verfolgtenorganisation die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes VVN wegen des Vorwurfs sie sei eine kommunistische Tarnorganisation ins politische Abseits und NS Täter Die Jahre 1948 49 stellten den Höhepunkt der juristischen Auseinandersetzung mit den Bonner NS Tätern dar Die Synagogenbrandstifter der Gestapo Chef Müller und der NSDAP Kreisleiter Eichler wurden zur Verantwortung gezogen Insgesamt kam es aber nur zu wenigen Prozessen gegen die Verantwortlichen und auch die flächendeckende Entnazifizierung die 1945 46 begonnen hatte verlief im Sande Kommunalwahl 1948 Bis zur Kommunalwahl im Oktober 1948 bestimmte die CDU mit ihrer absoluten Mehrheit die Geschicke der Stadt In vielen Bereichen gab es durchaus eine fruchtbare Zusammenarbeit mit anderen Parteien Die Besetzung der Entnazifizierungsausschüsse das drohende Haushaltsdefizit der Stadt Bonn und die Ernährungsnot führten zu Konflikten zwischen CDU und SPD Einigkeit demonstrierten die Parteien bis auf die KPD in einem Punkt Sie plädierten alle für Bonn als Bundeshauptstadt Das Wahlergebnis stellte eine herbe Enttäuschung für die CDU dar Sie war nunmehr auf einen Koalitionspartner angewiesen Die Hoffnungen der SPD als Partei der sozialen Tat eben diese Funktion zu übernehmen zerschlugen sich In Bonn etablierte sich eine CDU FDP Koalition die in den folgenden Jahren die Kommunalpolitik bestimmte Bonn wird Hauptstadt Die feierliche Eröffnung des Parlamentarischen Rates im Museum Koenig fand unter lebhafter Anteilnahme der Bonner und Bonnerinnen statt Die Arbeitssitzungen der Parlamentarier in der ehemaligen Pädagogischen Akademie wurden dagegen in weiten Teilen der Bevölkerung kaum wahrgenommen Die Menschen hatten mit den Problemen des Alltags zu kämpfen die große Politik kümmerte sie wenig Die Aussicht daß ihre Stadt zukünftiger Regierungssitz werden könnte erfüllte sie jedoch mit Stolz Zudem erhoffte man sich dadurch eine weitere Belebung der Bonner Wirtschaft Der Optimismus überwog nur wenige befürchteten Preissteigerungen und eine Verschärfung der bestehenden Wohnungsnot Die großen politischen Entscheidungen des Jahres 1949 wurden in der Bevölkerung gebührend gefeiert Schon fühlte man sich als richtiger Hauptstädter Wirtschaft und Arbeit In der unmittelbaren Nachkriegszeit hatte die Bonner Wirtschaft darunter gelitten daß Rohstoffe rar und Absatzmärkte knapp waren Darüber hinaus war sie starker Reglementierung durch die britische Besatzungsbehörde ausgesetzt Erst nach der Währungsreform setzte auch in Bonn ein Aufschwung ein von dem viele Betriebe profitierten Die Stadt Bonn gründete ein Amt für Wirtschaftsförderung um so den Aufbau und die Neugründung von Firmen zu fördern Die Entwicklung Bonns zur Bundeshauptstadt gab weitere Impulse Dennoch verringerten sich die Arbeitslosenzahlen nur allmählich 1949 schwankten sie im Arbeitsamtsbezirk Bonn zwischen 3 und 5 4 Prozent Wiederaufbau Mit der Beseitigung der immensen Kriegsschäden in Bonn war schon bald nach Kriegsende begonnen worden doch erst nach der Währungsreform kam der Wiederaufbau richtig in

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  • Zwangsarbeit
    an anderen Orten eingesetzt zu werden KZ Häftlinge Erst sehr spät etwa seit Mitte 1942 ging die SS dazu über Häftlinge ihrer Konzentrationslager in Industriebetrieben und in Baubrigaden vor allem für Rüstungsprojekte einzusetzen KZ Häftlinge stellten die mit Abstand am stärksten unterdrückte Gruppe unter den Zwangsarbeitern dar Die Sterblichkeit unter ihnen war extrem hoch Vernichtung durch Arbeit Dies lag nicht nur an der völlig unzureichenden Versorgung und den menschenverachtenden Arbeitsbedingungen sondern auch an der Brutalität ihrer Bewacher deren Misshandlungen sie hilflos ausgeliefert waren Auf dem Gebiet der heutigen Stadt Bonn gab es keine reguläre KZ Außenstelle Nach den bislang bekannten Informationen sind hier bis auf ganz wenige Einzelfälle Angehörige der III SS Baubrigade in Bad Godesberg keine KZ Häftlinge zur Arbeit eingesetzt worden Die Situation in Bonn Die Zahl der in Bonn eingesetzten Zwangsarbeiterinnen und arbeiter war verglichen mit Städten ähnlicher Größe relativ gering Der Grund hierfür ist das Fehlen bedeutender Industriebetriebe Die wichtigsten Unternehmen die einen Großteil der Zwangsarbeiter im Bonner Raum beschäftigten waren die Vereinigten Aluminiumwerke im Bonner Norden die Wesselwerke in Poppelsdorf und im Bonner Westen die Firma Moeller am Bonner Güterbahnhof die Firma Soennecken in Poppelsdorf die Jutespinnerei und die Firma Marquardt in Beuel sowie die Ringsdorffwerke und die Chamotte und Dinaswerke in Bad Godesberg Mehlem Diese Firmen unterhielten für ihre Zwangsarbeiter eigene Lager z B das Lager Anton der Ringsdorffwerke oder das Lager Anuschka der Firma Moeller Neben den firmeneigenen Lagern existierten etliche Gemeinschaftslager die meist in den Sälen von Gastwirtschaften eingerichtet waren Hier waren überwiegend Arbeiter der kleineren Unternehmen und Handwerksbetriebe untergebracht Die damals für den Raum Bonn noch wichtige Landwirtschaft beschäftigte ca 15 aller Zivilarbeiter die in der Regel direkt auf den Höfen wohnten Für die Struktur Bonns typisch war die große Zahl der Hausgehilfinnen fast jede dritte Zwangsarbeiterin ungefähr 10 aller Zivilarbeiter war als Dienstbotin tätig Die geographische Lage war eine der Ursachen für die vergleichsweise sehr hohe Zahl von Niederländern Belgiern und Luxemburgern in Bonn Mehrere hundert Niederländer lebten bereits vor dem Krieg in Bonn und stellten hier die einzige zahlenmäßig bedeutende Ausländergruppe dar Aus welchen Ländern kamen Zwangsarbeiter nach Bonn Die ersten Zwangsarbeiter trafen noch vor Kriegsbeginn in Bonn ein Es waren Tschechen aus dem Protektorat Böhmen und Mähren das nach der Zerschlagung der Tschechoslowakei entstandenen war Auch aus der mit dem Deutschen Reich verbündeten Slowakei kamen Arbeitskräfte diese allerdings offenbar freiwillig Polnische Zivilarbeiter wurden seit Anfang 1940 in größerer Zahl seit Sommer 1940 nach Bonn verschleppt Hier befanden sich schon seit Ende 1939 kriegsgefangene Polen von denen viele im Lauf des Jahres 1940 in den Zivilstatus entlassen wurden Mehr als die Hälfte aller Polen in Bonn wurde in der Landwirtschaft eingesetzt Nach den Erfolgen der Wehrmacht im Westen kamen von dort seit 1940 vereinzelt seit 1942 in großer Zahl Niederländer Belgier und Franzosen Viele Franzosen waren ehemalige Kriegsgefangene die unter der Bedingung beurlaubt wurden dass sie sich als Zivilarbeiter verpflichteten Auffällig ist die verhältnismäßig große Zahl von Luxemburgern in der Stadt Bonn Sie scheinen jedoch überwiegend freiwillig gekommen zu sein Der Krieg auf dem Balkan seit Frühjahr 1941 erschloss ein weiteres Arbeitskräftereservoir das die Deutschen ausnutzen konnten Aus dem neu entstandenen vom Deutschen Reich abhängigen Kroatien dem weite Teile Bosniens und Serbiens zugeschlagen wurden kamen Zivilarbeiter im Bonner Raum wurden sie vor allem in Bad Godesberg eingesetzt Aus den unter deutscher Militärverwaltung stehenden Gebieten des ehemaligen Jugoslawien wurden überwiegend serbische Kriegsgefangene nach Bonn gebracht Als der Krieg gegen die Sowjetunion sich langwieriger als erwartet gestaltete holte das NS Regime trotz ideologischer Bedenken auch von dort Arbeitskräfte in großer Zahl nach Deutschland Nach Bonn kamen vor allem Ukrainer daneben auch Russen und Weißrussen sowie einige wenige Balten Aus dem anfangs verbündeten faschistischen Italien hatten sich noch vor Kriegsbeginn zahlreiche Männer zur Arbeit in Bonn besonders in den Aluminiumwerken verpflichtet Während des Krieges kehrten fast alle in die Heimat zurück Ab 1943 kamen mehrere hundert Militärinternierte nach Bonn deren Status überwiegend im September 1944 in den von Zivilarbeitern umgewandelt wurde Im letzten Kriegsjahr wurden zudem aus den von der Wehrmacht kontrollierten Gebieten Italiens Zivilisten nach Bonn verschleppt Ungefähr 10 000 zivile Zwangsarbeiter in Bonn Die großzügige Spende einer Bonner Bürgerin ermöglichte es dem Bonner Stadtarchiv im Rahmen eines Projektes die vorhandenen Unterlagen vornehmlich die alten Melderegister auszuwerten um so hilfesuchenden ehemaligen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern die Auskünfte geben zu können die für deren Entschädigungsanträge notwendig sind Im Rahmen dieses Projektes konnten bislang namentlich ermittelt werden 2 052 Sowjetbürger 1 207 Polen 1 346 Holländer 1 069 Belgier 283 Luxemburger 1 375 Franzosen 609 Italiener 129 Tschechen 57 Slowaken 132 Kroaten 64 Serben sowie 247 Personen anderer oder ungeklärter Nationalität Bei all diesen Personen handelte es sich um Zivilarbeiter denn Kriegsgefangene unterstanden der Wehrmachtsaufsicht und wurden nicht von den kommunalen Meldeämtern registriert Die überlieferten Meldeunterlagen sind bedauerlicherweise nicht vollständig Während das Material für den Stadtbezirk Bonn nahezu komplett vorliegt ist die Quellenlage für Bad Godesberg und besonders für Beuel sehr viel schlechter Berücksichtigt man diese Situation und rechnet die Zahlen entsprechend hoch so ergibt sich eine ungefähre Gesamtzahl von 10 000 zivilen Zwangsarbeitern die während des Krieges im Gebiet der Stadt Bonn eingesetzt waren Davon waren bis zu 10 meist Niederländer Belgier und Luxemburger ursprünglich freiwillig nach Bonn gekommen Die höchste Zahl von gleichzeitig in Bonn anwesenden Zwangsarbeitern wurde im Herbst 1944 mit ca 7 000 Personen erreicht beim Einmarsch der Amerikaner im März 1945 war diese Zahl auf ca 5 000 gesunken Frauen stellten knapp ein Drittel der Zwangsarbeiter Bei den Ostarbeitern war dieses Verhältnis genau umgekehrt Fast doppelt so viele Frauen wie Männer kamen aus der Sowjetunion Bei ihnen fällt auch das gegenüber anderen Nationalitäten durchschnittlich deutlich niedrigere Lebensalter auf Die meisten der Frauen waren beim Zeitpunkt ihrer Deportation keine 18 Jahre alt manche gerade erst 14 Auffällig ist auch der Umstand dass sehr viele Zwangsarbeiter aus den gleichen Regionen stammen von wo aus sie offenbar in geschlossenen Gruppen nach Bonn gebracht worden sind Herkunftsorte die immer wieder auftauchen sind z B Zdunska Wola in Polen Artemowsk Stalino vorher Jusowka heute

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  • "Liederliche Dirnen"
    21 11 03 zurückgesandt mit dem Bemerken daß die Prostituiertenabteilung der Hautklinik die etatmäßig 10 Betten III Cl umfaßt z Zt von 18 Patientinnen belegt ist und zwar durchgehend von solchen die auf Kosten der Stadt Bonn verpflegt werden Die H ist nur deswegen aufgenommen worden weil wie dem vorführenden Criminalbeamten ausdrücklich erklärt wurde mit Rücksicht auf eine voraussichtlich erforderliche Begutachtung ihrer nicht ganz sichergestellten Erkrankung eine regelmäßige Beobachtung nötig erschien Die W die schon einmal die Klinik durchs Dach verlassen hat würde zudem wie sie auch selbst ankündigte auch jetzt kaum länger als 24 Stunden in der Klinik zu halten gewesen sein Elise W an den Bonner Oberbürgermeister Bonn den 22 11 03 Ich möchte dringend bitten um Abhilfe da ich schon in der dritten Woche hier im Männerasyl bin ohne reine Wäsche zu bekommen und ohne Freigang hier auf einem Zimmer eingeschlossen wie im Gefängnis sitze Und wen ich krank bin so gehöre ich in ein Krankenhaus und nicht in das alte Männerasyl Ich möchte nochmals bitten daß ich von einem anderen Arzt untersucht werde der Dr Grufen in der Klinik ist mir nicht maßgebend da er mich auf dem 1 August dieses Jahres auch festgehalten hat und ohne eine Behandlung bin ich in dem selben Tage durchgebrannt und kam 4 Tage später in Cöln zum Arzt und der hat nichts an mir gefunden und habe bis jetzt stets die Kontrolle passiert in Cöln und bin noch nicht für krank befunden worden Sogar am 5 November war ich noch zur ärztlichen Untersuchung und fuhr Abends nach Bonn weil ich hier was zu erledigen hatte und wurde als ich im Bahnhof war und nach Cöln fahren wollte mitgenommen und hier zur Klinik geführt Da war ich krank Wenn der Herr Oberbürgermeister das vielleicht nicht glauben will so möchte ich bitten daß er sich nach Cöln nach der Sittenpolizei wendet Die Controllbücher sind die Beweise Ich möchte bitten daß ich hieraus komme entweder zur Klinik oder nach Cöln da ich in Cöln unter Kontrolle stehe und nicht hier Ich möchte bitten daß ich sofort von einem anderen Arzt untersucht werde weil der Dr Grufen sich ausgedrückt hat es würde noch Monate lang dauern bis ich gesund wäre Dann sollen sie mich wenn sie viel Geld haben zur Klinik thun mich dort so lang behalten aber hier kann ich nicht mehr bleiben Wenn mir keine Abhilfe gemacht werde so weiß ich mich woanders hin zu wenden Das ist Freiheitsberaubung einen so einzuschließen auf ein Zimmer Ich bin doch nicht in Strafe Wenn ich krank bin so gehöre ich ins Krankenhaus Ich möchte bitten um Abhilfe sofort Anzeige des Verwalters des Bonner Männerasyls Johann S Bonn den 25 11 03 Die seit dem 7 11 03 hier im Männerasyl wegen Geschlechtskrankheit untergebrachte Dirne Else W ist heute Nachm gegen 6 00 Uhr entflohen Die Genannte hat die Schrauben der Türventilation gelöst bzw durch Entfernen des Holzes freigelegt wodurch sich die ganze Ventilation wegnehmen ließ Hierdurch entstand eine Öffnung von ca 40 ctm Höhe und 70 ctm Breite durch welche die W auf den Korridor und über diesen nach dem Ausgange gelangte Da die beiden Gartentüren verschlossen waren ist die Weiß über die Mauer geklettert die auf der Innenseite nur eine Höhe von 1 20 m hat wogegen dieselbe auf der Außenseite ca 3 m hoch ist Der Anstaltswärter hat die W an seinem Fenster vorbeilaufen sehen konnte dieselbe aber trotz der sofortigen Verfolgung nicht mehr erreichen da sie in der Dunkelheit verschwunden war Die W bewohnte in der III Etage ein Zimmer welches durch eine Tür mit dem Nebenzimmer verbunden war Auch von dieser Türe hat die Beschuldigte das Schloß entfernt konnte aber nicht heraus da diese Türe von außen durch ein Brett verriegelt war Von den Arbeiten an der Ventilation die anscheinend mit einem Messer ausgeführt worden sind ist in der Anstalt nichts gemerkt worden Die Wiederherstellungskosten werden ca 10 00 M betragen Polizeiverwaltung Bonn an das Polizeipräsidium Köln Bonn den 2 12 03 Die hierselbst sowie in Cöln unter Sittenkontrolle stehende Amalie W wurde da sie für geschlechtskrank befunden wurde zwangsweise in ärztliche Behandlung gegeben Dieser Behandlung hat sich die W ohne daß sie geheilt war am 25 v Mts durch die Flucht entzogen Da anzunehmen ist daß die Genannte sich nach Cöln begeben hat wo sie seit einigen Monaten wohnt mache ich von Vorstehendem ergebenst Mitteilung Antwort Köln den 4 12 03 Die W gelangte am 2 D Mts von Bonn kommend hier für Königsplatz 7 zur Anmeldung und hat sich am 3 D Mts zur ärztlichen Untersuchung gestellt bei der sie gesund befunden wurde Polizeiverwaltung Bonn an den Direktor der Kliniken 9 12 03 Der Herr Polizei Präsident zu Cöln teilt mir mit daß die W bei der am 3 dieses Monats vorgenommenen ärztlichen Untersuchung gesund befunden worden sei Dieser Befund entspricht der Behauptung der W daß sie nicht an einer ansteckenden Krankheit leide Da bei dieser Sachlage mit ziemlicher Gewißheit zu erwarten ist daß die W Beschwerde erheben wird ersuche ich ergebenst mir eine Äußerung über die Krankheit der Genannten zukommen zu lassen Antwort von Dr Grouven Bonn den 10 12 03 zurückgesandt mit dem ergebenen Bemerken daß ich s Zeit bei der W alle Anzeichen von Tripper Eiter und Trippererreger in der Harnröhre und dem Gebärmutterhals nachgewiesen habe Wenn dieser Nachweis bei einer späteren Untersuchung nach einer mehrwöchentlichen Behandlung der Erkrankung nicht mehr gelungen ist so beweist dies nicht einmal daß die W ganz gesund ist geschweige denn daß sie es früher war Vermerk von Dr Dreyer Arzt im Kölner Polizeigefängnis Köln den 18 12 03 Die Dirne W ist von mir 2mal gestern und heute im Gefängnis auf Tripper untersucht worden Die Untersuchungsverhältnisse waren gestern insofern besonders günstig als heute die Periode begann Doch habe ich gegenwärtig weder klinisch noch bakteriologisch die Zeichen bezw die Erreger des Trippers im Cervikal oder Urethralsekret feststellen können Im Fall von Anna P die 1901 wegen Unzucht inhaftiert und in der Klinik wegen einer Geschlechtskrankheit behandelt worden war verfuhr

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  • "Die getauften Meyers"
    verlassen und sich einer ungewohnten reglementierten Lagergemeinschaft anpassen Die psychischen Belastungen führten bei einigen schon vor der Internierung zum plötzlichen Tod Andere wählten bewusst den Ausweg des Freitodes wie z B der Mathematikprofessor Felix Hausdorff Anna Meyer zog dieselbe Konsequenz Als sie am Tage nach ihrem 70 Geburtstag den Deportationsbefehl von der Gestapo erhielt nahm sie sich mit einem Schlafmittel das Leben Um keine weiteren Schwierigkeiten zu bekommen beschloss man den Selbstmord nicht offiziell zu melden Der herbeigerufene Arzt spielte mit Durch ihren Selbstmord entzog sich Anna Meyer dem Schicksal ihrer Geschwister Eine ihrer Schwestern kam in einem polnischen Konzentrationslager ums Leben Eine weitere Schwester überlebte zwar das Ghetto Theresienstadt starb aber kurz darauf an Fleckfieber Otto Meyer der promovierte Jurist einstiger Miteigentümer und kaufmännischer Leiter der weltbekannten Fahnenfabrik war seit Kriegsbeginn immer stärkeren Repressionen ausgesetzt Seit 1939 ohne Arbeit wurde er 1943 vom Arbeitsamt zwangsverpflichtet und bei der städtischen Müllabfuhr eingesetzt Hier musste er aus dem Abfall der Stadt Altpapier und Blechdosen herauszusuchen 6 Die Photos aus jener Zeit belegen seinen Arbeitseinsatz aber sie täuschen den Betrachter über seine Härte hinweg Der freundlich lächelnde Otto Meyer hatte schwere insbesondere aber ungesunde Arbeit zu verrichten Meyer schreibt in seinen Erinnerungen hierzu Diese Tätigkeit war äußerst ungesund und sollte zu Erkrankungen führen Nachdem ich von Mai 1943 bis April 1944 dort gearbeitet hatte trat die Erkrankung in Form einer Lungenentzündung ein der sich eine Herzmuskelschädigung anschloss so dass ich von April bis September 1944 erkrankt war 7 Im September 1944 wurde nunmehr die letzte Phase der NS Judenverfolgung eingeleitet Während die deutschen Städte allmählich in Schutt und Asche gebombt wurden während die Bevölkerung in Not und Chaos leben musste arbeitete die Gestapo Bürokratie zielstrebig weiter Die Verfolgung richtete sich jetzt auch gegen die noch in Mischehen lebenden Juden und Personen deren Großeltern Juden waren Mischlinge I Grades In Bonn begann diese Aktion am 12 September Die in einer Mischehe lebenden Ehepartner deren Kinder und die sog Halbjuden in Bonn ein Personenkreis von etwa 300 Personen hatten sich auf Vorladung entweder an diesem Tag oder eine Woche später im Gestapogebäude im Kreuzbergweg einzufinden Von dort wurden die Transporte zusammengestellt mit dem Ziel Müngersdorfer Lager in Köln Anfang Oktober wurden sie von hier aus zum Arbeitseinsatz in den Raum Kassel Leipzig verbracht der arische Ehepartner hatte den Gau Köln Aachen zu verlassen Nicht wenige der zur Zwangsarbeit verpflichteten Juden wurden später noch in Konzentrationslager deportiert mindestens sieben dieser verschleppten Bonner sind dort umgekommen Viele jedoch nutzten die zunehmend chaotische Kriegssituation zur Flucht Für sie wurden die Monate zwischen Oktober 1944 und März Mai 1945 die Zeit der Illegalität mit all ihren Konsequenzen für Versorgung und Unterkunft Kellerräume Dachböden Hütten oder wie in einem Falle ein kleiner Erdbunker am Venusberg wurden jetzt Zufluchtsorte im heraufziehenden Winter den es ohne Lebensmittelkarten zu überstehen galt Aber es war nicht nur die Zeit des illegalen Lebens sondern auch des vielfach anonymen Helfens Auch Otto Meyer bekam am 12 September die Vorladung sich bei der Bonner Gestapo zu

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  • "...tranken dünnen Kaffee und aßen Platz dazu"
    1918 Spurenlos III Plätze Straßen Häuser Der Frankenplatz Bei uns hieß der ja immer der Adolfplatz Chronik einer Straßenumbenennung Ma r xstraße Ein ehemaliges Gefängnis Bestraft wird unerlaubtes Entfernen IV Arbeit Die Ostersche Gasfabrik Es werde Licht auch des Nachts Provinzial Heil und Pflegeanstalt 1882 1933 Freie Zeit gab es damals kaum 100 Jahre Industrie C Gerhardt Arbeiten in einer Orgelbaufirma es handelt sich nicht um ein Riesenunternehmungen V Kind

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  • Die Ausstellung Vernichtungskrieg
    Vernichtungskrieg Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944 in Bonn vom 29 9 1 11 1998 Eine Dokumentation Hrsg Bonner Geschichtswerkstatt Bonn 1999 79 S 3 00 Inhalt Vorwort Reden anläßlich der Eröffnungsveranstaltung am 29 September 1998 in der Bonner Beethovenhalle Grußwort von Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann Ansprache von Ministerpräsident a D Johannes Rau Ansprache von Prof Jan Philipp Reemtsma Das Begleitprogramm zur Ausstellung Die Organisation der Ausstellung in Bonn Reaktionen Leserbriefe

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  • "Es treibt mich die Nötigung des Lebens..."
    kaiserlichen Bonn Wie Einheimische zu Fremden gemacht werden 2 Arbeit in Bonn Zur Geschichte der Ausländerbeschäftigung vor 1914 Die Beueler Jutespinnerei Die ersten italienischen Eishändler gute Waare in denkbar reinlichsten Gefäßen Angeworben für die Bonner Wirtschaft Fortschrittliche Unterkünfte gute Gastarbeiter Türkische Unternehmen in Bonn von der Türkei her unabhängiges Arbeiten gewohnt 3 Fluchtziel Bonn Flüchtlinge der Französischen Revolution in Bonn allen ausgewanderten Franzosen der Aufenthalt verboten seyn solle Vertriebene und Flüchtlinge in Bonn nach 1945 Zweite Heimat Bonn Flüchtlinge heute Politisch Verfolgte genießen Asylrecht 4 Verschleppt nach Bonn Kriegsgefangene Polen in Bonn und Umgebung im II Weltkrieg Hardthöhe einmal anders Displaced Persons Entheimatete Personen im Duisdorfer Ausländerlager 5 Vertrieben aus Bonn Sinti und Roma in der Region Bonn Aufenthalt hat hier keine derartige Familie genommen Ausweisungen aus Bonn Lästige Ausländer und Ausländerinnen Libertäre Sozialisten in der Kaiserzeit Vom anarchistischen Gedanken befallen Ostjuden in Bonn Kein wünschenswerter Zuwachs im nationalen Sinne Das Schicksal der Familie Karpel Abgeschoben nach Polen am 28 10 1938 6 Bonner in der Fremde Amerika Auswanderer aus dem Bonner Raum im 19 Jahrhundert Es treibt mich die Nötigung des Lebens Karl Schurz Gottfried und Johanna Kinkel im Exil Zwischen Revolution und Resignation Balduin Möllhausen Der Traum von

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  • "Die Beueler Seite ist nun einmal die Sonnenseite ..."
    Herz soll ruhen im Vaterland im Winde der blauen Sieg Ehe und Familienstreitigkeiten im Spiegel Beueler Polizeiakten meine schönsten Jahre habe ich bei dir verhundst bekommen Sozialdemokratische Anfänge und stattliche Repression in Beuel hat sich in diesem Bezirke in keiner Weise bemerkbar gemacht Das Asyl für Geisteskranke zu Pützchen 1866 1920 Der Irrsinnige gehört auf der Höhe seiner Krankheit dem Arzte 2 Die Weimarer Republik Krisen statt Neuanfang Der Separatistenputsch in Beuel überhaupt ein wüstes Schreckensregiment errichtet Die Bürgervereinigung Beuel Süd 1929 1933 Beueler Heilsbringer Zur Geschichte der Kommunistischen Partei in Beuel An die revolutionäre Arbeiterschaft von Beuel Aus den Anfangsjahren der Beueler NSDAP scheinbar auf dem Aussterbeetat 3 Beuel im Nationalsozialismus Täter und Opfer Otto Klamp Erster Beigeordneter und stellvertretender Bürgermeister der typische nazistische Ortsgruppenleiter Lorenz Hoffstätter Ordensfabrikant Einer der ersten Gefolgsmänner Adolf Hitlers am Rhein Fotos polnischer Zwangsarbeiterinnen aus Beuel guck wie ich erwachsen und gesund aussehe Schicksale Beueler Juden und Jüdinnen Ihr weiterer Aufenthalt im Reichsgebiet ist unerwünscht 4 Arbeit und Industrie Wäscherinnen und Weiberfastnacht Schrubben und Schunkeln Beuelerinnen und ihre Bütt Zwei Frauen berichten über Leben und Arbeiten in der Jute Kolonie Es war ne arme aber ne gute gute Zeit Hans Troullier und die Beueler

    Original URL path: http://www.bonner-geschichtswerkstatt.de/index.php/publikationen/50-qdie-beueler-seite-ist-nun-einmal-die-sonnenseite-q (2016-02-17)
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